Australien: Das Outback mit bizarrer Landschaft und grenzenloser Weite – ein Erfahrungsbericht


Auf den Kopf gestellte Flugzeuge als Kunstobjekt, alte Dieselloks in der Wüste als gewichtige Ausstellungsstücke eines historischen Freiluftmuseums und Opalschürfer mit künstlerischen Ambitionen – wie die bizarre Landschaft und grenzenlose Weite auf die Menschen im Outback wirkt.
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Von den Fotos, die ich während meiner Reisen nach Australien geschossen habe, wählte ich die nach meinem Gefühl eindruckvollsten Bilder für einen Kalender 2019, der bei Calvendo erschienen ist, aus. Sie können den Kalender 2019 Australien – Faszination Outback im Buchhandel oder hier online erwerben.

Mein (kurzer) Reisebericht über das Outback:

Das Outback – Synonym fürs unwirtliche Landesinnere von Australien – ist eines der am geringsten besiedelten Gebiete der Welt. Gern wird dieses Territorium auch als rotes Herz oder rotes Zentrum bezeichnet, was glatt untertrieben ist, denn es erstreckt sich fast über den gesamten Kontinent. Die überwiegende Mehrheit der Australier lebt in den relativ kleinen Küstengebieten. Die Outback-Bewohner sind ein besonderer Menschenschlag. Die Freude an unendlicher Weite gepaart mit Abenteuerlust, aber manchmal auch die guten Verdienstmöglichkeiten lassen die Menschen mehr oder weniger lange in der Abgeschiedenheit ausharren.

Im Outback wird gegrüßt. Foto: Ingo Paszkowsky
Im Outback wird gegrüßt. Foto: Ingo Paszkowsky

Eine Route im Süden Australiens liefert einen Einblick in Geschichte und Gegenwart dieser rauen Gegend. Ausgangspunkt ist die Millionenstadt Adelaide, mit Zwischenstation über Barossa Valley, dem bedeutendsten Weinanbaugebiet des roten Kontinents, gelangt man zu der Gebirgsformation Flinders Ranges. Die Flinders gehören mit ihren 600 Millionen Jahren zu den ältesten Landschaften der Welt und sind der letzte größere grüne Flecken in Richtung Norden.

Spätestens bei Lyndhurst auf dem Oodnadatta Track beginnt die rote Ewigkeit. Asphalt adé, Waschbrettpiste (nicht) willkommen. Der Oodnadatta Track verläuft parallel zur stillgelegten Bahnstrecke des Old Ghan. Der Old Ghan Heritage Trail erzählt die Geschichte der Eisenbahnpioniere, die den Weg ins Outback ebneten. Gelegentlich bezeugen Gleisanlagen, Wassertürme oder verlassene Bahnstationen die technische Meisterleistung. Die Bezeichnung Ghan ist eine Reminiszenz an die Afghanen, die früher die Wüstenstadt Alice Springs im Herzen Australiens mit allem Nötigen per Kamel versorgten.

Ausgediehnte Lok. Früher zogen sie Waggons mit Vieh und Waren durch die Wüste; heute sind sie nur noch Schrott und Ausstellungsstücke in einem großen Freiluftmuseum in Marree. Foto: Ingo Paszkowsky
Ausgediehnte Lok. Früher zogen sie Waggons mit Vieh und Waren durch die Wüste; heute sind sie nur noch Schrott und Ausstellungsstücke in einem großen Freiluftmuseum in Marree. Foto: Ingo Paszkowsky

In der alten Bahnstation Maree gab es schon früh Multikulti – Aborigines, Afghanen und Europäer lebten in relativer Harmonie zusammen, behauptet zumindest die südaustralische Tourismuskommission in einer Broschüre. Die Bewohner nannten den Ort früher auch Ghantown, denn bis zu 60 afghanische Händler mit ihren Familien und rund 1500 Kamelen lebten hier. Sehenswürdigkeiten sind das über 100 Jahre alte Hotel, immer gut für ein kühles Bier und einen Schwatz mit den Einheimischen. Und natürlich die zahlreichen alten Dieselloks der Old Ghan-Linie und Kraftwagen der Royal Mail als übrig gebliebene Relikte vergangener Zeit. Der Kinderspielplatz ist natürlich ganz im Look einer Camel-Station angelegt, es lebe die glorreiche Vergangenheit!

Kunst in der Wüste - ein in der Mitte durchgetrennter VW-Bus fungiert als Tor. Foto: Ingo Paszkowsky
Kunst in der Wüste – ein in der Mitte durchgetrennter VW-Bus fungiert als Tor. Foto: Ingo Paszkowsky

Weiter in Richtung Norden auf dem Oodnadatta Track stößt der Reisende bei Alberrie Creek auf überlebensgroße Skulpturen aus ausrangierten Verkehrsmitteln. Ein Farmer arrangiert monumentale, eigenwillige Schöpfungen unter freiem Himmel. Zwei auf den Kopf gestellte und kunstvoll im Stil der Ureinwohner bemalte Flugzeuge und weitere „Ausstellungsstücke“ rechtfertigen einen Zwischenstopp. Selbst das Tor zur Farm ist ein Kunstwerk – der mittig geteilte VW-Bus weckt zudem Assoziationen zur Heimat.

William Creek ist einer der kleinsten „Orte“ in Australien und zählt gewöhnlich eine Handvoll Einwohner. An lausigen Tagen, berichtet der Tankwart, habe er nicht einen einzigen Kunden. Australischer Humor: Der Ort verfügt über eine Parkuhr, die einzige in der Einsamkeit. Natürlich ist es kein Problem, in dem Wüstennetz einen Parkplatz zu finden.

Schließlich ist der Ort erreicht, der dem Track seinen Namen gab: Oodnadatta. Tankstelle, Shop und Gastwirtschaft unter einem Dach sind nicht so selten in der Unwirtlichkeit – der rosarote Anstrich schon. Das Pink Roadhouse, Betreiber sind Adam und Lynnie, ist eine beliebte Anlaufstelle in diesem Teil down unders.

Rund 200 Kilometer ist es bis Coober Pedy, der Opalhauptstadt der Welt. Viele Leute wohnen wegen der großen Hitze unterirdisch. Es gibt sogar Hotels, die ihre Zimmer unter der Erde in Stein gehauen haben.

Mehr oder minder auf dem Weg legen bizarre Naturschönheiten wie Painted Desert, Moon Plain oder die Breakaways. Zwischendurch führt die Route immer wieder am Dog Fence entlang, dem längsten Zaun der Welt, und kreuzt ihn schließlich. Rund 5300 Kilometer Draht teilen Australiens Süden vom Norden.

Der Zweck des Bauwerks: Die Dingos sollen von ihrer Lieblingsspeise Schaf abgehalten werden.

Ingo Paszkowsky

Titelfoto: Ingo Paszkowsky

Reiseberichte.com

Hier noch einige Einsichten und Ausblicke:

Für eine Scheibe Knäckebrot legt das Walleby, so werden die kleineren Kängurus genannt, bereitwillig seine Scheu ab. / Foto: Ingo Paszkowsky

 

Blick vom Mt. Ohlsen in den Wilpena Pound. Teilweise recht schwieriger Wanderweg auf den Mt Ohlsen. Foto: Ingo Paszkowsky

 

Reste der alten Bahnlinie in Marree. Foto: Ingo Paszkowsky

 

Der Dog Fence oder Dingo Fence, zu Deutsch Dingo-Zaun oder Hunde-Zaun soll die Dingos von den südöstlichen Gebieten Australiens fernhalten, um so die Schafherden zu schützen. Er ist einer der längsten “Bauwerke” der Welt. Foto: Ingo Paszkowsky

 

Flugzeuge als Kunstobjekt. Foto: Ingo Paszkowsky

 

Der symbolische Wegweiser erinnert an die langen Flugzeiten nach Hause. Foto: Ingo Paszkowsky

 

Eine Handvoll Leute wohnen in William Creek. Auch das Hotel macht keinen überlaufenden Eindruck. Foto: Ingo Paszkowsky