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Busch Tucker in Queensland. Foto: Tourism Australia

Australien: Die Kultur der Aborigines – Fast Facts und Touren

20 Minuten Lesezeit

Ein Überblick über traditionelle Ernährung, Kultur, Religion und Lebensweise der Ureinwohner Australiens, der Aboriginies.

Die Kultur der Aborigines ist eine der ältesten heute noch existierenden Kulturen der Welt. Die Ureinwohner Australiens blicken auf eine über 50.000 Jahre alte Geschichte zurück, die vor allem durch eine tiefe Verbundenheit mit dem Land und der Natur gekennzeichnet ist. Für die Aborigines ist Australien ein spiritueller Kontinent. Durch mündliche Überlieferungen sind Geschichten aus der „Dreamtime”, der Entstehungszeit des Kontinents, bis heute erhalten geblieben. Die sogenannten „Songlines” ziehen sich wie eine unsichtbare mythische Landkarte über den Kontinent und beschreiben seine Entstehung und die Bedeutung der faszinierenden Landschaften.

Die Ureinwohner Australiens haben verschiedene ethnische und kulturelle wurzeln. Das Australien der Aborigines ist deshalb ein Netzwerk verschiedener, unabhängiger „Völker”. Hunderte verschiedene Sprachen und über 700 gesprochene Dialekte machen das Land zu einem der linguistisch vielfältigsten Orte der Erde.

Die Ureinwohner unterteilen sich in die sogenannten australischen Ureinwohner und Torres-Strait­Inselbewohner. Historisch betrachtet haben die Ureinwohner auf dem australischen Festland, in Tasmanien und auf den vorgelagerten Inseln Groote Eylandt, Bathurst und Melville im Northern Territory gelebt. Die Torres-Strait-Inselbewohner hingegen kommen von den Inseln entlang der Straße von Torres zwischen der Spitze der Cape-York-Halbinsel in Queensland und Papua-Neuguinea.

Nahrungsmittel und Jagd

Die traditionellen Nahrungsmittel der Aborigines, das sogenannte Bush Tucker, umfasst alles von Nüssen und Samen über Früchte (dazu gehören Buschtomaten, lllawarra-Pflaumen, die Früchte Quandongs, Lilli Pillies, Muntari-Beeren, Akaziensamen, Kakadu-Pflaumen und Bunya-Nüsse) bis hin zu Fisch und Wild wie Emu, Känguru und andere nur in Australien vorkommende Köstlichkeiten. Angesichts der großen Auswahl, haben sich Aborigines zu meisterhaften Jägern und Sammlern entwickelt, die ihre Nahrungsmittel aus dem eigenen „Bush-Food-Supermarkt“, der natürlichen Umgebung, beziehen.

Australiens Spitzenköche experimentieren immer häufiger mit den ungewöhnlichen und delikaten Aromen. Einer der bekanntesten indigenen Köche, Mark Olive, versucht, Hobbygourmets die außergewöhnlichen Gerichte näher zu bringen. Auch auf einem Wochenmarkt können Australienbesucher „Bush Tucker”-Zutaten einkaufen und selbst ein Aborigine-Mahl zubereiten.

Heutzutage entdecken immer mehr Menschen Bush Tucker für sich und genießen es, mehr über diese traditionellen Nahrungsmittel und darüber, wie man daraus einzigartige und köstliche Gerichte zubereitet, zu erfahren. Dabei geht es nicht einzig um den einzigartigen Geschmack. Viele dieser Nahrungsmittel sind auch unglaublich gesund und nahrhaft. Einige der einheimischen Buschfrüchte haben einen höheren Vitamin-C-Gehalt als sonst eine Pflanze weltweit, und das aus Akaziensamen gewonnene Mehl hat siebenmal mehr Eiweiß als die besten Weizenkörner.

Bei einer von einem Aborigine geführten Tour, erfährt man nicht nur alles über die Jagd, das Sammeln und Zubereiten dieser Nahrungsmittel, mehr als häufig darf man selbst Hand anlegen und das Erlernte gleich in die Tat umsetzen. Genießen Sie traditionelle Delikatessen wie Schlammkrabbe, Spaltfußgans, Barramundi, Känguru und – für den gastronomisch Mutigen – die legendäre Witchetty-Made.

Bungoolee Tours, Banabu Country, Fitzroy Crossing Kimberley, Biridy Community, Westaustralien. Foto: Tourism Australia / James Fisher 2010

Festivals sind häufig die beste Gelegenheit, traditionelles Bush-Food direkt am Lagerfeuer zu genießen. Mit immer mehr Restaurant-Chefs, die Bush Tucker in ihre Speisekarte integrieren und mit immer mehr großen Märkten, die einige der Zutaten in ihr Angebot aufnehmen, wachsen auch für Dich die Möglichkeiten, diese einzigartigen Köstlichkeiten zu entdecken. Ob Du gemeinsam mit einem Tourguide Dein eigenes Wild erjagen und über einem Lagerfeuer an einem entlegenen Strand grillen, oder ob Du ein köstlich zubereitetes Mahl in einem Feinschmeckerrestaurant genießt – eines ist sicher: Du wirst diesen Geschmack Australiens niemals vergessen.

Kunst, Sprachen und Literatur der Aborigines

Wie die vielen Sprachen variiert auch die Kunst der Ureinwohner von Volk zu Volk. In Arnhemland im Northern Territory findet man beispielsweise Kreuzschraffierungen auf Rinde. Die sogenannten Dot Paintings, Punktmalerei auf Leinwand, hingegen sieht man häufiger eher in den westlichen Wüstenregionen.

Bereise diese historische Landschaft und erkunde einige der ältesten und spektakulärsten Kunststätten.

Einige der ältesten Felsritzungen der Welt, sogenannte Petroglyphen, können Besucher im Bezirk Olary in South Australia bestaunen. Sie sind etwa um 43.000 v. Chr. entstanden. Auch die geheimnisvollen „Bradshaw”-Gemälde in der Kimberley-Region in Western Australia faszinieren nach wie vor die Wissenschaftler. Laut der Geschichten der Aborigines entstanden die Felsmalereien durch Vögel, die so lange mit ihren Schnäbeln auf den Felsen herumhackten, bis diese zu bluten begannen. Mit einer ihrer Schwanzfedern malten die Vögel dann die Zeichnungen. 1891 wurden diese von Joseph Bradshaw entdeckt und bekamen so ihren Namen.

Nach Angaben des Kunstkritikers Robert Hughes ist die Kunst der Aborigines eine der wichtigsten Bewegungen der Neuzeit, die bis in die Gegenwart am Leben erhalten wurde. Heute finden sich die Werke vieler Aborigine Künstler fast überall auf der Welt in öffentlichen Ausstellungen und privaten Sammlungen. Die Aborigines bewahren ihre Kultur über die sogenannten Traumzeit-Erzählungen, die in Felsenmalereien, Ritualen und Totems ausgedrückt werden.

Moderne Darstellende Kunst der Aborigines findet man zum Beispiel im Bangarra Dance Theatre in Sydney. Hier werden alte Tänze, die die Geschichte und die Kultur der Aborigines ausdrücken, neu interpretiert. Das Ensemble begeistert mittlerweile auf seinen Touren Menschen auf der ganzen Welt. Ihre Jahrtausende alten Zeremonien, Tänze und Lieder zeigen die Aborigines außerdem auf diversen Festivals, wie zum Beispiel dem Garma Festival im Northern Territory.

Die Torres-Strait-Inselbewohner stammen von den in der Torres-Straße zwischen der Cape-York-Halbinsel in Queensland und Papua-Neuguinea gelegenen Inseln, und weisen zahlreiche kulturelle Ähnlichkeiten mit den Einwohnern von Papua-Neuguinea und des Pazifik auf.

So unterschiedlich wie die zahlreichen Sprachen, ist auch die Kunst der Aborigines und nimmt von Sprachgruppe zu Sprachgruppe ganz unterschiedliche Formen an. Von den Kreuzschraffuren auf Baumrinde aus Arnhemland, über zeitgenössische Punktmalerei auf Leinwand aus der Western Desert bis hin zu zeitgenössischen urbanen Interpretation in Form von Fotoausstellungen, Skulpturen und neuen Medien ist alles dabei.

Batji Tours, Darwin in Northern Terrotory. Foto: Tourism Australia

Die australische Landschaft gleicht einer großen Freilichtgalerie, die historische Kunst und Erzählungen beherbergt, die über 50.000 Jahre in die Geschichte zurückreichen. Nehmen Sie sich die Zeit, historische Felsenzeichnungen und -malereien zu betrachten, die häufig in Nationalparks beheimatet sind, und erkunden Sie dabei die wunderschöne Buschlandschaft.

Aborigines teilen ihre Kultur, ihre Erzählungen und ihre Geschichte traditionell durch Lieder, Tänze und Kunst. Bereits seit dem achtzehnten Jahrhundert prägten Aborigines die Literatur, so gibt es heute unzählige preisgekrönte literarische Werke, die von Aborigines geschrieben wurden, zum Beispiel Biografien, Erzählungen und Gedichte. Aborigine-Literatur bietet eine einzigartige Sichtweise auf die heimische Landschaft und einen wertvollen Einblick in die Kultur Australiens.

Traumzeit, Erzählungen und Traumpfade

Australiens Ureinwohner haben für sich ein hoch komplexes Glaubenssystem entwickelt, nach dem sie leben. Darin sind Land, Spiritualität, Recht, gesellschaftliches Leben und Umweltschutz eng miteinander verbunden. Traumzeit (Dreamtime bzw. Dreaming) und Traumpfade (Songlines) sind wesentliche Elemente, die die Aborigine-Kulturen umschreiben.

Die Traumzeit ist die Zeit der Schöpfung, als die Welt noch eine formlose Leere war, in der die Geister der Ahnen in menschlicher und anderer Gestalt aus Erde und Himmel hervorgingen und alles Lebendige sowie die Landschaft, die uns heute umgibt, schufen.

Allen Aborigine-Völkern ist der Glaube an die Schöpfungs- oder Traumzeit gemeinsam, in der die Ahnenwesen durch das Land reisten und die natürliche Welt schufen, sowie Gesetze und Gebräuche festsetzten, nach denen die Aborigines leben sollten. Die Ahnenwesen erscheinen in Gestalt von Menschen, Tieren oder natürlichen Formen in der Landschaft.

Schöpfungsglauben und Gebräuche sind in Australien zwar sehr unterschiedlich, beruhen aber alle auf den Reisen der Ahnenwesen und Ereignissen, die in der Schöpfungszeit stattfanden.

„Mein Volk glaubt daran, dass unsere Ahnen für die Schöpfung unseres Landes verantwortlich sind und dass sie uns unsere Lebensregeln gaben … Wir haben Bräuche, die das Wohlergehen und die Gaben unseres Landes schützen sollen. Unsere Kultur ist von diesen Dingen durchdrungen. Die Ahnen der Traumzeit schufen die Traumpfade im Rahmen der Schöpfungsgeschichte – wir nutzen sie noch heute.“
Tiwi Elder, NTTC Experience Aboriginal Culture in Australia’s Northern Territory, 1997

Zeremonien mit Tanz, Kunst und Gesang sind ein wesentliches Element des individuellen als auch des familiären Auslebens der Kultur. Viele der Traumzeit-Geschichten werden als aufwendige Liederzyklen (Traumpfade) erzählt, die sich auf einen bestimmten Ort, eine Gruppe oder eine Person beziehen. Sie stellen eine Art Karte dar, in der landschaftliche Merkmale verzeichnet sind und die die Beziehung zwischen Land, Meer und Volk zum Ausdruck bringt. Die Erzählungen und Traumpfade umfassen Recht, Kultur und Spiritualität und gewährleisten den Fortbestand aller lebenden Wesen.

Junge Aborigines erlangen den Erwachsenenstatus auf dem Walkabout, einer Wanderung auf den sogenannten Songlines. Viele Touristen, aber auch Einheimische verwenden den Begriff heute als ein Synonym für eine Reise, auf der sie versuchen, zurück zu sich selbst zu finden.

Musik und Tanz

Tanzrituale, Zeremonien und Gesänge spielen eine zentrale Rolle im Leben der Aborigines und der Torres-Strait-Inselbewohner. Sie haben sich über Jahrtausenden hinweg weiterentwickelt und werden noch heute gepflegt.
Zahlreiche Feste sind heute auch für Besucher offen: So kann man vor allem in Nordaustralien diese bunten und spektakulären Rituale und Bräuche hautnah miterleben.

Ein bedeutendes Ereignis ist auch immer das Laura Quinkan Dance Festival. Laura ist der zentrale Treffpunkt für Menschen von Cape York. Es beherbergt nicht nur Australiens bedeutendste Sammlung von Rockkunst, sondern beherbergt auch eine weitere international anerkannte Feier der Kultur der Aborigines.

Das Tanzfestgelände von Laura findet auf einem sehr alten, traditionellen Bora-Platzes statt. Das ist ein respektierter und heiliger Ort. Hier kommen Menschen aus etwa 20 verschiedenen Gemeinden am ganzen Kap zusammen, um mit Musik, Tanz, Gesang und kulturellen Darbietungen zu feiern.

Während der Veranstaltung treffen Familien neue und alte Familienmitglieder und tauschen Geschichte aus.

Das Festival wurde im Laufe der Jahre von mehreren verschiedenen Organisationen koordiniert. 2021 übernahm die Ang-Gnarra Aboriginal Corporation zum ersten Mal die Verantwortung für die Organisation und Ausrichtung des Laura Quinkan Dance Festivals, ein bedeutender Meilenstein für die traditionellen Eigentümer.

Das nächste Laura Quinkan Dance Festival findet vom 7. bis 9. Juli 2023 statt. Eintrittskarten und Campingplätze können schon jetzt reserviert werden.

Auch bedeutende Stadtfeste in zahlreichen Metropolen haben Elemente aus Aborigine Vorführungen übernommen und teilen dieses atemberaubende Erlebnis, zeitlose Kultur zu erleben, mit einem immer größer werdenden Publikum.

Das Didgeridoo, als traditionelles Instrument, ist hier häufig dabei. Ursprünglich stammt es aus dem tropischen Nordaustralien, speziell aus Arnhemland, und ist dort unter dem Namen Yidaki bekannt. Es wird aus den Stämmen des Woolybutt-Eukalyptusbaums hergestellt, die von Termiten ausgehöhlt wurden. Nach sorgfältiger Selektion und Reinigung wird das Mundstück mit Wachs von einheimischen Bienen bestrichen. Traditionell war es spärlich verziert, wird heute aber häufig kunstvoll mit mehr dekorativen Mustern bemalt. Das Didgeridoo ist zu einem weltweit bekannten Instrument geworden, dem eigens Festivals gewidmet werden.

Moderne Ballett- und Tanzensembles wie das Bangarra Dance Theatre sind für ihre glanzvollen Produktionen bekannt, bei denen zeitgenössischer Tanz mit historischen Erzählungen und Traditionen verschmilzt.

Die gegenwärtige Musikszene bringt immer mehr Aborigine-Gruppen und -Künstler hervor, für die Warumpi Band, Coloured Stone und Yothu Yindi als Vorreiter gelten.
Die eindringlichen Soli des blinden Yolgnu-Sängers und -Gitarristen Geoffrey Gurrumul Yunupingu haben die Welt bereits verzückt. Daneben sind noch weitere erstklassige Künstler regelmäßig in ganz Australien zu sehen.

Touren mit Australiens Ureinwohner

Mit indigenen Rangern auf Bush Tucker-Tour in Tropical North Queensland

In Tropical North Queensland wird eine neue Exkursion mit Australiens Ureinwohnern angeboten – rund 15 Bootsminuten von Cairns entfernt. Die Tour führt auf die andere Seite von Trinity Inlet in das bislang kaum zugängliche Mandingalbay Yidinji Country.

Auf der neuen „Hands on Country“-Tour teilen indigene Ranger ihre Dreamtime-Geschichten, die die Entstehung des Great Barrier Reef und der umliegenden, zum Welterbe gehörenden Natur beschreiben. Die indigenen Guides sind alle direkte Nachkommen von Jabulum Mandingalpai, der um 1858 geboren wurde und die Besetzung und Besiedlung seines Landes überlebte.

Auf Tour / Foto: Mandingalbay Ancient Indigenous Tours / Brad Newton
Auf Tour / Foto: Mandingalbay Ancient Indigenous Tours / Brad Newton

Der Regenwald: Supermarkt, Apotheke und Baumarkt in einem

Nach der 15-minütigen Bootsfahrt und einer „Welcome to Country and Smoking Ceremony“ geht es auf Bush Tucker-Wanderung durch den tropischen Regenwald. Hier erzählen die Guides von ihren spirituellen Traditionen und demonstrieren die vielseitige Verwendung von Pflanzen. Seit 50.000 Jahren nutzen die Mandingalbay Yidinji die Natur zur Ernährung, zu Heilungszwecken sowie zur Herstellung typischer Werkzeuge.

Mandingalbay Ancient Indigenous Tours befindet sich zu 100 Prozent im Besitz der traditionellen Eigentümer und wird von ihnen auch eigenständig betrieben. Nachdem der Anbieter seit 2015 zunächst ausschließlich im Gruppengeschäft tätig war, werden ab sofort die Touren auch für den Individualurlauber angeboten. Mandingalbay Ancient Indigenous Tours würdigt das Volk der Mandingalbay Yidinji, auf deren Land sie unterwegs sind, und zollt den Ältesten ihren Respekt. Das Eco-zertifizierte Tourismusunternehmen wird von den „Djunbunji Land and Sea Rangers“ unterstützt, um Gästen authentische und vielfältige kulturelle Erlebnisse zu bieten.

„Mandingalbay Ancient Indigenous Tours ist ein kleines Unternehmen mit neun Vollbeschäftigten. Es soll auch Arbeitsplätze für zukünftige Generationen schaffen, um die Mandingalbay Yidinji-Kultur und -Identität zu bewahren“, sagt Dale Mundraby, Djunbunji Executive Director.

Die „Hands on Country“-Tour wird viermal pro Woche angeboten – immer montags, mittwochs, freitags und samstags. Der dreistündige Ausflug startet um 9 Uhr im Cairns Reef Terminal und kostet umgerechnet etwa 95 Euro inklusive Snacks, frischen Früchten und Tee.

Weitere Details zur Tour.

Neben dem neuen Ausflug bietet Mandingalbay Ancient Indigenous Tours auch Dinner-Events und Camping-Übernachtungen an.

Nach der 15-minütigen Bootsfahrt und einer „Welcome to Country and Smoking Ceremony“ geht es auf Bush Tucker-Wanderung durch den tropischen Regenwald. / Foto: Mandingalbay Ancient Indigenous Tours / Lovegreen Photography
Nach der 15-minütigen Bootsfahrt und einer „Welcome to Country and Smoking Ceremony“ geht es auf Bush Tucker-Wanderung durch den tropischen Regenwald. / Foto: Mandingalbay Ancient Indigenous Tours / Lovegreen Photography

Indigene Kulturen rund um Cairns erleben

Die Kultur der australischen Ureinwohner zählt zu den ältesten der Welt. Sie blickt auf eine über 50.000 Jahre alte Geschichte zurück. Vor allem die Gegend rund um Cairns ist das Zuhause vieler Ureinwohner. Tropical North Queensland ist die einzige Region mit zwei unterschiedlichen indigenen Kulturen, die der Aboriginal people und die der Torres Strait Island people. Um deren Lebensweise besser kennenzulernen, können Urlauber viele spannende Touren unternehmen – persönlich von Ureinwohnern geführt.

Von Regenwald-Wanderungen und Rock Art-Führungen, über Speer-Fischen und Great Barrier Reef-Touren bis hin zu Mal-Workshops, Didgeridoo- und Boomerang-Kursen und Camp-Übernachtungen im Outback: Magische Erlebnisse und Touren mit Australiens Ureinwohnern machen einen wesentlichen Teil der touristischen Angebote in Tropical North Queensland aus. Ob Kultur, Kunst oder einfach nur das Lauschen der Dreamtime Stories: Alle Touren sind lehrreich und unterhaltsam und bieten viele unvergessliche Wow-Momente!

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Im Herzen von Brisbane auf dem traditionellen Land der Jagera, Ugerra & Thurrbal erwartet Besucher seit 2020 ein zu 100 Prozent indigen geführter kultureller Hotspot. Die vom First Nation Künstler Birrunga Wiradyuri mitbegründete „Birrunga Gallery and Dining“ gilt als einziges Unternehmen in Brisbane, welches indigene Kunstwerke, Kunstdrucke sowie Kunsthandwerk auf ethischen Prinzipien basierend einkauft, ausstellt und verkauft. Birrunga selbst stammt vom Land der Wiradyuri in New South Wales ab und ist an der Sunshine Coast in Queensland aufgewachsen. In seinen Workshops lässt er Gäste über das Medium der Kunst in die australische Geschichte eintauchen, von der Zeit des ersten Kontakts zwischen Europäern und First Nations bis hin zu den traumatischen Ereignissen, welche das Leben der indigenen Völker bis heute prägen. Durch sein Engagement möchte Birrunga Möglichkeiten aufzeigen um Empathie und Heilung zu erfahren.

Als erfolgreicher Künstler und Mentor setzt er auf die Förderung junger indigener Talente und die Anstellung indigener Teammitglieder. Mit seiner Stiftung unterstützt er zudem indigene Häftlinge und deren Familien. Gäste des dazugehörigen Birrunga Cafés kommen auf den Geschmack traditioneller Aromen und indigener Zutaten, die zu zeitgenössischen Kreationen verarbeitet werden. Zu den Spezialitäten zählen das 12 Stunden lang geschmorte „Pulled Emu“ und das Känguruhack-Curry.

Walkabout Cultural Adventures, Port Douglas – Streifzug durch den ältesten „Supermarkt“ der Welt

Juan Walker, stolzer Angehöriger des Kuku Yalanji Volkes, nimmt seine Gäste mit auf einen Streifzug durch die Mangrovenwälder und das Wattenmeer auf dem Land seiner Ahnen – auf der Suche nach Meeresfrüchten, die später zu einer Mahlzeit verarbeitet werden. Besucher werden staunen, wenn sie merken, mit welcher Fülle an Nahrung die auf den ersten Blick „leeren“ Ufer aufwarten. Die Tour startet im ältesten Regenwald des Planeten, dem Daintree Rainforest, mit einer kurzen Einführung in die Geschichte der dort seit jeher beheimateten Kuku Yalanji. Auf dem anschließenden Ausflug lernen die Besucher über die Pflanzen, die an den Ufern des Ozeans wachsen und wie diese als Heilmittel oder Nahrung Verwendung finden. Juan erzählt über die Tradition und Bräuche seiner Familie. Seine Großmutter wurde als letzte auf dem traditionellen Land geboren, bevor sie von den europäischen Siedlern aus dem Regenwald weggebracht wurde. Die Verbindung mit ihrem Zuhause riss jedoch niemals ab, denn damals wurden die Plazentas der Neugeborenen traditionsgemäß auf ihrem Land ausgelegt. Als Juans Kinder auf die Welt kamen, führte er diesen Brauch fort. „Wir sind alle mit unserem Land und unserer Heimat verbunden. Wenn wir uns nicht um diese sorgen, verschwinden wir. Für uns ist es wichtig, das Land nicht zu kontrollieren, sondern es zu bewahren, so dass auch künftige Generationen ihr Leben hier führen können.“, so beschreibt Juan Walker die Beziehung zu seinem Land. „Die Stammesältesten hatten bei uns immer den wichtigsten Job – nämliche die ganz Kleinen zu betreuen, mit ihnen durch die Wälder zu ziehen und ihnen die wesentlichen Dinge des Lebens beizubringen.“

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Normanby Station Tour, Cooktown – Tradition trifft auf Moderne

Besucher erleben, wie die Kultur der Aborigine in heutigen Zeiten weitergeführt wird, und wie sich mit traditionellen landwirtschaftlichen Methoden das Great Barrier Reef direkt von der Quelle aus schützen lässt. Schmutzablagerungen, die mit dem Normanby River, dem drittlängsten Fluss Queenslands, sonst ans Great Barrier Reef gelangen würden, werden durch diese Methoden reduziert. Studien zeigen, dass genau diese Ablagerungen die für die Korallen besonders schädlichen Dornenkronenseesterne ernähren. Vince Harrigan, dreifacher Vater und stolzer Aborigine, der die Normanby Station bewirtschaftet, ist dabei der geborene Unterhalter. Gemeinsam mit seinen Brüdern lässt er Besucher in die Geschichten der Traumzeit eintauchen, die ihnen von deren Vater und Großvater weitergegeben wurden. Durch geheime Durchgänge im Hochland führt die Tour außerdem zu 6.000 Jahre alten Felsmalereien, die Krokodile, Dingos, Emus, Barramundi und sogar Segelschiffe darstellen. Die letzteren gelten als Dokumentation der ersten Besuche aus Europa.

Vince zeigt seinen Gästen das Land seiner Vorfahren, und lässt auch die schaurigen Aspekte der Geschichte nicht aus, wenn er von den verzweifelten Versuchen seines Volkes erzählt, dessen Kinder vor der Verschleppung durch die Kolonisten zu bewahren. „Culture Connect“ zeigt zwei Seiten der Aboriginal-Kultur, jene althergebrachte, die etwa durch die Darstellungen des damaligen Lebens in den Felsmalereien zum Ausdruck kommt, und die zeitgenössische, wie sie sich zum Beispiel in der nachhaltigen Bewirtschaftung der Normanby Station manifestiert. „Was die Tour zeigt, ist, dass die Kultur der Aborigine keine tote Kultur ist. Es ist eine Kultur, die sich stetig weiterentwickelt.“, erklärt Roger de Vos, Tourimus-Partner von Culture Connect.

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Dreamtime Dive and Snorkel, Cairns – Einblicke in den größten Organismus des Planeten und die älteste Kultur der Welt

Direkt vor Ort am Great Barrier Reef arbeiten Angehörige der “Sea Country” Völker bei Dreamtime Dive and Snorkel gemeinsamen mit AMPTO (Association of Marine Park Tourism Operators) daran die Populationen der Dornenkronenseesterne durch die Zugabe von Rindergalle zu dezimieren. Der indigene Tourenveranstalter legt großen Wert darauf auch seinen Gästen das marine Ökosystem nahezubringen und gleichermaßen qualifizierte Einblicke in die Geschichte und Kultur der Aborigine zu gewähren. So besteht die Crew zum einen aus Meeresbiologen und zum anderen aus den Vertretern vier verschiedener Stämme, den Gimuy Walubara Yidinji, Gunggandji, Mandingalbay Yidinji und Yirrganydji, deren Heimatland sich von Frankland Island südlich von Cairns bis zur Torres Strait erstreckt. Der Veranstalter setzt auf die systematische Ausbildung indigener Jugendlicher, die sich der Crew als Ranger und Erzähler anschließen, aber auch weitere Qualifikationen erlangen, so dass sie am Ende etwa Tauchgänge führen, als Skipper arbeiten oder gar das Studium der Meeresbiologie absolvieren. Für Besucher soll ein Tag mit Dreamtime Dive in jedem Sinne bereichernd sein: Während der Fahrt zum Schnorcheln an zwei der farbenprächtigsten Stellen des Great Reef, nämlich Flynn Reef und Miln Reef, erwecken indigene Ranger die Schöpfungsgeschichte des Great Barrier Reef sowie 60.000 Jahre alte Geschichten durch Gesang, Tanz, kulturelle Artefakte und Instrumente wie dem Didgeridoo zu neuem Leben.

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Saltwater Eco Cruise, Mooloolaba – Segeltörn an der Sunshine Coast mit einer Prise Geschichte

Auf einer 100 Jahre alten, aufwendig restaurierten Ketsch aus Holz segeln Besucher an der Seite von indigenen Guides der Kabi Kabi und Gubbi Gubbi Völker durch die Kanäle von Mooloolaba und bis kurz vor dem offenen Ozean, wo die Tour mit einem großartigen Ausblick auf Mt. Coolum endet. Die Guides geben althergebrachte Geschichten und Legenden über deren Stätten und Orte mit symbolischer Bedeutung an der Sunshine Coast zum Besten. Ein Erlebnis per se: Das aus einem tasmanischen Nadelholz gebaute Segelboot namens „Spray of the Coral Coast”, welches als ältestes “Spray”-Segelboot Australiens, gilt – eine exakte Replik jenes Segelbootes, mit dem Joshua Slocum zwischen 1895 und 1898 als erster Mensch die Welt umsegelte.

Simon Thornalley, der Saltwater Eco Cruises im Jahre 2020 ins Leben rief, stammt selbst aus einer Familie mit großer Segelgeschichte. Bereits sein Urgroßvater war ein Seemann, genauso wie Simons Eltern, mit denen er als Kind um das Great Barrier Reef und die Torres Strait segelte. Simon ist ausgebildeter Schiffsführer und überquerte als Erster Offizier eines Charters drei Mal den Südlichen Ozean bis in die Antarktis. „Ich wurde in ein Leben auf dem Meer hineingeboren, oder “Malu”, wie wir in den Straits zu sagen pflegen. Ich wusste, dass ich mit dem Ozean in Verbindung bleiben muss. Erst vor wenigen Jahren, als ich mit meiner Partnerin Jena durch die Whitsundays segelte, begriff ich, dass meine Leidenschaft und Erfahrung mit dem Ozean etwas von großer Bedeutung ist, dass ich mit anderen teilen möchte.“ erzählt Simon.
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tourism.australia.com/aboriginal

Touren mit Aborigines erleben

Quelle: Tourism Australia

Titelbild / Busch Tucker in Queensland. / Foto: Tourism Australia


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