NorthCarolina: Mobilfunk hilft Schildkrötenleben und Wirtschaft retten

Jeder kennt vermutlich das Bild aus Fernseh- und Film-Dokumentationen zuhauf. Fast zeitgleich schlüpfen viele Meeresschildkröten aus den Eiern, kriechen aus ihrem Sand-Nest am Strand und versuchen sofort, das rettende Wasser zu erreichen – oft vergeblich. Denn das große Schlüpfen ist auch ein großes Festessen für die Räuber. Aber nicht nur die natürlichen Fressfeinde machen vielen putzigen Schilkröten-Babys den Garaus, auch der Mensch trägt oft durch sein Verhalten maßgeblich zur Dezimierung bei. Das soll jetzt zumindest im US-amerikanischen Bundesstaat North Carolina anders werden. Da die Wirtschaft in Küstenregionen besonders vom Tourismus an frei zugänglichen Stränden abhängt, müssen Unternehmen und Umweltämter gemäß den Vorschriften des Endangered Species Act (Gesetz zum Schutz gefährdeter Tierarten) die touristische Attraktivität von Küstenstädten und den Schutz von Meeresschildkröten-Nistgebieten miteinander in Einklang bringen.

M2M-Technologie soll Schildkröten und Wirtschaft retten. Foto: Telit
M2M-Technologie soll Schildkröten und Wirtschaft retten. Foto: Telit

Cape Hatteras National Seashore befindet sich vor der Küste von North Carolina. Nistende weibliche Meeresschildkröten kehren hier zu den Stränden zurück, an denen sie selbst einmal auf die Welt kamen, um ihre Eier zu legen. Monate später schlüpfen winzige Schildkröten mühsam aus ihren Schalen und machen sich aus ihrem Nest heraus auf den Weg Richtung Ozean. Wenn heute ein Meeresschildkröten-Nest am Strand gefunden wird, errichtet man eine kleine Umzäunung, um Spaziergänger und Fahrzeuge fernzuhalten. Etwa 50 bis 55 Tage später wird die Absperrung erweitert und der Strand oftmals für Fahrzeuge aller Art gesperrt. Derzeit gibt es jedoch keine verlässliche Methode zur Vorhersage, wann die winzigen Schildkröten ihre Nester in den Dünen verlassen und in Richtung Brandung marschieren werden. Deshalb bleibt der Strand mitunter länger als einen Monat gesperrt. Dazu gibt es jetzt das Turtle Sense-Projekt, dessen Ziel die genaue Vorhersage des Schlüfzeitpunktes ist. Die Turtle Sense-Technologie wurde von Nerds-Without-Borders entwickelt.

Eric Kaplan, Gründer des gemeinnützigen Hatteras Island Ocean Centers und Vorsitzender eines Technologieunternehmens, hatte die Lösung vorgeschlagen, die auf M2M-Kommunikationstechnologie basiert. (Zur Erklärung: M2M wird den meisten hier nichts sagen, ist aber inzwischen ein milliardenschwerer Markt. Das Kürzel steht für die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation. Oft angeführtes Beispiel: Getränkeautomaten melden sich selbst in einer Leitzentrale, wenn sie neu bestückt werden müssen.)

Durch Einsatz dieser Technologie kann der Zeitpunkt vorhergesagt werden, an dem Meeresschildkröten schlüpfen und das Nest verlassen – mit der Folge, dass sich die Anzahl der Tage, an denen weite Teile des Strandes gesperrt werden müssen, auf das geringstmögliche Maß reduzieren lässt. Die Technologie wurde erstmals 2013 an vier Nestern getestet. In diesen Sommer werden etwa 20 Nester mit einer weiterentwickelten Technologie überwacht.

Das Design basiert auf den HE910-Modulen des britischen Unternehmens Telit, die in Plug-In Terminus-Modems von Janus integriert werden. Dabei wird eine Kabelverbindung zu den Sensoren hergestellt, welche Temperatur und Bewegung in den Nestern messen. Die Sensoren steuert ein Mikroprozessor, der zudem mit einem zweiten Mikroprozessor am Modem kommuniziert, welcher wiederum die Sensordaten zum HE910 übermittelt und sie letztendlich in die Cloud über das m2mAIR-Mobilfunknetz überträgt. Um die Lebensdauer der Batterie während der gesamten Nist-, Inkubations- und Schlüpfzeit zu erhöhen, beginnt die Datenübertragung langsam und unregelmäßig und wird regelmäßiger, sobald eine Aktivität zu verzeichnen ist. IP

Titelfoto / Meeresschildkröten-Babys am Strand. Der Zeitabschnitt bis zum Eerreichen des rettenden Wassers ist der gefährlichste im Leben einer Meeresschildkröte. / Foto: Telit