Kreuzfahrt: Mit der „Queen Elizabeth“ um die britischen Inseln

Mein erstes Glas an Bord war nicht mit Champagner gefüllt. Ein kühles Guinness sollte es sein beim Ablegen des Kreuzfahrtschiffes vom Hamburger Cruise Center. Zehn Jahre lang habe ich erfolgreich auf eine Kreuzfahrt mit Cunard-Luxusschiffen verzichtet. Meine Frau hatte sich sehnsüchtig eine Schiffsreise gewünscht. Nun war ein günstiges Angebot ins Haus geflattert und wir konnten starten. Reiseetappen bei „Rund um die britischen Inseln“: Southampton, South Queensferry, Invergordon, Orkney, Liverpool, Dublin und St. Peter Port.

Außen-Kabine mit Balkon. Foto: Cunard
Außen-Kabine mit Balkon. Foto: Cunard

Die erst 2010 in Dienst gestellte neue „Queen Elizabeth“ verkörpert die Traditionslinie von White Star in jeder Hinsicht. Dazu gehören technischer Höchststand, Sicherheit, Komfort, perfekter Service und die Annehmlichkeiten eines 5-Sterne Hotels. Die QE mit der klassischen Linienführung und dem dunklem Rumpf ist das zweitgrößte jemals für die Reederei Cunard gebaute Schiff. Das Kreuzfahrtschiff ist 294 Meter lang, 32,25 Meter breit und hat zwölf Decks. Balkone gibt es reichlich: Von 738 der 892 Außenkabinen können die Passagiere an die frische Luft treten. Gebaut wurde der neue Ozeanliner von der italienischen Werft Fincantieri, Heimathafen ist Southampton. Das Kommando an Bord hat Kapitän Chris Wells. Der 53-Jährige war zuvor Kapitän auf der “Queen Mary 2”. (Siehe auch Exklusiv-Interview).

Gekostet hat der Bau umgerechnet 416 Millionen Euro. Dafür ist es auch ein sehr elegantes Schiff geworden, mit aufwendigen Mosaiken, Marmor und prächtigen Kronleuchtern. Eine große Lobby erinnert an die klassische Zeit der Ozeanriesen am Anfang des 20. Jahrhunderts, Holzvertäfelungen sorgen für Gemütlichkeit. Es gibt an Bord drei Hauptrestaurants: Im “Britannia Club Restaurant” und dem “Princess Grill” gibt es eine Dinner-Sitzung, im “Britannia Restaurant” zwei. Als Gast kann ich aber auch auf andere Restaurants ausweichen, etwa den englischen Pub oder das Büfett-Restaurant “Lido”.

Das Royal Spa. Foto: Cunard
Das Royal Spa. Foto: Cunard

Die “Queen Elizabeth” befährt alle Meere der Erde: Sie geht auf Weltreise, fährt zu europäischen Zielen und unternimmt auch Transatlantikpassagen nach Nordamerika. Und das alles bei einer maximalen Geschwindigkeit von 23,7 Knoten (knapp 44 Kilometer pro Stunde). Wem dabei langweilig wird, der kann sich eines der 6000 Bücher aus der Bordbibliothek nehmen und sich im Internet-Center am Computer schulen lassen. Oder er kann auf einer Soirée im “Country House” Champagner trinken und tanzen. Das Sportangebot reicht von Schwimmen über Boule und Krocket bis zu Aerobic. Und Einkaufen kann der Passagier an Bord natürlich auch; in der “Royal Arcade”  –  es kommt nur auf das nötige „Kleingeld“ an.  Auf den Außendecks ist es möglich, fast komplett einmal um das Schiff herumgehen zu können. Nur der vordere Bereich ist für Passagiere aus Sicherheitsgründen nicht zugänglich. In den Außenbereichen befinden sich etliche gemütliche Liegestühle mit komfortablen Sitzkissen, eine ideale Möglichkeit, um sich die Seeluft um die Nase wehen zu lassen und ein gutes Buch zu lesen.

Der Ballsaal "Queens Room". Foto: Cunard
Der Ballsaal “Queens Room”. Foto: Cunard

Am Hauptpool auf dem Vordeck weht ein frischer Seewind, mitten im Meer. Auf der bequemen Liege lässt es sich gut entspannen. Kein Sandkorn landet in meinen Ohren. Alles ist piquesauber. Für Getränke und Snacks sorgen die freundlichen Stewards. Hier wird nicht unterschieden nach formell und informell. Das betrifft die rund 2000 Passagiere auf dem Luxusdampfer nur ab 18.00 Uhr, dem Beginn des ersten Dinner-Durchganges. Ab dieser „deadline“ gilt eine spezielle Kleiderordnung, eben royal. Wird „formell“ angesagt, gilt Smoking oder alternativ dunkler Anzug mit Krawatte für die Herren. Abend- oder Cocktailkleid oder andere formelle Kleidung für die Damen. „Informell“ besagt: Jackett für die Herren; Cocktailkleid, Kostüm oder Hosenanzug für die Damen. Jeans sind nicht erwünscht. Insgesamt etwas für Kenner und Menschen, die eine gediegene Atmosphäre lieben.

Ein Blick auf die jährlichen Routen der QE (https://www.queen-elizabeth.de/das-kreuzfahrtschiff-von-cunard.html) verrät eine interessante Besonderheit des Luxusliners: Ein Vorteil der etwas geringeren Dimensionierung der QE ist, dass sie auch die Möglichkeit hat, den Panamakanal zu durchqueren. Diese Möglichkeit  bleibt der gigantischen Queen Mary 2 verwehrt, da sie schlichtweg zu groß ist.

Günter Knackfuss

(Günter ist freier Journalist in Berlin und mag eigentlich keine Kreuzfahrten – wegen der unausbleiblichen Gewichtszunahme, überall gibt es ständig etwas gratis zu essen.)

Titelfoto / Die Queen Elizabeth im Heimathafen Southampton. / Foto: Cunard

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