Great Barrier Reef: Das Laichen der Korallen ist ein Naturschauspiel

Last updated on 17. Mai 2021


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11 Minuten Lesezeit

Einmal im Jahr entlassen Korallen synchron unzählige Bündel von Eiern und Sperma ins Wasser

Vom 4. bis 6. Dezember 2020 fand im nördlichen Abschnitt des Great Barrier Reef die weltweit größte Fortpflanzungsshow statt, bei der Korallen Billionen von Eiern und Spermien in den Ozean beförderten, um ihre Arten zu reproduzieren. Dieses Naturphänomen, oft als gigantischer „Unterwasser-Schneesturm“ bezeichnet, tritt jedes Jahr nur in wenigen Nächten auf. Einige Wissenschaftler konnten dieses surreale Schauspiel erleben und neue beeindruckende Aufnahmen machen.

Das Laichen der Korallen ist das wichtigste jährliche Ereignis für den Wiederherstellungsprozess des Riffs, so David Wachenfeld, Chefwissenschaftler der Great Barrier Reef Marine Park Authority (GBRMPA). Hierbei stellten die Korallen auch ihre Widerstandsfähigkeit unter Beweis. „Das Riff ist wunderschön, lebendig und belastbar. Aber nach drei Massenbleichereignissen in fünf Jahren steht es unter größerem Druck als je zuvor“, sagt Wachenfeld.

„Wir haben mehr Korallen laichen sehen als in den Vorjahren“

Stuart Ireland, Unterwasservideograf und Meeresbiologe, hat das Glück, seit über 20 Jahren das Laichen von Korallen am Great Barrier Reef zu beobachten und zu dokumentieren. „Die Art und Weise, wie sich diese winzige Art gleichzeitig vermehrt, überrascht mich immer wieder. In diesem Jahr war es besonders spektakulär. Wir haben mehr Korallen laichen sehen als in den Vorjahren. Letzte Nacht kam es gleich bei verschiedenen Arten zum Laichen. Sowohl bei Weich- als auch bei Steinkorallen. Wir haben sogar Pilzkorallen laichen sehen“, berichtet Ireland über seine Erlebnisse am Moore Reef in Tropical North Queensland.

Coral Spawning am Barrier Reef / Foto: Tourism and Events Queensland (TEQ) /
Coral Spawning am Barrier Reef / Foto: Tourism and Events Queensland (TEQ) /

Was Meeresbiologen bislang über dieses Natur-Phänomen wissen

Das Laichen der Korallen erfolgt in der Regel zwei bis sechs Tage nach einem Vollmond, wenn die Wassertemperatur einen Monat zuvor bei über 27 Grad Celsius lag. Es erfordert wenig Gezeitenbewegung und tritt nachts auf, wenn Planktonfresser schlafen, was den Ei- und Spermienbündeln eine größere Chance auf Befruchtung und Überleben gibt. Die Tageslänge, die Gezeitenhöhe und der Salzgehalt scheinen ebenfalls Faktoren für die Entscheidung zu sein, wann das Ereignis eintreten wird. Der „Unterwasser-Schneesturm“ ist nicht nur weiß, es gibt auch rote, gelbe und orange Wolken.

Das Laichen dauert zwischen einigen Tagen und einer Woche. Dies liegt daran, dass verschiedene Arten an verschiedenen Tagen ihre Eier und Spermien freisetzen, um die Produktion von Hybriden zu verhindern.

Korallenvermehrung vor Queensland / Foto: Tourism and Events Queensland (TEQ) / Gabriel Guzman
Korallenvermehrung vor Queensland / Foto: Tourism and Events Queensland (TEQ) / Gabriel Guzman

Das Massenlaichen geschieht nicht gleichzeitig über das gesamte Riff, sondern ist standortabhängig. Die Korallen an Küstenriffen beginnen normalerweise ein bis sechs Nächte nach dem ersten Vollmond im Oktober zu laichen, während die an Außenriffen im November oder Dezember laichen.

„75 Prozent der Korallen sind Zwitter. Das bedeutet, dass Polypen sowohl männlich als auch weiblich sind. Diese Korallen vermehren sich von außen und produzieren sowohl Sperma als auch Ei, was während des jährlichen Korallen-Laichens gleichzeitig im Wasser freigesetzt wird“, erklärt Gareth Phillips, Meeresbiologe von Reef Teach in Cairns. „Nachdem die Ei- und Spermienbündel freigesetzt wurden, steigen sie langsam an die Oberfläche, wo sie einen dicken, braunen Teppich bilden. Nun beginnt der Befruchtungsprozess.“

Einmal im Jahr entlassen Korallen synchron unzählige Bündel von Eiern und Sperma ins Wasser / Foto: Tourism and Events Queensland (TEQ) / Gabriel Guzman
Einmal im Jahr entlassen Korallen synchron unzählige Bündel von Eiern und Sperma ins Wasser / Foto: Tourism and Events Queensland (TEQ) / Gabriel Guzman

Die andere Form der Fortpflanzung heißt „Brooding“. Es tritt auf, wenn sich getrennte Geschlechtskorallen durch innere Befruchtung vermehren. Während dieses Prozesses gibt die männliche Koralle Sperma ab, das dann zu einem Weibchen derselben Art schwimmt, das reife Eier enthält, um diese intern zu befruchten. „Nach der Befruchtung entwickeln sich die Eier zu einer Korallenlarve, einer sogenannten Planula. Diese kann mehrere Tage und sogar bis zu zwei Monate im Wasser schwimmen, bevor sie sich auf dem Meeresboden absetzt und eine neue Korallenkolonie gründet. Hier beginnt neues Leben für die Korallen am Great Barrier Reef“, schildert Phillips.

Trotz Klimawandels besteht Hoffnung

„Jahr für Jahr zeigt dies, dass trotz des durch den Klimawandel verursachten Drucks auf das Riff noch Hoffnung für die Zukunft besteht. Aber wir müssen jetzt handeln. Wir brauchen die bestmöglichen globalen Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen“, sagt Wachenfeld von der GBRMPA.

Die weltweit größte Fortpflanzungsshow im Great Barrier Reef / Foto: Tourism and Events Queensland (TEQ) / Gabriel Guzman
Die weltweit größte Fortpflanzungsshow im Great Barrier Reef / Foto: Tourism and Events Queensland (TEQ) / Gabriel Guzman

Das Coral Spawning wurde erst zu Beginn der Achtzigerjahre von Biologen entdeckt. Dabei erforschte man, dass Korallen im Gegensatz zu den Pflanzen und Gräsern an Land, die ein paar Wochen für den Bestäubungsprozess benötigen, lediglich einmal im Jahr für ein paar Nächte Zeit für die Paarung haben. Das Absondern der Geschlechtszellen muss zum gleichen Zeitpunkt stattfinden, da sonst die Meeresströmungen die einzelnen Gameten (zusammenfassende Bezeichnung für Eizellen und Samenzellen) zu sehr verstreuen und die Chancen einer Befruchtung somit enorm sinken würden. Findet das Spawning statt, werden so viele Gameten freigelassen, dass Taucher meist nicht weiter als einen Meter sehen können und am nächsten Tag ein orangefarbener Teppich aus unbefruchteten Eiern an der Meeresoberfläche treibt.

Falls ihr eine Reise nach Down under plant (und Covid-19 gebannt ist), um euch das grandiose Naturschauspiel aus der Nähe anzusehen, dann könnt ihr spezielle Nachttouren zum Tauchen und Schnorcheln bei zertifizierten Anbietern buchen. Nichtschwimmer können das Ereignis vom Boot aus bewundern. In den vergangenen Jahren haben die Unternehmen Qicksilver (Silverswift) und Tusa Dive entsprechende Touren angeboten. Teilnehmer der „Coral Spawning Night Dives Touren“ verlassen das Cairns Reef Fleet Terminal um 17:30 Uhr und kehren gegen Mitternacht wieder aufs Festland zurück.

Einmal im Jahr Anfang November laichen die Korallen - das so genannte Coral Spawning. Foto: Tourism Queensland
Einmal im Jahr Anfang November laichen die Korallen – das so genannte Coral Spawning.
Foto: Tourism Queensland

Weitere Details zum Coral Spawning auf der Website der GBRMPA

So sieht es meist am Great Barrier Reef aus. Foto: Tourism Queensland
So sieht es meist am Great Barrier Reef aus.
Foto: Tourism Queensland

Korallenzucht am Great Barrier Reef: Tauch-Ausflügler unterstützen Meeresbiologen beim „Coral Nurture Program“

Urlauber können aktiv dabei helfen, das Great Barrier Reef zu schützen. Maximal acht erfahrene Taucher begleiten auf der neuen ganztägigen „Citizen Science Tour“ von Passions of Paradise erfahrene Meeresbiologen bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit und unterstützen sie bei der Korallenzucht. Die Naturschützer sind dabei für das sogenannte „Coral Nurture Program“ im Einsatz.

Ins Leben gerufen hat dieses Programm ein Team der Technologischen Universität Sydney. Es führt an mehreren Stellen am Great Barrier Reef eine Untersuchung zur Gesundheit und Belastungsfähigkeit des Riffs durch. „Ich habe zusammen mit unserem Nachhaltigkeitsbeauftragten viel an der Datenaufzeichnung am Hastings Reef gearbeitet, um hier eine Korallenaufzucht zu ermöglichen“, erklärt Scotty Garden, Chef des familiengeführten Riffanbieters Passions of Paradise, die Idee des neuen „Korallen-Kindergartens“.

Biologen und Touren-Anbieter arbeiten zusammen / Photo Credit: Passions of Paradise

Biologen und Touren-Anbieter arbeiten zusammen

Neben der Bekämpfung des gefräßigen Dornenkronen-Seesterns und der Mitarbeit an „Eye on the Reef“ – das von der Great Barrier Reef Marine Park Authority gegründete Programm wertet gesammelte Daten wissenschaftlich aus – kümmert man sich beim „Coral Nurture Program“ am Hastings Reef besonders um die Korallenzucht sowie die Überwachung von bestehenden Korallen und anderen Meereslebewesen. Ähnliche Korallen-Projekte gibt es zwar bereits am Great Barrier Reef, allerdings sind hier zwei Dinge neu: Erstmalig arbeiten touristische Anbieter und Forscher Hand in Hand. Auch ist es das erste Mal, dass ein sogenannter „Coral Clip“ verwendet wird. So werden auf natürliche Weise abgebrochene Korallenstücke – sogenannte „Fragments of Opportunity“ – mit Hilfe des Clips an bereits bestehenden Korallenbäumchen befestigt. Zuvor werden diese Korallen an „Coral Nursery“-Rahmen gezüchtet. So konnte Passions of Paradise in den letzten 18 Monaten mehr als 2.500 Korallenstücke am Hastings Reef neu anpflanzen.

Neben Passions of Paradise unterstützen vier weitere Riff-Anbieter aus Cairns und Port Douglas dieses Forschungsprojekt: Wavelength, Ocean Freedom, Sailaway und Quicksilver Cruises. Weitere Einzelheiten über das „Coral Nurture Program“ unter www.coralnurtureprogram.org.

Passions of Paradise bietet die ganztägige „Citizen Science Tour“ jeden Freitag an. Sie führt zu zwei Standorten am Outer Reef und beinhaltet zwei intensive Tauchgänge. Der All-inclusive-Tagestrip ab/bis Cairns kostet umgerechnet rund 255 Euro. Mehr Einzelheiten unter www.passions.com.au/eco-tour.

Urlauber als Hobby-Wissenschaftler im Einsatz / Photo Credit: Passions of Paradise

Die größte von Lebewesen geschaffene Struktur

Das Great Barrier Reef mit seinen über 600 Inseln erstreckt sich rund 2.300 Kilometern von Cape York im Norden bis nach Lady Elliot Island im Süden. Es ist das größte Korallenriff der Welt und ein Paradies für Taucher und Schnorchler. Die Auswahl an Insel-Resorts ist vielfältig.

In letzter Zeit klagen Umweltschützer über die zunehmende Verschmutzung einhergehend mit einem Korallensterben des einzigartigen Reefs.

Das Great Barrier Reef macht etwa 10 Prozent der weltweiten Korallenriff-Ökosysteme aus. Das Riff ist Meerespark und Weltkulturerbe, das jedes Jahr Millionen von Besuchern anzieht, die seine Schönheit über und unter Wasser genießen. Das Great Barrier Reef ist ein großer Wirtschaftsfaktor, das jedes Jahr mehr als 6,4 Milliarden US-Dollar zur australischen Wirtschaft und rund 64.000 Vollzeitstellen beiträgt.

Unter anderem ist das Great Barrier Reef einzigartig, weil es sich über 14 Breitengrade erstreckt, von flachen Mündungsgebieten bis hin zu tiefen ozeanischen Gewässern. Innerhalb dieser riesigen Fläche gibt es eine einzigartige Reihe von ökologischen Gemeinschaften, Lebensräumen und Arten.

Einige Fakten zum Great Barrier Reef Marine Park:

– wurde 1975 durch den Great Barrier Reef Marine Park Act geschaffen

– 344.400 Quadratkilometer Fläche

– das weltweit größte Korallenriff-Ökosystem

– rund 3000 Korallenriffe, 600 Kontinentalinseln, 300 Korallenrinnen und etwa 150 Mangroveninseln

– erstreckt sich südlich von der Nordspitze von Queensland im Nordosten Australiens bis nördlich von Bundaberg

– ist zwischen 60 und 250 Kilometer breit

– eine durchschnittliche Tiefe von 35 Metern in seinen Küstengewässern, während sich an den Außenriffen die Kontinentalhänge bis in Tiefen von mehr als 2000 Metern erstrecken

– das Schutzgebiet umfasst auch den Luftraum und das Gebiet unter dem Meeresboden

– der Great Barrier Reef Marine Park ist größer als das Vereinigte Königreich, die Schweiz und Holland zusammen, ungefähr halb so groß wie Texas und etwas kleiner als die gesamte Ostsee.

Der Marine Park erstreckt sich ungefähr 2300 Kilometern entlang der Küste von Queensland im Nordosten Australiens – dies entspricht ungefähr der Länge der Westküste der USA von Vancouver bis zur mexikanischen Grenze.

Das Belize Barrier Reef vor der Karibikküste von Belize ist mit 290 Kilometern das zweitlängste Barriereriff der Welt, während das Ningaloo Reef vor der westaustralischen Küste 280 Kilometer lang ist.

Quellen: Tourism and Events Queensland“ (TEQ), GBRMPA, eigene Recherchen

Titelfoto / Laichen der Korallen am 5. Dezember 2020 am Great Barrier Reef / Foto: Tourism and Events Queensland (TEQ)


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