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Dem Great Barrier Reef vor Queensland soll es wieder besser gehen. Foto: Tourism and Events Queensland

Das Great Barrier Reef soll sich erholen

6 Minuten Lesezeit

Das größte Korallenriff der Welt erholt sich besser und schneller als gedacht – das zeige eine neue Studie von Australiens führendem Meeresforschungsinstitut

Immer wieder hört man von Wissenschaftlern Stimmen, dass große Teile des Great Barrier Reefs bereits geschädigt sind und dass das größte Korallenriff der Welt in großer Gefahr sei. Dann gibt es wieder Meldungen, meist von australischen Wissenschaftlern, dass das Riff sich erholt.

In unserem Beitrag vom August 2018 (weiter unten) sprachen Wissenschaftler von einer Erholung. Nun gibt es wieder gute Nachrichten vom Great Barrier Reef. Der nördliche und zentrale Abschnitt des weltgrößten Korallenriffs verzeichnet die größte Korallendichte seit den Aufzeichnungen des Australian Institute of Marine Science (AIMS) vor 36 Jahren. Der veröffentlichte „Annual Summary Report of Coral Reef Condition 2021/22“ berichtet von einem weiteren Jahr mit einem zunehmenden Korallenvorkommen in den meisten Teilen des Riffs.

Das größte Korallenriff der Welt erholt sich besser und schneller als gedacht – das zeige eine neue Studie von Australiens führendem Meeresforschungsinstitut / Foto: AIMS / LTMP
Das größte Korallenriff der Welt erholt sich besser und schneller als gedacht – das zeige eine neue Studie von Australiens führendem Meeresforschungsinstitut / Foto: AIMS / LTMP

In den 87 repräsentativ ausgewählten Riff-Sektionen, die zwischen August 2021 und Mai 2022 im Rahmen des AIMS-„Long-Term Monitoring Program“ untersucht wurden, stieg die durchschnittliche Dichte an Steinkorallen in der Region nördlich von Cooktown auf 36 Prozent (ein Jahr zuvor waren es noch 27 Prozent). Auch im Central Great Barrier Reef ist die Dichte an Steinkorallen auf 33 Prozent angestiegen (ein Jahr zuvor waren es 26 Prozent). Allerdings sank die Korallendichte im südlichen Great Barrier Reef (zwischen Proserpine und Gladstone) – vor allem wegen der starken Ausbreitung der für das Riff schädlichen Dornenkronen-Seesterne.

AIMS-CEO Paul Hardisty sagte, dass die Ergebnisse im Northern und Central Great Barrier Reef ein Zeichen seien, dass sich das Riff erholen könnte. „Das gute Studienergebnis ist vor allem auf das schnelle Wachstum der Acropora-Korallen zurückzuführen“, erklärt Hardisty. Diese Korallen seien aber sehr anfällig gegen Wellen, die durch starke Winde und tropische Zyklone hervorgerufen werden, und anfällig für Korallenbleichen, wenn die Wassertemperaturen steigen. Und sie seien die bevorzugte Nahrungsquelle für Dornenkronen-Seesterne. „Das bedeutet, dass große Zunahmen an Hartkorallen schnell durch Störungen an Riffen, an denen Acropora-Korallen vorherrschen, zunichte gemacht werden können“, mahnt der AIMS-Chef und verweist dabei auf die Bedrohung durch den Klimawandel.

Hardisty sieht beispielsweise eine Zunahme von Korallenbleichen – in diesem Jahr das vierte Mal in sieben Jahren: „In 36 Jahren haben wir noch nie so viele Bleichen in so kurzer Zeit nacheinander verzeichnet. Jeder Sommer bedroht das Riff durch die immer weiter ansteigende Wassertemperatur.“ Die letzte Korallenbleiche hatte allerdings keine so akuten Auswirkungen wie die in den Jahren 2016 und 2017. „Die letzten Erkenntnisse zeigen, dass sich das Riff ohne starke Umwelteinflüsse durchaus wieder regenerieren kann“, so der Meereswissenschaftler.

Weitere Details zur aktuellen Great Barrier Reef-Studie unter www.aims.gov.au/monitoring-great-barrier-reef/gbr-condition-summary-2021-22.

Lagoon Reef im nördlichen Teil des Great Barrier Reef / Foto: AIMS
Lagoon Reef im nördlichen Teil des Great Barrier Reef / Foto: AIMS

Das „Long-Term Monitoring Program“ des AIMS

Jedes Jahr verbringt ein Team von Meereswissenschaftlern des Australian Institute of Marine Science (AIMS) mehr als 120 Tage auf See, um zwischen 80 und 130 Riffe zu vermessen. Das „Long-Term Monitoring Program“ des AIMS ist seit 36 Jahren die größte und umfangreichste Informationsquelle zum Gesundheitszustand des Great Barrier Reef. Es hilft dabei, die Langzeitentwicklung vieler Korallen zu bestimmen. Weitere Einzelheiten unter www.aims.gov.au/research-topics/monitoring-and-discovery/monitoring-great-barrier-reef/long-term-monitoring-program.

Das AIMS ist Australiens führendes Meeresforschungsinstitut. Mithilfe modernster Technologien, unter anderem des Meeressimulators „SeaSim“, können hier einzelne Umweltfaktoren gezielt verändert und die damit verbundenen Effekte auf Meeresflora und -fauna untersucht werden. Das AIMS befindet sich in Cape Ferguson bei Townsville, etwa 400 Kilometer südlich von Cairns.

Am einfachsten können Besucher in die farbenfrohe und vielfältige Unterwasserwelt auf organisierten Tauch- oder Schnorchelausflügen „eintauchen“. Die Boote laufen ganz unterschiedliche Ziele an: eine Koralleninsel, eine kleine Sandbank, eine Plattform oder sie ankern auf dem offenen Meer. Weitere Details zu den unterschiedlichen Angeboten ab Cairns, Port Douglas, Cape Tribulation und Mission Beach unter https://www.tropicalnorthqueensland.org.au/things-to-do/great-barrier-reef-ocean/

Unser Beitrag über die Erholung des Riffs vom August 2018

Fotos zeigen gesunde, farbenfrohe und wachsende Korallen

Der letzte australische Sommer war relativ kühl. Das sorgte im nördlichen Great Barrier Reef dafür, dass sich viele von der Massenbleiche in Mitleidenschaft gezogene Korallenriffe wieder erholen konnten. Aktuelle Fotos der Reef Restoration Foundation zeigen gesunde, farbenfrohe und leuchtende Korallen rund um Fitzroy Island, vom Moore Reef und vom Saxon Reef bei Cairns – jene Stellen, die während der Korallenbleiche der Jahre 2016 und 2017 besonders gelitten hatten.

Auch Touren-Anbieter und Reiseveranstalter berichten von einer Verbesserung des Zustands der Korallen an beliebten Tauchplätzen. Doug Baird, Environmental Compliance Manager der Quicksilver Group, sagte, es habe eine weitgehende Erholung an den regelmäßig besuchten Standorten gegeben: „Alle unsere Riffe, die die Massenbleiche überlebt haben, erholen sich beziehungsweise wachsen wieder.“

Wann es zur Korallenbleiche kommt

Wenn Korallen zu viel Stress ausgesetzt sind, zum Beispiel durch hohe Wassertemperaturen oder schlechte Wasserqualität, kann es zur Korallenbleiche kommen. Korallen gehen eine Symbiose mit bestimmten einzelligen Algen – den sogenannten Zooxanthellen – ein, die der Koralle ihre charakteristische Farbe verleihen. Sind die Korallen langfristig gestresst, sterben die Zooxanthellen ab. Ändern sich die Bedingungen wieder und erreichen ein akzeptables Niveau, können einige Korallen die Zooxanthellen wieder aufnehmen und sich erholen.

Das Reef and Rainforest Research Centre mit Sitz in Cairns führte in Zusammenarbeit mit der Association of Marine Park Tourism Operators im Jahr 2016 detaillierte Untersuchungen der Bleichwerte an den wichtigsten Tauchplätzen rund um Cairns durch. Während viele der Haupttauchplätze 2016 nicht von der Korallenbleiche betroffen waren, erwischte es einige davon dann im Jahr 2017. Glücklicherweise sind dies jene Riffe, die sich nun wieder erholen.

Dem Great Barrier Reef geht es wieder besser. Foto: Tourism and Events Queensland

„Das Ausbleichen der Korallen findet in mehreren Stufen statt – von einem milden „Sonnenbrand“ bis hin zum Korallensterben. Wenn also ein Riff in den Medien als „gebleicht“ gemeldet wird, erfährt man oft nicht, wie stark die Korallenbleiche wirklich ist und ob es die Korallen an diesem Ort dauerhaft schädigen wird“, erklärt Sheriden Morris, Chefin des Reef and Rainforest Research Centre.

Das Reef and Rainforest Research Centre veranstaltete im Juli in Cairns ein großes Great Barrier Reef Restoration Symposium mit über 300 Wissenschaftlern, Ingenieuren und Vertretern der maritimen Tourismusindustrie aus 14 Ländern. Es war das erste seiner Art, das sich auf das Thema Wiederbelebung von Korallenriffsystemen konzentrierte.

Weitere Einzelheiten zum Reef & Rainforest Research Centre:

www.rrrc.org.au

Titelfoto / Dem Great Barrier Reef vor Queensland soll es wieder besser gehen. / Foto: Tourism and Events Queensland

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Quellen: Reef & Rainforest Research Centre, Tourism and Events Queensland


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