Nur noch einen kleinen Augenblick...

Haie: Vom Spitzenprädator zum Gejagten – Mensch und Hai kommen sich zusehends ins Gehege

Meist nähert er sich seinen potenziellen Opfern blitzschnell von hinten, beißt zu und wartet bis seine Beute an Schock oder Blutverlust stirbt. Kleinere Beutetiere dagegen werden häufig im Ganzen verschluckt. Der Weiße Hai ist der größte Raubfisch auf unserem Planeten und steht in der Nahrungskette der Weltmeere ganz oben. Sein Bestand ist allerdings bedroht durch den Beifang in der kommerziellen Fischerei und durch gezielte Bejagung.

 

Immer wieder tödliche Begegnungen

Der Weiße Hai kann auch dem Menschen gefährlich werden. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Begegnungen mit teilweise tödlichem Ausgang.

Jüngst, am 29. April 2017, traf es einen jungen Surfer vor Saint-Leu auf der Insel La Réunion, der wahrscheinlich von einem Weißen Hai angegriffen wurde und seinen schweren Verletzungen erlag.

Erst im Februar wurde ebenfalls auf der Tropeninsel bei einer Hai-Attacke bei Saint-André vor der Ostküste ein Mann getötet, der mit einem Bodyboard unterwegs war. Zuvor vorhandene Warnschilder hatten irgendwelche Personen entfernt. Damit kann La Réunion in der vergangenen Zeit etliche Haiangriffe verzeichnen.

Die USA, besonders Floria, und Australien, insbesondere Westaustralien, sind wegen Hai-Attacken häufig in den Medien. Erst Mitte April starb eine 17-Jährige nach einem Hai-Angriff in einer Bucht in der Nähe der westaustralischen Stadt Esperance. Innerhalb weniger Jahre gab es in Westaustralien mehrere tödliche Attacken durch Haie.

 

Vor Port Lincoln in Südaustralien dem weißen Hai vom Unterwasserkäfig ins direkt ins Auge sehen – Grusel, Grusel. Foto: South Australian Tourism Commission

 

Das Fischereiministerium der Regierung von Western Australia hat eigens eine Webseite zum Schutz vor Hai-Attacken eingerichtet. Bevor man zum Strand geht, soll man unbedingt die Seite shartsmart.com.au checken, lautet der Hinweis.

Auf Twitter Surf Life Saving WA (@SLSWA) – mit 18.200 Tweets und 46.400 Followern, Stand Anfang Mai 2017 – wird aktuell über Hai-Sichtungen in Westaustralien informiert. Von den über 370 Hai-Spezies weltweit leben immerhin mehr als 100 in den Gewässern um Westaustralien.

 

 

Mehrere Register und Webseiten geben Auskunft über Zwischenfälle

Die Australier führen ein Register über Hai-Attacken in Australien und arbeiten dabei mit dem ISAF (International Shark Attack File) zusammen. Auf dieser Seite findet ihr eine Weltkarte des ISAF mit unprovozierten Hai-Angriffen.

Mein Tipp: Noch besser finde ich das Global Shark Attack File (GSAF). Die Seite ist technologisch zwar etwas in die Jahre gekommen, wird aber von zahlreichen Wissenschaftlern gepflegt und bietet gut recherchiert die detailliertesten Informationen. Dazu werden auch die Opfer befragt oder die Untersuchungsberichte eingesehen. Wetter-, ozeanographischen und Umweltdaten werden ebenfalls analysiert.

 

Beispiel der Seite GSAF-Seite zu Südafrika. Screenshot GSAF

 

Man kann sich getrennt für jedes Land/Region die Vorfälle anzeigen lassen, häufg über 100 Jahre zurück. Wer noch mehr Auswertungsmöglichkeiten will, lädt sich alle Datensätze in einer Excel-Tabelle herunter und kann anschließend nach allen Kriterien auswählen. Zu jedem Vorfall gibt es über eine Verlinkung zur einer Unterseite auf der GSAF-Website weitere Informationen, beispielsweise der genaue Ort, die Quelle etc.

 

Grafisch etwas besser aufbereitet werden die Hai-Vorfälle von der Seite http://www.trackingsharks.com/ (die allerdings während des Verfassens meines Beitrags längere Zeit offline ist) auf Google/Maps:

 

Die drei potenziell gefährlichsten Hai-Arten für den Menschen

Prinzipiell gibt es drei Arten, die für tödliche Hai-Angriffe auf Menschen in Frage kommen. Allen voran der Weiße Hai. Diese Art ist vermutlich jedem bekannt. Großen Anteil an dem Bekanntheitsgrad trägt der reißerische Film „Der Weiße Hai“ (Originaltitel Jaws) von Steven Spielberg von 1972. Der Film basiert auf Hai-Angriffen zwischen dem 1. und 12. Juli 1916, bei denen vier Menschen starben.

 

Weiblicher Tigerhai, aufgenommen 2007 bei Shark Reef Marine Preserve, Beqa Lagoon, Fiji von Terry Goss / pterantula / CC 3.0 http://terrygoss.ifp3.com

 

Neben dem Weißen Hai (Carcharodon carcharias), der nicht nur in Westaustralien für die meisten tödlichen Haiangriffe verantwortlich ist, sind noch der Tigerhai (Galeocerdo Cuvier) und der Bullenhai (Carcharhinus leucas) für Todesfälle verantwortlich.

Zudem werden häufig der Weißspitzen-Hochseehai (Carcharhinus longimanus), auch Hochsee-Weißflossenhai, der Große Hammerhai (Sphyrna mokarran) und der Blauhai (Prionace glauca) als für den Menschen gefährlich angeführt.

Allerdings sind die Meinungen über die Spitzenposition des weißen Hais bei der Angriffshäufigkeit auch geteilt. Viele schreiben dem Bullenhai eine höhere Verantwortlichkeit zu, oft würden die Raubfische einfach verwechselt.

Das GSAF listet insgesamt 23 Hai-Arten auf, die in Zwischenfällen mit Menschen verwickelt waren.

 

Die Körpermerkmale eines Hais

 

Hai-Angriff an 10. Stelle bei Todesursachen durch Tier-Angriffe

Faszination und Abscheu – der Hai als „unberechenbarem Killer“. So sehen es viele, dabei stehen Haie an zehnter Stelle als tödlichste Tiere in der Welt.

Das hat jedenfalls der große Bill Gates, Ex-Microsoft-Boss und reichster Mensch der Welt, in einer Grafik in seinem Blog im April 2014 vermerkt. Danach sind Haie für 10 Todesfälle im Jahr verantwortlich, ebensoviele kommen auf das Konto des Wolfes. Löwen und Elefanten töten jeweils im Schnitt 100 Tote im Jahr.

Das im Zoo so niedlich anzusehende Fluß- oder Nilpferd bringt es auf 500 Todesfälle jährlich. Bandwürmer haben im Jahr im Durchschnitt rund 2000 Menschen auf dem Gewissen. Auf das Konto eines anderen Wurmes gehen sogar 250 Mal mehr Todesopfer als bei Hai-Attacken – der Spulwurm tötet im Jahr rund 2500 Menschen.

 

Elefanten töten im Schnitt 100 Menschen pro Jahr.  Foto: Ingo Paszkowsky

 

Noch gefährlicher ist die Süßwasserschnecke – sie kostet durch die Übertragung von parasitären Würmern 10.000 Menschen das Leben. Wanzen sind nicht nur eklig, sondern genauso gefährlich, durch die Raubwanzen kommen ebenfalls 10.000 Menschen jährlich ums Leben, ebenso wie die stechende Tsetsefliege. Sie ist Überträgerin der gefährlichen Schlafkrankheit.

Man kann es kaum glauben, unsere geliebten Hunde sind für 25.000 Todesfälle verantwortlich. Ihr Biss ist nicht nur sehr schmerzhaft, sondern kann auch tötlich sein, insbesondere wenn die Tollwut übertragen wird.

Dagen verwundert es wohl niemanden, dass jährlich rund 50.000 Todesopfer auf Schlangenbisse zurückzuführen sind. Manche Schlangen sind so giftig, dass die Giftmenge eines Bisses reichen würde, um zahlreiche Menschen zu töten.

In seiner Auflistung spart der Multimilliardär den Menschen nicht aus. Erschütternd: 475.000 Tote Mitmenschen im Jahr gehen auf unser Konto.

Unrühmlicher Sieger ist die Stechmücke, fast eine dreiviertel Million Menschen jährlich werden durch die Krankheiten getötet, die Stechmücken übertragen.

 

Haie haben eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich

Haie haben eine Entwicklung von mehr als 400 Millionen Jahren durchlaufen und sind relativ intelligente Tiere, verfügen über ein Kurz- und ein Langzeitgedächtnis. Aber sie haben entwicklungsgeschichtlich gesehen, eine relativ kurze Erfahrung im Kontakt mit den Menschen.

Haie verfügen über extrem gute Sinnesorgane, zwei Drittel des Hai-Gehirns sind auf den Geruch ausgerichtet. Zudem verfügen sie über einen sensorischen Sinn für elektrische Felder, die Lorenzinischen Ampullen. Damit können sie kleinste elektrische Felder und auch Temperaturunterschiede wahrnehmen.

 

Tauchen mit Walhaien in Westaustralien am Nigaloo Reef. Foto: Tourism Western Australia

 

Der Weiße Hai wird durchschnittlich vier Meter lang, kann auch bis zu sieben Meter Länge aufweisen und bis zu 3,5 Tonnen wiegen. Wobei die Weibchen etwas größer als ihre männlichen Artgenossen sind, die maximal fünf Meter lang werden.

Beachtlich: Der Prädator verfügt mit 1,8 Tonnen über die höchste Beißkraft aller Lebewesen auf diesem Planeten. Ein großes Krokodil bringt es immerhin auf 1,3 Tonnen; der Mensch im Vergleich dazu auf bescheidene 80 Kilogramm.

Der Weiße Hai ist nicht die größte Hai-Art. Walhai und Riesenhai sind mit maximal 14 bzw. zehn Metern Körperlänge enorm größer, aber ernähren sich ausschließlich von Plankton.

Außer dem Menschen hat der Weiße Hai im Prinzip keine Feinde, lediglich vor den Schwertwalen muss er sich in Acht nehmen. So wurde gelegentlich berichtet, dass Gruppen von Schwertwalen Weißen Haien den Garaus machten.

 

Warum Haie Menschen angreifen

Nichts genaues weiß man nicht, könnte man sagen. Das Hai-Verhalten ist immer noch Gegenstand der Forschung. Ein lebender Mensch wird jedoch von einem Hai selten als Beute wahrgenommen. Haie haben keine Präferenz für den Menschen als Beutetier entwickelt.

Viele Vorfälle sind durch Neugier motiviert. Andere können sich ergeben, wenn der Mensch aus der „Sicht“ des Hais als Bedrohung oder Konkurrent für eine Nahrungsquelle ausgemacht wird. Viele Hai-Schützer erregen sich über Erklärungen, dass Haie Surfer mit Robben verwechseln würden. Nach dem Motto, so dumm wären Haie nicht. Eher seien sie interessiert an den Surfern, auch an den Geräuschen, die sie verursachen. Das würden zudem die Verletzungen der Opfer bestätigen. Würde der Hai den Menschen als (theoretisch) als Beutetier ansehen, müsste er bei der Größe des Menschen, sich dem schneller nähern und stärker zubeißen.

 

Bullenhai (Carcharhinus leucas) am Shark Reef Marine Preserve, Beqa Lagoon, Fiji; Mai 2007. Foto: Terry Goss. Nikon D70S mit Nikkor 12-24mm (@24mm). Pterantula CC 3.0
http://www.Flickr.com/photos/pterantula/sets/

 

Eines ist Fakt: Der Mensch dringt zunehmend in den Lebensraum der Haie ein. So heißt es zum Beispiel auf der Seite es ASAF (Australian Shark Attack File), dass die intensive Nutzung des Küstengewässer der Meere natürlich auch die Anzahl der Mensch-Hai-Interaktionen erhöht. Mit steigender Bevölkerungszahl suchen immer mehr Menschen die Regionen der Küstengewässer zur Erholung auf: die Bevölkerung Australiens ist von 3,7 Millionen im Jahr 1900 auf 23,5 Millionen in 2014 angestiegen.

Viele Hai-Arten halten sich zudem gerade in Nähe der Küstengewässer auf, u.a. aufgrund des Nahrungsangebots und weil Jungtiere dort sicherer vor anderen Räubern sind.

 

Haie sind für das Ökosystem unsererer Meere dringend erforderlich

Es gibt eine Reihe von Organisationen und Initiativen, die sich der Erforschung und dem Schutz der Haie und anderer Merrestiere bzw. den maritimen Ökosystemen verschrieben haben.

Eine unvollständige Aufzählung:

http://www.sharks.org/ – The Shark Research Institute

http://www.sharktrust.org/ – Shark Trust

https://www.sharkproject.org/ Sharkproject

http://www.ocearch.org/ OCEARCH – Global Shark Tracker

http://www.sharkinfo.ch/index.php – Shark Info, mit interessanten Informationen über Haie, wird aber seit 2002 nicht merh aktualisiert.

Ingo Paszkowsky

Titelfoto / Weißer Hai. / Foto: pixabay.com / skeeze

 

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