Vietnam: Fotos von Thomas Billhardt

Last updated on 20. Juni 2020


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4 Minuten Lesezeit

Anlässlich des 40. Jahrestages des Endes des Vietnamkrieges präsentiert das Museum THE KENNEDYS die Ausstellung »Vietnam« von Thomas Billhardt. Mit über 70 Photographien aus dem Schaffenswerk von Thomas Billhardt gibt die Ausstellung einen Einblick in die Zeit des Krieges in Vietnam und thematisiert darüber hinaus die Bedeutung des Photojournalismus während Kriegszeiten.

Der Vietnamkrieg, welcher mehr als drei Millionen Menschenleben forderte, gilt als einer der tragischen Höhepunkte des Kalten Krieges. Als Schauplatz internationaler politischer Entwicklungen, Ideologien und Paradigma nach dem Zweiten Weltkrieg zählt der Vietnamkrieg in der Geschichtsforschung als »größter Stellvertreterkrieg« zwischen der Sowjetunion und den USA. Der Manifestierung des Kommunismus in Indochina standen über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren die amerikanischen politischen Leitlinien von Trumans Eindämmungspolitik und Domino-Theorie bis hin zu Eisenhowers Rollback-Politik und der Nixon-Doktrin gegenüber. Jede theoretische Abhandlung über den Vietnamkrieg kann jedoch nicht den eindringlichen Eindruck vermitteln, wie es das Medium der Photographie vermag. Dank verschiedener technischer und gesellschaftlicher Entwicklungen sollte der Vietnamkrieg als erster umfassend medialisierter Krieg in die Geschichte eingehen – und die Photographie bildete dabei eine historische Zäsur.

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© THOMAS BILLHARDT, SCHIEßÜBUNGEN, VIETNAM, 1969
© THOMAS BILLHARDT, SCHIEßÜBUNGEN, VIETNAM, 1969

Jenseits jedes Verhältnisses spielte in keinem Krieg zuvor die Photographie eine derart bedeutende Rolle wie im Vietnamkrieg. Ob zur Informationsvermittlung oder Propaganda: Die Masse der während des Vietnamkriegs gemachten Photographien übertraf nicht nur alles bis dato dagewesene, auch die Funktionalisierung von Bildern für journalistische und politische Zwecke machte den Vietnamkrieg zu einem bedeutenden Gegenstand der Medien- und Kulturforschung. Dank der Photographie wurde das Grauen erlebbar, das zum Alltag werden eines Krieges beobachtbar und zugleich die Abscheulichkeit spürbar. Neben Eddie Adams, Larry Burrows, Horst Faas und Nick Út war Thomas Billhardt einer der wichtigsten Photographen und visuellen Berichterstatter im Vietnamkrieg. Der 1937 im heutigen Chemnitz geborene Thomas Billhardt bereiste im Auftrag der Staatspartei der DDR, der SED, zwischen 1967 und 1975 zwölfmal Vietnam und prägte mit seinen Photographien die Antikriegshaltung einer ganzen Generation. »Ich wollte, dass die Leute überall auf der Welt Anteil am Schicksal der Menschen in Vietnam nehmen«, beschreibt er seine Motivation. Sowohl in der DDR als auch in der BRD wurden seine Bilder in Zeitschriften abgedruckt und fanden sich sogar großformatig an Häuserwänden wieder. Von Thomas Billhardts Ansehen im Ausland profitierte auch die SED, in die er 1968 unter dem Eindruck des Vietnamkrieges eingetreten war.

Das Interesse der Partei, Bilder der Not aus Vietnam zu veröffentlichen, speiste sich aus der Absicht, aus dem Konflikt politisch Kapital zu schlagen. Somit wurden seine Photographien Teil eines Bilderkrieges gegen den Systemfeind USA. Mit Hilfe der Macht der Bilder sollte die Deutungshoheit über den Konflikt erlangt und das eigene sozialistische Gesellschaftssystem in möglichst positivem Licht inszeniert werden. Für einen Kriegsphotographen wie Thomas Billhardt bedeutete dies, dass seine realitätsnahe Photoreportage der Kriegsgeschehnisse gleichsam zur politischen Botschaft wurde. Letztlich sind Thomas Billhardts Photographien jedoch nicht nur im Rahmen des Ost-West-Konflikts zu sehen. Sie werfen auch einen Blick auf ein junges Land im Umbruch. Die Bilder sprechen nicht nur die Sprache des Krieges – sie sind auch Erzählungen von persönlichen Schicksalen, Beobachtungen intimer Momente und eine Besinnung auf das Menschliche mit all seinen Emotionen innerhalb der Wirren des Krieges.

© THOMAS BILLHARDT, SCHUTZBUNKER, VIETNAM, 1968
© THOMAS BILLHARDT, SCHUTZBUNKER, VIETNAM, 1968

Über Thomas Billhardt

Thomas Billhardt, 1937 in Chemnitz geboren, ist ein deutscher Photograph und Publizist. Besonders bekannt wurde er in der DDR durch seine Photos aus Vietnam und Palästina. 1959 bis 1963 absolvierte er ein Studium an der Hochschule für Graphik und Buchkunst (HGB) in Leipzig mit Abschluss als Diplom-Photographiker. 1962 wurde er Mitglied im Verband Deutscher Journalisten und arbeitete 1963 bis 1971 als freischaffender Photograph. 1968 trat er der SED bei. 1972 bis 1981 war er Arbeitsgruppenleiter bei der Deutschen Werbeagentur (DEWAG) Berlin und 1982 bis 1989 Leiter des Studios Billhardt beim Verlag für Agitations- und Anschauungsmittel. Seit 1989 ist Billhardt Mitglied des Deutschen Journalistenverbandes und von 1990 bis 2001 war er Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie. Seit 1990 ist er auch Mitglied des Bundes Freischaffender Foto-Designer e.V. Thomas Billhardt erhielt 1969 den Kunstpreis der DDR, 1987 den Nationalpreis der DDR. Er hatte zahlreiche internationale Photoausstellungen, u.a. die UNICEF-Ausstellung »Kinder der Welt« in New York 1989. Thomas Billhardt sieht sich selbst als künstlerischen denn als politischen Photographen.

© THOMAS BILLHARDT, KINDER IM FLUSS HAN, DA NANG, 1975
© THOMAS BILLHARDT, KINDER IM FLUSS HAN, DA NANG, 1975

Sonderausstellung im Museum THE KENNEDYS vom 17. Juli bis 6. September 2015

Museum THE KENNEDYS
Auguststraße 11–13 · 10117 Berlin
Geöffnet: Di–So · 11–19 Uhr
Eintritt: 5,- Euro · ermäßigt 2,50 Euro
www.thekennedys.de


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