Südwestaustralien, das kaum entdeckte Urlaubsparadies

Viele Australienfans verbinden mit Down Under oft nur die Reiseziele im Osten oder Süden des fünften Kontinents. Es ist Zeit, auch den Westen und besonders den Südwesten zu erleben. Noch wird dieser Teil Australiens unter Kennern als kleiner Geheimtipp gehandelt. Hier kann der Besucher zum Genießer werden. Das Auto ist ideal, um die Region zu erkunden. Die Reise führt von Perth direkt nach Margaret River und über verschiedene Stationen zurück. Die Straßen sind gut ausgeschildert und an den Linksverkehr gewöhnt man sich schnell. Die Fahrt nach Margaret River dauert etwa drei Stunden. Diese Kultur – Region liegt rund 300 km südlich der Metropole Westaustraliens und bietet alles was das Herz begehrt. Hier erleben die Besucher eine fassettenreiche, fremde aber auch vertraute Natur, den melancholischen Charme unendlich weiter und einsamer Strände sowie den Genuss einer einzigartigen Weinkultur. Aber auch die exotische Tierwelt sorgt für Kurzweil.

Bewohner im Kings Park freuen sich über fotografierende Touristen. Foto: Detlef Knoll
Bewohner im Kings Park in Perth freuen sich über fotografierende Touristen. Foto: Detlef Knoll

Immergrünes Australien

Die malerische Küsten des indischen Ozeans, die sanften Hügel des immergrünen Buschlandes, das ganzjährig milde Klima und die fantastischen Weinfarmen prägen das Landschaftsbild und verzaubern die Besucher vom ersten Tag. Zwischen dem Kap Naturaliste im Norden und dem Kap Leeuwin – ganz im Südwesten – liegt die Region Margaret River, durch die auch der gleichnamige Fluss seinen Weg zum indischen Ozean findet. Der richtige Boden und das gute Wetter haben diese langgezogene Halbinsel zur erfolgreichsten Weinregion Westaustraliens werden lassen. Von Juni bis August ist Winter. Tagsüber im Durchschnitt etwa 16 Grad Celsius lassen das Gefühl von Winter jedoch erst gar nicht aufkommen. Auch diese Jahreszeit eignet sich zum Erkunden des Landes. Der Frühling startet im September, dann fängt alles an zu blühen. Im Dezember beginnt der Sommer, am Tag im Schnitt um 27 Grad Celsius. Das ist natürlich auch die Hauptsaison für alle Besucher. Die Wälder erinnern manchmal an Deutschland. Doch beim Anblick der riesigen Karribäume spürt man rasch, dass man nicht zu Hause ist. Für Familien mit Kindern ist dieser Landstrich ein einziger Abenteuerspielplatz.

Südwesten von Australien

Diese aufstrebende australische Urlaubsregion hält vielfältige Freizeitangebote bereit. Egal ob wandern, surfen, tauchen oder Whale Watching. Hier können sie Sport, Erholung, das Erforschen anderer Kulturen mit Ruhe, Entspannung und Genuss verbinden. Hierzu gehören in der Region Margaret River natürlich auch der ausgezeichnete Wein und die erlesenen Speisen. Es ist die bekannteste Weinregion Australiens. Die rund 150 Weingüter sowie zahlreiche Restaurants mit raffinierter regionaler Küche prägen den Landstrich. Hinzu kommen kleine, regionale Brauereien, Käsereien, Olivenhaine und Schokoladen-manufakturen, deren Köstlichkeiten man sich nicht entgehen lassen darf. Urlaubssaison ist hier ganzjährig. Die Stadt Margaret River ist das Zentrum der Region. Zu den schönen Dingen des Ortes gehören natürlich auch die zahlreichen Maler, Bildhauer und rund 30 Kunstgalerien. Tausende Besucher werden hier jedes Jahr begrüßt und tauchen ein, in eine unbekannte Welt.

Weinreben in der Region Margaret River. Foto: Detlef Knoll
Weinreben in der Region Margaret River. Foto: Detlef Knoll

Wein ist hier das Leben

Rund ein Viertel des australischen Qualitätsweins wird in diesem Teil Australiens produziert. Begonnen hat der Weinbau im Südwesten in den sechziger, Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Die milden Temperaturen, ähnlich wie in Südfrankreich, engagierte Investoren und Fachleute für Weinanbau machten aus der Region eine der besten Weinbauregionen des fünften Kontinents. Es wurden Rebsorten getestet, Böden analysiert und umfangreiche Versuchsreihen gestartet, bevor die ersten Weinfarmen an den Start gingen.

Auf dem Weingut Leeuwin Estate, südwestlich der Stadt Margaret River, wurden 1973 die ersten Reben gepflanzt und 1979 wurde die erste Ernte gelesen. Zahlreiche Gäste aus Asien, Amerika und Europa kommen jedes Jahr und lassen sich verwöhnen. Hier wird ausschließlich Qualitätswein hergestellt und angeboten. Unter dem Slogan „ THE ART OF Fine WINE“ sorgen die rund 60 Mitarbeiter in dem Familienbetrieb dafür, dass der Chardonnay, Carbernet Sauvignon, Merlot oder Shiraz die Gaumen verzaubert. In den 40 Jahren des Bestehens wechselte nur einmal der Kellermeister. Zahlreiche Auszeichnungen sind Ausdruck des Könnens. Tradition und Qualität verbinden sich hier eindrucksvoll. Die Weine reifen ausschließlich in Eichenfässern aus Frankreich. Im Restaurant des Weinguts kann man die Weine vor dem Speisen unter fachkundiger Beratung probieren und auswählen.

Kultur gehört dazu

Die auserlesene regionale Küche, gepaart mit Spitzenweinen, macht den Besuch zu einem besonderen Erlebnis. Kulturelle Highlights sind seit 1985 die jährlich wiederkehrenden Konzerte auf der Freilichtbühne von Leeuwin Estate. Tausende von Besuchern konnten dort unter anderem das London Philharmonic Orchestra, Diana Ross, Tom Jones, Simply Red oder STING erleben.

Zu Besuch bei Lanie Fokkema. Foto: Detlef Knoll
Zu Besuch bei Lanie Fokkema. Foto: Detlef Knoll

Die enge Zusammenarbeit mit 150 australischen Malern unterstreicht das kulturelle Engagement des Weingutes. Sie entwerfen die Bildmotive für die Weinetiketten. Ausschließlich Aborigines-Künstler gestalten die Motive für den Shiraz. Eine Dauerausstellung ermöglicht den Besuchern einen anschaulichen Einblick in das Schaffen der Künstler.

Klein aber fein

Aber auch kleinere Weingüter in der Region, wie das CHURCHVIEW, in nördlicher Richtung, etwa auf halben Weg zwischen den Städten Margaret River und Busselton, sind unbedingt einen Besuch wert. Im Jahr 2000 wurden hier die Weine aus der ersten Ernte verkauft. Die Weinreben werden seitdem im eigenen Gewächshaus gezogen. Natürlich kann man auch hier die angebotenen Weine vor dem Kauf verkosten. Lanie Fokkema, die Inhaberin, nimmt sich Zeit und berät ihre Besucher gern. Die große Auswahl sehr guter Weine macht die Entscheidung nicht leicht. Gerne tauscht sie aber auch ihre Reiseerlebnisse nach Europa mit den Gästen aus und gibt gute Tipps für die schönen Dinge in der Region.

Egal wo man sich zufällig trifft, auf dem Land, in der Stadt oder im Supermarkt, die Australier sind sehr offen und freuen sich über Gäste aus aller Welt. Besonders die Deutschstämmigen geben sich sofort zu erkennen, sobald sie nur wenige deutsche Wörter hören. Dann erfährt man sofort vieles über das Leben in Australien und über ihre Verbundenheit mit ihrer alten Heimat, auch wenn sie schon viele Jahrzehnte in Down Under leben.

Die abwechslungsreiche Natur hält natürlich noch einige besondere Highlights für sie bereit. Hier an der Küste von Margaret River liegen die beliebtesten Surfspots Westaustraliens. Die Margaret River Surf School am Margaret Beach Resort in Gnarabup, ist für Anfänger eine gute Adresse. Meterhohe Wellen und eine lange Brandung ziehen die Surfer aus aller Welt jedes Jahr wie ein Magnet an. Aber die kilometerlangen, wunderschönen Strände bieten auch für ausgedehnte Küstenwanderungen die richtige Kulisse. So lässt sich mit einer frischen Brise und der gewaltigen Brandung schnell die Zeit vergessen.

Besiedelt vor etwa 40.000 Jahren

Einen kleinen Exkurs in die Kultur und Lebensart der ersten Bewohner des Kontinents, der Aboriginals, unternimmt gern der Natur Guide Josh Whiteland. Er erwartet seine neugierigen Gäste in Yallinggup, einem kleiner Ort im Nordwesten der Halbinsel Margaret River, um sie mit auf die Spuren der Ureinwohner zu nehmen. Ein Besuch der Nigilgi Höhle gehört natürlich auch zum Programm. Weitere Höhlentouren gibt es entlang der gesamten Küste im Leeuwin Naturaliste-Nationalpark. In diesen Kalksteinhöhlen lebten die ersten Australier schon vor zehntausenden Jahren. Die Jewel Cave oder Mammoth Cave im Süden der Region versprechen ein besonderes Erlebnis.

Urwald am Margaret River. Foto: Detlef Knoll
Urwald am Margaret River. Foto: Detlef Knoll

Auf dem Weg nach Perth

Ein Muss bei einem Besuch im Südwesten Australiens ist ein Ausflug in die Metropole Perth. Der Weg dorthin führt durch Busselton. Hier gibt es die längste Seebrücke Westaustraliens. Eine kleine Bahn fährt sie die 1,84 km auf den indischen Ozean und zurück. Zur Stärkung sind hier „Fish and Chips“ besonders zu empfehlen. Eine weitere Attraktion ist das Unterwasserobservatorium. Der trockene Tauchgang in die faszinierende Welt der Tiefe begeistert nicht nur die Kinder auf der Stelle. Weiter geht die Reise über Bunbury und Mandurah – in die größte Stadt Westaustraliens.

Kings Park in Perth. Foto: Detlef Knoll
Kings Park in Perth. Foto: Detlef Knoll

Perth – Metropole des Westens

Angekommen in der Hauptstadt des Bundesstaates Westaustraliens erleben sie ein neues Abenteuer. Die rund 1,7 Mio. Menschen, Zuwanderer aus verschiedenen Ländern Asiens, Europas und Afrikas leben hier mit den Australiern zusammen. Die Stadt ist, wie viele andere Großstädte auch, lebendig und quirlig. Die Menschen wirken aber sichtbar entspannter als z.B. in Berlin oder London. Man spürt die australische Gelassenheit. Für viele Backpacker, die wie viele Besucher über den Flughafen Perth eingereist sind, ist die westaustralische Metropole die erste Anlaufstation und das Eingangstor für den fünften Kontinent. Zahlreiche Hostels und kleine Pensionen haben sich auf diese Zielgruppe spezialisiert.

Zum Besuch in Perth gehört unbedingt der Kings Park. Pflanzen aus ganz Australien sind hier zu sehen. Eine wunderschöne, weitläufige Anlage, die die sechs Jahreszeiten der Aborigines mit der Vielfalt der australischen Vegetation durch eine sehr gelungene europäische anmutende Parkgestaltung verbindet.

Die Skyline von Perth präsentiert sich in imposanter Weise gegenüber vom Kings Park. Ein einmaliger und außergewöhnlicher Blick, den sich kein Besucher entgehen lassen sollte. Wenn man in die Straßen der Metropole eintaucht, verbindet sich Architektur aus dem 19. Jahrhundert mit der Moderne der Wolkenkratzer.

Skyline von Perth, Blick vom Kings Park. Foto: Detlef Knoll
Skyline von Perth, Blick vom Kings Park. Foto: Detlef Knoll

Die beiden Fußgängerzonen Murray Street Mall und Hay Street Mall sind die Favoriten beim Bummeln durch die City. Natürlich hat die Stadt noch viel mehr zu bieten. Die Strände, der Swan-River mit dem Hafen, verschiedene Museen und Bootstouren locken die Besucher. Man sollte sich mehrere Tage Zeit nehmen, um alles zu erleben. Hier darf natürlich ein Didgeridoo-Spieler nicht fehlen, auch wenn er aus Japan kommt.

Viele Einwohner der Metropole haben ihre Wochenend- oder Ferienhäuser in der Region Margaret River. Die Großstädter zieht es dort hin, um zu entspannen und diese großartige Natur zu genießen.

Hier schließt sich der Kreis. Die Reise in diesen Teil Australiens erzeugt eine ganz neue Sicht auf die Vielfalt des fünften Kontinents und öffnet neue Horizonte. Dieses Erlebnis stillt die Sehnsucht nach Ferne und verbindet diese mit einer besonderen Art der Vertrautheit. Das Abenteuer Südwestaustralien wartet.

Weitere Informationen:

www.westernaustralia.com/de

Detlef Knoll

Titelfoto / Morgendlicher Boxkampft zum Aufwärmen im Buschland bei Bunbury. / Foto: Detlef Knoll


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