Nambias noch nicht entdeckter Norden – die Ovambo-Region

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Die Ovambo-Region nördlich der Etosha-Pfanne ist eines der am dichtesten besiedelten Gebiete des Landes. Etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung Namibias lebt hier. Die Landschaft ist geprägt von flachen, sandigen Ebenen, auf denen die für die Region typischen Makalani-Palmen, Mopane- Sträucher, Marula-Bäume und die riesigen Baobab-Bäume wachsen. Der Tourismus steht noch am Anfang der Entwicklung. Dafür ist die Ovambo-Region authentisch afrikanisch: Ziegen, Esel und Rinder blockieren den Verkehr auf den Straßen, Menschen treffen sich in den lokalen Kneipen auf ein Bier oder einen selbstgebrannten Schnaps und auf den lebhaften Märkten werden Mopane-Würmer, knallpinke Kleidung und Kalahari-Salz unter die Leute gebracht.

Der Name „Ovambo“ umfasst zwölf Stammesgruppen, die in Nordnamibia und Südangola leben

Traditionell wurde jede der Stammesgruppen von einem König angeführt, der von mehreren Vorstehern unterstützt wurde. Wurden die Königreiche während der südafrikanischen Besatzung aufgelöst, sind die traditionellen Führer heute in beratender Funktion wieder Teil des politischen Systems und werden bei kleineren Streitigkeiten in den Dörfern zurate gezogen. Die Ovambo wohnen traditionell in Siedlungen, Kraal genannt, die von einem Holzzaun aus hohen Ästen umschlossen sind. Innerhalb des Zauns befinden sich die runden, mit Stroh gedeckten Hütten. Männer und Frauen leben in getrennten Bereichen. Auch wenn die Siedlungen eher einem kleinen Dorf gleichen, lebt in jedem Kraal nur eine große Familie. Als Selbstversorger arbeiten die Ovambo als Kleinbauern und Viehzüchter. Heute zieht es sie allerdings eher in die größeren Gemeinden und Städte wie Oshakati, Ongwediva oder Ondangwa.

Uukwaluudhi Royal Homestead in Tsandi

Rund 40 Kilometer südlich von Outapi, etwas außerhalb des kleinen Ortes Tsandi, liegt die traditionelle Siedlung von Stammesführer König Omukwaluudhi Tatekulu Josia ya Shikongo tsha Taapopi und Königin Liisa Nadjala Taapopi. Das Uukwaluudhi Royal Homestead ist ein Ovambo-Wohnkomplex mit mehreren Versammlungsplätzen und Rundhütten, die im Kraal-Stil erbaut wurden. Der König wohnt mit seiner Familie längst in einem Neubau nebenan, die alte Residenz kann jedoch besichtigt werden. Bei einer Führung wird Besuchern das Labyrinth aus Gängen und Hütten sowie die strenge Etikette genau erklärt. Sofern der König zu Hause ist, erzählt er den Besuchern die Geschichten der Ovambo – oder berichtet von seinen Reisen nach  Deutschland. König Taapopi und seine Frau sind nämlich waschechte Deutschland-Fans.

Ombalantu Baobab Tree in Outapi

Kein Zweifel – der Baobab ist der König der Bäume. Der mächtige Stamm, die riesige Blätterkrone und das imponierende Alter erfüllen Betrachter mit Ehrerbietung. In Outapi steht ein ganz besonderes Exemplar. Der Ombalantu Baobab Tree begleitet die Menschen schon seit Jahrhunderten in ihrem Leben. Einst diente der etwa 750 Jahre alte Baum dem Ombalantu-Stamm als Zufluchtsort bei Stammeskämpfen. Sie versteckten sich im Inneren des massiven Stammes. Später war der Baum ein Gefängnis, im Jahr 1940 wurde er zu einem Postamt umfunktioniert.  Heute befindet sich in dem Hohlraum eine kleine Kapelle mit einem Pult und drei Holzbänken. Eng beieinander sitzend passen etwa 15 bis 20 Leute hinein. Früher fanden sogar noch mehr Menschen in dem hohlen Stamm Platz. Doch mit zunehmendem Alter wird aufgrund des Wachstums auch der Hohlraum immer kleiner. Im Jahr 2011 wurde der Ombalantu Baobab Tree zu einem nationalen Denkmal erklärt. Besucher erhalten in dem angeschlossenen Heritage Centre nicht nur Souvenirs, sondern auch allerhand Informationen über den Baum und seine bewegende Geschichte.

Das beste Licht für Aufnahmen gibt es morgens oder abends, hier ist früher Nachmittag. Foto: Ingo Paszkowsky
Der Köcherbaum ist eher im Süden von Namibia anzutreffen. Foto: Ingo Paszkowsky

Nakambale Museum in der Nähe von Ondangwa

Das Nakambale Museum befindet sich in der ehemaligen finnischen Missionsstation Olukonda in  der Nähe der Stadt Ondangwa. Die liebevoll gestaltete Ausstellung im Missionshaus beschäftigt sich zum einen mit der Kultur der Ovambo, zum anderen mit dem Leben und Wirken des evangelischen Missionars Martti Rautanen. Der Finne Rautanen wurde 1880 Missionar der gerade erst gegründeten Station und initiierte den Bau der ältesten christlichen Kirche Nordnamibias, die sich direkt neben dem Wohnhaus Rautanens befindet und im Jahr 1889 fertig gestellt wurde. Zum größten Verdienst Rautanens zählt jedoch sicherlich die Übersetzung der Bibel in die Sprache Oshindonga, den Dialekt des Ndonga-Stammes der Ovambo. Dazu nutzte er ein eigens entwickeltes Kartei-System, dessen Original sich noch heute im Museum befindet. Namensgeber des Museums ist übrigens ebenfalls Martti Rautanen, der von den Ndonga immer nur „Nakambale“ genannt wurde. Grund dafür war der große Krempenhut von Rautanen, der umgedreht dem gleichnamigen Flechtkorb der Ovambo („Okambale“) ähnlich sah.

Ongula Village Homestead Lodge

Bei einer Reise durch die Ovambo-Region darf ein Aufenthalt in der Ongula Village Homestead Lodge nicht fehlen. Die Lodge wurde zwischen den Städten Ondangwa und Eenhana direkt neben einem aktiven Ovambo-Homestead errichtet. Auf Wunsch finden Führungen durch das traditionelle Homestead statt, bei der die Besucher nicht nur Informationen zur Lebensweise der Ovambo erhalten, sondern auch lernen, welche endemischen Pflanzen in der Region wachsen und welche Rolle sie im Alltag der Menschen spielen. Gezeigt wird zum Beispiel, wie Marula-Öl und der traditionelle Schnaps Ombike hergestellt werden. Selbst Hand anlegen können Gäste beim Mahlen der Mahango-Hirse, beim Korbflechten oder Töpfern. Im nahegelegenen Dorf besteht die Möglichkeit mit den Locals ein Feierabendbier in einer der typischen Kneipen, den Shebeens, zu trinken. Zeit vertreiben kann man sich auch bei einer Runde afrikanischem Schach. Das Spiel heißt Owela und besteht aus einer Beton- oder Steinplatte mit vier Reihen, in die kleine Mulden für die Spielsteine eingelassen sind. Mithilfe von kniffeligen Strategien versuchen die Spieler so viele Steine wie möglich vom gegnerischen Team zu erobern.


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Die Unterbringung in der Ongula Village Homestead Lodge erfolgt in runden, reetgedeckten Bungalows, die modern eingerichtet sind und alle Annehmlichkeiten bieten. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Thema Upcycling. Alte Blechfässer wurden gesäubert, bearbeitet, zerteilt und zu trendigen neuen Regalen und Sitzmöglichkeiten zusammengebaut. Zur weiteren Einrichtung der Lodge gehören eine Bar, ein Restaurant und eine gemütliche Feuerstelle. Auf Wunsch werden  im Restaurant traditionelle Speisen serviert, darunter Mahangu-Porridge, würziger Spinat, scharfes Hühnchen und gekochte Mopane-Würmer.

Marktbesuch in Oshakati

Ein Marktbesuch gehört einfach dazu, wenn man in eine fremde Kultur eintauchen möchte. Der Oshakati Omatala, wie der große Markt in der lokalen Sprache heißt, bietet alles, was das Herz begehrt: frisches Obst und Gemüse, eine schier unendliche Auswahl an Hülsenfrüchten, allerhand Gewürze, traditionelle Kleidung und auch Souvenirs. Die Verkäufer erklären ratlosen Besuchern gerne die unterschiedlichen Produkte. So lernt man schnell, dass das Kauen von Moringa-Samen bei Magenbeschwerden helfen soll, die pinkfarbene Kleidung gerne bei besonderen Anlässen getragen wird und die Produkte oft aus dem nahen Angola importiert werden. Das bei uns beliebte und kostspielige Kalahari-Wüstensalz wird allerdings direkt in Namibia abgebaut – und kostet auf dem Oshakati Omatala schlappe 25 Cent pro Kilo.

Etosha National Park

Auf dem Weg von Windhoek in die Ovambo-Region (oder umgekehrt) lohnt sich ein mehrtägiger Zwischenstopp in Namibias bekanntestem Nationalpark. Der Etosha National Park ist mit 114 Tier- und 340 Vogelarten eines der artenreichsten Gebiete in ganz Namibia. Auf einer Gesamtfläche von 22.912 Quadratkilometer versammeln sich Elefanten, Nashörner, Giraffen, Löwen und viele andere Tiere. Das Herzstück des Parks ist die 4.730 Quadratkilomter große Etosha-Pfanne. Die heutige Salzpfanne war ursprünglich ein See, der vor zwei bis zehn Millionen Jahren nach und nach ausgetrocknet ist. Die Tiere sind den Großteil des Jahres auf die Wasserlöcher angewiesen, da in der trockenen Region kaum dauerhafte Wasserstellen zu finden sind. Dadurch bieten sich fabelhafte Möglichkeiten, um die Tiere aus dem Fahrzeug heraus zu beobachten und zu fotografieren. Im namibischen Sommer überzieht den Etosha National Park ein grüner Schleier. Da in den Pfannen dann reichlich Wasser vorhanden ist, sind zudem zahlreiche Flamingos und andere Wasservögel zu sehen.

Quelle: Namibia Tourism Board

Titelfoto / Kein Zweifel – der Baobab ist der König der Bäume. / Foto: pixabay / hbieser