Lachende Gruppe weiß gekleideter Männer mit Puderdosen posiert beim Karneval in Santa Cruz de La Palma.

Eine Stadt versinkt in Puder – ein “Testbericht”

Santa Cruz de La Palma – La Palma oder La Isla bonita, die schöne Insel, oder La Isla verde, die grüne Insel, wie das Eiland im Volksmund auch genannt wird – ist ein Eldorado für Wanderer und Naturfreunde. Auf dieser schönen Insel wird auch viel und ausgelassen gefeiert. Einmal im Jahr versinkt die Stadt in Puder.

Die malerische Insel verfügt über natürliche Schätze wie den “El Canal y Los Tiles“, einen repräsentativen Lorbeerwald, von der UNESCO als Weltbiosphärenreservat ausgezeichnet, und den Nationalpark “Caldera de Taburiente“. Auf dem Kamm der Cumbre Vieja – einer langgestreckten Erhebung von der Caldera, dem Krater des Vulkans, im Norden bis Fuencaliente im Süden – gibt es Wanderwege durch die für die Insel typische Vulkanlandschaft.

Gruppe weiß gekleideter Männer mit Hüten hält Puderdosen und Bierbecher in die Kamera.
So ist es richtig: In der einen Hand den Baby-Puder und in der anderen das Bier. Foto: Ingo Paszkowsky

Eine Tour führt über schwarze Aschefelder vorbei an erloschenen Kratern, Lavaströmen und bizarren Gesteinsformationen mit fantastischem Ausblick auf den atlantischen Ozean. Und die üppige Vegetation ist einzigartig. „Viele Pflanzenarten auf den Kanaren sind endemisch, kommen also nur auf dieser Inselgruppe vor“, erzählt Biologe Andreas Heene mit leuchtenden Augen. „Rund 70 Arten gibt es sogar nur auf La Palma und sonst nirgendwo auf der Welt.“ Heene zog 1997 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der Malerin Christiane Weigelt von Hannover auf die grüne Insel. Das Licht, die Farben und die freundlichen Menschen machten die Sonneninsel zu ihrer Wahlheimat. Die Beiden bieten botanische Wanderungen über die reizvolle Insel an.

Aber jetzt geht es endlich um den Karneval.

Der Karneval in Santa Cruz ist ein einmaliges Erlebnis

Menschen in weißen Kostümen ziehen durch eine schmale Straße mit historischen Balkonen und Pudernebel
In den engen Gassen von Santa Cruz de La Palma hängt der Talkumpuder noch lange in der Luft. Foto: Ingo Paszkowsky

Die Einwohner sind nicht nur zuvorkommende, fröhliche Menschen, sie feiern auch sehr gern. Das Highlight bei den zahlreichen Festen ist der Karneval in Santa Cruz am Rosenmontag. Schnee und Kälte und langweilige Büttenreden? Nix da. Angenehme Wärme und die Besucher sind selbst Hauptakteure und nicht nur Zaungäste. Auf dem vielleicht schrillsten Karneval der Welt in der Hafenstadt Santa Cruz wird gefeiert, was das Zeug hält.

Der Höhepunkt ist das Besprühen und Beschütten von allem und jedem mit Babypuder oder Talkum. Innerhalb kürzester Zeit sind alle Feiernden sowie die Straßenzüge Calle O’Daly und Pérez de Brito sowie angrenzende Straßen und Gassen in Santa Cruz mit einem weißen Schleier überzogen. Die Straßenreinigung muss später tagelang ackern, um den Urzustand wieder herzustellen.

Manche fangen schon ganz früh an zu feiern. Auch die Kostümierung ist mitunter eigenwillig. Foto: Ingo Paszkowsky
Beim Karneval in Santa Cruz de La Palma gehören schräge Kostüme einfach dazu. Foto: Ingo Paszkowsky

Achtung, Babypuder!

Einheimische und Eingeweihte erscheinen freilich gleich in weißer Kostümierung. In vielen Geschäften wird seit Wochen die typische weiße Emigrantenkleidung angeboten, die bei dem Event „Pflicht“ ist. Diese besteht aus einem Leinenanzug für Männer und einem Leinenkleid für Frauen und dazu einen “Panama-Hut”.

Wer nicht in der traditionell weißen Kleidung erscheint, wird schnell als Nichtemigrant „enttarnt“ und schon zu Beginn mit dem sogenannten Polvo regelrecht überschüttet. Dieses wahrscheinlich einzigartige Erlebnis verdanken wir der Rückkehr der ausgewandeten Palmerer, Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Weil sie in der Fremde zu Reichtum gelangten, wird die Heimkehr der Indianos auf La Isla Bonita gebührend gefeiert.

Zwei Karnevalsteilnehmer mit Puderdosen, einer bekommt eine weiße Puderwolke ins Gesicht.
Wer beim Karneval von La Palma eine Puderdose hebt, muss mit sofortiger Gegenwehr rechnen. Foto: Ingo Paszkowsky

Früher sollen die reichen Rückkehrer mit Mehl überschüttet worden sein, heute ist es Puder. Viele der zurückkehrenden Emigranten machten in Cuba ihr Glück, daher heißt die lustige Veranstaltung „Dia de Los Indianos“ – gemeint sind die aus Amerika, vor allem aus Kuba, zurückgekehrten Auswanderer, die mit weißer Kleidung, Koffern, Hüten und viel Selbstironie karikiert werden.

Zu fortgeschrittener Stunde steigt die Stimmung und die Kostümierung oder eben Nicht-Kostümierung spielt keine Rolle mehr, alle sehen ohnehin weiß aus, denn niemand bleibt den Abend und die Nacht über ungepudert. Der Puder wird nicht nur gestreut und geschüttert, sondern aus selbstgebauten Pudermaschinen verteilt und sogar aus Kanonen verschossen. Mit der gleichen Großzügigkeit, die Palmeros beim Verteilen des Puders auf die Karnevalteilnehmer an den Tag legen, geben sie gerne Kostproben vom selbstgemachten mitgebrachten Wein.

Drei Karnevalsteilnehmer, einer davon mit Atemmaske und Schutzbrille, stehen in einer Straße voller Puder.
Karnevalisten, nehmt euch ein Beispiel an diesem Aktiven. Mit Atemschutz, Schutzbrille und Strohhut ist dieser Teilnehmer bestens für die Puderwolken vorbereitet. Foto: Ingo Paszkowsky

Feiern geht vor Organisation

Auch einen Karnevalsumzug gibt es natürlich bei diesem Freudenfest, nur ist hier wenig organisiert, sondern meist alles improvisiert. Große und sorgfältig präparierte Umzugswagen darf man nicht erwarten, ein mit Palmenzweigen geschmückter Einkaufswagen oder der nicht mehr benötigte Kinderwagen tun es eben auch. Außerdem lassen sich in ihnen gleich die für die ausgelassene Stimmung notwendigen Getränke bunkern. Zu karibischen Klängen gibt es allerlei lustige Kostümierung, so kommen die Indianos mit gewaltigen Schrankkoffern, Papageienkäfigen, gewaltigen Havannazigarren oder als Seeleute und Sklaven daher. Bis in die frühen Morgenstunden wird nach heißen Rhythmen von Salsa, Samba und Merengue gesungen und getanzt.

Junge Karnevalsteilnehmer mit gepuderten Gesichtern geben einer Frau Augentropfen.
Beim Día de Los Indianos sind Augentropfen fast so nützlich wie Talkumpuder. Foto: Ingo Paszkowsky

„Der Rosenmontag in Santa Cruz ist ein weißgekleidetes Fest voller Musik, besonders Trommeltönen in der Innenstadt, aller Altersklassen und ohne jede Aggression, für ein paar Meter braucht man tanzende Stunden“, schwärmt Biologe Heene. Braucht man Luft vom Pulver oder von der Enge, dann geht es an die Stadtgrenze zum Meer. Hier sind Bühnen mit Livemusik und der Nordostpassat bringt frische Luft. „Karnevalsverliebte Karossengucker werden allerdings enttäuscht sein, kein Zaunstehen, man selbst ist Teil der bewegten weißen Menge.“ Für den Samstag danach bietet Heene erst gar keine Wandertouren durch die Botanik an, denn die folgende Woche brauchen die Karnevalisten zum regenerieren.

Unser Video auf Youtube liefert einen authentischen Einblick in die ausgelassene Stimmung

Karnevalsteilnehmer in weißen Kostümen stehen neben einer großen schwarzen Puderkanone.
Beim Karneval von Santa Cruz de La Palma wird der Puder nicht nur gestreut, sondern mit großem Einsatz verteilt. Die Puder-Kanone wird nachgeladen. Foto: Ingo Paszkowsky

Nach meinem “Selbsttest” einige gut gemeinte Vorsichtsmaßnahmen

  • Was Du anziehst, ist im Prinzip egal, Du solltest es danach waschen oder wegwerfen können. Helle Keidung bietet mehr “Schutz” vor Puderattacken.
  • Pudere Dich, bevor Du die Puder-Partymeile, pardon, den Karneval betritts, ruhig selbst etwas ein, so wirst Du nicht sofort Opfer einer Puderattacke.
  • Wenn Du während des Karnevals keine Schwimmbrille tragen willst, nimm mindestens Augentropfen mit.
  • Auch Ohropax kann nützlich sein, nicht wegen der lautstarken Musik, sondern gegen seitlichen Puderbeschuss.
  • Nimm nicht jede Einladung der Palmeros zum Anstoßen an bzw. nippe nur an dem angeboten Selbstgemachtem, denn sonst bekommst Du unter Umständen schon nach relativ kurzer Zeit nicht mehr viel von der Veranstaltung mit.
Viele weiß gekleidete Karnevalsteilnehmer mit Hüten stehen in einer puderverhangenen Straße in Santa Cruz de La Palma.
Ausgelassene Stimmung am Rosenmontag in Santa Cruz de La Palma. Foto: Ingo Paszkowsky

Anreise nach Santa Cruz de La Palma zum Karneval der Indianos

Der Karneval der Los Indianos findet jedes Jahr am Rosenmontag in Santa Cruz de La Palma statt. Der nächste offiziell gelistete Termin ist 8. Februar 2027; der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. (La Palma)

Am bequemsten ist die Anreise per Flugzeug zum Aeropuerto de La Palma / SPC. Die Zahl der Direktverbindungen schwankt je nach Saison. Die spanische Flughafenbetreiberin Aena listet für La Palma aktuell unter anderem Düsseldorf, Frankfurt und München als Ziele; außerdem gibt es wichtige Umsteigeverbindungen über Madrid, Gran Canaria und Teneriffa. (Aena) Wer aus Berlin oder von anderen deutschen Flughäfen startet, sollte daher sowohl Direktflüge als auch Umsteigeverbindungen prüfen.

Vom Flughafen nach Santa Cruz de La Palma ist es unkompliziert: Die Buslinie 500 verbindet den Flughafen mit Los Cancajos und Santa Cruz de La Palma. Laut Aena fährt sie montags bis samstags und an Sonn- und Feiertagen; die Haltestelle liegt auf Ebene 0 bei der Ankunft. (Aena) Seit Juni 2026 gibt es zusätzlich die Linie 301 Los Llanos – Flughafen – Santa Cruz, die besonders für Reisende interessant ist, die auf der Westseite der Insel wohnen. (cabildodelapalma.es)

Eine gute Alternative ist die Kombination aus Flug nach Teneriffa und Fähre nach La Palma. Fred. Olsen Express verbindet Los Cristianos auf Teneriffa direkt mit Santa Cruz de La Palma; die Überfahrt dauert rund 2 Stunden 30 Minuten, Fahrzeuge können mitgenommen werden. (Fred. Olsen Express) Auch Armas Trasmediterránea bietet die Fährverbindung zwischen Los Cristianos und Santa Cruz de La Palma an. (Armas Trasmediterranea)

Wichtig: Zum Karneval ist Santa Cruz extrem voll. Wer zum Día de Los Indianos reisen möchte, sollte Flüge, Fähren, Mietwagen und Unterkunft möglichst früh buchen – und am Veranstaltungstag besser nicht mit dem eigenen Auto in die Innenstadt fahren. Weiße Kleidung, ein Hut, Sonnenbrille oder Schwimmbrille und eine Portion Humor gehören fast zur Grundausstattung.

WeltReisender-Tipp: Toller Karneval – muss frau/man besucht haben!

Ingo Paszkowsky

Titelfoto: Ingo Paszkowsky

(Der Beitrag wurde erstmals im Januar 2012 veröffentlich, wir haben ihn aktualisiert.)

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Weitere Fotos von WeltReisender Ingo Paszkowsky findest Du hinter diesem Link.


Weitere Karneval-Einblicke und -Ansichten

Dichte weiße Puderwolke über einer Menschenmenge beim Karneval Los Indianos auf La Palma.
Beim Día de Los Indianos verschwindet die Innenstadt zeitweise in dichten Puderwolken. Foto: Ingo Paszkowsky
Menschen in weißer Kleidung gehen durch eine Straße von Santa Cruz de La Palma, im Hintergrund liegt Puder in der Luft.
Die Altstadt von Santa Cruz de La Palma wird am Rosenmontag zur weißen Festmeile. Foto: Ingo Paszkowsky
Verkleideter Karnevalsteilnehmer mit Hut, weißem Oberteil und rotem Rock schaut auf ein Handy.
Frau, äh Mann, zeigt Bein. Auch zwischen Puderattacken bleibt beim Karneval von La Palma Zeit für einen Blick aufs Handy. Foto: Ingo Paszkowsky
Frau mit Sonnenbrille und künstlichem Papagei auf der Schulter beim Karneval in Santa Cruz de La Palma.
Keine Angst, der Vogel ist nur eine Attrappe. Karibische Anspielungen gehören beim Fest Los Indianos zur ausgelassenen Kostümierung. Foto: Ingo Paszkowsky
Alter Kinderwagen mit Puppe, Taschen und Getränkeflaschen auf gepflasterter Straße beim Karneval.
Beim improvisierten Karnevalsumzug dient sogar ein Kinderwagen als praktisches Transportmittel. Keine Sorge, nur eine Puppe und kein Baby, aber die Getränke sind echt – echt selbstgemacht. Foto: Ingo Paszkowsky
Nahaufnahme einer Frau mit Hut und Schwimmbrille, deren Gesicht mit Puder bedeckt ist.
Wer ganz sicher gehen will, wählt den Outdoor-Look. Foto: Ingo Paszkowsky
Lachende junge Frau mit Strohhut, Schwimmbrille und Puder im Gesicht beim Karneval.
Sonnenhut, Schwimmbrille und gute Laune: So lässt sich der Karneval von La Palma genießen. Foto: Ingo Paszkowsky
Zwei verkleidete Karnevalsteilnehmer, einer mit großen Ledertasche auf dem Kopf, stehen in Santa Cruz de La Palma.
Mit der Tasche auf dem Kopf hat man wenigstens die Hände frei. Die Kostüme beim Día de Los Indianos spielen humorvoll mit der Auswanderungsgeschichte La Palmas. Foto: Ingo Paszkowsky
Mann mit geöffnetem weißen Hemd wird beim Karneval mit Talkumpuder eingestäubt.
Jawohl, auch unters Hemd gehört der Puder. Beim Día de Los Indianos bleibt kaum ein Kleidungsstück puderfrei. Foto: Ingo Paszkowsky
Karnevalsteilnehmer mit dunkel geschminktem Gesicht, bunten Wimpern und Kopftuch beim Fest Los Indianos.
Sieht doch perfekt aus, oder? Historische und karibisch inspirierte Kostümfiguren prägen den Karneval Los Indianos in Santa Cruz de La Palma. Foto: Ingo Paszkowsky
Älterer Mann mit Hut und gepuderter Kleidung sitzt am Rand einer Straße in Santa Cruz de La Palma.
Nicht mal in Ruhe rauchen kann man hier. Zwischen Puderwolken und Musik gönnen sich manche Teilnehmer eine kurze Verschnaufpause. Foto: Ingo Paszkowsky
Weiß gekleidete Menschen feiern auf einem Platz mit Palmen und Statue unter dunklem Abendhimmel.
Wenn die Laternen angehen, feiert Santa Cruz de La Palma noch immer in Weiß weiter. Foto: Ingo Paszkowsky
Nächtliche Straßenszene mit weiß gekleideten Karnevalsteilnehmern und einem mit Puder beschmierten Auto.
Die Stadt wird mit einer großen Puderwolke überzogen. Foto: Ingo Paszkowsky

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