Prag-Reiseführer: Es gibt nur einen korrupten Tschechen

(Der Beitrag enthält Werbelinks*)
Mit Corrupt Tour zu den Baudenkmälern der Prager Vetternwirtschaft. Leseprobe Prag Stadtabenteuer, Reiseführer aus dem Michael Müller Verlag.

Steckbrief

Wo?

Treffpunkt Jungmannova Námestí, Metro A/B Mustek, Ende im Park Charlotty Masarykové, Metro A Hradcanská

Wann?

Nach Vereinbarung oder Programm auf der Webseite corrupttour.com checken, Tel. 739 990 080

Wie lange?

Ungefähr 2 Stunden

Wie viel?

800 Kronen pro Person, Gruppen je nach Absprache

Wichtig! Auch Touren außerhalb Prag möglich!

Ich meine, die messerscharfen Blicke im Rücken zu spüren.

Wir stehen mitten vor dem Eingang des Prager Magistrats, links und rechts von uns gehen Leute aus und ein. Und einige scheinen das Gesicht von Petr Šourek bereits zu kennen. Der erzählt mit klarer Stimme, wie es um genau dieses Gebäude im Chicago-Stil zu einem seltsamen Deal kam. Als es privatisiert wurde, hatte die Stadt ein Vorkaufsrecht. Der Preis war mehr als akzeptabel. Aber die Verwaltung lehnte ab. Ein dubioser, namenloser Käufer schlug zu – und vereinbarte sogleich mit der Stadt einen Mietvertrag über 20 Jahre. Der war überaus günstig für ihn. Die Stadt zahlt bis heute das fast Fünffache des in diesem Viertel üblichen Mietpreises. Der Medienaufschrei ist längst vorbei, das Thema fast vergessen. Wären da nicht diese lästigen Guides von Corrupt Tours mit immer neuen Touristen …

Böse Blicke kontert Petr mit schneidendem schwarzen Humor in perfektem, wunderbar altmodischem Deutsch. Der Regisseur, Schauspieler, Philosoph und Radio-Journalist wollte der grassierenden Korruption endlich etwas Gutes abgewinnen. Seit 2012 bietet Corrupt Tour Führungen zu den herausragendsten Korruptionsdenkmälern an, Touren durch das »Bestechende Prag«. »Wir verdienen als Einzige legales Geld mit der Korruption«, sagt er grinsend. Eine junge Frau aus dem Team, gespickt mit Corrupt-Tour-Devotionalien, begleitet ihn. Ich überlege, ob ich mir nicht für ein paar Kronen einen akademischen Titel gerahmt an die Wand hängen soll, den Master of Corruption Administration.

Durch den Franziskanergarten geht es weiter zu einem Einkaufstempel, der sich, oh Wunder, über drei eigentlich denkmalgeschützte Häuser erstreckt – immerhin sind die Fassaden noch erhalten. Dann laufen wir zum ehemaligen, ebenfalls jedem Bauplan spottenden Penthouse von Roman Janoušek, der merkwürdig gute Verbindungen zur Stadtverwaltung hatte und mittlerweile im Gefängnis sitzt. Allerdings nicht wegen Korruption, sondern wegen eines Mordversuchs. Und wir besuchen den Tunnel Blanka, der nach Vertragsunterschrift plötzlich viele Millionen Kronen teurer wurde.

Korruption ist in Tschechien weit verbreitet, erzählt uns Petr. Aber nur ein einziger Tscheche wurde jemals wegen Korruption verurteilt. Wir machen wir uns auf zu dem luxuriösen Nest dieser diebischen Elster. An der Metrostation Hradcany gehen wir durch einen Durchgang unter einem Haus – und stehen plötzlich in einer grünen, lärmfreien Oase. Petr erzählt die Geschichte von Mirek und Marek, zwei Freunden, die alles immer gemeinsam machten. Am Anfang wohnten sie sogar in einem Haus, Petr zeigt es uns. Petr kennt viele Geschichten, wie Premierminister Mirek Topolánek und sein »Berater« Marek Dalík sich gegenseitig unterstützten.

Mittlerweile gehört Marek eine luxuriöse Villa auf der anderen Seite des Charlotte-Masaryk-Parks. Wir stehen genau im Fokus der Videokamera, während Petr gelassen erzählt, wie Marek von den Managern des Waffenproduzenten Steyr 18 Millionen Euro »Provision« verlangte, dafür, dass die Regierung schließlich 107 Pandur-Panzer kaufte. Mir wird doch etwas unwohl, weil wir gerade ganz offensichtlich gefilmt werden, aber Petr lacht. Marek ist gerade nicht zu Hause. Er muss fünf Jahre im Gefängnis absitzen. Mirek dagegen trat 2018 völlig unbehelligt zur Präsidentschaftswahl an.

Wenn man schon mal hier ist:

Im Charlotte-Masaryk-Park liegt die Festungsanlage Písecká Brána. In der Villa Bílkova (Mickiewiczova 1) sind die Werke von Hausbesitzer František Bílek ausgestellt. Nur wenige Meter weiter befindet sich das Sommerschloss Letohrádek mit dem Königsgarten. Spannend ist aber auch das Wohn- und Botschaftsviertel auf der anderen Seite der Metrostation mit dem Café Místo (Bubenecská 12), der Galerie Pellé (Pelléova 10) und der Brauerei Bubenec (Bubenecská 33).

Quelle: Michael Müller Verlag

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Titelfoto / Prag ist eine schöne Stadt und sicher eine Reise wert. / Foto: pixabay / MurderousPass

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