Australien: Die Kultur der Aborigines – Fast Facts

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Ein Überblick über traditionelle Ernährung, Kultur, Religion und Lebensweise der Ureinwohner Australiens, der Aboriginies.

Nahrungsmittel und Jagd

Die traditionellen Nahrungsmittel der Aborigines, das sogenannte Bush Tucker, umfasst alles von Nüssen und Samen über Früchte bis hin zu Fisch und Wild wie Emu, Känguru und andere nur in Australien vorkommende Köstlichkeiten. Angesichts der großen Auswahl, haben sich Aborigines zu meisterhaften Jägern und Sammlern entwickelt, die ihre Nahrungsmittel aus dem eigenen „Bush-Food-Supermarkt“, der natürlichen Umgebung, beziehen.

Heutzutage entdecken immer mehr Menschen Bush Tucker für sich und genießen es, mehr über diese traditionellen Nahrungsmittel und darüber, wie man daraus einzigartige und köstliche Gerichte zubereitet, zu erfahren. Dabei geht es nicht einzig um den einzigartigen Geschmack. Viele dieser Nahrungsmittel sind auch unglaublich gesund und nahrhaft. Einige der einheimischen Buschfrüchte haben einen höheren Vitamin-C-Gehalt als sonst eine Pflanze weltweit, und das aus Akaziensamen gewonnene Mehl hat siebenmal mehr Eiweiß als die besten Weizenkörner.

Bei einer von einem Aborigine geführten Tour, erfährt man nicht nur alles über die Jagd, das Sammeln und Zubereiten dieser Nahrungsmittel, mehr als häufig darf man selbst Hand anlegen und das Erlernte gleich in die Tat umsetzen. Genießen Sie traditionelle Delikatessen wie Schlammkrabbe, Spaltfußgans, Barramundi, Känguru und – für den gastronomisch Mutigen – die legendäre Witchetty-Made.

Bungoolee Tours, Banabu Country, Fitzroy Crossing Kimberley, Biridy Community, Westaustralien. Foto: Tourism Australia / James Fisher 2010

Festivals sind häufig die beste Gelegenheit, traditionelles Bush-Food direkt am Lagerfeuer zu genießen. Mit immer mehr Restaurant-Chefs, die Bush Tucker in ihre Speisekarte integrieren und mit immer mehr großen Märkten, die einige der Zutaten in ihr Angebot aufnehmen, wachsen auch für Sie die Möglichkeiten, diese einzigartigen Köstlichkeiten zu entdecken. Ob Sie gemeinsam mit einem Tourguide Ihr eigenes Wild erjagen und über einem Lagerfeuer an einem entlegenen Strand zu grillen, oder ob Sie ein köstliche zubereitetes Mahl in einem Feinschmeckerrestaurant genießen – eines ist sicher: Sie werden diesen Geschmack Australiens niemals vergessen.

Kunst, Sprachen und Literatur der Aborigines

Bereisen Sie diese historische Landschaft und erkunden Sie einige der ältesten und spektakulärsten Kunststätten, wo Sie eine Vielfalt von Felszeichnungen und -inschriften (Petroglyphen) entdecken können. Diese erzählen eine Jahrtausend alte Geschichte in den verschiedensten Malstilen, von abstrakt bis detailliert naturgetreu.
Nur eins von vielen Beispielen sind die eleganten Gwion-Gwion-Felsmalereien (Bradshaws) in den abgelegenen Kimberleys in Westaustralien, die jedermann in ihren Bann ziehen. Sie zählen zu den schmuckvollsten und naturalistischsten Zeichnungen in der Felskunst der Aborigines.

Das Australien der Aborigines hat sich zunächst als ein großes Netzwerk unabhängiger „Nationen“ entwickelt, die sich in 250 Sprachgruppen und über 700 Dialekte gliedern. So ist das Australien der Aborigines in sprachlicher Hinsicht eines der vielfältigsten Gebiete der Welt.

Zu den indigenen Völkern Australiens zählen die Aborigines vom Festland und von den Torres-Strait-Inseln, die zum Bundesstaat Queensland gehören. Die Torres-Strait-Inselbewohner gehören zu den Melanesiern und sollen mit den anderen Aborigines-Völkern Australiens nicht verwandt sein.

Die Torres-Strait-Inselbewohner stammen von den in der Torres-Straße zwischen der Cape-York-Halbinsel in Queensland und Papua-Neuguinea gelegenen Inseln, und weisen zahlreiche kulturelle Ähnlichkeiten mit den Einwohnern von Papua-Neuguinea und des Pazifik auf.

So unterschiedlich wie die zahlreichen Sprachen, ist auch die Kunst der Aborigines und nimmt von Sprachgruppe zu Sprachgruppe ganz unterschiedliche Formen an. Von den Kreuzschraffuren auf Baumrinde aus Arnhemland, über zeitgenössische Punktmalerei auf Leinwand aus der Western Desert bis hin zu zeitgenössischen urbanen Interpretation in Form von Fotoausstellungen, Skulpturen und neuen Medien ist alles dabei.

Batji Tours, Darwin in Northern Terrotory. Foto: Tourism Australia

Die australische Landschaft gleicht einer großen Freilichtgalerie, die historische Kunst und Erzählungen beherbergt, die über 50.000 Jahre in die Geschichte zurückreichen. Nehmen Sie sich die Zeit, historische Felsenzeichnungen und -malereien zu betrachten, die häufig in Nationalparks beheimatet sind, und erkunden Sie dabei die wunderschöne Buschlandschaft.

Aborigines teilen ihre Kultur, ihre Erzählungen und ihre Geschichte traditionell durch Lieder, Tänze und Kunst. Bereits seit dem achtzehnten Jahrhundert prägten Aborigines die Literatur, so gibt es heute unzählige preisgekrönte literarische Werke, die von Aborigines geschrieben wurden, zum Beispiel Biografien, Erzählungen und Gedichte. Aborigine-Literatur bietet eine einzigartige Sichtweise auf die heimische Landschaft und einen wertvollen Einblick in die Kultur Australiens.



Traumzeit, Erzählungen und Traumpfade

Australiens Ureinwohner haben für sich ein hoch komplexes Glaubenssystem entwickelt, nach dem sie leben. Darin sind Land, Spiritualität, Recht, gesellschaftliches Leben und Umweltschutz eng miteinander verbunden. Traumzeit (Dreamtime bzw. Dreaming) und Traumpfade (Songlines) sind wesentliche Elemente, die die Aborigine-Kulturen umschreiben.

Die Traumzeit ist die Zeit der Schöpfung, als die Welt noch eine formlose Leere war, in der die Geister der Ahnen in menschlicher und anderer Gestalt aus Erde und Himmel hervorgingen und alles Lebendige sowie die Landschaft, die uns heute umgibt, schufen.

Allen Aborigine-Völkern ist der Glaube an die Schöpfungs- oder Traumzeit gemeinsam, in der die Ahnenwesen durch das Land reisten und die natürliche Welt schufen, sowie Gesetze und Gebräuche festsetzten, nach denen die Aborigines leben sollten. Die Ahnenwesen erscheinen in Gestalt von Menschen, Tieren oder natürlichen Formen in der Landschaft.

Schöpfungsglauben und Gebräuche sind in Australien zwar sehr unterschiedlich, beruhen aber alle auf den Reisen der Ahnenwesen und Ereignissen, die in der Schöpfungszeit stattfanden.

„Mein Volk glaubt daran, dass unsere Ahnen für die Schöpfung unseres Landes verantwortlich sind und dass sie uns unsere Lebensregeln gaben … Wir haben Bräuche, die das Wohlergehen und die Gaben unseres Landes schützen sollen. Unsere Kultur ist von diesen Dingen durchdrungen. Die Ahnen der Traumzeit schufen die Traumpfade im Rahmen der Schöpfungsgeschichte – wir nutzen sie noch heute.“
Tiwi Elder, NTTC Experience Aboriginal Culture in Australia’s Northern Territory, 1997

Zeremonien mit Tanz, Kunst und Gesang sind ein wesentliches Element des individuellen als auch des familiären Auslebens der Kultur. Viele der Traumzeit-Geschichten werden als aufwendige Liederzyklen (Traumpfade) erzählt, die sich auf einen bestimmten Ort, eine Gruppe oder eine Person beziehen. Sie stellen eine Art Karte dar, in der landschaftliche Merkmale verzeichnet sind und die die Beziehung zwischen Land, Meer und Volk zum Ausdruck bringt. Die Erzählungen und Traumpfade umfassen Recht, Kultur und Spiritualität und gewährleisten den Fortbestand aller lebenden Wesen.

Musik und Tanz

Tanzrituale, Zeremonien und Gesänge spielen eine zentrale Rolle im Leben der Aborigines und der Torres-Strait-Inselbewohner. Sie haben sich über Jahrtausenden hinweg weiterentwickelt und werden noch heute gepflegt.
Zahlreiche Feste sind heute auch für Besucher offen: So kann man vor allem in Nordaustralien diese bunten und spektakulären Rituale und Bräuche hautnah miterleben.
Auch bedeutende Stadtfeste in zahlreichen Metropolen haben Elemente aus Aborigine Vorführungen übernommen und teilen dieses atemberaubende Erlebnis, zeitlose Kultur zu erleben, mit einem immer größer werdenden Publikum.

Das Didgeridoo, als traditionelles Instrument, ist hier häufig dabei. Ursprünglich stammt es aus dem tropischen Nordaustralien, speziell aus Arnhemland, und ist dort unter dem Namen Yidaki bekannt. Es wird aus den Stämmen des Woolybutt-Eukalyptusbaums hergestellt, die von Termiten ausgehöhlt wurden. Nach sorgfältiger Selektion und Reinigung wird das Mundstück mit Wachs von einheimischen Bienen bestrichen. Traditionell war es spärlich verziert, wird heute aber häufig kunstvoll mit mehr dekorativen Mustern bemalt. Das Didgeridoo ist zu einem weltweit bekannten Instrument geworden, dem eigens Festivals gewidmet werden.

Moderne Ballett- und Tanzensembles wie das Bangarra Dance Theatre sind für ihre glanzvollen Produktionen bekannt, bei denen zeitgenössischer Tanz mit historischen Erzählungen und Traditionen verschmilzt.

Die gegenwärtige Musikszene bringt immer mehr Aborigine-Gruppen und -Künstler hervor, für die Warumpi Band, Coloured Stone und Yothu Yindi als Vorreiter gelten.
Die eindringlichen Soli des blinden Yolgnu-Sängers und -Gitarristen Geoffrey Gurrumul Yunupingu haben die Welt bereits verzückt. Daneben sind noch weitere erstklassige Künstler regelmäßig in ganz Australien zu sehen.

Weitere Informationen:

tourism.australia.com/aboriginal

Quelle: Tourism Australia

Titelbild / Busch Tucker in Queensland. / Foto: Tourism Australia


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