Irland: Wild und rau, aber herzlich – ein Erfahrungsbericht

Wild und rau präsentiert sich Wild Atlantic Way – bei schlechtem Wetter. Sonst lädt er natürlich ein, auf 2500 Kilometern dieses schöne Land mit seinen herzlichen Bewohnern an der Westküste zu erkunden. Ich bin das erste Mal in Irland, deswegen fällt mir die Freundlichkeit seiner Bewohner sofort auf. Dies gilt erst recht für die Iren auf dem Land. Buchstäblich jede Irin und jeder Ire ist hilfsbereit, gibt gerne Auskunft und hilft gerne weiter. Und die Landschaft hat es in sich: Eine über 100 Meter hohe Steilküste, aber auch Sandstrände, romantische Dörfer ziehen mich in den Bann.

Meine Erkundung startet in Spiddal. Kurz vor meiner Reise habe ich mir noch, ohne lange auszuwählen, den Irland-Reiseführer* vom Stefan Loose Verlag gekauft, weil ich auf etwas Bewährtes setzten wollte. Der Travel Guide über Vietnam* aus dem gleichen Verlag ist nämlich ausgesprochen informativ. Kleine Enttäuschung vor Ort: Spiddal ist im Reiseführer nicht verzeichnet – was garantiert ein Fehler ist. Denn Spiddal ist ein Ort mit Kultur und Tradition. Sehenswert ist u. a. die charmante Steinkirche, erlebenswert die traditionellen Pubs und der Sandstrand. Noch ein Wort zum Strand: Baden kann man an der Atlantikküste nicht wirklich, nicht mal die härtesten Iren gehen selbst zu Sommerszeit mit der Badehose in den Atlantik – einfach zu kalt. Für das Badevergnügen benötigt man schon einen Neoprenanzug.

 

Das Ardmore Country House in Spiddal.
Das Ardmore Country House in Spiddal. Foto: Ingo Paszkowsky

 

Spiddal verkörpert nicht nur irische Tradition, sondern eignet sich zudem hervorragend als Ausgangspunkt, die Küste weiter nördlich und südlich zu erkunden. Der Ort an der ungezähmten Westküste Irlands ist nach rund drei Stunden Fahrzeit, etwa 240 Kilometer Entfernung, mit dem Auto vom Flughafen Dublin zu erreichen.

 

Übrigens, wer nicht als Pauschaltourist die grüne Insel bereisen will und nicht einen reinen Städteurlaub plant, kommt um einen Leihwagen nicht herum. Auf dem Dubliner Flughafen sind viele Autoverleiher vertreten. Von dort aus geht es mit einem Zubringerbus der jeweiligen Mietwagenfirma zur eigentlichen Autoübergabe in der Nähe des Flughafens. Der Busfahrer erklärt schon einmal, wie man die Station bei der Rückgabe wiederfindet und dass man immer links fahren soll. In diesem Zusammenhang, kann ich nur empfehlen, ein Navigationssystem ebenfalls zu mieten oder sein eigenes mit aktuellem Kartenmaterial mitzubringen. Wer bisher noch nicht links gefahren ist: Es ist anfangs ganz schön triggi, aber man gewöhnt sich relativ schnell daran. Zunächst hat man alle Hände voll zu tun und kommt bestimmt ins Schwitzen – mir ging es jedenfalls so. Und dass obwohl ich vor einigen Jahren in Australien, in Neuseeland und auch in Namibia mehrere Wochen im Linksverkehr unterwegs war. In der Nähe der Ausleihstation ist zudem besondere Vorsicht geboten. Als ich in einen Kreisverkehr (vorschriftsmäßig) links hereingefahren bin, kam mir doch ein anderes Leihfahrzeug entgegen. Der Fahrer fuhr rechts herum hinein! Ebenso Achtung vor Rückfällen nach den ersten Tagen: Eine längere Autofahrt ohne Gegenverkehr auf einer schmalen unübersichtlichen Straße auf dem Land, kann bei einem plötzlich entgegenkommenden Fahrzeug und unkonzentriertem Fahren dazu führen, dass man sein Auto spontan nach rechts anstatt nach links lenkt.

Eine kurze Einführung in den Wild Atlantic Way (in englischer Sprache)

 

Auf dem Weg nach Spiddal, das in der Nähe von Galway liegt, fährt man zum größten Teil über die Autobahn. Teilweise sind die Strecken mautpflichtig. Es empfiehlt sich, Kleingeld bereit zu halten. Eine Strecke kostet 1,90 Euro, ein weiterer Teilabschnitt 2,90 Euro. Das Kleingeld wirft man dann passend in einen Korb. Mit einer Kreditkarte kommt man ebenfalls weiter. Hier bei muss man allerdings nahe an die Zahlstation heranfahren werden! Das könnte am ersten Tag schwierig werden, wenn man den Linksverkehr nicht gewohnt ist und nicht gleich die erste Schramme am Auto haben möchte.

Nach zwei, drei Tagen hat man sich an das Auto und den Linksverkehr gewöhnt und dann sollte es natürlich kein Problem mehr sein. Galway ist übrigens die bevölkerungsreichste Stadt im Westen Irlands. Das merkt man spätestens, wenn man die Stadt zur Hauptverkehrszeit durchfährt. Lange Staus bleiben nicht aus.

 

Vera und Bartley Feeney, die vermutlich nettesten B&B-Gastgeber in Spiddal und Umgebung.
Vera und Bartley Feeney, die vermutlich nettesten B&B-Gastgeber in Spiddal und Umgebung. Foto: Ingo Paszkowsky

 

In Spiddal habe ich im Ardmor Country House gewohnt, bei Vera und Bartley Feeney. Sie öffneten ihr Bed and Breakfast-Haus bereits 1962 und waren mit ihrem Angebot die ersten in Spiddal. Sehr freundliche und liebenswerte Gastgeber. Interessant ist besonders für uns Mitteleuropäer das irische Frühstück. Die Feeneys fragen jeden individuell, welche „Komponenten“ er vom irischen Frühstück denn möchte. Wer morgens keine gebratenen Würstchen, Schinken, Tomate oder Champions möchte, kann auch nur die gebratenen Eier essen. Keine Sorge, wer von alledem nichts mag – in der Regel haben alle B&B-Anbieter auch Müsli morgens im Angebot.

B&B ist nicht nur eine kostengünstige Alternative zum Hotel, sondern eine Möglichkeit, direkt von den Gastgebern aus erster Hand mehr über die Region und die Menschen vor Ort zu erfahren. Zudem lernt man schnell andere Reisende kennen und kann seine Reiseerlebnisse austauschen, wie zum Beispiel mit dem älteren Paar aus Kanada auf ihrer ersten Europa-Reise, zwei jungen Frauen aus den USA, einer älteren Frau aus Dublin, einer Familie aus England und einem jungen Paar aus Hannover.

 

 

Iren schwärmen über den Wild Atlantic Way

Sagt jemandem der Familienname des Inhaberpaares Feeney etwas? Mir jedenfalls nicht, aber Vera Feeney klärt mich auf. Der US-amerikanische Filmregisseur John Ford hieß eigentlich John Martin Feeney und hatte irische Vorfahren. Angeblich sind sein Vater und der Vater von Bartley in Irland im gleichen Haus geboren und sogar verwandt? – als die beiden mir das erzählten, konnten sie sich vor Lachen kaum halten, so dass es vermutlich eine Flunkerei ist. Aber als John Ford 1951 „Der Sieger“ um Cong im irischen County Mayo drehte, war Bartley Feeney plötzlich ein gefragter Gesprächspartner.

Meine Empfehlung zur Übernachtung in Spiddal und Umgebung bekommt das

Ardmore Country House, Greenhill, Spiddal, Co. Galway

Tel: +353(0)91-553 145

E-Mail ardmorcountryhouse@yahoo.com

www.ardmorcountryhouse.com

 

The Burren ist eine markante, herbe Landschaft.
The Burren ist eine markante, herbe Landschaft. Foto: Ingo Paszkowsky

 

Nicht weit weg von Spiddal in Connemara, in Richtung Norden, liegt Leenane (die offizielle Schreibweise soll laut Wikipedia Leenaun sein), aber selbst auf der Landkarte des Autovermieters steht Leenane. Durch den Ort läuft die N59 und geht die Regionalstraße R336 in R335 über. Was macht den kleinen Ort so besonders? Er liegt an Irlands einzigem Fjord, dem Killiary Fjord. Die beeindruckende Naturkulisse des etwa 15 Kilometer langen Fjords erschließt sich am besten mit einem Bootstrip, die in rund 90 Minuten eine der schönsten Landschaften im Westen Irlands zeigt. In der Saison fahren die Boote täglich um 10:30 Uhr, 12:30 und 14:30,

Tel: +353(0)91-566 736

www.killaryfjord.com

 

Zwischen Leenaun und Letterfrack an der N59 trefft ihr auf ein Schmuckstück: Kylemore Abbey and Gardens (irisch lautet der Name übrigens Mainistir na Coille Móire), www.kylemoreabbey.com, Tel: +353 95 52001. Selbstsicher behauptet die Webseite http://www.kylemoreabbeytourism.ie/, dass es sich um die „Besucherattraktion Nr. 1 im Westen von Irland“ handelt – das wage ich allerdings zu bezweifeln. Später dazu mehr.

 

Von dem Industriellen Mitchel Henry 1868 gebaut, beherbergt das Schloss seit 1920 die älteste irische Benediktinerinnenabtei. Neben der Abtei ist der der riesige viktorianische Walled Garden als Schmuck- und Küchengarten die eigentliche Attraktion, gefolgt von Mitchell‘s Restaurant. Schon immer kochten die Nonnen dort klassische Variationen der irischen Küche nach ihren eigenen Rezepten. Seit August 2013 gibt es einen neuen Küchenchef, der mehr Frische in ihre bewährten Gerichte bringt. John O´Toole hat Erfahrung in verschiedenen Top-Lokalen gesammelt und sieht eine Chance darin, mit den Produkten aus dem ökologisch bewirtschafteten Küchen- und Gemüsegarten nach neuen Kreationen der alten Traditionsrezepte zu forschen. „Genießbarer Garten – Wildes Essen“ nennt er sein Konzept. Frischer Wind soll in der Abteiküche für noch mehr Gerichte ausschließlich aus eigenem Anbau und mit den Connemara-Produkten wie Lamm, Fisch und Algen sorgen.  Übrigens steht der Garten unter Obhut einer deutschen Chefgärtnerin, Anja Gohlke. Beide, John O´Toole und Anja Gohlke, führen einen Blog auf www.kylemoreabbeytourism.ie.

 

The Burren – eine markante Landschaft

In Richtung Süden geht es wieder durch Galway, wieder benötige ich fast eine Stunde mit dem Auto durch die Stadt. Mein nächstes Ziel auf der Küstenstraße ist Ballyvaughan, denn von dort aus geht es in The Burren. Dieses Mal stimme ich mit meinem Irland-Reiseführer aus dem Verlag Stefan Loose überein: Der Burren ist ein Highlight. Irisch heißt es An Bhoireann, was so viel wie „steiniger Ort“ bedeutet, und das trifft den Nagel voll auf den Kopf. Die weite und graue Karstlandschaft übt eine eigene Magie, ja Schönheit aus. Manche bezeichnen das rund 250 Quadratkilometer große Gebiet auch als Mondlandschaft, aber das wird dieser faszinierenden Gegend nicht gerecht. Die Oberfläche des Burren wird durch etwa knietiefe Rinnen durchzogen, sie wurden durch Oberflächenwasser gebildet. Oliver Cromwell (1599 bis 1658) war Lordprotektor von England, Schottland und Irland, während der kurzen republikanischen Periode der britischen Geschichte. Ihm wird folgendes Zitat über den Burren zugeschrieben: „Kein Baum, an dem man einen Mann aufhängen, kein Tümpel, worin man ihn ersäufen, keine Erde, in der man ihn verscharren könnte.“ (Quelle: Wikipedia).

 

Cliffs of Moher: O‘ Briens Tower. Foto: Ingo Paszkowsky
Cliffs of Moher: O‘ Briens Tower. Foto: Ingo Paszkowsky

 

Sehenswert sind die vielen Klosterruinen und auch die „Bärenhöhle“ Ailwee Caves, an die ein Greifvogelzentrum angeschlossen ist: www.aillweecave.ie / Tel: +353 65 7077036.

Mehr Informationen über The Burren erhält man im Burren Center, Kilfenora, www.theburrencentre.ie / Tel: +353 65 7088030

Wer noch ein Geschenk benötigt bzw. etwas mit einheimischen Produkten für seine Schönheit tun will, dem sei ein Besuch des Burren Perfumery & Floral Centre in der Nähe von Carron ans Herz gelegt: www.burrenperfumery.com / Tel: +353 65 7089102.

Nicht weit entfernt ist auch das Michael Cusack-Zentrum. Cusack war u. a. der Organisator des irischen Sports. www.discoverireland.ie/Arts-Culture-Heritage/michael-cusack-centre/70005, Tel: +353 65 7089944.

 

Ebenfalls einen Besuch wert ist The Burren Smokehouse, in Nähe von Lisdoonvarna, www.burrensmokehouse.ie (Webseite auch in deutscher Sprache), Tel: +353 65 7074432. Das Burren Smokehouse wurde 1989 von Birgitta und Peter Curtin gegründet. Sie brachten die Räuchertraditionen aus Irland und Schweden in die eigene Räucherei ein. Seit über 100 Jahren gehört die ‘Roadside Tavern’, die sich in der Nähe des Smokehouses befindet, der Familie Curtin. Dort wurde der Burren Smokehouse-Räucherlachs als erstes serviert. Seine Qualität sprach sich sehr schnell herum. In der Folge bestellten Pubs, Hotels und Restaurants in der Umgebung von Lisdoonvarna den Räucherlachs beim Smokehouse. Mittlerweile liefert das Burren Smokehouse innerhalb von 24 bis 48 Stunden seine Produkte in die ganze Welt. Das Besucherzentrum öffnete 1995 als Fenster für die eigenen und andere regional hergestellte Gourmet- und Kunsthandwerk-Produkte. Jedes Jahr schauen über 30.000 Besucher aus der ganzen Welt vorbei.

 

Die Wiege der irischen Musik

Weiter in Richtung Süden am Nordatlantik geht es nach Doolin. Nicht selten bekommen Iren bei der Erwähnung des Ortsnamens einen träumerischen Blick. Und viele Touristen, die in Doolin waren ebenfalls, denn der Ort an der Nordatlantikküste gilt als das Zentrum traditioneller irischer Musik. Die Entwicklung Doolins zu einem Musik-Mekka geht auf die drei aus Doolin stammenden Russell-Brüder Micko, Packie und Gussie zurück. Drei Pubs unterhalten die Besucher täglich mit Livemusik und am Wochenende. Dann besuchen auch vielen Iren Doolin, mit dem Ergebnis, dass der kleine Fischerort „dicht“ ist. Aber Doolin ist nicht nur der Ort für Fans der traditionellen irischen Musik und der gemütlichen Pubs, es ist auch Pilgerstätte für Junggesellinnenabschiede. Wer einige Tage dort verweilt, wird denn auch des Öfteren auf größere Frauengruppen treffen, die ausgesprochen fröhlich unterwegs sind.

 

Treffpunkt für die Klippen-Wanderung ist jeden Morgen um 10 Uhr vor dem O’Connor’s Pub in der Fisherstreet in Doolin. Foto: Ingo Paszkowsky
Doolin ist die Wiege der irischen Musik. Treffpunkt für die Klippen-Wanderung ist jeden Morgen um 10 Uhr vor dem O’Connor’s Pub in der Fisherstreet in Doolin. Foto: Ingo Paszkowsky

 

Mein Tipp: Doolin ist unbedingt sehens- und erlebenswert, aber wegen des starken Besucherandrangs möglichst nicht in der Hauptferienzeit und nicht an den Wochenenden.

 

Vermutlich die Attraktion Nummer 1 an der Westküste: die Cliffs of Moher.
Vermutlich die Attraktion Nummer 1 an der Westküste: die Cliffs of Moher. Foto: Ingo Paszkowsky

 

Einige Kilometer weiter südlich kommt die eigentliche Attraktion der Westküste, die Cliffs of Moher. Auf rund acht Kilometern Länge trotzen sie dem Atlantischen Ozean, an ihrem höchsten Punkt türmen sie sich 214 Meter über den Meeresspiegel. Es gibt ein Besucherzentrum mit zwei großen kostenpflichtigen Parkplätzen: Cliffs of Moher Visitor Centre, Liscannor, Co. Clare, www.cliffsofmoher.com / Tel: +353 65 708 6141, mit Informationszentrum und Restaurant. In wenigen Schritten hat man von dort aus den O‘ Briens Tower erreicht und den Ausblick über eine herrlich wilde Küste. Wem der einzige Ausblick nicht reicht, wer nicht die Fotomotive vor der Kamera haben will, die vor ihm schon viele andere hatten, der nähert sich dem klassischen Aussichtspunkt als Wanderer. Von Doolin lässt sich auf einem ausgeschilderten Wanderweg in einem Aufstieg die Höhe in etwa drei Stunden „bezwingen“. Es ist nicht schwierig, aber etwas Kondition sollte man schon haben. Man kann grundsätzlich den Weg auch alleine gehen, informativer und auch sicherer, zumindest bei schlechtem Wetter, ist es mit einem Guide. Und da ist in Doolin sicher der Farmer Pat Sweeney die beste Wahl. Er weiß bestens Bescheid und kann Geschichten erzählen ohne Ende.

Doolin Cliff Walk mit Pat Sweeney (Handy +353 86 822 9913),

Tel: +353(0)65-707 4170,

E-Mail doonagore@eircom.net,

www.doolincliffwalk.com

Die Wanderung findet täglich statt. Treffpunkt ist jeden Morgen um 10 Uhr vor dem O’Connor’s Pub in der Fisherstreet in Doolin.

 

Cliffs of Moher: Teilnehmerinnen eines Junggesellinnenabschieds, vorn Cliff Walk Giude Pat Sweeney.
Cliffs of Moher: Teilnehmerinnen eines Junggesellinnenabschieds, vorn Cliff Walk Giude Pat Sweeney. Foto: Ingo Paszkowsky

 

Mit seiner Frau und seinen drei Söhnen lebt er im Doonagore Farmhouse und bietet dort auch Bed & Breakfast an. Wer bei ihm wohnt, spart übrigens die Gebühr für die Klippen-Wanderung. Und er bekommt das irischste Frühstück, Fully Irish Breakfast, das ich auf der Insel genießen konnte. Zusätzlich zu den sonstigen irischen Frühstückszutaten gibt es hier noch eine Scheibe gebratene Blutwurst. Sensible Mägen werden ihre Schwierigkeiten haben. Wer dennoch probierfreudig ist, wird feststellen, dass sich nach dem Irish Breakfast frühestens am späten Nachmittag wieder ein Hungergefühl einstellt.

Doonagore Farmhouse, Cliffs of Moher Road, Doonagore, Doolin,

Tel: +353(0)65-707 4170

www.doolin-accommodation.com

 

Cliffs of Moher: Jedermann will den ultimativen Schnappschuss.
Cliffs of Moher: Jedermann will den ultimativen Schnappschuss. Foto: Ingo Paszkowsky

 

Noch Zeit für einen Tagesausflug von Doolin aus? Dann würde ich die Erkundung der West Clare Peninsula empfehlen. Genauer gesagt, einen Besuch des Loop Head Leuchtturms. Wobei der Weg dorthin, das eigentliche Erlebnis ist. Wie ein Finger erstreckt sich Loop Head in die See und trotzt dem Nordatlantik. Hier zeigt sich der Wild Atlantic Way noch wilder, noch rauer. Die Tour zum Leuchtturm, die Panoramaroute Loop Head Drive, besticht mit einer ursprünglichen, schönen Landschaft, alten Steinbrücken und historischen Stätten. Viele der alten Brücken sind so schmal, dass sie jeweils nur von einem Auto in einer Richtung passiert werden können.

Das gilt übrigens auch für viele Straßen, dennoch gilt meist 100 als Tempo-Limit! Es empfiehlt sich auf jeden Fall, diese einhundert Stundenkilometer nicht als „Richtgeschwindigkeit“ zu interpretieren, sondern entspannt die Naturkulisse zu genießen. Am südlichsten Zipfel erreicht man den Leuchtturm, der 1854 errichtet wurde und öffentlich zugänglich ist. Als Teil der Führung gelangt man auch auf den Balkon, wo man in 23 Metern Höhe über den Klippen eine herrliche Aussicht hat, sofern das Wetter mitspielt. Der Loop Head Lighthouse ist von Mai bis September von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen fünf Euro und Kinder zwei Euro Eintritt. Es gibt auch Familientickets für 12 Euro (zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder).

clare.ie

www.loophead.ie

 

Traum eines Radfahrers.
Traum eines Radfahrers. Foto: Ingo Paszkowsky

 

Die letzte Station, bevor es wieder über Dublin in die Heimat geht, ist Limerick – gut eine Autostunde von Doolin entfernt. Limerick war 2014 Irlands Kulturstadt, wohl in Anlehnung an die europäischen Kulturhauptstädte, die jedes Jahr von der EU gekürt werden. Ich werfe noch einmal einen Blick in den Stefan Loose Reiseführer Irland und lese dort, dass Limerick „in den letzten Jahren zunehmend unter Image-Problemen gelitten“ hat. Schuld war der gnadenlose Bandenkrieg in Limerick Anfang dieses Jahrtausends. „Das ist längst Vergangenheit“, sagt Aoife O’Shaughnessy vom Limerick Marketing. Verschärfte Strafgesetze und ein Stadtentwicklungsprogramm brachten die Wende. In der Tat hat Limerick für die Besucher einiges zu bieten, obwohl in der Innenstadt gelegentlich nicht zu übersehen ist, dass hier noch Sanierungsbedarf besteht. Ein Besuch von King John’s Castle ist auf jeden Fall sehenswert. Hier erfährt man nicht nur viel über die Geschichte des Castles, sondern auch über die Historie der Region. Die Bauarbeiten für das King John’s Castle begannen 1212 und hielten Jahrzehnte an. Zunächst wurden die zwei beeindruckenden Turmtorhäuser gebaut.

Im Castle lassen sich Zeugnisse aus den verschiedenen geschichtlichen Perioden des 800 Jahre alten Gebäudekomplexes finden. Nach millionenschweren Investitionen öffnete King John’s Castle wieder für die Besucher mit einer gelungenen Synthese von alter Geschichte und moderner Präsentationstechnik. Die elektronischen Guides gibt es auch in deutscher Sprache. Multimedia-Präsentationen informieren beispielsweise über die „frühe gälische Bevölkerung“, über die „Normannen in Limerick“ und über Veränderungen und Konflikte während der Reformation. Sehr gelungen finde ich die Präsentationen von Personen aus der Geschichte des Castles, die dem Besucher aus ihrem Leben erzählen, sobald er sich dem jeweiligen Flatscreen nähert. Optik und Sprache sind perfekt. Ein besonderes Highlight ist auch der Blick auf Limerick von den Türmen. Wer das Interesse und die Ausdauer hat, sich alle Präsentationen und die Anlage anzusehen, sollte schon drei Stunden einplanen.

www.shannonheritage.com/KingJohnsCastle/

 

Blick vom Turm des King John’s Castle auf Limerick.
Blick vom Turm des King John’s Castle auf Limerick. Foto: Ingo Paszkowsky

 

Auch einen Besuch wert ist das Hunt Museum, benannt nach den Kunstsammlern John und Getrude Hunt. Es enthält eine Sammlung über die frühe irischer Zeit und mittelalterlicher irischer Kunst, aber auch Ausstellungsstücke aus Griechenland, Rom, Ägypten und über die Olmeken-Zivilisation. Zudem gibt es auch Arbeiten bedeutender Künstler, wie Pablo Picasso, Pierre Auguste Renoir, Roderic O’Conor, Jack B. Yeats, Robert Fagan und Henry Moore, zu bewundern.

www.huntmuseum.com

 

Ebenfalls eine Besichtigung wert ist die St. Marys Cathedral als das älteste Bauwerk in Limerick, das noch im täglichen „Einsatz“ ist. Die Kathedrale wurde im 12. Jahrhundert auf einem Hügel von Kings Island gebaut, als Gründungsjahr ist 1168 angegeben. Sie ist sehr gut erhalten und enthält viele Kostbarkeiten wie die zahlreichen Glasmalereien. Die meisten Besucher bestaunen die Miseriecordien. Das sind kleine Stützbretter im kirchlichen Chorgestühl. Sie sollen die einzigen ihrer Art sein, die in Irland erhalten geblieben sind, heißt es in einer Information, die in der Kathedrale – auch in deutscher Sprache – erhältlich ist. Der Begriff stammt vom lateinischen Wort misericordia (Barmherzigkeit) ab. Aus Eiche aus den Wäldern bei Cratloe im County Clare zwischen 1480 und 1500 geschnitzt, sind die Sitze so konstruiert, dass sie angehoben werden können. Früher standen die Menschen während der Gottesdienste, es war verboten zu sitzen. Als Stütze für lange Stehzeiten sind an der Unterseite der 23 Sitze die Misericordien/Leisten/Stützbretter angebracht, um den Benutzern auch während des Stehens ein Ausruhen zu ermöglichen. Die von Meisterhand ausgeführten Schnitzereien an der Unterseite der Sitze repräsentieren Symbole des Guten und den Bösen. Eintritt 3 Euro.

cathedral.limerick.anglican.org

 

Das Frank McCourt Museum.
Das Frank McCourt Museum. Foto: Ingo Paszkowsky

 

Ein Besuch Limericks wäre unvollkommen, ohne eine Visite im Frank McCourt Museum. Francis „Frank“ McCourt ist bedeutender Sohn der Stadt. Er wurde als ältester Sohn von Malachy McCourt und Angela Sheehan 1930 in New York geboren. Im Alter von vier Jahren kehrte seine Familie nach Irland zurück, wo sie in sehr ärmlichen Verhältnissen lebte. Der Vater war Trinker und kümmerte sich kaum um den Lebensunterhalt der Familie, so dass seine Mutter Angela und Frank McCourt für sich und seine jüngeren Geschwister sorgen mussten. 1949 konnte er in die USA zurückkehren und schrieb später über seine Jungend in Limerick den autobiografischen Bestseller Die Asche meiner Mutter (1996). Originaltitel: Angela’s Ashes. Im Museum sind nun Gegenstände aus Frank McCourts Leben und Schaffen zu sehen. Außerdem werden die damaligen Lebensverhältnisse plastisch dargestellt.

www.frankmccourtmuseuem.com

Fazit: McCourt-Fans kommen um einen Besuch nicht herum!

 

Man könnte natürlich Limerick als Ausgangspunkt für einen Trip auf dem Wild Atlantic Way wählen, denn der Shannon International Airport liegt in unmittelbarer Nähe. Er wird zum Beispiel von Ryanair von Berlin-Schönefeld aus angeflogen. Limerick „konkurriert“ mit Galway um die Besucher des Wild Atlantic Way und hat natürlich den Vorteil des nahegelegenen Flughafens.

Ingo Paszkowsky

Titelfoto: Ingo Paszkowsky

 

Reiseberichte.com

 

Weitere Informationen:

Irland Information (Tourism Ireland)

Gutleutstraße 32, 60329 Frankfurt am Main

Urlaubsberatung und Informationsbroschüren über die gesamte Insel

Mo – Fr: 11 – 17 Uhr

Tel: 069 – 6680 0950, Fax: 069 – 9231 8588

E-Mail: info.de@tourismireland.com, www.ireland.com

 

Cliffs of Moher.
Cliffs of Moher. Foto: Ingo Paszkowsky

 

Noch einige Hinweise für Irland-Besucher:

Anreise mit eigenem Fahrzeug: Per Nachtfähre von Nordfrankreich direkt nach Irland (Cherbourg/ Roscoff-Rosslare) oder zunächst Fähre nach Großbritannien, von dort mit Anschlussfähre weiter nach Irland (Durchgangstarife über verschiedene Routen).

Irish Ferries, Tel: 0421 – 1760 218 / www.irlandfaehre.de

Strom: Es wird ein dreipoliger Adapter benötigt.

Währung: In der Republik Irland gilt der Euro als Währung, in Nordirland das Pfund Sterling.

Zeit: Es gilt die Greenwich Mean Time (GMT), d.h. die Uhren müssen um eine Stunde zurückgestellt werden.

Kleidung: Tourism Irland empfiehlt Kleidung nach dem „Zwiebel-Prinzip“, angefangen vom leichten T-Shirt über Hemd oder Bluse und Pullover bis zu wind- und wasserfester Oberbekleidung. Regenschirm und auch die Sonnencreme nicht vergessen.

Dresscode: In Irland ist man eher leger gekleidet, es sei denn man besucht ein Schlosshotel. Krawatte ist dann auf jeden Fall Pflicht.

 

Weitere Ein- und Ausblicke

 

 

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