Tief im Süden Chiles, verborgen in den Falten der Anden, liegt eine Region, die wirkt, als wäre sie direkt den Seiten eines Fantasy-Romans entsprungen. Das Biologische Reservat Huilo Huilo ist kein gewöhnliches Naturschutzgebiet. Es ist ein rund 100.000 Hektar großes privates Schutzgebiet im valdivianischen Regenwald, das weltweit für sein einzigartiges Konzept aus Naturschutz, Ökotourismus und surrealer Architektur bekannt ist.

Bei der Jahrestagung des Deutschen Reiseverbands (DRV) im November 2012 erhielt das Bioreservat Huilo Huilo die „Ecotrophea 2012“ für sein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept. Der Gewinner setzte sich gegen 41 weitere Projekte aus 21 Ländern durch. Das Management des 10.000 Hektar großen UNESCO-Biospährenreservats in den südlichen Anden überzeugte die Jury durch sein ökologisches und soziales Engagement: Naturschutz unter Einbeziehung der lokalen Bevölkerung sowie die Bereitstellung von zahlreichen Arbeitsplätzen und Schulungsmöglichkeiten für Einheimische.
Die originellen Unterkünfte von luxuriösen Lodges mit Spa-Bereich über Baumhäuser bis hin zum Camping sowie zahlreiche Aktivitäten machen den Aufenthalt zu einem Erlebnis. Wer Chile abseits der klassischen Touristenpfade erleben und in eine unberührte, dampfende Wildnis eintauchen möchte, kommt an diesem magischen Ort nicht vorbei.

Eine Arche Noah im gemäßigten Regenwald
Der valdivianische Regenwald ist eine ökologische Besonderheit: ein gemäßigter, kühler Regenwald, der durch seine jahrtausendelange isolierte Lage zwischen den Anden und dem Pazifischen Ozean eine Tier- und Pflanzenwelt hervorgebracht hat, die man nirgendwo sonst auf der Erde findet. Huilo Huilo schützt dieses fragile Ökosystem und hat sich besonders der Rettung bedrohter Arten verschrieben.
Mit etwas Glück oder im Rahmen einer geführten Tour begegnest du hier dem extrem seltenen Südburdo (Monito del Monte – Microbiotheriidae) – einem winzigen Beuteltier, das als lebendes Fossil gilt – oder dem scheuen Südpudu (Pudu puda), der kleinsten Hirschart der Welt.
Auch der majestätische chilenische Huemul (Südandenhirsch – Hippocamelus), wird hier in einem ambitionierten Schutzprogramm erfolgreich wieder ausgewildert. Über den Baumkronen aus Jahrhunderte alten Coihue- und Südbuchen zieht zudem der mächtige Andenkondor seine Kreise.

Architektur, die mit der Natur verschmilzt
Eine Übernachtung in einem Baumhaus oder in einem magischen Berg mitten im südchilenischen Regenwald? Man kann nicht nur in Neuseeland wohnen wie die Hobbits. Im Naturreservat Huilo Huilo in Chile – in der Region der Seen, Flüsse und Vulkane – ist dies ebenfalls möglich. Das Naturreservat ist nicht nur für seine einzigartigen Hotels bekannt, sondern auch für seine Nachhaltigkeit.
Was Huilo Huilo neben seiner Natur weltberühmt gemacht hat, ist seine exzentrische, märchenhafte Architektur. Die Hotelbauten des Reservats wurden so entworfen, dass sie nicht wie Fremdkörper in der Landschaft wirken, sondern als Teil des Waldes selbst.
- Montaña Mágica (Der magische Berg): Dieses Hotel ist ein künstlicher Vulkan, der komplett mit Moos und Farnen bewachsen ist. Statt Lava spuckt er von seiner Spitze einen rauschenden Wasserfall, der über die Fenster der Hotelzimmer hinabgleitet. Der Zugang erfolgt standesgemäß über eine hölzerne Hängebrücke.
- Nothofagus Hotel & Spa: Benannt nach der Südbuche, windet sich dieser hölzerne Hotelpalast schneckenförmig um einen riesigen, lebenden Baum im Inneren. Von den oberen Etagen genießt man einen atemberaubenden Blick über das Blätterdach bis hin zu den schneebedeckten Gipfeln der nahen Vulkane.
- Reino Fungi (Das Pilzreich): Ein Hotelbau, der in seiner Form den skurrilen Pilzen des Waldbodens nachempfunden ist und die biologische Vielfalt des Reservats feiert.

Abenteuer zwischen Vulkanen und Wasserfällen
Das Reservat bietet ein Wegenetz für jedes Fitnesslevel, von entspannten Spaziergängen auf perfekt ausgebauten Holzstegen bis hin zu anspruchsvollen Bergtreks.
Zu den absoluten Highlights gehören:
- Die Wasserfälle: Der namensgebende Salto Huilo Huilo stürzt fast 40 Meter tief in eine smaragdgrüne Felsschlucht. Der Weg dorthin führt durch dichten Wald, in dem die Luft so rein und feucht ist, dass überall seltene Flechten wachsen. Nicht weniger spektakulär sind der Salto El Puma und der Sendero de los Espíritus (Pfad der Geister), ein Lehrpfad mit hölzernen Skulpturen, die an die indigene Mapuche-Kultur erinnern.
- Der Vulkan Mocho-Choshuenco: Für Abenteurer ist die Besteigung des ewigen Eises dieses Zwillingsvulkans das ultimative Erlebnis. Selbst im Sommer kann man auf dem Gletscherschneefeld Touren unternehmen. Die Aussicht vom Gipfel über die umliegenden Seen und Wälder ist unbezahlbar.
- Canopy (Ziplining) – der Flug des Condors: Huilo Huilo beherbergt mit 1650 Metern einen der längsten Seilrutschen-Parcours Südamerikas. In bis zu 900 Metern Höhe fliegt man hier mit Blick auf die Schluchten des Regenwaldes durch die Luft.
Unsere Tipps für deinen Besuch
Beste Reisezeit
November bis März (Chilenischer Sommer) für Wanderungen. Juni bis September für Wintersport und Schneeschuhtouren am Vulkan.
Anreise
Flug nach Temuco oder Valdivia, von dort mit dem Mietwagen oder Bus über Panguipulli nach Neltume / Puerto Fuy.
(Hinweis: Der Beitrag wurde erstmals im Dezember 2012 veröffentlicht. Wir haben ihn aktualisiert.)
Titelfoto / Montana Magica. Foto: Huilo Huilo
Webseite von Huilo-Huilo (in spanischer und englischer Sprache)
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Weitere Fotos von WeltReisender Ingo Paszkowsky findest Du hinter diesem Link.












