Island: Vor 30. Jahren fiel das Bierverbot im Land der Biertrinker – das muss gefeiert werden

Erst vor 30 Jahren ist das Bierverbot in Island aufgehoben worden. Seitdem haben die Isländer viel Freude an dessen Genuss gefunden. Stets am 1. März feiert der Inselstaat nun den Bjórdagurinn, den Tag des Bieres. Im diesjährigen Jubiläumsjahr finden in allen sieben Regionen Islands Feierlichkeiten rund um das Bier und die Braukunst statt. Von Bierfestivals mit Craftbeer-Brauereien aus aller Welt über Bierfeste, bei denen Frauen am Weltfrauentag ihr Bier selbst brauen, bis hin zur neuen Starkbiersorte: Es wird einiges geboten und mit einem lauten „Skál“ auf das Bier angestoßen.

Icelandic Beer Festival in Reykjavík: Craftbeer international

In der Hauptstadt Reykjavík wird gleich mehrere Tage lang, vom 21. bis zum 24. Februar, das Icelandic Beer Festival im Kex Hostel gefeiert. Das Festival findet bereits zum siebten Mal in Folge statt und wird von vielen DJ-Acts, Live-Konzerten und Entertainment umrahmt. Aus Minnesota, Virginia, Pennsylvania, Massachusetts, Dänemark sowie ganz Island nehmen Craftbeer-Brauereien teil und präsentieren ihre Bierspezialitäten.

Südisland: Bierfest trifft Weltfrauentag

In der Ölvisholt Brauerei nahe Selfoss in Südisland plant Feierlichkeiten rund um das Bierjubiläum zeitgleich mit dem Weltfrauentag am 8. März. Aus dem ganzen Land sollen Frauen aus den Mikrobrauereien Islands zusammen kommen, um gemeinsam Bier zu brauen. Die Veranstaltung wird voraussichtlich mit Livebands von Musikerinnen und sicherlich auch so manchem Glas erfrischenden Bieres begleitet.

Amüsantes Bier-Quiz und Freibier in Ostisland

Im ostisländischen Egilsstaðir sorgt das bunte Programm der lokalen Brauerei Askur Taproom direkt am 1. März einen spritzig-erfrischenden Abend. Am Bjórdagurinn wird hier mit einem Fass Freibier angestoßen. Es wird Egils Gull ausgeschenkt, das erste Bier, das in Island nach der Aufhebung des Verbots gebraut wurde. Bierliebhaber können an einem lustigen Quiz rund um die Bierwelt teilnehmen. Bis tief in die Nacht hinein sorgt die Band für eine ausgelassene Stimmung.

Erst seit 30 Jahren ist Bier trinken wieder erlaubt in Island. Foto: Visit Westfjords
Erst seit 30 Jahren ist Bier trinken wieder erlaubt in Island.
Foto: Visit Westfjords

Nordisland: Kaldi Beer Festival preist Mikrobrauereien Islands

Die Brauerei Bruggsmiðjan Kaldi ist bekannt für das weltweit erste Bier-Spa und für ihre beliebten Biere, die nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut werden und deren Zutaten teilweise aus dem Bierland Tschechien stammen. An ihrem Standort in Árskógssandur lädt sie am 1. März alle Mikrobrauereien des Landes ein, die eigenen Biere mitzubringen und gemeinsam auf die Biervielfalt des Landes anzustoßen. Bis zu 450 Gäste können hier den Abend mit viel Musik und einem lebhaften Unterhaltungsprogramm feiern. Gäste können Shuttle-Busse ab Akureyri und Dalvík nutzen.

Frisches Osterbier aus den Westfjorden

Die Brauerei Dokkan in Ísafjörður erweitert anlässlich des Jubiläumstags am 1. März ihre Öffnungszeiten. In der ersten lokalen Brauerei in den Westfjorden können Gäste frisches Zapfbier und Live-Musik genießen. Neben den vier bekannten Bieren der Brauerei steht eine neue Sorte zum Jubiläum im Fokus: Das Bier Páska Brellur wird erstmalig vorgestellt und ist zukünftig saisonal rund um Ostern erhältlich.

Westisland: Jungfräuliches Starkbier knüpft an die Traditionen an

Das Brauhaus Steðji in Westisland hat zum Anlass des 30. Bierjahrestags ein spezielles Bier kreiert. Der Düsseldorfer Braumeister Philipp Ewers hat ein Rezept für ein Belgium Tripel weiterentwickelt und ihm eine ganz eigene, isländische Note verpasst. Aus dem reinem Wasser des Inselstaats und Roggen entstand in einem achtmonatigen Brauprozess ein wildes Starkbier mit 9,2 Prozent Alkoholgehalt. Das Bier, geschmeidig und geschmackvoll, erinnert an die bierlosen Zeiten, in denen man schnell hochprozentige Schnäpse trank.

Die Geschichte des Bieres in Island: Von Nordmannssagen übers Verbot zum größten Bierkonsument der Welt

Schon die frühen Siedler Islands, die Wikinger, lebten eine Trinkkultur von Bier und Met. Nordmannssagen und Gedichte, wie der Hávamál, verweisen auf den Genuss von Bier auf der nordischen Insel bereits im Mittelalter. Mit der Unabhängigkeitsbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Bier mit dem dänischen Festland assoziiert. Damals waren Alkoholverbote generell im Kommen – so wie heute Rauchverbote. Aus diesem Grund wurde ein Referendum abgehalten, welches entschied, die Prohibition in Kraft zu setzen. Im Jahre 1915 gab es ein Totalverbot von Alkohol in Island.

Über die Jahre wurde das Gesetz jedoch gelockert. Zunächst wurden 1922 Wein und 1935 Schnaps erlaubt. Im Jahr des Mauerfalls in Deutschland, 1989, durfte in Island dann nach 74 Jahren wieder Bier ausgeschenkt werden. Seit der Legalisierung wuchs dessen Konsum beständig. Neben importiertem Bier und den größeren Brauereien entstanden immer mehr Mikrobrauereien.

Heute ist Island das Land mit dem höchsten Bierkonsum pro Kopf der Welt, denn nach dem aktuellen WHO-Gesundheitsreport 2018 trinken 57 Prozent der Isländer Bier anstatt Wein und Schnaps – sogar mehr als in den Biernationen Deutschland und Tschechien. Sicher ist, dass die Insel aus Feuer und Eis mit ihrem sauberen, klaren Wasser, ihren fruchtbaren Böden sowie ihren erneuerbaren Energiequellen auch zukünftig ein idealer Standort ist, um qualitativ hochwertige Biere zu brauen und zu genießen.

Titelfoto / Auch im hohen Norden gibt es eine Biervielfalt. / Copyright Visit North Iceland

Das könnte Sie auch interessieren: