Originelle und andere Osterbräuche weltweit

Last updated on 3. April 2021


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12 Minuten Lesezeit

Dieses Jahr werden die meisten von uns Ostern in ihren eigenen vier Wänden verbringen (müssen). Die Corona-Pandemie kann uns aber nicht davon abhalten, zumindest einen (virtuellen) Blick über den Zaun zu den Nachbarn und weiter weg zu werfen.

In Australien kommt zu Ostern kein Hase, sondern ein Bilby

In Australien hoppelt ein kleines Beuteltier dem Osterhasen den Rang ab: der Kaninchennasenbeutler. Das possierliche Beuteltier, Bilby genannt, bietet einfach alles: Lange Hasenohren, süße Knopfaugen, Schnurrhaare, graues Fell und natürlich: es hoppelt!

Hasen und Kaninchen haben in Australien kein besonders gutes Standing. Denn die Mitte des 19. Jahrhunderts aus Europa eingeschleppten Tiere wurden zu echten Schädlingen. Sie fraßen viele Weiden und Felder auf dem Kontinent kahl. Und noch schlimmer: Diese vermehrungsfreudigen Tiere verdrängten das australische Bilby. Da der kleine Kerl vom Aussterben bedroht ist, soll er in seiner Heimat tatsächlich den Osterhasen ersetzen.

In Australien kommt nicht der Osterhase, sondern das Bilby / Foto: Charleville Bilby Experience / DANIELLE LANCASTER

Die australische Regierung hat den Bestand des Kaninchennasenbeutlers als gefährdet eingestuft

Um auf die schwierige Situation des Bilbys und die landwirtschaftlichen Millionenschäden durch Hasen und Kaninchen aufmerksam zu machen, wurde 1991 die Legende des Osterbilbys ins Leben gerufen. Diese basiert auf einem beliebten australischen Buch der Schriftstellerin Rose-Marie Dusting von 1979 („Billy the Easter Bilby“). So begannen Supermärkte damit, Schokoladen-Bilbys rund um Ostern zu verkaufen. Ein Teil der Erlöse wurde und wird zum Schutz der Tiere verwendet.

Und noch einen Vorteil hat das Osterbilby gegenüber dem Hasen: einen Beutel. Ideal für den Ostereier-Transport!

Löffel, Beutel und Rüsselnase

Weiteres Merkmal des Kaninchennasenbeutlers ist neben seinen riesigen Löffeln und dem Beutel auch die langgezogene Schnauze. Das Tier erreicht eine Kopfrumpflänge von 20 bis 55 Zentimetern, der Schwanz misst 12 bis 29 Zentimeter. Der Kleine Kaninchennasenbeutler wiegt nur 400 Gramm, der Große Kaninchennasenbeutler bringt bis zu 2,5 Kilogramm auf die Waage. Bilbys können fünf bis sieben Jahre alt werden, in einem Sanctuary leben sie sogar rund elf Jahre.

Mit einem Besuch der Charleville Bilby Experience tun Besucher automatisch Gutes, denn sie unterstützen den im Jahr 1999 gegründeten „Save The Bilby Fund“ / Foto: Tourism and Events Queensland

Der Bauten-Gräber

Die nachtaktiven Nasenbeutler leben im heißen Outback Australiens. Sie schützen sich vor diesen extremen Bedingungen, indem sie tagsüber in etwa zwei Meter tiefen, selbst gegrabenen Löchern schlafen. Sie ernähren sich vorwiegend von Insekten und Wurzeln.

Die kräftigen Vorderbeine sind an das Graben angepasst. Trotz ihrer geringen Größe können Bilbys mehrere Löcher an einem Tag graben. Damit lüften sie den Boden und tun etwas für das Ökosystem. Von diesen Bauten profitieren aber auch andere Tiere. Vögel, Reptilien und Säugetiere suchen hier nach Nahrung und Schutz.

In Queenslands Outback werden Kaninchennasenbeutler gezüchtet

Schätzungen ergaben, dass nur noch 600 bis 700 Bilbys in Australien existieren. Die Charleville Bilby Experience möchte die Art schützen und bis zum Jahr 2030 wieder rund 10.000 Bilbys in freier Natur ansiedeln, vorzugsweise im Currawinya Nationalpark, der durch Zäune geschützt ist. Zuletzt wurden hier große Fortschritte in der Züchtung und Erforschung dieser Art gemacht. Aktuell hält das Sanctuary mehr als 100 Tiere inklusive rund 50 neugeborener Joeys.

Diese ganz besondere und weltweit einzigartige Einrichtung können Queensland-Urlauber zwischen April und Oktober hautnah erleben. Mit einem Besuch der Charleville Bilby Experience – das Sanctuary wurde dieser Tage nach der saisonalen Schließung wiedereröffnet – tun sie automatisch Gutes, denn sie unterstützen den im Jahr 1999 gegründeten „Save The Bilby Fund“. Alle Einnahmen werden in die Erhaltung der Kaninchennasenbeutler gesteckt.
Das Outback-Städtchen Charleville liegt rund 750 Kilometer von Queenslands Hauptstadt Brisbane entfernt.

In Neuseeland kommt zu Ostern neben dem Osterhasen der Oster-Kiwi

Das Osterwochenende steht vor der Tür und auf dem pazifischen Inselstaat Neuseeland haben die schokoladigen Überraschungen eine besondere Form. Neben klassischen Schokoladenosterhasen und Nougateiern finden sich mittlerweile auch viele Süßigkeiten in Kiwi-Form, die den Wappenvogel Neuseelands als neuen Protagonisten des Osterfestes feiern.

Verschiedene nationale Projekte bemühen sich um den Schutz des gefährdeten Vogels und betonen die Bedeutung des Kiwis für die Einwohner Neuseelands, die sich auch selbst gelegentlich Kiwis nennen.

Oster-Kiwi aus Schokolade von Whittaker's. Foto: Whittaker's
Oster-Kiwi aus Schokolade von Whittaker’s. Foto: Whittaker’s

Nationalvogel Kiwi: Kultur- und Naturerbe Neuseelands

Der Kiwi ist eines der bedeutendsten Nationalsymbole Neuseelands und steht auch für die Einzigartigkeit der neuseeländischen Tierwelt. Der Kiwi ist sogar auf der 1-Dollar-Münze der neuseeländischen Währung zu sehen. Insgesamt gibt es fünf Unterarten des Kiwis, die nur in Neuseeland vorkommen. Seit 1953 steht der nachtaktive Vogel unter Naturschutz. Die flugunfähigen Kiwis sind vor allem durch Fressfeinde wie Hunde, Katzen, Wiesel oder Ratten bedroht. Neuseeländische Naturschutzbehörden schätzen ihre Zahl auf weniger als 70.000 Exemplare im ganzen Land.

Umfassende Schutzanstrengungen und erste Erfolge

Vielen Unternehmen in Neuseeland liegt der Schutz des Vogels am Herzen, so unter
anderem der neuseeländischen Schokoladenmanufaktur Whittaker’s, die jährlich einen Teil ihrer Verkaufserlöse mit dem limitierten Schokoladen-Kiwi an die Wohltätigkeitsorganisation Kiwis for Kiwi spendet.

Der Kiwi ist eines der bedeutendsten Nationalsymbole Neuseelands. Grafik: pixabay / OpenClipart-Vectors
Der Kiwi ist eines der bedeutendsten Nationalsymbole Neuseelands. Grafik: pixabay / OpenClipart-Vectors

Auch Air New Zealand hat ein Herz für den scheuen Vogel und unterstützt als offizielle Airline die gemeinnützige Organisation. In enger Zusammenarbeit mit dem Department of Conservation transportiert das Flugunternehmen regelmäßig Kiwis und andere gefährdete Tierarten innerhalb Neuseelands und hilft bei deren Umsiedlung. (www.doc.govt.nz/airnewzealand)

Seit Ende 2017 gelten zwei der Kiwi-Vogelarten, der Nördliche Streifenkiwi und der Okarito Kiwi, nicht mehr als stark gefährdet.

Großbritannien: Der Eierroll-Wettbewerb

In England werden die Eier nicht nur versteckt, sondern auch gerollt. Bunt angemalt, kullern sie an abschüssigen Straßen oder von einem Hügel hinunter, bis die Schale kaputt ist. Das Ei, das den weitesten Weg zurückgelegt hat, gewinnt. Auch in Schottland ist das Eierrollen eine beliebte Tradition. Und in einigen Regionen Deutschlands wurde dieser Brauch ebenfalls praktiziert. Der Gewinner konnte bekam alle teilnehmenden Eier. Die Eier sollen das Wegrollen der Steine vor dem Grab Jesu symbolisieren.

Polen: Die Wasserschlacht

Wie wäre es an Ostern mit einer ordentlichen Wasserschlacht? So wird nämlich in Polen das Fest der Auferstehung gefeiert. Am Ostermontag, dem so genannten „Śmigus Dyngus“ oder „nassen Montag“, jagen sich die Bewohner Polens mit Eimern, Wasserpistolen und Wasserbomben quer durch die Stadt, bis die Kleidung gänzlich durchnässt ist. Der Brauch reicht bis ins Mittelalter zurück. Damals bewarfen Junggesellen ihre Auserwählte mit Wasser als Zeichen ihrer Zuneigung. Heute treten Frauen und Männer in Polen gleichermaßen zum österlichen Wet-T-Shirt-Contest an. Ein ähnliches Wasserfest gibt es mit Songkran in Thailand.

Frankreich: Das Riesen-Omelett

In Frankreich geht es nicht ganz so wild, dafür aber umso kulinarischer zu. In der südfranzösischen Gemeinde Bessières wird am Ostersonntag ein riesiges Omelett aus mehr als 5.000 Eiern zubereitet und an Einheimische sowie schaulustige Touristen verteilt. Angeblich stammt die Tradition von keinem geringeren als Napoleon, der in Bessières ein so leckeres Omelett verspeiste, dass er daraufhin noch eines für sein ganzes Heer zubereiten ließ. Heute gilt die gigantische Eierspeise als Symbol der Freundschaft und des kulturellen Austauschs.

Foto: pixabay / anncapictures

Schweden: Die Osterhexen

Schon einmal etwas von der Osterhexe Påskkäring gehört? Sie treibt in Schweden ihr Unwesen und fliegt jedes Jahr am Gründonnerstag auf ihren Hexenberg Blåkulla. Aus diesem Grund verkleiden sich an diesem Tag Kinder als Hexen, mit farbenfrohen Kopftüchern und einem Besenstiel. Dann gehen sie mit einer leeren Kanne in der Hand von Tür zu Tür und fragen dort nach Süßigkeiten. Im Gegenzug verschenken sie selbstgebastelte Osterbriefe.

Norwegen: Das Krimi-Fieber

In Norwegen ziehen an Ostern die Detektive los und alle sind im Krimi-Fieber. „Påskekrimmen“ ist eine norwegische Tradition, bei der das ganze Land während der Osterferien Kriminalgeschichten und Thriller liest, hört oder anschaut. Verlage sowie Radio- und Fernsehstationen machen mit und veröffentlichen Krimis – selbst auf den Milchpackungen sind Detektivgeschichten abgedruckt.

USA: Kostümparaden

Wer hat den schönsten Hut? Diese Frage kursiert bei den vielen Osterparaden in den USA, wie beispielsweise der Easter Parade auf der 5th Avenue in New York. Hier ziehen die Menschen in bunten Kostümen und blumengeschmückten Hüten ausgelassen durch die Straßen und feiern so das Fest der Auferstehung. Begleitet wird das bunte Treiben von Blaskapellen und farbenfrohen Osterwagen – so erinnern die Paraden ein wenig an die Karnevalsumzüge in Düsseldorf, Köln oder Mainz.

Guatemala: Andächtige Prozessionen

Etwas andächtiger wird es in Italien, Spanien oder auch Guatemala: In Guatemala werden bei den feierlichen Prozessionen große Jesus-Skulpturen durch die Stadt getragen. Die Spanier wiederum marschieren in Umhängen mit spitzen Kapuzen durch die Straßen und tragen dabei Heiligenfiguren mit sich. Besonders religiös geht es in Italien zu: Hier ziehen an Karfreitag viele mit einem Kreuz auf dem Rücken durch die Stadt und erinnern dabei stillschweigend an den Leidensweg Jesu.

In den leckeren Osternestern aus Kartoffel-Hefeteig bilden Knolle und Ei ein perfektes Duo zum Osterfest. / Quelle: KMG/www.die-kartoffel.de
In den leckeren Osternestern aus Kartoffel-Hefeteig bilden Knolle und Ei ein perfektes Duo zum Osterfest. / Quelle: KMG/www.die-kartoffel.de

Ostereier suchen – woher der Brauch kommt

Zum christlichen Auferstehungsfest verstecken viele Familien traditionell Osternester, in denen sich meist bunte Eier und andere Überraschungen befinden. Kinder erfreuen sich Ostersonntag an der Ostereiersuche. Je nach Gegend wurde den Kindern das Märchen aufgetischt, dass die Ostereier vom Hahn, dem Kuckuck, dem Fuchs, dem Storch oder dem Hasen gebracht werden. Auch den Glocken auf ihrer Rückkehr in der Osternacht vom Flug nach Rom wurden die mitgebrachten Eier zugeschrieben. In neuerer Zeit hat sich der Osterhase als Eierbringer überregional durchgesetzt. Heute suchen die Kinder meist am Ostermorgen die versteckten Ostereier.

Woher kommt der Brauch mit den versteckten Ostereiern? Genaues weiß man nicht, aber die Kartoffel-Marketing GmbH hat eine Theorie parat. Diese besagt, dass der Brauch einem heidnischen Ritual entspringt. Danach wurden im Frühling Eier als Symbol der Fruchtbarkeit verschenkt, um die germanische Göttin des Frühlings und der Fruchtbarkeit „Ostara“ zu ehren. Dem Mythos zufolge gilt „Ostara“ auch als Namensgeberin für das Osterfest. Laut der Theorie wurde dieser heidnische Brauch mit dem Aufkommen des Christentums von der Kirche verboten, um ihn durch christliche Traditionen zu ersetzen. Da viele den Brauch jedoch nicht aufgeben wollten, wurden Eier folglich nur noch heimlich verschenkt – und dabei versteckt.

Und warum beschäftigt sich die Marketing-Firma der Kartoffelindustrie mit Ostern? Weil ein Osternest nicht nur aus Reisig, Gras oder Kunstgras bestehen sollte, sondern vielleicht auch einmal aus Kartoffel-Hefeteig, meinen die Kartoffel-Marketer. Hier geht es zum Rezept.

Foto: pixabay / hudsoncrafted

Ostern umweltfreundlich

Der NABU (Naturschutzbund Deutschland) setzt auf nachhaltige Ostern. “Bei österlichen Bräuchen, Speisen und Geschenken am besten darauf achten, dass sie so wenig wie möglich Natur und Umwelt belasten”, so NABU-Nachhaltigkeitsexpertin Indra Enterlein.

Statt ein Osternest aus Plastik oder Papier zu kaufen, kann man Ostergras oder Kresse in eine flache Schale mit torffreier Erde säen, um zum Fest ein Nest aus frischem Grün zu haben.

Bei den Eiern greift man am besten zur Bioqualität, diese erkennt man an der Kennzeichnung “0”. “Bei Eiern, die im Supermarkt bereits gefärbt angeboten werden, kann man das nicht erkennen, da sie nicht gestempelt sind”, so Enterlein. Daher empfiehlt die NABU-Expertin, Eier selbst zu färben.

Um sich auf das Fest einzustimmen und die Kinder zu beschäftigen, ist das Eierfärben mit Zutaten aus der Küche ein Tipp. Für blau nutzt man beispielsweise Rotkohl, Rote Beete macht die Schale rot. Mit Minze kann man die Eier grün färben, mit Kaffeesatz braun.

Nach dem Oster-Brunch kann man die Eierschalen noch weiterverwerten. Sie eignen sich gut als Dünger für den Garten, da sie aus Kalk bestehen. Ein weiterer Tipp: In den halbierten, leeren Schalen Gemüse vorziehen.

Da viele Geschäfte zurzeit geschlossen haben, muss man sich für Ostergeschenke in diesem Jahr etwas einfallen lassen. Wie wäre es mit einem selbstgebauten Insektenhotel aus Holzresten? Darüber würden sich Garten- und Balkonbesitzer freuen, da mit dem Hotel Wildbienen angelockt werden, die die Pflanzen bestäuben.

Weitere Informationen zu den Oster-Vorschlägen des NABU

Übrigens: Wer schon immer mal einen kleinen Osterhasen aus Marzipan selbst herstellen wollte, sollte (virtuell) auf der Nordsee-Insel Sylt vorbeischauen. Konditor Jens Lund zeigt, wie man ganz einfach ein kleines Häschen für den Ostertisch aus Marzipan oder Knete formen kann.

Frohe und Corona-freie Ostern!

Quellen: EF Education First; NABU; eig. Recherchen

Titelfoto / Kein Osterhase, sondern ein Oster-Kaninchen. / Foto: pixabay / 12019

Konditor Jens Lund aus Sylt zeigt im Web, wie ein Marzipan-Hase geformt wird. / Foto: Sylt Marketing
Konditor Jens Lund aus Sylt zeigt im Web, wie ein Marzipan-Hase geformt wird. / Foto: Sylt Marketing

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