Wer an Sintra denkt, hat meist den Palácio da Pena oder die Quinta da Regaleira vor Augen. Doch hoch über den Hängen der Serra de Sintra thront ein weitaus älteres Juwel mit magischer Atmosphäre: das Castelo dos Mouros. Die maurische Festungsruine schmiegt sich wie eine steinerne Schlange an die rauen Granitfelsen des Gebirgszuges. Sie bietet tiefe Einblicke in die jahrhundertealte Geschichte Portugals und spektakuläre Ausblicke. Der Spaziergang auf diesen geschichtsträchtigen Zinnen gehört zum absoluten Pflichtprogramm.
Zwischen Mauren und Kreuzrittern: Ein Blick in die Geschichte
Das Castelo dos Mouros wurde im 8. oder 9. Jahrhundert gegründet, als große Teile der Iberischen Halbinsel unter muslimischer Herrschaft standen. Seine Lage war kein Zufall: Von hier oben ließ sich die Umgebung hervorragend überblicken. Sintra, die Ebene Richtung Lissabon, die bewaldeten Hänge und bei gutem Wetter sogar der Atlantik lagen den Wächtern praktisch zu Füßen.

Das Blatt wendete sich im Jahr 1147: Im Zuge der christlichen Reconquista eroberte Dom Afonso Henriques, der erste König Portugals, die Festung. Mit der Stabilisierung des Landes verlor die Höhenburg an Bedeutung. Die Bewohner zogen hinab in das komfortablere Tal, woraufhin die Festung verfiel. Das schwere Erdbeben von 1755 setzte den Mauern zusätzlich zu. Die Natur holte sich das Areal zurück, und die Ruine versank für fast ein Jahrhundert in einem tiefen Dornröschenschlaf, überwuchert vom dichten Wald der Serra.

Heute ist die Burg keine geschlossene Festung mehr, sondern eine Ruine – aber gerade das macht ihren Reiz aus. Man läuft nicht durch prunkvolle Säle, sondern über Wehrgänge, Treppen und Aussichtspunkte, an denen Wind, Nebel und Granit die eigentlichen Hauptrollen spielen.

Die romantische Wiederbelebung durch König Ferdinand II.
Dass man heute noch über die Zinnen des Castelo dos Mouros wandern kann, verdanken wir dem deutschen Titularkönig Ferdinand II, auch Künstlerkönig genannt. Im 19. Jahrhundert erlag der romantische Herrscher dem Charme der verfallenen Mauern. Während er auf dem Nachbargipfel den Palácio da Pena erschuf, erwarb er die maurische Ruine und integrierte sie in seine Parklandschaft.

Ferdinand II. ließ die Mauern sichern, Waldpfade anlegen und Bäume pflanzen. Was Besucher heute durchwandern, ist somit eine faszinierende Mischung aus authentischer mittelalterlicher Verteidigungsarchitektur und der verklärten Ruinenromantik des 19. Jahrhunderts. Seit 1995 gehört das Castelo dos Mouros als Teil der „Kulturlandschaft Sintra“ zum UNESCO-Weltkulturerbe.
WERBUNG
Portugal – Licht, Weite, Geschichte
Unsere Fotos als Kunstwerke an deiner Wand. Auf Leinwand, als Poster, auf Alu-Dibond und vielen weiteren Medien, in unterschiedlichen Größen.
Weitere Fotos von WeltReisender Ingo Paszkowsky findest Du hinter diesem Link.

Die Sicht reicht bis zur Atlantikküste
Ein Besuch des Castelo dos Mouros unterscheidet sich grundlegend von klassischen Schlossbesichtigungen. Es gibt keine möblierten Innenräume, sondern ein großartiges Outdoor-Erlebnis.
Der schönste Teil des Besuchs ist der Gang über die Mauern. Die Stufen sind teilweise uneben und steil, aber jeder Abschnitt belohnt mit neuen Perspektiven. Mal blickt man hinüber zum Palácio da Pena, der wie ein Fantasieschloss auf dem Nachbarhügel thront. Mal öffnet sich der Blick über Sintra mit seinen weißen Häusern und roten Dächern. Bei klarer Sicht reicht das Panorama bis zur Atlantikküste. An nebligen Tagen dagegen bekommt die Burg eine fast mystische Stimmung – dann versteht man schnell, warum Sintra seit Jahrhunderten Dichter, Künstler und Reisende fasziniert.

Die Highlights bei einem Rundgang
- Die Wehrgänge (Parapet Walk): Das absolute Herzstück ist der rund 450 Meter lange Spaziergang direkt auf den Zinnen der äußeren Ringmauer. Die Mauern winden sich spektakulär über den Berggrat. An vielen Stellen sind die Pfade schmal und verlangen Trittsicherheit sowie Schwindelfreiheit.
- Der Königsturm (Torre Real): Dies ist der höchste Punkt der Anlage. Ferdinand II. zog sich oft hierher zurück, um zu malen. Von der Plattform genießt man einen unschlagbaren Blick auf den gegenüberliegenden Pena-Palast, der von hier aus wie ein buntes Spielzeugschloss wirkt. Bei klarem Wetter reicht die Sicht bis zur Atlantikküste.
- Die maurische Zisterne: Ein Relikt hochentwickelter maurischer Ingenieurskunst. Dieses riesige, unterirdische Wasserreservoir versorgte die Burgbewohner im Falle einer Belagerung über Monate hinweg autark mit Trinkwasser. Die Stadt Sintra nutzte diese Zisterne noch bis ins 20. Jahrhundert hinein aktiv.
- Die maurischen Silos: Direkt im Eingangsbereich fallen tiefe, im Fels ausgehobene Löcher auf. Hier lagerten die Mauren Getreide. Die späteren christlichen Eroberer nutzten sie fälschlicherweise als Abfallgruben, was heutigen Archäologen wiederum wertvolle Funde bescherte.
- Die Kapelle São Pedro de Canaferrim: Innerhalb der Verteidigungslinie stehen die Ruinen dieser romanischen Kapelle aus dem 12. Jahrhundert. Heute beherbergt das Gebäude ein kleines archäologisches Interpretationszentrum mit Fundstücken aus der Region.

ANZEIGE
Manchmal fehlt nur ein kleiner finanzieller Spielraum zum großen Reiseerlebnis. Mit dem Kreditvergleich findest du passende Angebote, um deine nächste Reise flexibel zu finanzieren.

Praktische Tipps für den perfekten Ausflug
Damit das Abenteuer auf der Maurenburg gelingt, sollten Reisende ein paar Besonderheiten beachten:
- Das unberechenbare Mikroklima: Die Serra de Sintra besitzt ein eigenes Klima. Während in Lissabon die Sonne brennt, hängen in den Bergen oft dichte Nebelschwaden, und der Wind pfeift kräftig über die ungeschützten Zinnen. Eine windfeste Jacke im Zwiebellook ist unverzichtbar.
- Festes Schuhwerk: Die alten Steinstufen und Wehrgänge sind unregelmäßig, oft moosbedeckt und können bei Feuchtigkeit extrem rutschig werden. Feste Trekkingschuhe oder Sneaker mit gutem Profil und Grip sind Pflicht.
- Das richtige Timing: Um den großen Touristenströmen zu entgehen, lohnt es sich, entweder direkt zur Eröffnung um 9:30 Uhr vor Ort zu sein oder den Besuch auf den späten Nachmittag ab 16 Uhr zu legen, wenn das Licht weicher wird.
- Die Anreise clever planen: Da die engen Straßen hinauf zu den Palästen für den privaten Autoverkehr gesperrt sind, ist eine Anreise mit dem eigenen Auto nicht zu empfehlen. Am bequemsten nutzt man die Buslinie 434 ab dem Bahnhof Sintra. Alternativ bietet sich der Caminho de Santa Maria an – ein steiler, wunderschöner Wanderweg vom Stadtzentrum hinauf zur Burg (ca. 45 Minuten).

Praktisch ist die Kombination mit dem Palácio da Pena, denn beide Sehenswürdigkeiten liegen nah beieinander. Wer nur einen Tag in Sintra hat, kann zunächst das Castelo dos Mouros besuchen und anschließend weiter zum Pena-Palast laufen oder fahren. Wer mehr Zeit mitbringt, sollte die Burg nicht als schnellen Fotostopp abhaken, sondern mindestens eine bis anderthalb Stunden einplanen. Auch das historische Interpretationszentrum lohnt einen Blick: Es zeigt archäologische Funde und erklärt, wie sich der Ort von frühen Besiedlungsspuren über die islamische Festung bis in die christliche Zeit entwickelte.

Mit dem Zug von Lissabon
Von Lissabon aus ist Sintra unkompliziert mit dem Zug erreichbar, unter anderem ab Rossio, Oriente oder Entrecampos. Ab dem Bahnhof Sintra fährt die touristische Buslinie 434 hinauf zum Castelo dos Mouros und weiter zum Palácio da Pena. Mit dem eigenen Auto sollte man dagegen vorsichtig planen: Der Zugang zu den Monumenten im Höhenbereich ist für private Fahrzeuge stark eingeschränkt, Parkplätze sind knapp und die Straßen sind eng. Wer gut zu Fuß ist, kann auch über markierte Wanderwege hinaufsteigen, etwa über den Santa-Maria-Weg oder den Weg über die Villa Sassetti. Das ist anstrengender, aber landschaftlich reizvoll.

Eintrittspreise
Die maurische Burg in Sintra, Portugal, ist täglich von 9:30 bis 18 Uhr geöffnet. Letzter Ticketverkauf und Einlass sind um 17:30 Uhr. Die Öffnungszeiten können je nach Saison variieren können. Im Frühling und Sommer können die Öffnungszeiten 20 Uhr verlängert werden.
Es wird empfohlen die Tickets vorab online zu buchen. Besonders in der Hochsaison sind die Ticktes schnell ausverkauft. Ein Ticket für das Castelo dos Mouros kostet für Erwachsene (18 bis 64 Jahre) 12€, Jugendliche (6 bis 17 Jahre) und Senioren 10€. Ein Familienticket (2 Erwachsene und zwei Jugendliche belastet eure Urlaubskasse mit 33€.
Mehr Infos über das Castelo dos Mouros und über den Parques de Sintra.
(Der Beitrag wurde erstmals im Januar 2013 veröffentlich. Wir haben ihn aktualisiert.)
Titelfoto / Das Castelo dos Mouros bei Sintra. Foto: Ingo Paszkowsky











