Wir lieben Kaffe – alles über die Bohnen, die unser Leben veränderten

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Wussten Sie, dass die Deutschen auf vielen Gebieten Weltmeister sind bzw. ganz vorn mitmischen. Den Titel Export-Weltmeister mussten wir vor einiger Zeit zwar an China abgeben, aber wir sind beispielsweise Weltmeister der Messen. Andere holen kräftig auf, aber unter den Top 10 aller bedeutenden Messeveranstaltungen finden die meisten immer noch in Deutschland statt. Man denke nur in die Internationale Tourismusmesse ITB.

Und auch beim Kaffee-Konsum mischen die Deutschen ganz vorne mit.  Für viele beginnt ein guter Tag mit einer Tasse frisch gebrühtem Kaffee – bei mir mit mehreren. In allen Ländern Zentralamerikas wird Kaffee angebaut und einst bestanden hier enge Bande zu Deutschland. Aus Hamburg, einem der wichtigsten Handelshäfen für Rohkaffee, zog es im 19. Jahrhundert viele hanseatische Kaufleute in mittelamerikanische Länder wie Guatemala, Nicaragua und Costa Rica. Dort wurden Sie im Kaffeeanbau tätig und gaben den Wirtschaften wichtige Impulse. Reisende können sich in Zentralamerika somit nicht nur anschauen, wo der Kaffee wächst, sondern auch auf Spurensuche einstiger deutscher Auswanderer gehen.

Traditionelle Kaffeeproduzenten, aber unsichere Reiseländer

Aber bevor Sie sich auf den Weg nach Zentralamerika machen, sollten Sie wissen: „Die überwältigende Mehrheit der 50 gefährlichsten Städte der Welt liegt in Lateinamerika“, schreibt Spiegel-Online (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/caracas-die-gefaehrlichste-stadt-der-welt-a-1073892.html) mit Bezug auf eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO. Hier finden Sie die Studie (in englischer Sprache) (https://www.unodc.org/gsh/). Allerdings kamen trotz hoher Kriminalität, zumindest 2011, mehr Touristen nach Zentralamerika.


Kommen wir wieder zurück zum Kaffee.

Honduras

ist momentan der größte Kaffeeproduzent in Zentralamerika. Dort wachsen qualitativ hochwertige Hochlandkaffeesorten, so wie in der westlichen an Guatemala grenzenden Region Copán. Dort liegt auch die bedeutende, zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Mayastätte gleichen Namens. Mehrere in der Umgebung gelegene Kaffeefincas öffnen inzwischen Reisenden ihre Türen und bieten Einblicke in den Produktionsprozess des Kaffees von der Kirsche bis zur Bohne an. Dazu gehören die Finca El Cisne (http://www.fincaelcisne.com/) oder die Finca Santa Isabal. Auch die honduranische Region Montecillos ist bekannt für besten Hochlandkaffee. Bei mildem Klima gedeihen die Kaffeepflanzen hier auf fruchtbarem Boden in sonnigen Höhenlagen unter schattenspendenden Bäumen besonders gut.


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Bevor Honduras zum größten Kaffeeproduzenten in Zentralamerika aufstieg, führte

Guatemala

für lange Zeit diese Spitzenposition an. Im 19. Jahrhundert lag der Kaffeeanbau fast ausschließlich in deutscher Hand, so dass noch heute Nachnamen wie Giesemann, Lüttmann, Edelmann und Kahle kursieren. Besucht man Guatemala kommt man um einen Besuch der prächtigen Kolonialstadt Antigua Guatemala nicht umhin – ein wahrhaftes Paradies für jeden Kaffeeliebhaber. Schließlich gibt es hier an jeder Ecke urige Cafés, wo man die im Land produzierten Kaffeesorten kosten kann; zu den Traditionshäusern zählt das Café Condesa. Im Kulturzentrum La Azotea (http://cafeazotea.com/) bei Antigua können Besucher im Kaffeemuseum mehr über die Geschichte des Kaffeeanbaus im Land erfahren. Zudem bieten örtliche Reiseveranstalter Ausflüge zu Kaffeeplantagen in der Umgebung an.

Zentralamerika – Wo der Kaffee wächst. Copyright CATA/KPRN network
Zentralamerika – Wo der Kaffee wächst.
Copyright CATA/KPRN network

Das Interesse für

Nicaragua

setzte in Deutschland ab den 1840er Jahren ein. Die Deutschen waren es, die herausfanden, dass sich der dortige Boden ideal für den Kaffeeanbau eignet. Das nördliche Departament Matagalpa bildete sich zum Zentrum des deutschen Kaffeeanbaus aus und so ist es nicht verwunderlich, dass Reisende dort auf ein kleines Paradies namens „Selva Negra“ (http://www.selvanegra.com/), zu Deutsch: Schwarzwald, stoßen. Die Inhaber, Eddy und Mausi Kühl, sind beide Nachkommen deutscher Einwanderer und bieten auf ihrer Ökolodge vielseitige Aktivitäten für Touristen an. Im nahegelegenen Ort San Ramón bietet die Landwirtschaftskooperative UCA San Ramón (http://www.ucasanramon.com/) Touren zum Thema nachhaltige Landwirtschaft, zur Kultur und Küche auf dem Land sowie saisonal zur Kaffeeernte an. Dann befindet man sich in Nicaragua aber schon mitten auf der „Ruta de Café“ die durch fünf Verwaltungsbezirke im Norden führt.

Einige Zahlen zum Kaffee

Deutschland ist ein Kaffeeland – und eine Genussgesellschaft. Kaffee ist das beliebteste Getränk der Deutschen – noch vor Wasser und Bier. Im Jahr 2013 konsumierte jeder Bundesbürger durchschnittlich 165 Liter Kaffee. Dies entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 7,29 kg Rohkaffee. Zum Vergleich: Der Konsum von Wasser lag im Jahr 2013 bei durchschnittlich 140 Litern pro Kopf, der von Bier bei 107 Litern. Damit ist Deutschland nach den USA und Brasilien der drittgrößte Kaffeemarkt der Welt.

 

Der neue Coffee Lifestyle: Vom Massenprodukt zum Lifestyle-Symbol, vom bloßen Konsum zur Lebenseinstellung. Grafik: Nespresso Deutschland GmbH
Der neue Coffee Lifestyle: Vom Massenprodukt zum Lifestyle-Symbol, vom bloßen Konsum zur Lebenseinstellung. Grafik: Nespresso Deutschland GmbH

 

Doch welchen Kaffee trinken die Deutschen eigentlich?

Auffällig ist der rasant steigende Konsum von Kapselkaffee: Laut dem Deutschen Kaffeeverband hat sich in den Jahren 2010 bis 2013 die Menge der konsumierten Kaffeekapseln fast verdoppelt, von 6.600 Tonnen auf 12.700 Tonnen Kaffee im Jahr. Allein 2013 stieg der Absatz um 27 Prozent. (Quelle: Deutscher Kaffeeverband)


Nebenbemerkung:

Ich mag Kapselkaffee gar nicht. Erstens ist das eine enorme Umweltverschmutzung, zweitens kann man nicht nachvollziehen, was eigentlich genau in den Kapseln steckt. Am Besten sind ungemahlende Bohnen – da sieht man noch, was man hat. Außerdem kann frisch gemahlen nichts toppen.


Trotz der hohen Mengen an konsumiertem Kaffee sind die Kaffeetrinker in Deutschland Genießer. Qualität, Vielfalt, Herstellung und Herkunft – Aspekte, die bisher lediglich im Weinbereich von Bedeutung waren – rücken verstärkt in das Bewusstsein des Verbrauchers. Die Kaffeemarke Nespresso habe diesen Wandel entscheidend mitgeprägt. Was beim Wein Merlot und Chardonnay, sind beim Kaffee Robusta, Arabica sowie seltene Bohnenarten, aus denen Nespresso inzwischen 23 Sorten herstellt. Dank dieser enormen Sortenvielfalt hat Kaffee sich zum Lifestyle-Produkt etabliert – und die Beschäftigung mit Kaffee zur Lebenseinstellung.

Um diesen Wertewandel abzubilden, hat Nespresso eine Studie in Auftrag gegeben. Dabei zeigen die Umfrageergebnisse nicht nur, wie, wo und mit wem die Deutschen ihren Kaffee trinken, sondern geben einen Einblick in die vielfältigen Kaffee-Bedürfnisse der Konsumenten, offenbaren Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Trends.

Kaffee-Genuss: Jung probiert, 50+ bleibt bei seiner einmal gewählten Kaffee-Sorte

Die Studie zeige, dass gerade die junge Generation der 18- bis 29-Jährigen sich zunehmend mit den Themen Kaffeequalität und Aromenvielfalt beschäftigt. Beim Generationenvergleich wird deutlich, dass Kaffee einen Wertewandel erfahren hat: Ein Viertel der jungen Generation in Deutschland gibt sich nicht mit einer Sorte zufrieden und fordert Vielfalt im Kaffeesegment. Die Generation 50 plus ist hier bescheidener und bleibt meist bei der einmal gefundenen Sorte.

Gar jeder Dritte der 18- bis 29-jährigen Kaffeetrinker misst einer hochwertigen Kaffeemaschine einen gewissen Wert bei, der über die reine Funktionalität hinausgeht. Sie betrachten die Kaffeemaschine als Statussymbol. Auch hier macht der Generationenvergleich die Entwicklung vom reinen Zweck- zum Lifestyleprodukt deutlich: Für die über 50-Jährigen hat die Kaffeemaschine als Ausdruck von Lebensqualität und Status kaum Relevanz. Obwohl die verschiedenen Verbrauchergenerationen teilweise deutlich unterschiedliche Prioritäten setzen, gibt es ebenso Gemeinsamkeiten. Die Qualität scheint im Kaffeesegment generationenübergreifend eine immer größere Rolle zu spielen, denn jedem Zweiten ist eine gute Kaffeequalität auch ein höherer Preis wert.


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Zudem zeige die Umfrage, dass es beim Konsum von Kaffee nicht nur um den schnellen Wachmacher-Effekt geht, sondern dass dem Genuss eine weitaus höhere Bedeutung zukommt: Anders als die allgemeine Vermutung trinken die meisten Kaffeetrinker in Deutschland ihren Kaffee am liebsten allein. Sich nach Hause zurückzuziehen und sich seine eigene kleine Wohlfühloase zu schaffen, hat inzwischen einen höheren Stellenwert als das Kaffeekränzchen mit Freunden oder der Familie. Der Trend geht deutlich zum bewussten Kaffeegenuss und löst den schnellen Wachmachereffekt von Kaffee ab.

Foto: Pixabay.com / Free-Photos
Foto: Pixabay.com / Free-Photos

Trotz der Sehnsucht nach heimeliger Entspannung und Verwöhnmomenten erfolgt der mehrheitliche Konsum von Kaffee außer Haus: Jeder zweite Kaffeetrinker in Deutschland trinkt seinen Kaffee unterwegs, ein Phänomen der Jüngeren: Jeder Dritte der 18- bis 39-Jährigen, aber nur jeder Vierte der Generation 50 plus konsumiert auf diese Weise seinen Kaffee. Vor allem im Business kommt dem beliebtesten Getränk der Deutschen eine weitere Bedeutung zu: Knapp jeder Dritte ist überzeugt, dass bei gutem Kaffee die Geschäfte besser laufen.

Kaffee-Genuss im Städtevergleich

Ein Vergleich einzelner Großstädte bestätigt zum einen bekannte Klischees, bringt zum anderen aber auch spannende Trends ans Licht. Beispielsweise widersprechen speziell die jungen Hamburger dem Trend, Kaffee für sich allein zu genießen. Stattdessen entdecken sie alte Werte und Rituale wieder: Ein Drittel der 18- bis 29-Jährigen trifft sich am liebsten zum Kaffeekränzchen. Selbst in der Generation 50+ sind Kaffeekränzchen bei Weitem nicht so beliebt.

Bei den jungen Berlinern hingegen liegt die Einfachheit im Trend. Knapp ein Viertel der 18- bis 29-Jährigen trinkt seinen Kaffee pur, frisch zubereitet, ohne jeglichen Schnick-Schnack. Hier steht der reine Kaffeegeschmack im Vordergrund. Deshalb legt jeder zweite junge Hauptstädter großen Wert auf Sortenvielfalt. Schlichtheit und Vielfalt spiegeln sich als Trends selbst in den Coffee Locations Berlins wider: Wie in keiner anderen Metropole Deutschlands sprießen in der Hauptstadt immer wieder neue Gastrokonzepte aus dem Boden – von Vintage-Cafés bis zu modernen Co-Working Spaces. Die Generationsunterschiede scheinen in Berlin aufgehoben: Hier trifft sich Alt und Jung am liebsten in einfachen Kiez-Cafés.

Kaffe schmeckt überall, selbst in Down under, im tiefsten Outback. Kaffepause im William Creek am Oodnadatta Track in Australien. Foto: Ingo Paszkowsky
Kaffe schmeckt überall, selbst in Down under, im tiefsten Outback. Kaffepause im William Creek am Oodnadatta Track in Australien. Foto: Ingo Paszkowsky

In München hingegen sammeln sich Kaffeeexperten. Die „nördlichste Stadt Italiens“ zelebriert den italienischen Coffee Lifestyle mit Espresso, Cappuccino und dem perfekten Milchschaum. Jeder Dritte Münchner (30-bis 49-Jährige) sieht sich als perfekter Gastgeber und Kaffee-Experte und hat für seine Kaffeemaschine sogar einen Ehrenplatz. Um für Cappuccino und Latte Macchiato den perfekten Milchschaum zu kreieren, nutzen zwei Drittel einen professionellen Milchaufschäumer. Ebenso bereitet jeder Dritte Münchner seinen Kaffee in einer original italienischen Macchinetta zu. Auch, dass die Mehrheit der Münchner bereit ist, für guten Kaffee noch mehr Geld auszugeben, zeigt, welche Bedeutung dem Kaffeegenuss in der Hauptstadt des Bieres zukommt.

Wertewandel beim Kaffee-Konsum

Die Ergebnisse der Studie machen einen Wertewandel im Kaffeesegment deutlich, der sich besonders in der jungen Generation manifestiert und die Weichen für die Zukunft des Kaffeemarktes stellt. Qualität, Vielfalt und Individualität stehen im Fokus der jungen Konsumenten. Analog zum Weinbereich spielen Aromen, Herkunft und Anbau auch bei Kaffee eine immer größere Rolle. Die junge Generation lässt sich nicht mehr auf Massenkonsum ein, sondern hinterfragt Qualitätsmerkmale – und ist dafür sogar bereit, tiefer in die Tasche zu greifen. Kaffee ist ein Lifestyle-Produkt, dessen Vielfalt und Facettenreichtum sich auch in den Unterschieden der Metropolen widerspiegelt. Während in Hamburg konservative Werte wiederentdeckt werden, sozusagen ein Relaunch stattfindet, setzen die Berliner auf den einfachen, puren Kaffeekonsum. In München bestätigt sich hingegen das Stereotyp vom italienischen Kaffee-Lifestyle, was die Stadt im Süden Deutschlands zur Kaffeestadt Nummer eins macht.

Ingo Paszkowsky

Titelfoto: pixabay.com / suju

Quellen:

Nespresso-Umfrage Online-Befragung mit einer netto Gesamtstichprobe n=1.000, Inzidenz: Regelmäßige Verwender / Trinker von Kaffee; durchführendes Institut: CN St.Gallen The Refresh Company GmbH, München

KPRN network/Central America Tourism Agency (CATA) – die Mitgliedsstaaten sind Belize, Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua und Panama. www.visitcentroamerica.com

Foto: Pixabay.com / HOerwin56
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