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Weihnachtsstimmung in Palma de Mallorca / Foto: WeltReisender.net / Christiane Jonas

O Tannenbaum am Mittelmeer: Weihnachtstraditionen auf Mallorca

9 Minuten Lesezeit

O Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter … Als mein Sohn vor Jahren dieses alte Volkslied mit seiner Schulklasse sang, standen sie auf dem Schulhof unter einem grünen Zitronenbaum, der voller Früchte hing, dazu strahlte die Sonne. Es war unser erstes Weihnachten auf Mallorca, und beide erinnern wir uns noch an dieses ungewohnte Bild. Während in Deutschland im lichtarmen Dezember sehnsüchtig der grüne Tannenbaum besungen wird, beginnt es hier überall zu grünen und blühen und die Temperaturen steigen an manchen Tagen auf 18 Grad. Kleinen Sommer nennen die Mallorquiner diese Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, in der man tagsüber durchaus in sommerlichem Outfit im Straßencafé sitzen und die Sonne genießen kann.

Eine Weihnachtskrippe darf nicht fehlen

Weihnachtsbäume gehören traditionell auf Mallorca nicht zum Fest, auch wenn man sie immer öfter vor allem in Shopping Malls und Gartencentern sieht. Was hier an Weihnachten aber nicht fehlen darf, ist die Weihnachtskrippe. Dieser alte Brauch ist bis heute lebendig, und die meisten Familien bauen zu Hause ihre eigene Krippenlandschaft auf. Aber auch auf vielen öffentlichen Plätzen, in Kirchen und Rathäusern sind großen Weihnachtskrippen, manchmal mit hunderten Figuren, zu bewundern. Mit viel Aufwand und Liebe zum Detail werden Szenen der Heiligen Familie, der Geburt Jesu, der Ankunft der Drei Heiligen Könige und des ländlichen Lebens dargestellt. Eine besondere und vor allem bei Kindern beliebte Krippenfigur ist der Caganer – auf Deutsch würde man wohl „Scheißerchen“ sagen – eine kleine aus Katalonien stammende Figur, die in der Nähe der Heiligen Familie mit heruntergelassener Hose die Notdurft verrichtet.

Heiße Schokolade statt Glühwein

Wenn es tagsüber warm und sonnig ist, stellen sich natürlich eher selten weihnachtliche Gefühle ein. Ganz anders ist es aber, wenn man abends durch das festlich geschmückte Palma spaziert. Jedes Jahr Ende November werden die Weihnachtslichter offiziell und in einem feierlichen Akt angeknipst. Tausende Lichter schmücken die Palmen und Bäume rund um die Kathedrale La Seu, am Paseo del Borne und in der berühmten La Rambla. Die schönsten Plätze der Innenstadt sind mit Lichtergirlanden überspannt und tauchen die Altstadt bis in den Januar hinein in ein magisches Licht. Da Corona es bisher erlaubt hat, zieht es auch dieses Jahr Abend für Abend unzählige Palmesans und Touristen in die Innenstadt, zum Flanieren, Schauen und Shoppen. Dabei lohnt es sich auch, über einen der Weihnachtsmärkte zu schlendern. Die bekanntesten in Palma sind auf der Plaza Major in der Altstadt und auf der Plaza España aufgebaut. Traditionell sehen die mallorquinischen Weihnachtsmärkte anders aus als in Deutschland. Anstelle von Glühwein trinkt man hier eine heiße Schokolade und knabbert geröstete Maronen oder andere Süßigkeiten. An den Ständen werden vor allem Kunsthandwerk, Krippenfiguren aller Art und Naschzeug angeboten. Karussells, Brezeln oder Glühwein sind eher selten zu finden. Allerdings hat sich auch hier in den letzten Jahren durch den Einfluss des Tourismus und der vor allem nordeuropäischen Residenten einiges geändert. So gibt es inzwischen auch Weihnachtsmärkte, die schon fast an deutsche erinnern und auf denen man natürlich auch Glühwein trinken kann. Die bekanntesten sind im Nuevo Pueblo Español in Palma und im Yachthafen Puerto Portals.

Geschenke gibt es erst im Januar

Der Heiligabend gehört auch hier der Familie. Man kommt zu einem gemeinsamen Essen zusammen, oft die ganze Großfamilie – sofern Corona es zulässt, natürlich. Geschenke gibt es an diesem Tag eigentlich nicht, denn die bringen erst die Drei Heiligen Könige im Januar. Aber wie es so ist, mischen sich auch hier Traditionen, und in manchen Familien werden doch schon kleine Geschenke vorab überreicht, sehr zur Freude der Kinder natürlich. Das typische Essen an diesem Abend sind Meeresfrüchte aller Art, Gambas, Muscheln, Tintenfisch, dazu geräucherter Schinken, Tapas, Oliven und Käse. Am 25. Dezember geht es mit dem Schlemmen im Familienkreis weiter, man trifft sich zu Hause oder auch im Restaurant zum Festessen. Sehr beliebt sind an diesem Tag Spanferkel und die Sopa de Navidad, eine Weihnachtssuppe aus mit Fleisch gefüllten Muschel-Nudeln. Und nicht zu vergessen natürlich der Turrón, eine beliebte Süßigkeit aus gerösteten Mandeln, Honig, Zucker und Eiern, die in unzähligen Varianten angeboten wird. In den Supermärkten sind um die Weihnachtszeit ganze Regale nur mit den verschiedensten Sorten Turrón gefüllt.

Für viele mallorquinische Familien gehört zum Heiligabend auch der Besuch der Mitternachtsmesse, der Misa del Gallo (Messe des Hahns). In der Überlieferung wird erzählt, dass es der Hahn war, der als erster die Geburt Jesu verkündete. In dieser Christmette singt ein Mädchen in weißem Kleid und mit einem Schwert den Canto de la Sibila (Gesang der Sybille), ein aus dem Mittelalter stammendes Lied, das von der Apokalypse handelt. 2010 wurde dieser mallorquinische Brauch von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Besonders berühmt ist die Mitternachtsmesse in der Kathedrale von Palma, die bei diesem Ereignis normalerweise bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Ob sie aber dieses Jahr wie gewohnt stattfinden kann, hängt natürlich davon ab, wie sich die Corona-Zahlen entwickeln.

Der 6. Januar, der Dreikönigstag, ist das eigentliche Weihnachtsfest

Der von den Kindern sehnsüchtig erwartete Tag ist dann der 5. Januar, wenn am Abend die Drei Heiligen Könige ankommen. Palma erreichen sie traditionell über das Meer und legen im alten Hafen, nicht weit von der Kathedrale, an. In einer farbenprächtigen Karawane ziehen Caspar, Melchior und Balthasar dann durch die Altstadt und werfen Bonbons zu den Kindern, die mit ihren Eltern dicht die Straßen säumen. So ist es normalerweise, aber momentan durch Corona leider nicht. Der große Umzug findet nun ohne Publikum und sehr verkürzt statt, die Straßen werden komplett abgesperrt und sind für Zuschauer nicht zugänglich. Was bleibt, ist den Königsumzug live im Fernsehen zu verfolgen.

Der 6. Januar, der Dreikönigstag, ist dann das eigentliche Weihnachtsfest. An diesem Tag finden die Kinder morgens die Geschenke, die die Heiligen Könige in der Nacht gebracht haben – daran ändert sich auch mit Corona nichts. Das Pech für die Kinder ist, dass am 7. Januar meist wieder die Schule beginnt, also nicht viel Zeit zum Spielen mit den neuen Geschenken bleibt. Die Familien kommen wieder zusammen, man trifft sich zum Essen und feiert. Und dabei darf auf keinen Fall der Roscón de Reyes fehlen. Das ist ein Kranz aus Hefeteig, der mit farbigen kandierten Früchten verziert und meist mit Sahne, aber auch mit Pudding oder Cabello de Ángel (karamellisierte Kürbisfasern) gefüllt ist. Dieses Gebäck wird in Spanien ausschließlich zwischen den Weihnachtstagen und dem 6. Januar angeboten und enthält traditionell ein paar Überraschungen. Zum einen ist oft eine kleine Königsfigur im Teig versteckt. Derjenige, der sie findet, bekommt eine kleine Papierkrone aufgesetzt und darf sich einen Tag wie ein König fühlen. Dann wird meist auch eine trockene Bohne mitgebacken. Wer die erwischt, muss den nächsten Roscón bezahlen.


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Titelfoto / Weihnachtsstimmung in Palma de Mallorca / Foto: WeltReisender.net / Christiane Jonas

Christiane Jonas

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