In Portugal ist Kunst allgegenwärtig – ein Erlebnisbericht

11 Minuten Lesezeit

Kunst und Kultur begleiten den Reisenden in Portugal überall. Die Hauptstadt Lissabon ist bekannt für die zahlreichen, sehenswerten historischen und modernen Bauten. Aber auch für die vielen Street-Arts, denen man nahezu überall begegnet. Die Stadt hat viele Flächen für die Straßenkunst freigegeben, hinzu kommen noch die zahlreichen wilden Kunstwerke.

Noch relativ neu sind die Kunstszenen in Village Unterground und LX factory. Am Fuß der Ponte de 25 Abril, der Brücke des 25. April.

Kleine Zwischenfrage: Warum ist der 25. April den Portugiesen so wichtig? An dieses Datum wird in Portugal an zahlreichen Orten erinnert. Keine Ahnung? Wir klären Sie auf: Am 25. April 1974 putschten linksgerichtete, hauptsächlich junge Offiziere der unteren Ränge friedlich gegen die Diktatur des Estado Novo. Später erhielt der Umsturz die Bezeichnung Nelkenrevolution, weil aufständische Soldaten und Offiziere sich rote Nelken ans Revers und in die Gewehrläufe steckten.

Lassen wir es bei diesem kurzen geschichtlichen Ausflug bewenden und blicken wieder auf die Kunst-Szene, zunächst in Lissabon.

Grandiose Aussichten über Lissabon

Bevor Sie in die Kunstszene im Lissaboner Bezirk Alcântara eintauchen, machen Sie doch unbedingt einen Ausflug auf die Brücke mit einer der imposantesten Stahlkonstruktionen. Die ist normalerweise nur dem Auto- (mautpflichtig) und Zugverkehr vorbehalten. Lediglich an sehr wenigen Tagen im Jahr wird sie für den Autoverkehr gesperrt und darf dann von Fußgängern betreten werden, zum Beispiel während des Lissabon-Marathons.

Aber Sie können mit einem Fahrstuhl von Uferhöhe auf eine Aussichtsplattform in gleicher Höhe wie die Brücke fahren und eine fantastische Aussicht über den Tejo und weite Teile Lissabons genießen.

Pilar 7 nennt sich die Aussichtsplattform. Pilar bedeutete Brückenpfeiler. Also handelt es sich um den 7. Brückenpfeiler.

Beinahe noch beeindruckender als die Aussicht ist die Einführung in die Brückenkonstruktion am Fuße der Brücke. Ein Teil der Stahlseilkonstruktion ist frei zu betrachten, wird raffiniert beleuchtet – ein wahrhaft ästhetisches Bild für Technikinteressierte.

Kreativ schaffen am Ufer des Tejo

Village Underground kennt man eigentlich aus London, aber es gibt auch einen Village Underground in Lissabon. Village Underground (VU) ist eine internationale Plattform, die bereits seit 2007 in London existiert und 2014 auch in Lissabon angekommen ist. Sie ist Teil von Transeurope Halles, einem europäischen Netzwerk mit mehr als 50 unabhängigen Kultur-Spaces mit Hauptsitz in Schweden.

Das Konzept von Village Underground umfasst zwei unterschiedliche Bereiche: einen Arbeitsbereich für die kreative Gemeinschaft und einen multikulturellen Raum. Das Projekt basiert auf der Renovierung von ungenutzten Equipment und Standorten, die neu gestaltet und wieder zum Leben erweckt werden sollen.

Village Underground Lissabon
Village Underground (VU) ist eine internationale Plattform, die bereits seit 2007 in London existiert und 2014 auch in Lissabon angekommen ist. / Foto: Ingo Paszkowsky

In Lissabon besteht Village Underground aus 14 Versandcontainern, die in Büroflächen umgewandelt wurden, sowie einem Konferenzraum und einem Café aus renovierten Doppeldeckerbussen des Transportunternehmen Carris. In den Arbeitsräumen können unter anderem Spezialisten der Kreativbranche untergebracht werden. In London basiert das Partnerprojekt aus U-Bahn-Waggons, die auf das Dach eines Gebäudes in Ostlondon gehoben werden.

Die Miete wird pro Arbeitsplatz berechnet: Ein Tisch pro Person und Monat zum Preis von 150 € inklusive Strom und Reinigung. Jeder Container enthält fünf Tische, die von verschiedenen Projekten / Künstlern belegt werden. Diese Flächen können stunden- oder wochenweise für bestimmte Projekte gemietet werden oder für diejenigen, die gerade vorbeigehen und einen vorübergehenden Arbeitsplatz in Lissabon in einer inspirierenden Umgebung benötigen.

http://vulisboa.com/

https://de-de.facebook.com/villageundergroundlisboa/

Ein altes Industriegelände mit Leben erfüllt

Street-Arts, alternative Restaurants, Cafés, Kneipen und Shops findet der Besucher in der Lx Factory Lissabon am Ufer des Tejo im Bezirk Alcântara, gleich neben Village Underground. Das Gelände ist im Vergleich zum Village Underground enorm größer und zieht auch mehr Besucher an. Die Lx Factory ist der coole Hotspot Lissabons und ein Ort, den man ungerne wieder verlässt.

O-Ton der Macher: “Ein industrielles Gefühl pulsiert durch die Lx Factory. Es ist eine Erlebnisfabrik, in der es möglich ist, Ideen und Produkte in einem Raum, der allen gehört, einzugreifen, zu denken, zu kreieren und zu präsentieren.”

Im Februar 2019 besuchte ich das Lx Factory-Gelände bereits zum zweiten Mal, im Vergleich zu meinem ersten Besuch Oktober 2017 war eine deutliche Kommerzialisierung zu bemerken. Der Szene-Treffpunkt entwickelt sich zunehmend zur Touristenattraktion.

Unser Tipp: Bald besuchen, bevor das Kreative und Alternative sowie die Ursprünglichkeit verloren gegangen sind.

Sie wollen mehr “wilde” Street-Arts sehen, dann benutzen Sie den Fußgängertunnel in der Nähe der Ponte 25 de Abril, um zum Tejo-Ufer zu gelangen. Der Tunnel wird auch von Obdachlosen als Übernachtungsmöglichkeit genutzt, ein arges “Kontrastprogramm”.

Damit Ihnen kein eindruckvolles Kunstwerk entgeht, können Sie die Street-Arts auch in einer geführten Tour (Werbung) erleben. Wählen Sie die Route West End, damit Sie die Kunstwerke in LxFactory, Village Underground und Belém entdecken.

LX Factory Lissabon
LX Factory Lissabon: viele Restaurants, Galerien und Shops

Überlebensgroße Tierkunstwerke aus Schrott, die Emotionen erzeugen

Auf einen Ausnahmekünstler, von dem man viele Kunstwerke in Lissabon findet, wollen wir hier explizit eingehen. Selbst Personen, die mit Kunst nicht viel am Hut haben, werden seine Kunstwerke im Stadtbild von Lissabon unweigerlich ins Auge stechen. Bardalo II schafft künstlerische Meistwerke, farbige überlebensgroße Tierskulpturen aus Schrott, die lebendig aussehen. Oft schauen sie den Betrachter aus aufmerksamen Augen direkt an und erzeugen eine eigenartige Stimmung. Manchmal setzt der Künstler seine Kunstwerke direkt in die Landschaft, oft werden sie von ihm in die Oberflächenstruktur, meist von Beton-Gebäuden integriert – das macht seine Wandreliefs noch spannender, noch aussagekräftiger.

Seine Facebook-Seite hat über 100.000 Follower.

Was gibt es sonst noch an Sehenswürdigkeiten Lissabon? Wir stellen 13 wichtigte Highlights in Lissabon vor, die Sie besuchen sollten. Oder Sie entdecken die besten Sehenswürdigkeiten der Stadt am Tejo mit geführten Touren (Werbung).


Fotostrecke Lx Factory und Village Underground


Von der Dachterrasse das Gemälde des Sonnenuntergangs genießen

Verlassen wir die schöne Metropole mit dem besonderen Licht am Tejo und fahren mit dem Auto in Richtung Norden nach Coimbra, der zweiten Station unserer “Entdecke-Kunst-in-Portugal”-Reise. Die Universitätsstadt Coimbra liegt in der Region Centro am Rio Mondego und verfügt über eine bezaubernde Altstadt.  Unbedingt sollten sie die Dachterrasse der Bibliothek besuchen, wo man die grandiose Aussicht über Stadt und Fluss bei einem Getränk genießen kann. Spektakulär sind die Sonnenuntergänge – die kostenlosen Gemälde der Natur – die sich hervorragend von der Plattform aus betrachten lassen.

Restaurant Passaporte in Coimbra
Vom Restaurant Passaporte hat man einen schönen Ausblick auf den Mondego. / Foto: Stefanie Gendera

Zahlreiche Häuser von Coimbra haben noch Renovierungsbedarf, was von der örtlichen Street-Art-Szene dankbar aufgegriffen wird.

Überraschung: Kunst begegnete uns auf Schritt und Tritt auch in unserem Hotel, dem Vila Gale Coimbra. Von außen macht das 4-Sterne-Hotel einen mehr sachlichen Eindruck. Innen überzeugt es u.a. mit schönen Zimmern, eleganten Restaurants und einer geräumigen Lobby. Villa Grande ist die zweitgrößte Hotelgruppe Portugals. Ein Konzept der Häuser von Vila Gale ist, dass sich jedes Hotel einem eigenen kulturell-künstlerischen Thema widmet.  Beim Vila Gale Coimbra ist es der Tanz. Und so findet man überall schöne großflächige Aufnahmen von Tanzszenen, aber auch viele historische Kostüme, Schuhe und Accessoires, die bei dieser künstlerischen Bewegungsform Verwendung fanden.

Erfahren Sie mehr in unserem Bericht über das Vila Gale Coimbra


Fotostrecke Coimbra


Faszinierendes Feenschloss im Märchenwald

Auf unserem Weg nach Porto machen wir einen Abstecher zum Palace Hotel do Bussaco, weg von Street-Art hin zu historischer Baukunst, portugiesischer Fliesenkunst, den großflächigen imposanten Azulejo-Kompositionen und einem zauberhaften, kunstvollen Garten.

Als ich vor vielen Jahren bereits einmal das Schloss kurz besichtigte, lag es völlig im Nebel, übte aber eine nicht mindere Faszination aus. Es erschien mir wie ein Feenschloss im Märchenwald.

Bei Sonnenschein entfaltet das prachtvolle Schlosshotel Palace Hotel do Bussaco, Jagdschloss der letzten portugiesischen Könige, es recht seine Wirkung. Das Schloss mit UNESCO-Welterbe-Status heute ein Haus der Luxusklasse im 5-Sterne-Segment mit interessanter Geschichte.

Palace Hotel do Bussaco
Palace Hotel do Bussaco. Foto: Ingo Paszkowsky

Der mit reichen Ornamenten, historischen Fliesengemälden und Kunstwerken bedeutender Meister ausgestattete Palast, liegt inmitten eines der schönsten Naturschutzgebiete Portugals. Der berühmte Wald von Bussaco punktet mit seinem Reichtum an einheimischen und exotischen Pflanzen aus allen Teilen der Erde, Quellen, Seen, Brunnen und Wasserkaskaden, Kapellen und dem Kloster aus dem 17. Jahrhundert. Vom Gebäude und seinen Parkanlagen aus führen verschiedene Wander- und Spazierwege durch die umliegende Serra do Buçaco.

Der Palácio do Buçaco wurde von König Carlos 1887 als Sommerpalast nach Plänen des italienischen Architekten Luigi Manini im neo-manuelinischen Stil errichtet. Dafür wurden Teile des Klosters Convento de Santa Cruz do Buçaco abgerissen.

Außerhalb der Saison sind die Zimmerpreise gar nicht so hoch. Das Essen im Restaurant-Saal oder auf der Terrasse ist ein einmaliges Erlebnis und durchaus erschwinglich. Allerdings war bei meinem Besuch die Bedienung im Restaurant etwas launisch, das soll nicht unerwähnt bleiben.

Weitere Informationen über das Palácio do Buçaco und Buchung (Werbung)

Tipp: Müssen Sie erleben, auch wenn Sie nicht unbedingt Romantiker sind.


Fotostrecke Palace Hotel do Bussaco


Die Stadt des Portweins ist auch heimliche Hauptstadt Portugals

Weiter geht es nach Porto, der “heimlichen Hauptstadt” Portugals, wie viele Portugiesen sagen. Porto ist auch die Hauptstadt des Portweins, wie viele Touristen meinen. Genaugenommen ist aber nicht Porto die Stadt des Portweins, sondern die am anderen Ufer des Douro liegende Stadt Vila Nova de Gaia. Sie ist das Zentrum der Portweinproduktion.

Porto und Vila Nova de Gaia sind über den Douro u. a. mit der Ponte D. Luis I verbunden. Die Fachwerk-Bogenbrücke besitzt zwei Fahrbahnebenen. Die untere Ebene dient dem Verkehr zwischen den ufernahen Stadtvierteln der Ribeira und des Cais de Gaia.  Ihre zwei schmalen Fahrspuren werden von zwei sehr schmalen Gehwegen eingefasst. Dort gelangen Sie von Porto direkt zu Fuß zu den zahlreichen Portwein-Restaurants und Läden.

Die obere Ebene der Ponte Luis I ist seit 2004 für die Stadtbahnzüge der Metro do Porto und den Fußgängerverkehr reserviert.

Viele Portugiesen – und erst recht Touristen – schwärmen von Porto. Die wunderschöne Stadt am Douro besitzt einen Charme, der nahezu einmalig ist. Da sind die Nähe zum Ozean, die man erschnuppert. Der Douro, der majestätisch dahinfließt, und erst recht die schöne Altstadt.

Porto
Porto. Foto: Ingo Paszkowsky

Porto ist eine der ältesten Städte des Landes, der Stadtkern ist verwinkelt und pittoresk. In der Hauptstadt des Nordens lohnt es sich, die bezaubernden Ecken und Winkel zu entdecken.

In jüngster Zeit ist in Porto eine neue Kunstszene entstanden, haben viele Bars, innovative Restaurants und tolle Läden geöffnet. Die Stadt ist weltoffener und lebhafter – das Nachtleben ist ausgeprägter und die Anzahl touristischer Unterkünfte ist gestiegen.

Das Künstlerviertel “Bombarda” im Zentrum verdankt seinen Namen der beeindruckenden Initiative der Inhaber der Kunstgalerien in der Rua Miguel Bombarda. Später sind dann noch die umliegenden Straßen dazu gekommen. In dem an der Altstadt grenzende Viertel auch genannt wird, präsentieren Galerien zeitgenössische Kunst. Apropos zeitgenössisch: Nicht zu vergessen, ein Besuch im Museum für Contempory Art.

Besuchen Sie auch die Livrania Lello (Buchhandlung Lello), auch wenn sie kein Bücherwurm sind. Denn dieses Buchladen soll zu den schönsten Buchhandlungen der Welt zählen. Während der Haupturlaubssaison gelangt man häufig nicht ohne Wartezeit in das Jugendstil-Gebäude mit seiner neogotischen Fassade. Keine Zeit für Schlange stehen, dann werfen Sie einen Blick auf die Webseite 360portugal.com – ist nicht wie die Realität, aber trotzdem beeindruckend.

http://porto.360portugal.com/Concelho/Porto/LivrariaLello/index.php

Natürlich reizt die malerische Sicht auf Altstadt und Douro Fotografen, Zeichner und Maler immer wieder zu eigenen Interpretationen.

Das Hotel Vila Galé Porto Ribeira direkt am Ufer des Douro gelegen, hat auch die Malerei zum zentralen Thema. Lesen Sie hier mehr über das charmante Hotel.


Fotostrecke Porto


Ein innovativer, moderner Hotelbau mit 160 Gemälden

Vom Norden geht es wieder zurück in Richtung Lissabon mit Zwischenstopp in Cascais, einer der schönsten Städte Portugals. Früher entdeckten die Adligen und Reichen das ehemalige Fischerdorf als nahen Rückzugsort vom hektischen und Intrigen geplagten Lissabon. Heute urlauben neben vielen Portugiesen auch zahlreiche Touristen in dem Ort, der seinen mondänen Charme beibehalten hat. Unter den zehn wichtigsten Gründen, welche die Tourismusagentur Visit Cascais anführt, sind u.a. das sonnige Wetter, die Strände und das “Goldene Dreieck”. Goldenes Dreieck steht hier für die interessanten Orte Lissabon, Cascais und Sintra. Der Naturpark Sintra-Cascais liegt gleich in der Nähe.

https://www.visitcascais.com/en/article/10-reasons-to-visit-cascais

Mehr darüber, was Sie in Cascais und Umgebung unternehmen können, erfahren Sie hier.

Auch Golf-Liebhaber werden bei den zehn Gründen von Visit Cascais direkt angesprochen.

Golf und Kunst verbindet das Luxus-Hotel The Oitavos in Cascais. Eine der imposantesten Golfanalagen ist Oitaves Dunes. Und der innovative Hotelbau überrascht im Innern mit etwa 160 Originalgemälden portugiesischer Künstler. Erfahren Sie hier mehr über das 5-Sterne-Hotel The Oitavos.

Ingo Paszkowsky

Titelfoto / Ergreifende Wandbemalung in der Alameda de Santo Antonio dos Capuchos. / Foto: Ingo Paszkowsky

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