Vor 100 Jahren zog das Bauhaus von Weimar nach Dessau und erlebte dort seine Blütezeit.
Bauhaus Dessau – Ikone der Moderne in Sachsen-Anhalt
Das Bauhaus Dessau gilt als ein Meilenstein der Architektur- und Designgeschichte. 1925 zog die von Walter Gropius gegründete Hochschule für Gestaltung von Weimar nach Dessau und fand in dem von Gropius entworfenen Bauhausgebäude ihre neue Heimat. Mit seiner klaren, funktionalen Architektur, den großzügigen Glasfassaden und der innovativen Raumaufteilung verkörpert es bis heute die Prinzipien der Moderne.






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Am Ende des Artikels findet du einen Hinwies, wie du zum Bauhaus Dessau kommst.
Trinkhalle Dessau

Kornhaus Dessau – Bauhaus-Architektur am Elbufer
Das Kornhaus Dessau ist ein weiteres Highlight der Bauhaus-Architektur. Es wurde 1929/30 von Carl Fieger, einem engen Mitarbeiter von Walter Gropius, entworfen und liegt direkt am Ufer der Elbe. Ursprünglich als Ausflugslokal für die Dessauer Bevölkerung geplant, zeichnet es sich durch seine markante halbkreisförmige Glasfront aus, die einen weiten Blick auf den Fluss eröffnet – ein Paradebeispiel für das Zusammenspiel von Funktionalität und Ästhetik.
Das Gebäude verkörpert die Idee des „neuen Bauens“: klare Linien, offene Räume und die Verbindung von Natur, Freizeit und moderner Architektur. Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, wurde das Kornhaus in den 1990er-Jahren restauriert und steht heute als bedeutendes Zeugnis der Bauhauszeit unter Denkmalschutz.
Nutzung heute
Das Kornhaus ist nicht nur ein Baudenkmal, sondern auch ein lebendiger Ort. Es beherbergt ein Restaurant, das regionale Küche bietet und mit seiner Panoramaterrasse zu einem beliebten Ziel für Ausflügler, Architekturinteressierte und Radwanderer entlang des Elberadwegs geworden ist.




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Meisterhäuser Dessau – Wohnarchitektur des Bauhauses
Die Meisterhäuser in Dessau gehören zu den bekanntesten Ikonen der Bauhaus-Architektur. Sie wurden 1925/26 nach Entwürfen von Walter Gropius errichtet, als das Bauhaus von Weimar nach Dessau zog. Ursprünglich entstanden vier Doppelhäuser und das Direktorenhaus, in denen berühmte Bauhaus-Meister wie Paul Klee, Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger oder László Moholy-Nagy lebten und arbeiteten.
Die klaren kubischen Formen, die flachen Dächer und die große Bedeutung des Lichts durch die charakteristischen Fensterflächen machten die Häuser zu revolutionären Wohnbauten ihrer Zeit. Sie verbanden Funktionalität mit künstlerischem Anspruch – ein „Gesamtkunstwerk“, das bis heute beeindruckt.
Im Zweiten Weltkrieg wurden Teile der Anlage stark beschädigt. Seit den 1990er-Jahren sind die Meisterhäuser aufwendig restauriert worden; die im Krieg zerstörten Häuser von Gropius und Moholy-Nagy wurden in moderner, reduzierter Form rekonstruiert. Heute sind die Meisterhäuser Teil des UNESCO-Welterbes „Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau“.
Besuch der Meisterhäuser
Die Häuser können teilweise besichtigt werden – teils mit original erhaltenen Details, teils mit Ausstellungen zur Geschichte des Bauhauses und seiner Künstler. Ein Rundgang durch die lichtdurchfluteten Räume vermittelt ein authentisches Bild vom Leben und Arbeiten der Bauhaus-Meister.





Bauhaussiedlung Dessau-Törten – Experimentierfeld des sozialen Wohnungsbaus
Die Bauhaussiedlung Dessau-Törten ist ein eindrucksvolles Beispiel für die sozialen Ideen des Bauhauses. Zwischen 1926 und 1928 ließ Walter Gropius hier rund 300 Reihenhäuser errichten, um günstigen und modernen Wohnraum für Arbeiterfamilien zu schaffen. Ziel war es, funktionales, gesundes und bezahlbares Wohnen zu ermöglichen – eine damals revolutionäre Vorstellung.
Charakteristisch sind die klaren kubischen Formen, die rationelle Bauweise mit vorgefertigten Elementen sowie die großzügigen Gärten, die zur Selbstversorgung der Bewohner dienten. Damit verband Gropius Architektur mit einem Konzept für ein neues, eigenständiges Leben.
Die Siedlung wurde über die Jahre vielfach verändert, doch einzelne Gebäude sind in ihrer ursprünglichen Form erhalten oder wiederhergestellt. Besonders interessant ist das Haus Anton, das heute als Museum dient. Hier können Besucher die ursprüngliche Ausstattung und Raumaufteilung der Bauhaussiedlung erleben und sich über die sozialen und architektonischen Ideen des Projekts informieren.
Heute gehört die Siedlung Dessau-Törten zu den wichtigen Bauhaus-Orten und veranschaulicht, dass das Bauhaus nicht nur avantgardistische Architektur für Künstler entwarf, sondern auch praktische Lösungen für den Alltag einer breiten Bevölkerung.


Bauhaus Museum Dessau – Moderne trifft Geschichte
Das Bauhaus Museum Dessau wurde 2019 eröffnet und bildet heute das Herzstück der Bauhaus-Präsentationen in der Stadt. Mit seiner klaren, minimalistischen Architektur – entworfen vom spanischen Büro addenda architects – fügt sich das gläserne Kubusgebäude in den Stadtpark ein und schafft einen modernen Kontrast zu den historischen Bauhaus-Stätten.
Das Museum zeigt die zweitgrößte Bauhaus-Sammlung weltweit: über 49.000 Objekte, von Möbeln und Alltagsgegenständen bis hin zu Gemälden, Grafiken und Studienarbeiten. Die Dauerausstellung „Versuchsstätte Bauhaus“ veranschaulicht eindrucksvoll, wie die Ideen des Bauhauses in Dessau entwickelt und erprobt wurden. Ergänzt wird das Programm durch wechselnde Sonderausstellungen, Vorträge und Workshops.
Das Bauhaus Museum Dessau ist nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch ein lebendiger Raum für Gegenwartskunst, Design und Architektur. Es verbindet die historische Bauhaus-Tradition mit aktuellen Fragestellungen – und macht den Geist der Moderne für Besucherinnen und Besucher erlebbar.




Theater der Klänge (Rekonstruktion)
Triadisches Ballett
1922, Rekonstruktion: 2019
Taucher, Figurine aus der ersten Gelen Reihe, zweiter Auftritt, aus Pappmaché, Glas, Textil
Scheibentänzer aus Holz, Pappmaché
Goldkugel aus Pappmaché, Gummi
Schlemmers experimentellem Bühnenstück liegt eine mehrschichtige, dreifache Ordnung zugrunde. Drei Akteure in abstrahierten Kostümen folgen Bewegungsregeln und Bodengeometrien. In wechselnden Versuchsanordnungen setzen sie sich mit der Formierung des Menschen in einer mechanisierten Umwelt auseinander.
Quelle: Bauhaus Museum Dessau
Foto: Ingo Paszkowsky
Umweltbundesamt Dessau – Nachhaltige Architektur im Geiste des Bauhauses
Das Hauptgebäude des Umweltbundesamts in Dessau-Roßlau gilt als eines der größten ökologischen Verwaltungsgebäude Europas. 2005 eröffnet, entstand der Komplex nach Plänen des Architekturbüros Sauerbruch Hutton und setzt Maßstäbe in Sachen nachhaltiges Bauen. Mit seiner klaren Formensprache, den offenen Grundrissen und der funktionalen Gestaltung erinnert es zugleich an die Prinzipien des Bauhauses, dessen Tradition in Dessau bis heute lebendig ist.
Der langgestreckte Baukörper mit farbig akzentuierten Fassadenelementen fügt sich harmonisch in die Umgebung ein und kombiniert moderne Ästhetik mit hoher Energieeffizienz. Begrünte Innenhöfe, ein ausgeklügeltes Belüftungssystem und die Nutzung erneuerbarer Energien machen das Gebäude zu einem Vorzeigeprojekt umweltgerechter Architektur.
Die Verbindung zum Bauhaus liegt nicht nur in der reduzierten Gestaltung, sondern auch in der Haltung: Wie das Bauhaus in den 1920er-Jahren sucht auch das Umweltbundesamt nach Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen – damals das moderne Wohnen, heute der Klimaschutz und die nachhaltige Nutzung von Ressourcen.
Mit seiner Lage in Dessau bildet das Umweltbundesamt einen spannenden Kontrapunkt zu den historischen Bauhaus-Stätten: Hier trifft die Avantgarde von gestern auf die Umweltarchitektur der Zukunft.



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Gartenreich Dessau-Wörlitz – Landschaftskunst trifft Bauhaus-Moderne
Das Gartenreich Dessau-Wörlitz ist ein einzigartiges Ensemble aus Schlössern, Gärten und Landschaftsparks, das Ende des 18. Jahrhunderts unter Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau entstand. Inspiriert von den Ideen der Aufklärung, schuf er nach englischem Vorbild eine weitläufige Kulturlandschaft, die Kunst, Architektur und Natur miteinander verband. Seit 2000 gehört das Gartenreich Dessau-Wörlitz zum UNESCO-Welterbe.
Ob Schloss Wörlitz mit seinen klassizistischen Formen, die Brücken und Tempel im Park oder die harmonisch gestalteten Sichtachsen – alles ist Ausdruck einer visionären Idee: Architektur sollte das Leben verbessern und zugleich die Natur respektieren.



Mehr über die Insel Stein im Gartenreich Dessau-Wörlitz findest du hier.
Verbindung zum Bauhaus
Auch wenn das Gartenreich mehr als ein Jahrhundert vor dem Bauhaus entstand, gibt es eine ideelle Verbindung. Beide Projekte – das Gartenreich im 18. Jahrhundert und das Bauhaus im 20. Jahrhundert – waren Ausdruck einer fortschrittlichen Gesellschaftsutopie. Im Gartenreich wurde die Aufklärung in Stein, Wasser und Landschaft umgesetzt, beim Bauhaus der Gedanke einer modernen, funktionalen und sozialen Architektur.
Dessau ist damit ein besonderer Ort, an dem zwei Welterbestätten aufeinandertreffen: das Gartenreich Dessau-Wörlitz und die Bauhausbauten. Besucher können so auf engem Raum erleben, wie sich visionäre Architekturideen über die Jahrhunderte hinweg entwickelt haben – vom Landschaftsgarten zur Moderne.
Anreise zum Bauhaus Dessau
- Mit der Bahn: Dessau liegt an den Regional- und IC-Verbindungen zwischen Leipzig, Berlin und Magdeburg. Vom Hauptbahnhof sind es zu Fuß rund 15 Minuten bis zum Bauhausgebäude, alternativ fährt ein Bus direkt zur Haltestelle „Bauhaus“.
- Mit dem Auto: Über die A9 (Berlin–München) erreicht man Dessau über die Abfahrten Dessau-Ost oder Dessau-Süd. Parkmöglichkeiten gibt es in der Nähe des Bauhausgebäudes.
- Mit dem Flugzeug: Der nächstgelegene internationale Flughafen ist Leipzig/Halle (LEJ), etwa 45 Autominuten entfernt. Von dort gibt es Zugverbindungen über Halle oder Leipzig nach Dessau.
(Der Beitrag wurde erstmals im September 2019 veröffentlicht. Wir haben ihn aktualisiert.)
Titelfoto / Ausflugsgaststätte Kornhaus: Sehr nett und modern sei das Kornhaus, schrieb 1930 ein Bauhaus-Schüler begeistert seiner Mutter. / Foto: Ingo Paszkowsky
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Weitere Fotos von WeltReisender Ingo Paszkowsky findest Du hinter diesem Link.











