Nach 25 Jahren Mauerfall neue Grenze, diesmal nicht aus Beton, sondern aus Licht

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Auf einer Strecke von 15,3 Kilometer zeichnen tausende weiße Ballons den ehemaligen innerstädtischen Verlauf der Berliner Mauer nach. Zwei Tage und Nächte teilt diese temporäre Installation die Stadt innerhalb des S-Bahn-Rings wieder in Ost und West. Die LICHTGRENZE verläuft von der Bornholmer Straße über die Bernauer Straße zum Reichstag und Brandenburger Tor, vorbei am Potsdamer Platz und Checkpoint Charlie, durch Kreuzberg bis zur East Side Gallery und Oberbaumbrücke. Die Open-Air-Installation ruft mit ihrer emotionalen und visuellen Kraft noch einmal die Dimension der Mauer ins Gedächtnis. Die LICHTGRENZE wird gemeinsam von Kulturprojekte Berlin, WHITEvoid und bauderfilm realisiert und basiert auf einer Idee von Christopher Bauder und Marc Bauder.

 

BALLONAKTION 9. November, 19 Uhr, Bornholmer Straße bis Oberbaumbrücke

Nach einem Festakt im Konzerthaus gibt Berlins Regierender Bürgermeister, Klaus Wowereit, am Brandenburger Tor im Rahmen des Bürgerfests das Startsignal zum Aufstieg der Ballons. Tausende Ballonpaten lassen kurz nach 19 Uhr ihre Ballons in den Berliner Nachthimmel steigen. Die sich innerhalb von rund 30 Minuten sukzessive auflösende LICHTGRENZE symbolisiert den Fall der Mauer. Jeder Ballonpate schickt gleichzeitig seine persönliche Botschaft auf die Reise. Für das großangelegte Projekt haben Kulturprojekte Berlin und die Robert-Havemann-Gesellschaft mit rund 200 Gruppen – kirchlichen Institutionen, Zeitzeugen, Oppositionellen, Sportvereinen, Schulen, Unternehmen, politischen Einrichtungen und Kulturbetrieben – zusammengearbeitet. Gemeinsam konnten sie tausende Menschen aktivieren, eine Ballonpatenschaft zu übernehmen. Eine der jüngsten Patinnen ist ein vierjähriges Mädchen, eine der ältesten ist 74 Jahre alt. Die Ballonpaten kommen größtenteils aus Berlin und Umland, einige reisen extra aus dem Ausland an.

Alle Namen und Botschaften der Paten finden sich auf www.fallofthewall25.com. Kulturprojekte Berlin laden gemeinsam mit Facebook zum internationalen Dialog und Mitmachen ein. Als virtuelle Ballonpaten kann jeder auf Facebook, Instagram oder Twitter mit den Hashtags #fallofthewall25 und #fotw25 oder direkt auf www.fallofthewall25.com seine persönlichen Botschaften, Erinnerungen oder Wünsche als Foto, Video oder Textbotschaft posten.

 

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AUSSTELLUNG „Hundert Mauergeschichten“ bis 9. November

Die von der Robert-Havemann-Gesellschaft konzipierte Ausstellung bietet alle 150 Meter historische Fakten am authentischen Ort: bekannte, aber auch unbekannte und in Vergessenheit geratene Geschichten, tragische, glückliche und kuriose Momente und Schicksale der geteilten Stadt. Sie verweisen unmittelbar vor Ort auf die Veränderungen in der Stadt und schärfen den Blick für geschichtliche Spuren. Die berührenden Geschichten und Fotos lassen die individuellen Erinnerungen aus Ost und West lebendig werden. In den Mauergeschichten haben die Schrecken der Teilung und die Maueropfer ebenso ihren Platz, wie die Erinnerung an Nischen und Freiräume, die sich vor allem auf der Westseite der Mauer boten. Zugleich zeigt die Ausstellung den Mut und die Kreativität derjenigen, die sich weigerten, das monströse Bauwerk als Normalität zu akzeptieren.

PUBLIKUMSORTE als zentrale Anlaufstellen

Sieben Publikumsorte sind Anlaufstellen für Informationen und Auskünfte entlang der LICHTGRENZE. Sie dienen als Startpunkt für Führungen und Entdeckungstouren. Besucher können dort Bücher zum Thema erwerben. Caterer sorgen für das leibliche Wohl. Auch der rbb wird vor Ort sein und von den Publikumsorten senden. Publikumsorte sind: Bornholmer Straße (RadioBerlin 88,8/rbb Fernsehen), Mauerpark (Radio Fritz), Gedenkstätte Berliner Mauer (Kulturradio), Brandenburger Tor, Potsdamer Platz (Antenne Brandenburg), Checkpoint Charlie (Inforadio), East Side Gallery / O2 World (radioeins).

FÜHRUNGEN bis 9.11.2014 – Fluchtversuche, konspirative Wohnungen und mehr

Fluchten unter dem Gleimtunnel, Sprünge aus den Wohnhäusern in der Bernauer Straße, konspirative Wohnungen und verschüttete Fluchttunnel: Der Museumsdienst Berlin bietet an drei Publikumsorten einstündige Führungen auf Deutsch und Englisch an. „Leben und Widerstand im Schatten der Mauer“ (Mauerpark), „Geschichten von Teilung, Flucht und Zusammenwachsen“ (Checkpoint Charlie) , „Die Oberbaumbrücke – Eine Brücke zwischen Kiezen, die Welten trennte“ (East Side Gallery). Kontakt: museumsinformation@kulturprojekte-berlin.de, Tel. 030/2474 9888 oder 030/2474 9859

 

Foto: Ingo Paszkowsky
Foto: Ingo Paszkowsky

 

FILMCOLLAGE „Mauerstücke“ – einzigartige Zusammenstellung historischen Materials

An allen Publikumsorten ist auf großformatigen Screens zu jeder vollen Stunde eine Filmcollage aus historischem, bisher zum Teil nicht zugänglichem Material aus der Zeit vom Mauerbau bis zum Mauerfall zu sehen. Der Dokumentarfilmer Marc Bauder („Master of the Universe“, „Das System“) stellte sie aus mehr als 180 Stunden Originalmaterial zusammen. Die entstandene 30-minütige Collage ist emotional, politisch und dokumentarisch. Bekannte Stationen der deutschen Teilung sind neu beleuchtet. Der Fokus wird auch auf bisher wenig beachtete Aspekte gelegt. Angefangen bei Aufnahmen aus alten Armeefilmschauen vom Todesstreifen und der Schulung von Grenzsoldaten, über Bilder erfolgreicher und misslungener Fluchten, bis hin zu illegalen Filmaufnahmen der DDR-Opposition, Verhaftungswellen und den Massenfluchten über die ungarische Grenze im Sommer 1989. „Mauerstücke“ ist eine Produktion von bauderfilm in Koproduktion mit Kulturprojekte Berlin.

 

FESTAKT, BÜRGERFEST – Weitere Veranstaltungen am 9. November

Weitere Höhepunkte des Wochenendes sind die Eröffnung der neuen Dauerausstellung „1961I1989. Die Berliner Mauer“ in der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße, der Festakt des Landes Berlins im Konzerthaus am Gendarmenmarkt und das Bürgerfest der Bundesregierung unter dem Motto „Mut zur Freiheit“ am Brandenburger Tor (ab 14 Uhr), in das die Ballonaktion um 19 Uhr eingebettet ist. Der Schauspieler Jan Josef Liefers führt durch das Abendprogramm des Bürgerfestes – mit Erinnerungen an die Friedliche Revolution, der Öffnung der LICHTGRENZE und viel Musik. Auf dem Programm stehen unter anderem die Fantastischen Vier, Udo Lindenberg und Paul Kalkbrenner.

Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin spielen den 4. Satz aus Beethovens 9. Symphonie (“Ode an die Freude”).

Alle Informationen und Veranstaltungen unter www.berlin.de/Mauerfall2014

 

Foto: Ingo Paszkowsky
Foto: Ingo Paszkowsky

 

Hier ist übrigens das offizielle Video zur Lichtgrenze:

Und hier gibt es noch einen Clip zum Making-of:

Und hier gibt es noch Luftbildaufnahmen:

Titelfoto: Ingo Paszkowsky