Schweiz: Der Couturier der Christbäume – Johann Wanner

Last updated on 17. September 2019


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7 Minuten Lesezeit

Aus aller Welt pilgern Weihnachtsfans nach Basel: Das ist ihr Eldorado. Denn in der schmucken Stadt am Rhein im Dreiländereck Schweiz, Frankreich und Deutschland hat der renommierteste Christbaumschmuckexperte und weltgrößte Hersteller und Händler von handgefertigtem Weihnachtsschmuck seinen Sitz. Mitten in der Basler Altstadt ist sein Geschäft. Reiseführer legen Basel-Besuchern eine Stippvisite seines Ladens am Spalenberg 14 wahrlich ans Herz. Dort findet das nostalgische Weihnachtsherz alles, was es begehrt, damit an Heiligabend die festlich geschmückte gute Stube im Schein der Kerzen und des leuchtenden Weihnachtsbaums funkelt und schimmert.

Johann Wanner gilt als der weltweit renommierteste Gestalter und Hersteller von mundgeblasenem Christbaumschmuck. Foto: Sonja Thelen
Johann Wanner gilt als der weltweit renommierteste Gestalter und Hersteller von mundgeblasenem Christbaumschmuck. Foto: Sonja Thelen

Schon das Schaufenster von Johann Wanners Christbaumschmuck-Laden (http://www.johannwanner.ch) ist reichhaltig geschmückt: Wie bei meinem Wimmelbuch entdeckt der Betrachter ständig etwas Neues und Überraschendes wie die mundgeblasene Qualle aus hauchfeinem Glas mit langen Tentakeln, die an einem Holzständer hängt, aber auch klassische Glaskugeln in rot, grün oder golden. „Die Qualle ist sehr aufwändig zu blasen. Der Glasbläser muss sehr darauf achten, die einzelnen Teile ohne zu großen Druck zusammenzufügen, damit sie beim Anfassen nicht kaputt gehen“, erklärt der 74-Jährige. Johann Wanner gilt als der weltweit renommierteste Gestalter und Hersteller von mundgeblasenem Christbaumschmuck. Was „Chanel“ für die Haute Couture ist, ist der Schweizer für den Christbaumschmuck. Johann Wanner entwirft und verkauft Baumschmuck, den es außer in seinen Läden in Basel weltweit in den schicksten Kaufhäusern zu kaufen gibt: bei Goodman Bergdorf in New York, Fortnum & Mason in London oder Galeries Lafayette in Paris. Ebenso schmückt er Weihnachtsbäume. Filmschauspieler, Königshäuser und Popstars aus der ganzen Welt zählen zu seinen Kunden. Auch den 25 Meter hohen Baum auf dem Petersplatz in Rom hat er vor zehn Jahren mit 753 Kugeln in Gold und Silber dekoriert. „Als Modeschöpfer für Bäume“ wird er in Frankreich hofiert. Für die New York Times ist er „Father Christmas“.

In großen Lettern steht „Weihnachtsbaumschmuckausstattungsspezialgeschäft“ über seinen Shop geschrieben. „49 Buchstaben – das ist wahrscheinlich das längste deutsche Wort“, meint Wanner schmunzelnd vor dem Schaufenster stehend. Im Moment ist „Highlife“, wie er sagt. Im Advent ist der Laden manchmal so voll, dass Kunden draußen warten müssen, bis sie eingelassen werden können. Drinnen empfängt die Besucher das ganze Jahr über ein farbenfroher, glitzernder und leuchtender Rausch an Weihnachtsdekoration. Der Laden quillt über vor Kitsch und Opulenz: In allen möglichen Größen und aberwitzigen Formen locken Kugeln, Engel, Glocken, Zapfen, Nikoläuse oder auch Weinflaschen, Vögel, Frösche, Schornsteinfeger, Gorillas, chinesische Laternen oder Rennautos. Seine mundgeblasenen Kreationen sind sehr exquisit und kosten entsprechend. Aber es gibt weihnachtlichen Zierrat schon für 80 Cent. „Bei mir soll sich auch ein Junge mit seinem Taschengeld etwas kaufen können“, betont Wanner.

Die Wanner-Regel: Bei zwei Farben soll das Verhältnis 70 zu 30 sein." Foto: Johann Wanner
Die Wanner-Regel: Bei zwei Farben soll das Verhältnis 70 zu 30 sein.” Foto: Johann Wanner

Als Antiquitätenhändler hat der Kunsthistoriker vor 44 Jahren angefangen und seinen Laden am Spalenberg eröffnet. Dann kam ein Kunde aus dem thüringischen Lauscha mit einem Karton voll altem Christbaumschmuck, der im Nu ausverkauft war. So wurde Johann Wanners Leidenschaft geweckt. Er fuhr in die DDR, nach Polen und die Tschechoslowakei und machte sich in Thüringen und in Böhmen auf die Suche nach Menschen, die noch die Handwerkskunst des Glasblasens beherrschten. Er kaufte alte Bestände von Glaskugeln und Gussformen auf und ließ für den Start seines Unternehmens 500.000 Kugeln herstellen. „Das benötigte Material mussten wir dann in die DDR bringen lassen, damit die Werkstätten überhaupt produzieren konnten“, erinnert sich Wanner. Er half der damals am Boden liegenden Branche wieder auf und zu einer Renaissance. Heute ist sein Weihnachtshaus die erste Adresse in Sachen Christbaumschmuck. Er selbst entwickelte sich zum weltweiten Marktführer im Bereich des mundgeblasenen und handbemalten Weihnachtsschmucks. Neben dem Laden am Spalenberg hat im Herbst und Winter auch seine Weihnachtsstube um die Ecke in der Schneidergasse 7 geöffnet. In dem Café können die Gäste sich leckeren Kuchen, einen heißen Kakao oder Kaffee oder auch als „Apéro“ ein Glas Champagner oder Crémant und dazu einen Teller mit Bündner Fleisch, Parmesan oder Salami munden lassen – inmitten der überbordenden leuchtenden und wunderbaren Weihnachtswelt des Johann Wanner.

Ob im Weihnachtshaus oder in den Weihnachtsstuben: Der Kunde hat gute Chancen Johann Wanner persönlich anzutreffen. Trotz der momentanen Hektik im Weihnachtsgeschäft bleibt er gelassen, freundlich und aufmerksam. In der Stube begrüßt er die Gäste gerne mit Handschlag, fragt, woher sie kommen, parliert je nachdem auf Deutsch, Englisch oder Französisch. Obwohl er sich das ganze Jahr über mit Weihnachten und Christbaumschmuck befasst, hat der 74-Jährige sich bis heute seine kindliche Vorfreude auf Weihnachten bewahrt. Er schätzt die weihnachtlichen Symbole wie das Herz für die Güte und Liebe, die Kugel für Vollkommenheit und das Leben. Die Glocke „läutet etwas ein, vertreibt die Geister“. Die Vögel stünden für die Vergeistigung. „Am meisten mag ich schwarze Kugeln, da schwarz eine ausgleichende Farbe ist, und Kugeln mit weißen Tupfern.“

Was „Chanel“ für die Haute Couture ist, ist der Schweizer für den Christbaumschmuck. Foto: Johann Wanner
Was „Chanel“ für die Haute Couture ist, ist der Schweizer für den Christbaumschmuck. Foto: Johann Wanner

Johann Wanner ist ein Trendsetter in Sachen Christbaumschmuck. In dieser Saison sind neben den klassischen Farben rot und grün nach wie vor Silber sehr en vogue aber auch Pink- und Rosatöne. Johann Wanner schätzt es nicht, „dass Trends oft zu opportunistisch und zu vielfarbig sind, nur um jedem zu gefallen“. Ihm liegt es am Herzen, dass der Schmuck die weihnachtliche Fröhlichkeit und eine durchaus kindliche Verspieltheit widerspiegelt.

Traditionell dekoriert er seinen Weihnachtsbaum am dritten Advent. „Zusammen mit dem Förster wähle ich dann das wüsteste Bäumchen aus, das immer ein Schattendasein gefristet hat. Das ist für mich eine Herausforderung, ihn herauszuputzen. Und der Baum ist mir dafür dankbar“, sagt Johann Wanner. Sein Christbaumschmuck ist zum Teil schon 70 Jahre alt: „Den habe ich als Kind selbst gemacht.“ Ohne Stress macht er sich dann ans Werk. Stellt den knapp 1,40 Meter hohen Baum auf ein Tischchen, genießt dabei einen Rotwein.

Wie schmücke ich einen Weihnachts- / Christbaum

Einen Christbaum zu schmücken, ist ein Ritual, das es zu zelebrieren gilt – mit Ruhe und Genuss, empfiehlt Johann Wanner, der weltgrößte Hersteller und Händler von handgefertigtem Weihnachtsschmuck aus Basel. Um zu wissen, wie viel Baumschmuck benötigt wird, breitet man am besten die Teile in der Form eines Dreiecks auf dem Boden aus. Die Zahl der dort liegenden Anhänger sind mal drei zu nehmen, um den Baum komplett dekorieren zu können: Denn der Tannenbaum ist dreidimensional. Die größeren Kugeln sollten unten oder als funkelnder Blickfang direkt am Stamm hängen. Die kleineren Kugeln gehören weiter nach oben. Auch bei der harmonischen Komposition der Farben gibt es laut Johann Wanner einige Regeln zu beachten: „Bei zwei Farben soll das Verhältnis 70 zu 30 sein, bei drei Farben ist 60 zu 30 zu 10 ideal.“


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Dann startet das Schmücken: Elektrische Lichterketten werden als erstes befestigt – echte Kerzen indes kommen als letztes an den Baum. Danach wird der Baumschmuck an die Zweige in der Reihenfolge von oben nach unten, von hinten nach vorne und schließlich von innen nach außen gehängt. Auch die Rückseite, die oft an der Wand steht und nicht so exponiert ist, muss geschmückt sein. Denn auch diese Kugeln schimmern durch und machen das Bild komplett. Ist das Werk vollbracht, sollte man sich noch mal einen Moment Zeit nehmen, den Baum in Ruhe betrachten und gegebenenfalls etwas korrigieren.

Sonja Thelen

Titelfoto / Weihnachtsbaumschmuckausstattungsspezialgeschäft mit 49 Buchstaben – das wahrscheinlich längste deutsche Wort. / Foto: Johann Wanner

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Adressen

Weihnachtshaus, Spalenberg 14, 4051 Basel, Schweiz, Tel. +41 (0)61 261 48 26

Öffnungszeiten im Advent: Mo-Mi 9-18:30 Uhr, Do-Fr 9-20 Uhr, Sa bis 18, So 14-17 Uhr

Reguläre Öffnungszeiten: Mo 12:30-18:30 Uhr, Di-Fr 10-18:30 Uhr, Sa bis 17 Uhr

Weihnachtscafé, Schneidergasse 7, 4051 Basel, Schweiz, Tel. +41 (0)61 261 50 00

Öffnungszeiten: Mo 12:30-18:30 Uhr, Di-Mi 10-18:30 Uhr, Do-Fr 10-20 Uhr, Sa bis 17 Uhr

 

 


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