Nur noch einen kleinen Augenblick...

Schiffe (online) entdecken und beobachten – Marine Traffic


Die Fähre ist nicht in Sicht, die Mitarbeiter der Fährgesellschaft wissen oder verstehen (angeblich?) nichts. Und Sie, der Fahrgast, schaut dumm in die Röhre – natürlich im übertragenden Sinne -, denn in der Realität schauen Sie missmutig und/oder erwartend aufs Wasser. Lohnt es sich, aus der Warteposition auszuscheren, um noch einen Kaffee zu trinken, ein Stück Sahnetorte zu essen? Das können Sie sich jetzt selbst mit marinetraffic.com beantworten. Denn auf diesem Portal lassen sich alle Schiffe identifizieren und verfolgen, wenn sie denn über eine bestimmte Größe verfügen. Per Klick auf das Symbol erhält man die Info über Landesflagge, Schiffstyp, Status, Geschwindigkeit/Kurs, Länge x Breite, Tiefgang, Zielhafen und wann die Daten empfangen wurden. Zu MarineTraffic.com gehört auch eine große Bildgalerie, wo User ihre Aufnahmen von Schiffen hochladen können.

Diese Tracking-Möglichkeit verdanken wir dem Automatic Identification System (AIS) oder Universal Automatic Identification System (UAIS). Das Automatische Identifikationssystem  ist ein Funksystem, das durch den Austausch von Navigations- und anderen Schiffsdaten die Sicherheit und die Lenkung des Schiffsverkehrs verbessert. Es wurde am 6. Dezember 2000 von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation(IMO) als verbindlicher Standard angenommen. Die Ausrüstungspflicht für Schiffe in der internationalen Fahrt wird im Internationalen Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (SOLAS) geregelt. Seit Januar 2004 sind im Seeverkehr alle Berufsschiffe über 300 BRZin internationaler Fahrt und seit dem Juli 2008 auch solche über 500 BRZ in nationaler Fahrt verpflichtet, eine AIS-Anlage zu betreiben. Auch Schiffe, die länger als 20 m sind oder mehr als 50 Passagiere an Bord haben, müssen mit einem AIS-Bordgerät ausgerüstet sein. Nicht unter die Regelungen von SOLAS fallen (verständlicherweise) Kriegsschiffe. Für Traditionsschiffe können nationale Ausnahmeregelungen gelten.

 

Screenshot MarineTraffic

 

Für Binnenschiffe gelten die Solas-Regeln zwar nicht, hier gelten nationale oder EU-Regeln, und viele Schiffe, die beispielweise in Deutschland den Rhein befahren, sind damit bestückt, wie man auf der Karte von marinetraffic.com selbst ermitteln kann. Das die ganze Angelegenheit funktioniert zeigen auch die Foreneinträge von begeisterten Nutzern, zum Beispiel im Maps Blog (http://mapsblog.de/spezielle-online-maps/schiffsrouten-online-verfolgen/).

Das AIS meldet sehr viele Daten (Quelle Wikipedia), die von jedem AIS-Empfangsgerät in Reichweite empfangen und ausgewertet werden können: Statische Schiffsdaten (IMO-Nummer, Schiffsname, Rufzeichen, MMSI-Nummer, Schiffstyp (Frachter, Tanker, Schlepper, Passagierschiff, SAR, Sportboot u. a.), Abmessungen des Schiffes (Abstand der GPS-Antenne von Bug, Heck, Backbord- und Steuerbordseite)). Zu den statischen kommen dynamische Schiffsdaten (Navigationsstatus (unter Maschine, unter Segeln, vor Anker, festgemacht, manövrierunfähig u. a.), Schiffsposition (LAT, LON, in WGS 84),Zeit der Schiffsposition (nur Sekunden), Kurs über Grund (COG), Geschwindigkeit über Grund (SOG), Vorausrichtung (HDG), Kursänderungsrate (ROT).

 

Screenshot MarineTraffic

 

Außerdem werden  Reisedaten (aktueller maximaler statischer Tiefgang, Gefahrgutklasse der Ladung (IMO), Reiseziel, geschätzte Ankunftszeit (ETA) und Anzahl der Personen an Board übermittelt. Für Inland-AIS kommt noch dazu: ENI-Schiffsnummer, Verbandsdaten (Gattung ERI, Länge, Breite), Gefahrgutklasse der Ladung, Tiefgang, Beladungszustand, Fahrwasserseite links/rechts, max. Höhe über Wasser u. a. Es müssen nicht immer alle Daten gesendet werden. Besonders bei der Sportschifffahrt werden häufig nur Schiffsname, MMSI, Position, Kurs und Schiffsgröße gefunkt. Um die Daten auswerten zu können, muss sich eine AIS-Empfangsstation in der Nähe befinden. Ist kein Empfänger in der Nähe, können die Daten natürlich nicht weitergeleitet werden. Das bedeutet, dass derzeit mit AIS Schiffe nur in Küstennähe verfolgt werden können. Zunehmend sollen auch niedrig fliegende Satelliten (LEO – Low Earth Orbit) die UKW-Signale empfangen und weiterleiten können. Der kommerzielle Dienst Vesseltracker.com (https://www.vesseltracker.com/de/Home.htm) ist nach eigenen Anagaben der erste AIS-Provider, der terrestrische AIS-Postionen mit Satelliten-Positionen kombiniert. Das ermögliche den Nutzern, Schiffe auf hoher See zu verfolgen. Das seien zur Zeit mehr als 75.000 Schiffe jeden Tag.

 

Screenshot MarineTraffic

 

Wer in Wassernähe wohnt, kann auch selbst eine AIS-Station installieren, um so Teil des Systems zu werden. Mit etwas Glück, gibt es die Station hier auch kostenlos von MarineTraffic (http://www.marinetraffic.com/ais/de/freestation.aspx), das übrigens ein Projekt der griechischen Universität Aegean ist. Selbst kann man sein Schiff/Boot auch mit einem Sender ausstatten, oder über ein Apps fürs iPhone/iPad und Android die Daten senden. Auf kommerzielle Dienste wie FleetMon (https://www.fleetmon.com/) greift Hamburg.de seinem Schiffsradar (https://www.hamburg.de/schiffsradar/) zurück. Damit lassen sich alle Schiffe verfolgen, die sich aktuell im Raum Hamburg in Hafen und Elbe befinden – rund um die Uhr in Echtzeit. Für weitere Informationen zu den einzelnen Schiffen klickt man auf ein Symbol oder auf einen der aufgelisteten Schiffsnamen.

Über einen ähnlichen Dienst, um Flugzeuge* zu identifizieren und verfolgen, flightradar24.com (https://www.flightradar24.com/), berichtete ich bereits.

Ingo Paszkowsky

Titelgrafik / Auf Marinetraffic.com lassen sich alle Schiffe identifizieren und verfolgen, wenn sie über eine bestimmte Größe verfügen. Screenshot

 

Screenshot MarineTraffic

 

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