Hoch über Chengde erhebt sich mit dem Putuo Zongcheng Tempel eine der eindrucksvollsten Tempelanlagen Chinas. Monumentale Mauern, goldene Dächer und tibetisch inspirierte Architektur erinnern an das berühmte Potala in Lhasa. Unser Bericht führt durch Innenhöfe, Galerien und Aussichtsterrassen – und zeigt, warum dieser Ort bis heute spirituelle Kraft und imperiale Macht vereint.
Inhaltsverzeichnis:
- Die Entdeckung der Stille nördlich der Großen Mauer
- Putuo Zongcheng Tempel in Chengde – Chinas „Kleines Potala“
- Historischer Kontext: Diplomatie in Stein und Gold
- Die Ankunft: Ein Meer aus Pinien und rotem Stein
- Der Weg durch das Tempelgelände: Eine spirituelle Wanderung
- 1. Das Bergtor und die Wächter der Ordnung
- 2. Das Tor der fünf Pagoden (Wuta-Tor)
- 3. Der Stelen-Pavillon: Die Stimme des Kaisers
- 4. Die Glasur-Ehrenpforte (Paifang)
- 5. Das Dahongtai: Das Große Rote Podest
- Die Schönheit im Kleinen: Details und Patina
- Kulturelle Fusion: Ein Vorbild für das moderne China?
- Reisetipps für Chengde (Stand 2025/2026)
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Die Entdeckung der Stille nördlich der Großen Mauer
Wer die pulsierende 22-Millionen-Metropole Peking hinter sich lässt und etwa 230 Kilometer nach Norden reist, betritt eine Welt, die über Jahrhunderte hinweg das geheime, grüne Herz des chinesischen Kaiserreichs war. Chengde, in der Provinz Hebei gelegen, ist heute vor allem für seinen kaiserlichen Sommerpalast bekannt. Doch die eigentlichen architektonischen Schätze liegen jenseits der Palastmauern: die „Acht Äußeren Tempel“. Unter ihnen ragt einer besonders hervor, der mich bei meinem Besuch im Mai 2025 nachhaltig beeindruckt hat: der Putuo-Zongcheng-Tempel.

Oft fälschlicherweise im Schatten des bekannteren Puning-Tempels stehend, ist der Putuo-Zongcheng ein Bauwerk von solcher Symbolkraft und physischer Größe, dass er den Beinamen „Kleiner Potala“ (Xiao Potala Gong) mehr als verdient hat. Er ist nicht nur ein Abbild des berühmten Potala-Palastes in Lhasa, sondern ein steinernes Zeugnis einer Zeit, in der das Kaiserreich China seine kulturelle und politische Vielfalt durch Architektur zelebrierte.
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Putuo Zongcheng Tempel in Chengde – Chinas „Kleines Potala“

Schon von Weitem wirkt der Putuo Zongcheng Tempel wie eine Festung. Massive, weiß-rote Mauern steigen terrassenförmig den Hang hinauf, goldene Dächer glänzen über den Innenhöfen, und zwischen den Gebäuden öffnen sich immer wieder überraschende Blickachsen in die grüne Hügellandschaft rund um Chengde. Wer diesen Ort betritt, spürt sofort: Hier ging es nie nur um Religion – sondern auch um Macht, Symbolik und Inszenierung.

Der Putuo Zongcheng Tempel ist die größte Anlage der sogenannten „Äußeren Tempel“ von Chengde und wird nicht ohne Grund oft als „Kleines Potala“ bezeichnet. Seine Architektur orientiert sich bewusst am berühmten Potala-Palast in Lhasa – ein politisches Statement der Qing-Dynastie, das bis heute nachwirkt.

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Historischer Kontext: Diplomatie in Stein und Gold
Um die Dimensionen dieses Tempels zu verstehen, muss man in das Jahr 1767 zurückblicken. China wurde von Kaiser Qianlong regiert, einem der langlebigsten und kulturell aktivsten Herrscher der Qing-Dynastie. Die Qing waren mandschurischer Abstammung und sahen sich vor der gewaltigen Herausforderung, ein Vielvölkerreich aus Han-Chinesen, Mongolen, Tibetern, Uiguren und Mandschuren zu einen. Der Bau des Putuo-Zongcheng-Tempels war in diesem Kontext ein geniales diplomatisches Manöver.

Anlass waren die Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag des Kaisers und zum 80. Geburtstag seiner Mutter im Jahr 1771. Zu diesen Jubiläen erwartete Qianlong hochrangige Gesandtschaften aus der Mongolei und Tibet. Indem er einen Tempel errichtete, der dem Potala-Palast – dem Sitz des Dalai Lama – nachempfunden war, signalisierte er den Gästen tiefen Respekt für ihren Glauben, den tibetischen Buddhismus (Lamaismus). Gleichzeitig demonstrierte er die Überlegenheit der kaiserlichen Macht: Der „Sohn des Himmels“ in Chengde war nun symbolisch auch der Gastgeber für die geistige Welt Tibets.

Die Ankunft: Ein Meer aus Pinien und rotem Stein
Der Besuch im Mai bietet ideale Bedingungen für Reisende. Während die Hitze in Peking bereits drückend sein kann, ist die Luft in den Bergen von Chengde zu dieser Zeit angenehm frisch. Der Himmel zeigt oft ein strahlendes Blau, das einen perfekten Kontrast zu den tiefroten Mauern des Tempels bildet. Das gesamte Areal umfasst etwa 220.000 Quadratmeter und ist so konzipiert, dass man sich von der profanen Welt der Talsohle Schritt für Schritt in die göttliche Höhe des „Roten Podests“ hinaufarbeitet.
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Schon beim ersten Blick auf den Orientierungsplan der Anlage wird die schiere Größe deutlich. Im Gegensatz zu den streng symmetrischen, horizontalen Palastanlagen Pekings folgt dieser Tempel der Topographie der Hügel. Er „klettert“ förmlich den Berg hinauf.

Der Weg durch das Tempelgelände: Eine spirituelle Wanderung
1. Das Bergtor und die Wächter der Ordnung

Die Reise beginnt am südlichen Ende der Anlage. Das Bergtor (Shanmen) wirkt mit seinen drei Durchgängen und dem typischen gelben Ziegeldach auf den ersten Blick han-chinesisch. Doch die massiven Steinlöwen, die den Eingang flankieren, erzählen eine eigene Geschichte.

Der Detailreichtum dieser Skulpturen ist atemberaubend. Während der männliche Löwe mit seiner Tatze einen verzierten Seidenball hält – ein Symbol für die Einheit und Herrschaft über das Reich –, beschützt die Löwin ihr Junges. Diese Figuren sind nicht nur Dekoration; sie sind Wächter, die dem Besucher bereits am Eingang die Macht und Beständigkeit der kaiserlichen Ordnung vor Augen führen sollen. Man sollte sich hier Zeit nehmen, die feinen Locken der Mähne und die kraftvolle Mimik der Tiere zu studieren. Es ist Steinmetzkunst auf höchstem Niveau, die seit über 250 Jahren Wind und Wetter trotzt.
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2. Das Tor der fünf Pagoden (Wuta-Tor)

Folgt man dem gepflasterten Pfad weiter bergauf, erreicht man das markante Wuta-Tor. Hier wird die architektonische Verschmelzung deutlicher. Das Tor selbst ist ein massiver, weiß getünchter Bau im tibetischen Stil, auf dessen Flachdach fünf farbenfrohe Pagoden thronen. Jede dieser Pagoden steht für eine andere Schule des Buddhismus oder eine der fünf Himmelsrichtungen und deren zugeordnete Buddhas.

Besonders faszinierend sind die beiden steinernen Elefanten, die vor dem Tor knien. Im Buddhismus ist der Elefant ein Symbol für unerschütterliche Weisheit, Geduld und königliche Würde. Die Skulpturen in Chengde wirken durch ihre realistische Darstellung fast lebendig; ihre Sättel und Geschirre sind so fein ausgearbeitet, dass man fast vergessen könnte, dass sie in einem Stück aus Fels gehauen wurden.
3. Der Stelen-Pavillon: Die Stimme des Kaisers

Zentral im unteren Bereich liegt der Stelen-Pavillon. In seinem Inneren befinden sich drei gewaltige Steintafeln, die auf dem Rücken von steinernen Schildkröten (Bixi) ruhen. Die Inschriften, verfasst in vier Sprachen – Chinesisch, Mandschurisch, Mongolisch und Tibetisch –, verkünden den Grund für den Bau des Tempels. Es ist ein faszinierendes Dokument der Mehrsprachigkeit des alten Chinas. Die Architektur des Pavillons selbst, mit seinem leuchtend roten Anstrich und dem doppelten Ziegeldach, ist ein Paradebeispiel für die Eleganz der Qing-Architektur.
4. Die Glasur-Ehrenpforte (Paifang)

Bevor man den finalen, steileren Aufstieg zum Hauptgebäude wagt, passiert man die prachtvolle Glasur-Ehrenpforte. Mit ihren drei Bögen und den leuchtenden Kacheln in Gelb und Grün ist sie ein Meisterwerk der Keramikkunst. Die Reliefs zeigen Drachen, die in den Wolken spielen – ein Symbol, das ursprünglich nur dem Kaiser vorbehalten war. Hier zeigt sich die ganze Prachtentfaltung des Kaiserhofs, die selbst in den entlegensten Winkeln der Anlage keinen Aufwand scheute. Das Sonnenlicht im Mai lässt die Glasuren fast wie flüssiges Gold wirken.
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5. Das Dahongtai: Das Große Rote Podest

Schließlich steht man vor ihm: dem Dahongtai. Dieses monumentale Bauwerk ist das unangefochtene Herzstück des Putuo-Zongcheng-Tempels. Es ist eine massive Festung des Glaubens, 43 Meter hoch, mit dicken, tiefroten Mauern, die von zahlreichen quadratischen Fenstern durchbrochen werden. Viele dieser Fenster sind „blind“ – sie dienen rein der ästhetischen Symmetrie und unterstreichen den massiven Charakter der Architektur, ganz im Stil der tibetischen Dzong-Bauten.

Der Aufstieg führt über steile Treppenwege an den Außenseiten oder durch das kühle Innere des Podests. Oben angekommen, öffnet sich der Blick auf den Innenhof, in dem die „Halle der Vereinigung der Zehntausend Dharmas“ (Wanfaguiyi-Halle) steht.

Das Dach dieser Halle ist mit reinem Gold überzogen. Es heißt, dass während der Bauphase unvorstellbare Mengen an Blattgold verbraucht wurden, um den Glanz des kaiserlichen Buddhismus weit über die Berge von Chengde strahlen zu lassen. Von der Terrasse des Roten Podests aus hat man zudem einen fantastischen Blick auf die umliegende Bergwelt. In der Ferne erkennt man den berühmten Keulenfelsen (Qingchuifeng), eine bizarre geologische Formation, die wie ein mahnender Finger aus dem Wald ragt.
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Die Schönheit im Kleinen: Details und Patina
Achte beim Besch auf die Details, die oft übersehen werden. In den Winkeln des Tempels finden sich unzählige Motive, die von der Zeit gezeichnet sind. Ein verrosteter Türriegel auf rissigem, rotem Lack erzählt viel über die Beständigkeit dieses Ortes. Diese Spuren der Patina verleihen dem Tempel eine tiefe Authentizität. Es ist kein „neu aufgebautes“ Denkmal, wie man es oft in anderen Teilen Chinas sieht, sondern ein Ort, der seine Geschichte offen trägt.

Besonders im Mai, wenn der Wind sanft durch die alten Pinien streicht, die das Gelände säumen, spürt man eine tiefe Ruhe. Die Kombination aus dem Duft der Nadelbäume, dem fernen Klingen von Windglöckchen an den Dachecken und dem Anblick der jahrhundertealten Mauern erzeugt eine fast meditative Atmosphäre.
Kulturelle Fusion: Ein Vorbild für das moderne China?
Der Putuo-Zongcheng-Tempel ist weit mehr als eine Kopie des Potala-Palastes. Er ist eine eigenständige Kreation, die zeigt, wie verschiedene Kulturen harmonieren können. Man findet hier tibetische Flachdächer neben geschwungenen Han-Dächern, indisch anmutende Pagoden neben mandschurischen Stelen. Für Kaiser Qianlong war dieser Ort ein Symbol für die „Große Einheit“. In einer Welt, die heute oft von Trennung spricht, wirkt dieser Tempel wie ein monumentales Plädoyer für kulturelle Synthese.

Reisetipps für Chengde (Stand 2025/2026)

Einige praktische Tipps, falls du die Tempelanlage selbst besuchen willst:
- Beste Reisezeit: Der Mai ist ideal. Die Temperaturen liegen meist zwischen 18 und 26 Grad. Die Natur ist im vollen Saft, und die Sichtweiten sind oft besser als im feuchteren Hochsommer.
- Anreise: Von Peking (Beijing Chaoyang Station) erreicht man Chengde heute mit dem Hochgeschwindigkeitszug in nur etwa 50 bis 60 Minuten. Das macht Chengde sogar als (langen) Tagesausflug möglich, auch wenn zwei Tage empfehlenswerter sind.
- Ticket-Tipp: Es gibt Kombitickets für die „Äußeren Tempel“ und den Sommerpalast. Wer den Putuo-Zongcheng-Tempel besucht, sollte das Ticket für den benachbarten Xumi-Fushou-Tempel (den „Tempel der Glückseligkeit und des langen Lebens“) gleich mitbuchen.
- Fotografie: Das beste Licht für das „Rote Podest“ hat man am frühen Vormittag oder am späten Nachmittag. Achte besonders auf die Details der Türbeschläge und die Schattenwürfe in den Treppenaufgängen.
- Kulinarik: Chengde ist bekannt für seine „Kaiserlichen Snacks“. Probiere unbedingt die lokalen Wildpilzgerichte oder die Buchweizen-Nudeln (Qiaomai Linge), die in der Region eine lange Tradition haben.

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Weitere Fotos von WeltReisender Ingo Paszkowsky findest Du hinter diesem Link.
Ein Besuch im Putuo-Zongcheng-Tempel ist eine Reise durch die Zeit und durch die weite Geographie Zentralasiens, ohne Chengde verlassen zu müssen. Er ist das prächtigste Juwel in der Krone der „Acht Äußeren Tempel“ und ein Muss für jeden, der die Tiefe der chinesischen Kultur jenseits der Klischees ergründen möchte.

Wenn man am Abend auf der obersten Terrasse steht, die Sonne langsam hinter den Bergen versinkt und das goldene Dach der Wanfaguiyi-Halle ein letztes Mal aufleuchtet, versteht man, warum die Kaiser diesen Ort zu ihrem liebsten Rückzugsort machten. Es ist ein Ort der Macht, ja – aber vor allem ein Ort der erhabenen Schönheit.
Ingo Paszkowsky




Titelfoto / Hohe Masten mit orangefarbenen Gebetsfahnen stehen vor der monumentalen roten Hauptfassade des Tempelkomplexes. / Bild: Ingo Paszkowsky
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