Italien: Die südlichen Marken – beeindruckende Natur und schöne historische Städte

Welche Orte bzw. Regionen fallen Ihnen spontan ein, wenn Sie an Italien als Urlaubsland denken? Rom, Venedig, Florenz, Mailand, die Toskana, Südtirol, Sardinien? Vermutlich sind die Marken – italienisch Marche – nicht dabei. In der Tat stand die Region, insbesondere der südliche Teil, bisher nicht so stark im Fokus von ausländischen Touristen. Bestens also für Entdecker geeignet, die das ursprüngliche Italien erleben wollen.

Eine wunderschöne, markante Landschaft, beschauliche Orte mit vielen beeindruckenden Bauten, Denkmälern, historischen Städten und Kirchen warten auf den Besucher. Gerade diese relative Abgeschiedenheit und Ursprünglichkeit haben die südlichen Marken bisher von größerem Auslandstourismus verschont.

Für den italienischen Schriftsteller und Journalisten Guido Piovene, ein großer Fan der Marken in Italien, war die Landschaft der Marche die typischste für Italien. Er wird vom Fremdenverkehrsamt der Region in den Broschüren über die Marche (in der Ausgabe von 2009) wie folgt zitiert: “Italien mit seinen Landschaften ist ein Destillat der Welt; die Marche sind ein Destillat Italiens.”

Natur-Highlight Nummer eins

Machen wir uns also auf Entdeckungsreise in den südlichen Teil der Marken, dieses schöne Fleckchen Erde. Beginnen wir dabei mit dem Natur-Highlight Nummer eins der marchigianischen Landschaft, starten wir mit einem Besuch des Nationalparks Monti Sibillini.

Auf dem Weg zum Balzo Rosso mit dem 4WD-Landrover Defender von Pietro / Foto: Ingo Paszkowsky
Auf dem Weg zum Balzo Rosso mit dem 4WD-Landrover Defender von Pietro / Foto: Ingo Paszkowsky

Noch ein Wort zur Verständigung in Italien: Wer in großen Städten oder am Meer unterwegs ist, wird immer auf Italiener treffen, die Englisch sprechen, einige sogar Deutsch. In den entlegenen Dörfern des Monti Sibillini ist dies jedoch eher die Ausnahme. Wer nicht zumindest einige Brocken italienisch spricht, sollte zur Erkundung auf einen sachkundigen Reiseveranstalter setzen, um sich Sehenswürdigkeiten und Hintergründe erklären zu lassen. Natürlich kann man auch ohne Hilfe die Marken bereisen und erleben, aber vieles wird man übersehen und bei mangelnden Italienisch-Kenntnissen ohne fachkundige Reisebegleitung auch nicht erfahren.

Am Flughafen Ancona holte uns Pietro ab. Pietro arbeitet als Berg-, Wander- und Reiseführer und ist Partner von Ulla Kastner Spezialreisen Italien (http://www.kastner-marche-ital.de/). Ulla hat sich auf die südlichen Marken spezialisiert, bietet individuelle Reisen und Gruppenreisen Dabei beschränkt sie sich auf wenige Regionen: Marche, Lazio, Kampanien, Basilikata, Umbrien. Aber auch dort nur Gebiete, die touristisch nicht überlaufen sind.

Lesen Sie auch unser Interview mit Ulla Kastner.

Pietro wurde uns als sachkundiger Guide angekündigt, der nahezu jeden Stein im Nationalpark kennen würde. Andere Reisende hätten ihm den Ehrennamen „Pietropedia“ verliehen, in Anlehnung an das allwissende Wikipedia-Portal. An dieser Stelle vorab nur so viel: es stimmt, Pietro ist ein wandelndes Lexikon, was Geschichte, Fauna und Flora der Region betrifft. Außerdem kennt er Hinz und Kunz in der Region. Laut dem Übersetzungsportal Leo.org lautet wohl die italienische Entsprechung dafür Tizio, Caio e Sempronio.

Leider, leider spreche ich kein Italienisch. Und Pietro kann sein großes Wissen „nur“ in italienischer Sprache vermitteln, er spricht keinen Brocken Deutsch oder Englisch.

Berg-, Wander- und Reiseführer Pietro mit seinem 4WD Landrover Defender am Berg Balzo Rosso / Foto: Ingo Paszkowsky
Berg-, Wander- und Reiseführer Pietro mit seinem 4WD Landrover Defender am Berg Balzo Rosso / Foto: Ingo Paszkowsky

Eine Kollegin einer PR-Agentur hatte mir erzählt, dass sie das Sultanat Oman ohne arabische Sprachkenntnisse bereist habe, indem sie ihr Handy mit einer Sprach-App bei Verständigungsproblemen benutzte. Was auf der Arabischen Halbinsel funktionierte, müsste doch erst recht in dem Marken in Italien klappen, dachte ich mir und installierte mir im Vorfeld diverse Sprach-Apps auf mein Android-Handy.

Urgestein Pietro ist nicht so der Kommunikationstechnik-Freak und stand diesem Kommunikationsweg von Anfang an skeptisch gegenüber. Nach einer Handvoll misslungener Verständigungsversuche auch wegen fehlender Mobilfunkabdeckung in den Bergen kramte er aus seinem Geländewagen tatsächlich ein Wörterbuch Italienisch-Deutsch heraus. Das wiederum war auch nicht richtig praktikabel. Daher konnte ich am ersten Tag unserer Reise die eindrucksvolle Landschaft des Nationalparks Monti Sibillini ohne große Worte auf mich wirken zu lassen.

Ausgezeichnete Aussichten vom Balzo Rosso

Auf dem Weg zum Berg Balzo Rosso machen wir einen kurzen Zwischenstopp in der wunderschönen Gemeinde Montefortino mit rund 1.100 Einwohnern. Der sehenswerte Ort auf 638 Metern Höhe mit seinen mittelalterlichen Gassen lädt zum Erkunden ein. Interessenten an Sakralbauten werden hier besonders fündig.

Die Kirche San Francesco aus dem 15. Jahrhundert befindet sich am höchsten Punkt von Montefortino und wurde aus den Überresten der alten Kirche Santa Maria del Girone errichtet. Man hat von hier aus eine herrliche Sicht über die Gegend.

Die Glocke der alten Kirche von 1310 ist noch erhalten. Im Inneren sollen sich Kirchenschiff und barocke Stuck- und Ölgemälde an der Wand bewundern lassen. Es gibt auch eine Madonna del Rosario, ein Werk von Simone De Magistris aus dem Jahr 1577, ein hölzernes Kruzifix und eine Stiftshütte aus dem 17. Jahrhundert. Leider hatte die Kirche geschlossen, so dass ich diese Sehenswürdigkeiten nicht selbst besichtigen konnte.

Montefortino ist rund um den Berg gebaut und begeistert mit romantischen kleinen Gassen / Foto: Ingo Paszkowsky
Montefortino ist rund um den Berg gebaut und begeistert mit romantischen kleinen Gassen / Foto: Ingo Paszkowsky

Weiter geht es zum Berg Balzo Rosso mit dem Landrover Defender von Pietro. Ohne Probleme arbeitet sich das 4WD-Gefährt unter Pietros Anleitung mit enormer Schuckelei die Piste den Berg hinauf.

Balzo Rosso und Umgebung in der 3D-Ansicht.

Bei genügend Zeit könnte man die Strecke auch erwandern. Auf keinen Fall sollte man es versuchen, den Weg auf die Hochebene mit einem „normalen“ Auto zurückzulegen.

Die Region zeichnet sich durch ein Netz von zahlreichen Wanderwegen aus. Aber wegen des schweren Erdbebens 2016 sind einige Zufahrtsstraßen und Wanderwege immer noch gesperrt.

Eine umfangreiche Sammlung von Wanderkarten, einschließlich GPS-Karten, findet man auf der Seite http://www.sibillini.net/il_parco/gps/index.php. Dort lässt sich auch eine Karte mit den gegenwärtigen Einschränkungen abrufen.

Kleines Tibet

Oben, auf dem Hochplateau vor dem Balzo Rosso, erwarten uns eine atemberaubende Aussicht auf die Sibillinischen Berge, strahlender Sonnenschein, sommerliche Temperaturen und die ersten Frühblüher: Veilchen Viola Eugenia – und das Ende Februar.

Der Balzo Rosso
Der Balzo Rosso / Foto: Ingo Paszkowsky

Der Sibillinischen Berge werden zurecht auch als das Schmuckstück der marchigianischen Landschaft bezeichnet. Auch die Bezeichnung kleines Tibet habe ich schon gelesen. Die Bergformation ist ihrerseits eine Gebirgsgruppe im Nordteil des Zentralapennin. 1993 wurde die Gegend Nationalpark mit einer Gesamtfläche von 70.000 Hektar und einer Länge von rund 40 Kilometern. Der Nationalpark Monti Sibillini gehört mit 16 Gemeinden größtenteils zu den Marken, beinhaltet auch zwei umbrische Kommunen.


Fotostrecke Monti Sibillini

Die südlichen Marken in der Fotostrecke. / Fotos: Ingo Paszkowsky


Sagen und Mythen

Da wäre zunächst die Prophetin Sibylle/Sibilla zu nennen, die dort in der Höhe auf dem Sibilla-Berg (2.173 Meter) spukte oder noch spukt, wer weiß. Laut Legende lebt die Seherin in einer Grotte zwischen dem Felsband und dem Gipfel des Monte Sibilla. Sie ist die Namensgebrein der Bergkette. Bei ihr leben die dienstbaren Geister, die wunderschön sein sollen, aber leider mit Ziegenfüßen versehen sind. Die Elfen schlugen mit ihren Ziegenfüßen das Gras zu Fels und so bildete sich das Felsband auf dem Berg Sibilla.

Am Monte Vettore (2.476 Meter) liegt der Lago di Pilato, der Pilatussee. Deswegen so genannt, weil die sterblichen Überreste von Pontius Pilatus angeblich im Pilatus-See liegen sollen. Der Pilatussee ist auch aus einem anderen Grund sehr interessant. Denn er ist Biotop für das etwa 10 Millimeter kleine Krustentier Chirocephalus marchesoni – auch Marchesoni-Kirozephalus genannt -, eine Süßwassergarnele, die hier endemisch ist und damit nirgendwo sonst auf der Welt vorkommt.

Am Monte Vettore gut zu sehen sind die Rinnen, in denen sich Wasser und Geröll den Weg vom Gipfel zum Tal bahnen. Von den Einheimischen werden diese Strukturen die Venen des Monte Vettore genannt. Peter aus Südtirol, Bergsteiger aus Passion, der uns am zweiten Tag unserer Exkursion begleitete, nutzt diese „Blutbahnen“ zur Bergbesteigung. „In der warmen Jahreszeit ist es nahezu unmöglich bei dem Geröll an diesen Stellen den Berg zu besteigen, aber bei Frost bildet sich eine Eisschicht, auf der man mit Steigeisen wunderbar den Monte Vettore hochkommt.“ Dass man für diese sportliche Betätigung eine entsprechende Kondition braucht, versteht sich von selbst.

 

Übernachten im Monti Sibillini

Peter betreibt mit gemeinsam mit seiner Frau Antonella den Agriturismo Bellavista Bio-Bauernhof in 62020 Monte San Martino, Contrada Santo Stefano 36, Tel. +39 340 247 5088, E-Mail agritur.bellavista@libero.it, https://bellavistaagriturismo.wordpress.com/. Ein Schwerpunkt sind Yoga-Angebote. Antonella bietet auch Yoga-Seminare an.

Cittadella – Zimmer mit Ausblick

In Montemonaco, auf einem Berg mit 800 Meter Höhe, ist Cittadella der ideale Ausgangspunkt für Unternehmungen im Monti Sibellini. Auch der Agriturismo-Betrieb von Silvio Antognozzi wurde durch das Erdbeben 2016 schwer getroffen, aber der Inhaber gibt nicht auf. Nach den Beschädigungen an der alten Bausubstanz errichtete er zunächst Bungalows mit einem phantastischen Blick aufs Gebirge. Mittlerweile sind auch die schönen und geräumigen Zimmer in Altbau des Landhauses wieder herrgerichtet. Natürlich verfügt das Landhaus auch über einen Pool – mit Blick auf den Monte Vettore und den Monte Sibilla.

La Cittadella dei Monti Sibillini: Inhaber Silvio Antognozzi / Foto: Ingo Paszkowsky
La Cittadella dei Monti Sibillini: Inhaber Silvio Antognozzi / Foto: Ingo Paszkowsky

Die Preise in der Nebensaison (alle Tage außer Neujahr, Ostern, Pfingsten und August) pro Übernachtung:

Bed & Breakfast 30€, Halbpension 55€, Vollpension 70€

In der Hochsaison:

Bed & Breakfast 40€, Halbpension 65€, Vollpension 80€

Kontakt:

Cittadella dei Monti Sibillini, Agriturismo – Country House, Silvio Antognozzi, Tel. +39 0736 856361, informa@cittadelladeisibillini.it, http://www.cittadelladeisibillini.it/, Contrada Cittadella, 63048 Montemonaco (AP)

Mehr Fotos zum Cittadella in unserer Fotostrecke


Ehemaliger Bauernhof Le Selve

Der sorgfältig restaurierte Bauernhof Le Selve, die Inhaber sprechen gar von einem Dorf, hat seine Wurzeln im 16. Jahrhundert und besteht aus mehreren Gebäuden, die an einem leichten Hang stehen: Rundum gibt es eine Reihe von Gärten und Terrassen, Arkaden und Waldflächen.

Agriturismo-Inhaber Antonio Fioravanti bietet drei Arten von Unterkünften an, zum einen Zimmer für eine bis zu vier Personen. Außerdem gibt es im Haus “Antonio und Laura” Ferienwohnungen mit zwei bis drei Zimmern. Falls Sie in einem Ferienhaus wohnen wollen, dann ist das „Haus von Tante Egle“ das Richtige. Bis zu 10 Gästen können auf drei Etagen Urlaub machen.

Agrituristico Le Selve. Inhaber Antonio Fioravanti mit Sohn Riccardo / Foto: Ingo Paszkowsky
Agrituristico Le Selve. Inhaber Antonio Fioravanti mit Sohn Riccardo / Foto: Ingo Paszkowsky

Die Zimmer-Preise in der Nebensaison (alle Tage außer Neujahr, Ostern, Pfingsten und August) pro Übernachtung:

Bed & Breakfast 30€, Halbpension 55€, Vollpension 70€, Bed & Breakfast Einzelperson bei Übernachtung im Doppelzimmer 40€

Hochsaison:

Bed & Breakfast 40€, Halbpension 65€, Vollpension 80€, Bed & Breakfast Einzelperson bei Übernachtung im Doppelzimmer 50€

Kontakt:

Borgo Agrituristico Le Selve, Antonio Fioravanti, Tel. +39 0736 845282, Mob. +39 329 0543 480, E-Mail info@leselve.net, https://www.leselve.net/, Via Piane Vecchie 1, 63087 Comunanza (AP)

Mehr Fotos zum Le Selve in unserer Fotostrecke

 

Nach dieser ersten Einführung in die Sibillischen Berge geht es vom Balzo Rosso hinunter ins beschauliche Tal des Ambro. Die Santuario Madonna dell’Ambro soll die erste Wallfahrtskirche in der Region sein, die nach einer Marienerscheinung im Jahr 1073 hier gebaut wurde. Die kostbar ausgeschmückte Barockkirche aus dem 17. Jahrhundert ist im Innern kunstvoll saniert. Webseite in italienischer Sprache https://www.madonnadellambro.it/. Gleich neben der Kirche ist ein Kiosk mit allerhand Kirchensouvenirs. In der Nähe finden sich auch mehrere Restaurants oder Kioske.

Die zauberhaften Schwestern Bocci betreiben die Bar bzw. das Ristorante Il Chioschetto nel Bosco mit einer ausgezeichneten Küche. Im Hintergrund die Kirche Madonna dell' Ambro. / Foto: Ingo Paszkowsky
Die zauberhaften Schwestern Bocci betreiben die Bar bzw. das Ristorante Il Chioschetto nel Bosco mit einer ausgezeichneten Küche. Im Hintergrund die Kirche Madonna dell’ Ambro. / Foto: Ingo Paszkowsky

An der Kirche starten verschiedene Wanderwege. In der Region gibt es übrigens zahlreiche ehemalige Pilgerwege. Wer aufmerksam durch die Gegend streift wird an den alten Pilgerwegen alte Äpfel- und Birnenbäume entdecken. Sie hatten damals eine Doppelfunktion, einerseits sollte sich der Pilger in ihrem Schatten ausruhen und übernachten können, andererseits dienten sie als Lieferanten der Wegzehrung. Dabei durfte man sich als Pilger nur jeweils ein Stück Obst nehmen.

 

Essen & Trinken – typisch marchigianisch

Unser Tipp ist das Ristorante Il Chioschetto nel Bosco, gleich in der Nähe der Kirche Madonna dell’Ambro, das von den zauberhaften Schwestern Bocci geführt wird. Ausgezeichnetes Essen und schnelle, sehr freundliche Bedienung.

Tel. +39 0736 859168, Webseite in mehreren Sprachen: http://www.hotelambro.it/il-chioschetto-nel-bosco-montefortino/


Sehr gut Essen kann man auch im Lo Spuntino Restorante in Montegallo. Die Inhaber Antonella und Stefano setzen auf traditionelle Küche der Region. Das bedeutet auch, dass Koch Stefano seine Pasta-Gerichte mit einem speziellen Speck der Region, dem Guanciale (siehe weiter unten), verfeinert. Weil der gesamte historische Ort Montegallo nach dem Erdbeben 2016 geräumt wurde, residiert das Feinschmecker-Restaurant derzeit noch in einem Container-Park, dem Ex Campo Sportivo Balzo di Montegallo (AP). Tel. +39 328 871 8465 und +39 366 2647 904, E-Mail antonellarovedi@virgilo.it

Lo Spuntino Ristorante - Mittagessen im Neubaugebiet von Montegallo. Der Inhaber und Koch zeigt die Kostbarkeiten / Foto: Ingo Paszkowsky
Lo Spuntino Ristorante – Mittagessen im Neubaugebiet von Montegallo. Inhaber und Koch Stefano mit den Kostbarkeiten der regionalen Küche / Foto: Ingo Paszkowsky

Vino Cotto und Anisetta

Wer die Marken besucht, muss auch zwei typische Produkte der Region gekostet haben. Die es freilich in anderer Ausprägung und Geschmacksrichtung auch in anderen italienischen Regionen oder im Ausland wie in Frankreich gibt. Aber natürlich verfügen diese beiden alkoholischen Getränke in den Marken über einen spezifischen, regionalen Geschmack. Die Rede ist von Vino Cotto und Anisetta. Inhaber Giovanni führt uns durch die Räume der Terra die Calanchi Piceni in Ripaberada und erläutert anschaulich die verschiedenen Produktionsstufen. Zwischendurch wird immer mal wieder gekostet.

Zur Herstellung von Vino Cotto werden Weintrauben spezieller Sorten verwendet, die noch am Weinstock unter der Einwirkung der Sonne eintrocknen. Aus diesen Trauben wird anschließend ein Most gewonnen, der viele Stunden lang auf einen Bruchteil seines ehemaligen Volumens eingekocht wird, wodurch eine Art Sirup entsteht. Dieser wird anschließend mit etwas Essig versetzt und in Eichenfässer gefüllt und einer Lagerung von mehreren Jahren unterzogen. Nach der Reifung wird der Vino Cotto entweder so abgefüllt oder mit Früchten oder Fruchtessenzen aromatisiert.

Verkostung von Vino Cotto und Anisetta bei Terra dei Calanchi Piceni mit Besitzer Giovanni in Ripaberarda / Foto: Ingo Paszkowsky
Verkostung von Vino Cotto und Anisetta bei Terra dei Calanchi Piceni mit Besitzer Giovanni in Ripaberarda / Foto: Ingo Paszkowsky

Der Vino Cotto wird sowohl zum Aromatisieren von Süßspeisen und Obst wie auch zum Würzen von Salaten, Gemüse-, Fleisch- und Geflügelgerichten, Käse und Risotto verwendet. Man kann ihn aber auch trinken.

Unter Anisetta versteht man Gewürzliköre mit Anisaroma. Sie sind süßer als die meisten Schnäpse mit Anis-Geschmack, meistens wasserklar und werden sowohl als Aperitif auch Digestif getrunken.

Giovanni hat mit Anice einen 47-prozentigen Anisetta im Programm.

Weitere Infos (in italienischer Sprache): http://www.calanchipiceni.it/

Verkostung von Vino Cotto und Anisetta bei Terra dei Calanchi Piceni / Foto: Ingo Paszkowsky
Vino Cotto und Anisetta bei Terra dei Calanchi Piceni / Foto: Ingo Paszkowsky

 

Die Sibillini sind eine Bergkette aus Kalkstein, die von den Gletschern des Quartärs geformt wurden. Spuren hiervon sind überall zu finden, besonders in den Tälern. Es gibt sowohl unterirdische als auch oberirdische Karst-Geländeformen.

Am zweiten Tag fahren wir in Richtung Umbrien, nach Castelluccio di Norcia und durchqueren dabei die Hochebene Piano Grande, das einfach überwältigend schön und beeindruckend ist. Vielleicht die spektakulärste Landschaft in der Region schlechthin. Im Frühling grünt und blüht hier alles, aber auch Ende Februar verfehlt der sanfte, gleichmäßige braune Farbton der großen Ebene seine Wirkung nicht. Der Besucher schaut ergriffen über das Tal.

Im Sommer Frühling grünt und blüht es in der Hochtälern. Im Hintergrund der "Stiefel" Italien als Wald / Foto: Ingo Paszkowsky
Im Sommer Frühling grünt und blüht es in der Hochtälern. Im Hintergrund der “Stiefel” Italien als Wald / Foto: Ingo Paszkowsky

Einige Tierarten, die einst dieses Gebiet besiedelten, gibt es wegen der ehemaligen extremen Bejagung und Verfolgung nicht mehr. Dazu zählen Bären und Gämsen. Die Bestände von Wolf und Steinadler haben sich inzwischen wieder erholt. Vor etlichen Jahren wurden 180 Wölfe gezählt. Nun schätzt man, das es um die Hälfte mehr sind. Auch von den Adlern gibt es wieder etliche Pärchen, speziell am Monte Sibilla.

“Vögel, die anderswo kaum mehr vorkommen, gibt es in den Sibillinen noch jede Menge. Dazu gehören auch Lerchen, Uhus, Eulen, Käuze, Wiedehopfe, Bachstelzen u.v.m.”, erzählt Ulla Kastner. “Unsere Tiere haben durch die Reinheit des Terrains ihre Lebensräume noch immer wie vor 100 Jahren. Auch die Pflanzen, die hier wachsen, sind geschützt und somit ein Naturparadies. Pfingstrosen, Enziane, Edelweiß, Kornblumen, 40 verschiedene wilde Orchideenarten, darunter sehr seltene wie die Fliegenorchidee, wilde Alpenveilchen, und, und, und…”

Auch gibt es Bewohner, die mit der letzten Eiszeit gekommen und geblieben sind, weiß Pietro: Vertreter des Mornellregenpfeifers (Charadrius morinellus) oder auf Italienisch Piviere Tortolino. Die Hauptbrutgebiete des etwa amselgroßen Vogels liegen eigentlich in den Tundren am nördlichen Polarkreis. Im südlichen Europa und im Alpenbereich gibt es lediglich sogenannte Reliktvorkommen mit nur noch wenigen Tieren.

Ganz Italien in einem Tal

Italienischer Nationalstolz pur im Tal der Ebene Piano Grande. An einem Hang liegt ein Wald, der die Umrisse Italiens zeigt. Mehrere Gewerkschaften initiierten anlässlich eines Festes in den 1960er Jahren diese patriotische Aktion. 15.000 Leute pflanzten an einem Tag den Wald.

Castelluccio di Norcia ist ein kleines Dorf in Umbrien in 1450 Metern Höhe. Es ist noch schwer gezeichnet vom Erdbeben 2016. Vom Dorf ist die Aussicht über das Piano Grande und das kleinere Piano Perduto einfach schön. Die Täler waren damals recht häufig ein Ort kriegerischer Auseinandersetzung. Nach einer derartigen verlorenen Schlacht, erhielt die Ebene Perduto ihren Namen – die verlorene Ebene.

Im Februar waren dort nur wenige Touristen anzutreffen, aber der Verkauf der berühmten Schweinewürste der Region und der Linsenspezialitäten war im vollen Gange. Castelluccio ist auch ein Hotspot für Paraglider, die gerne bei günstiger Thermik über dem großen Tal gleiten.

Pantani (Sumpfgebiete) von Accumoli / Foto: Ingo Paszkowsky
Pantani (Sumpfgebiete) von Accumoli / Foto: Ingo Paszkowsky

Ebenfalls sehr sehenswert sind die Pantani di Accumoli, an der Grenze zwischen dem Sibillini-Gebirge und dem Laga-Gebirge, eingebettet in ein kleines Tal, umgeben von Weiden und atemberaubenden Panoramalandschaften. Regen- und Schneewasser sammelt sich und fließt dann in in eine Doline, italienisch Inghiottitoio. Weil dort eine sehr seltene Froschart lebt, wurden die kleinen Seen eingezäunt, damit freilaufende Kühe und Pferde nicht weiter die Ufer zertreten. Das sahen wohl sowohl die großen Vierbeiner als auch ihre zweibeinigen Besitzer nicht ein, weil das Vieh dort ja schon immer trinken konnte, und schufen in der Umzäunung Lücken. Wenn Sie das Schauspiel des großen gemeinsamen Trinkens von Rindern und Pferden erleben wollen, sollten Sie gegen 12 Uhr vor Ort sein, sagt Ulla Kastner. An anderer Stelle las ich, dass sich um 8 Uhr das Schauspiel abspielen soll.


Die Pantani von Accumoli in der 360-Grad-Ansicht


Regionale Spezialitäten

Schweinebacke – Guanciale

Guanciale ist ein aus der Schweinebacke (italienisch Guanciale) oder dem Schweinenacken hergestellter luftgetrockneter, ungeräucherter Speck aus der Region.

Verwendet wird Guanciale meist in Streifen oder Würfel geschnitten und angebraten als Kochzutat, z. B. zu Spaghetti all’amatriciana, Spaghetti alla carbonara oder den Fave col guanciale, einem traditionellen Gericht aus Saubohnen und Speck.

Castelluccio di Norcia: Es wird erst mal gekostet / Foto: Ingo Paszkowsky
Castelluccio di Norcia: Vor dem Kauf wird erst mal gekostet / Foto: Ingo Paszkowsky

Guanciale hat einen höheren Fettgehalt, etwa 70 Prozent gegenüber 50 Prozent bei Pancetta, der aus dem Bauchspeck des Schweins herstellt wird, und einen intensiveren Geschmack.


Geschützte Linsen

Eine weitere Spezialität sind die Linsen aus Castelluccio di Norcia, die als IGP (Produkt mit geschützter Herkunftsbezeichnung) geführt werden. Von den Einwohnern von Castelluccio “Lénta” genannt wird, sind Linsen das repräsentative Produkt der Region schlechthin. Die Hülsenfrucht wird schon seit 3000 v. Chr. als Nahrung verwendet. Die Linse ist eine einjährige Pflanze, die zwischen Mai und August blüht. Der unverwechselbare Geschmack, die sehr geringe Größe, die Resistenz gegen Parasiten und der ausschließlich biologische Anbau machen es heute zu einem begehrten Produkt. Gesät wird, sobald sich die Schneedecke vollständig aufgelöst hat, geerntet Ende Juli, Anfang August.


Lasagne und Ascolanische Oliven im Agriturismo Veccio Gelso

Ungefähr einen Kilometer vom Ort Ortezzano befinden aneinandergeschmiegt ein Landhaus und ein jahrhundertealter Maulbeerbaum. Sie liegen in der Mitte eines landwirtschaftlichen Betriebes, der seit Generationen ausgewählte Früchte, Trauben, Konfitüren, Vino Cotto und ausgezeichnetes Olivenöl produziert.

Der Agriturismo Veccio Gelso, von der Familie Lilla gegründet und geführt, verfügt über Zimmer und Apartments mit Klimaanlage, TV, Wi-Fi, Billardzimmer und zentrale Waschküche. Das überdachte Schwimmbad kann von April bis November benutzt werden und ist in der kalten Jahreszeit beheizt.

Vecchio Gelso-Inhaber Simone Lilla / Foto: Ingo Paszkowsky

Simone ist seit 21 Jahren Eigentümer und Herr über 17 Hektor Land und 60 Olivenbäume. 31 Mitarbeiter halten den Betrieb aufrecht und sorgen für das Wohl der Gäste.

Veccio Gelso verfügt über 15 Zimmer und vier Appartments. Die Zimmerpreise sind mit 44 Euro je Übernachtung moderat. Lediglich im August, wenn die Italiener Ferien haben und zu dem Feiertagen sind 120 Euro fällig. Pro Person sind für die Halbpension 20 Euro Zuschlag fällig. Und das ist nicht zu viel, denn die Küche ist phantastisch.

Die Gerichte des Agriturismo Vecchio Gelso riechen und schmecken nach ländlicher Tradition: Gnocchi, Vincisgrassi, Tagliatelle, Gegrilltes, Oliven all’Ascolana und Weine Rosso Piceno, Passerina sowie Pecorino mit DOCG-Zertifizierung. (DOCG – Denominazione di Origine Controllata e Garantita ist eine italienische, staatlich kontrollierte Herkunftsbezeichnung für Weine. Im Sommer werden die Pizzas im Holzofen gebacken.

Vecchio Gelso bietet auch glutenfreie Küche und Kochkurse in verschiedenen Sprachen. Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb leben u.a. Pferde, Esel, Ziegen, Gänse, Hühner, Puten und Kaninchen. Die Gäste können die Tiere besuchen und im landwirtschaftlichen Betrieb mitarbeiten.


Fotostrecke Agristurismo Veccio Gelso


Lasagne-Rezept vom Koch des Hauses

Zutaten: 300g Mehl, 3 Eier, Olivenöl extravergine, 300g Hackfleisch, 100g Hühnerklein, 100g Parmesankäse, ein Glas Wein, Butter, Salz, Tomatensoße

Zubereitung: Das Fleisch und das gehackte Hühnerklein mit Olivenöl und einem Stückchen Butter in einer Pfanne anbraten, oft umrühren und den Wein zugießen. Inzwischen den Teig zubereiten; Mehl, Eier, etwas Olivenöl und eine Prise Salz gut vermischen. Dann den Teig mit einem Nudelholz ausrollen und in breite Nudelblätter schneiden. Im Salzwasser kochen und zur Hälfte der Kochzeit vom Herd abnehmen. Gut abgießen und schichtweise in einer Backform, die mit Butter bestrichen ist, auslegen. Jede Nudelschicht mit einer Tomatensoße, der Fleischsoße und dem geriebenen Parmesankäse bestreuen.Zum Abschluss etwa 20 Minuten bei ca. 200 Grad Celsius die Lasagne im Ofen erwärmen.

Ascolanische Oliven

Zutaten: 50 große grüne Oliven, 150g Schweinefleisch, 150g Kalbfleisch, 100g Geflügelfleisch, 50g Schinken, Parmesankäse, Semmelmehl, 2 Eier, Olivenöl, Muskatnuss, Zwiebel, Sellerie, Mehl und Salz.

Zubereitung: Die Zwiebel und Sellerie hacken und in einem Topf mit Olivenöl bräunen. Dann das Fleisch dazugeben. Bei geringer Hitze kochen lassen. Wenn das fertig ist, das Fleisch fein hacken und mit einem Ei, zwei Esslöffeln Käse, Salz und etwas Muskatnuss mischen. Die Oliven entsteinen und mit der erhaltenen Mischung füllen. Danach diese im Mehl, im geschlagenen Ei und anschließend im Semmelmehl wälzen. Die Oliven in einem Topf mit heißem Öl frittieren und auf einem Blatt saugfähigem Papier abtropfen lassen. Warm servieren.


In Offida klingt der Karneval mit einem spektakulären Umzug aus

Das hübsche Städtchen Offida liegt nördlich des Tronto-Tals auf einem Hügel aus Tuffstein. Bereits während der Steinzeit soll an dieser Stelle eine Siedlung existiert haben. Vermutlich im 9. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gründeten Picener Offida. Im 3. Jahrhundert v. Chr. kamen die Römer und 580 n. Chr. eroberten die Langobarden Offida. Seine Blütezeit erlebte die Stadt durch die Benediktinermönche aus Farfa.

Acht Kirchen und ein Kloster erinnern an die lange Kirchenherrschaft. Das eindrucksvolle Rathaus ist vermutlich im 11. und 12. Jahrhundert erbaut worden. Die teilweise erhaltene Stadtmauer stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Mit dem Umzug Li Vlurd endet die Karnevalzeit in Offida. / Foto: Ingo Paszkowsky
Mit dem Umzug Li Vlurd endet die Karnevalzeit in Offida. / Foto: Ingo Paszkowsky

Die Gebäude der Stadt sind zu einem Großteil aus Ziegeln errichtet. Diese Backsteinarchitektur verleiht dem Ort eine ganz besondere Ausstrahlung. Offida ist auch bekannt durch seine filigranen Spitzenklöppeleien und natürlich durch den Karneval.

Die Ursprünge des Karnevals sind nicht ganz geklärt. Vermutlich gehen sie aus den religiösen Feierlichkeiten der antiken Völker hervor, die das neue Jahr und den Frühlingsanfang zelebrierten, um ihre Götter günstig zu stimmen. Der Brauch, die “Vlurd” (lange Schilfrohrbündel mit Stroh gefüllt) zu entzünden und zu tragen, wird erstmals im Jahre 1814 schriftlich erwähnt.

Der Karneval in Offida verläuft jedes Jahr nach einem traditionellen, feststehenden Ritual. Der offizielle Anfang ist der 17. Januar, Tag des S. Antonio. Darauf folgen „La Domenica degli Amici“ (Sonntag der Freunde) zwei Wochen vor dem Karneval, „La domenica die Parenti“ (Sonntag der Verwandschaft) eine Woche vor Karneval, „I Veglionissimi“ (Faschingsbälle) im Theater Serpente aureo; am Faschingsdonnerstag Kinderfaschingsball wieder im Theater; “Lu Bov Fint“ am Faschingsfreitag und am letzten Tag, dem Faschingsdienstag, der phantastische Umzug der „Vlurd“. Die typische Karnevalsverkleidung ist der “Guazzarò”, eine weiße Kutte aus grobem Leinstoff mit einem roten Tuch um den Hals.

Dieses Ereignis zieht nicht nur die Bewohner angrenzender Gemeinden nach Offida, sondern auch zahlreiche Touristen.

Die meterlangen, mit Stroh gefüllten Schilfrohrbündel werden am Abend des Faschingsdienstags entzündet und durch die Straßen der Ortschaft getragen.


Karneval in Offida im Foto


Der Umzug beginnt auf der Piazza XX Settembre, allen voran, die “Congrega del Ciorpento”, das mittlerweile zur Karnevalshymne avancierte Lied “Addio Ninetta Addio” anstimmend. Hunderte maskierter Teilnehmer, eine schier endlose Schlange aus loderndem Feuer, marschieren dann, mit den brennenden “Vlurd” auf den Schultern im Gänsemarsch durch den Ort.

Beißender Qualm liegt in der Luft. Eine wichtige Rolle beim Umzug haben die verschiedenen Karnevalsvereinigungen, die mit ihrer Musik und ihren Kostümierungen die Zuschauer erfreuen. Meine besondere Hochachtung gilt den Blasmusikern im Umzug, die bei der enormen Rauchentwicklung dennoch saubere Klänge aus ihren Instrumenten zaubern.

Zum großen Finale werden die “Vlurd” zu einem hohen Feuer auf der Piazza del Popolo aufgehäuft. Mit dem Erlöschen des Feuers ist auch das Ende des Karnevals erreicht und die Fastenzeit beginnt.

Mehr Informationen zum Karneval in Offida (in italienischer Sprache)


Übernachten im Herzen des Tronto-Tals

Das Hotel Villa Picena befindet sich mitten in einem faszinierenden Garten im Herzen des Tronto-Tals in einer zentralen Lage. Die Adria liegt nur 15 Kilometer entfernt und der Nationalpark Monti Sibillini 30 Kilometer. Ascoli Piceno, die außergewöhnlich Stadt der Kunst, ist ebenfalls nicht weit entfernt.

Die gesamte Anlage besteht aus drei Gebäuden: der Villa aus dem neunzehnten Jahrhundert, in der luxuriöse Zimmer und Suiten, Salons und Konferenzräume entstanden sind; dem Hauptgebäude mit dem Eingangsbereich und dem Großteil der Gemeinschaftsräume, Zimmer und Suiten; dem Festsaal sowie Tagungs- und Ausstellungsräumen.

Villa Picena / Foto: Ingo Paszkowsky
Villa Picena / Foto: Ingo Paszkowsky

Die Villa Picena bietet einen passenden Rahmen für wichtige Veranstaltungen, wie Hochzeiten aber auch für Kongresse oder geschäftliche Anlässe. Aber auch als Hotel für einen angenehmen Aufenthalt und als Ausgangspunkt für Erkundungen des Hinterlands von Piceno oder der nahegelegenen Provinz Teramo. Viele Ausflugsziele liegen in der Nähe, neben dem bereits erwähnten Ascoli Piceno, Offida, Ripatransone, Acquaviva Picena, Civitella del Tronto und Colonnella.

Der Strand von San Benedetto ist nicht weit weg. Er soll einer der beliebtesten Strände der Adriaküste sein.

Das Restaurant der Villa Picena ist mehr als eine Erwähnung wert. Die Küche auf Frische der aus der Gegend stammenden Produkte. Jeden Abend wird ein komplettes Degustationsmenü, je nach Thema des Tages, serviert – alternativ zwei Gerichte nach Wahl und Dessert à la carte. Zum Mittagessen gibt es ein Büffet oder kleine Auswahl à la carte und zum Frühstück ein Büffet.

Alle Zimmer haben Bad, Dusche oder Badewanne, Toilette, Bidet, Haartrockner, Telefon mit Direktwahl, Blick auf die Berge von Ascoli Piceno, Klimaanlage, Sat-TV, Minibar, Safe und Wi-Fi.

Es gibt die Zimmerkategorien Comfort, Classic, Prestige, Superior und die President-Suite mit zwei Räumen. Die Preise für Comfort-Zimmer gehen von 55€ für Einzelbelegung bis 110€ für ein Doppelzimmer. Bei der Präsidenten-Suite von 200€ bis 360€. Frühstück ist jeweils inklusive.
Die Zuschläge für Halb- und Vollpension sind ebenfalls abhängig von der Jahreszeit. Für Halbpension sind 75€ oder 85€ pro Person fällig, für Vollpension ein zusätzlicher Aufschlag von 10€.

Kinder mit einem Alter bis zu drei Jahren können kostenlos im Zimmer der Eltern übernachten. Kinder im Alter bis zu 12 Jahren erhalten im Zimmer der Eltern 50 Prozent Rabatt.

Strandfreunde können kostenlos Privatstrand und Swimmingpool mit Sonnenschirm und Liegestuhl des Hotels Parco dei Principi in Grottammare, mit reserviertem Parkplatz, nutzen.

Die Villa Picena in der Fotostrecke

Mehr Information über die Villa Picena (in deutscher Sprache)


Ascoli Piceno – die schöne Stadt

Eine der schönsten Städte Italiens ist Ascoli Piceno. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz liegt im Süden der Region Marken. Die Altstadt wird von den zahlreichen historischen Bauten aus Travertin geprägt.

Es gibt viel zu besichtigen in Ascoli Piceno. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen der Dom Sant’Emidio auf der Piazza Arringo. Die Kathedrale des Bistums Ascoli Piceno war ursprünglich ein romanisches Bauwerk, das mehrfach umgebaut wurde. Auffälliges Merkmal, der Dom verfügt nur über einen Turm, der andere ist lediglich als Ansatz erkennbar.

Gleich neben dem Dom ist das frühromanische Baptisterium, ein achteckiger Bau. An der Piazza befindet sich auch das Rathaus, der Palazzo Comunale (1683–1745), in dem sich das städtische Kunstmuseum Pinacoteca civica befindet, unter anderem mit Werken von Cola dell’Amatrice, Crivelli und Tizian.

Wer nun schon wegen der vielen historischen Kostbarkeiten angenehm angetan ist, wird beim Besuch der Piazza de Popolo verzückt sein. Kenner sprechen von einem der schönsten und harmonischsten Plätze Italiens. Bei unserem Besuch regnete es und so widerspiegeln die Fotos nicht die wahre Schönheit dieser historischen Kostbarkeiten.

Piazza del Popolo in Ascoli Piceno / Foto: Ingo Paszkowsky
Piazza del Popolo in Ascoli Piceno / Foto: Ingo Paszkowsky

Das regnerische Wetter war ein Grund mehr, DIE Institution an der Piazza de Popolo zu besuchen: das Caffè Meletti. Seit seiner Eröffnung am 18. Mai 1907 ist das Café Treffpunkt der einheimischen Kulturszene und Anziehungspunkt für Besucher von außerhalb. Ernest Hemingway, Jean-Paul Satre, Simone de Beauvoir und sogar der italienische König Viktor Emanuel III. waren Gäste des Hauses mit seinen Fresken, Tischen und Stühlen im Stil der Wiener Kaffee-Häuser sowie den Möbeln im Liberty-Stil, der italienischen Variante des Jugendstils. Das Café fungierte im Laufe der Jahre auch als Film-Location, u.a. wurde mit Claudia Cardinale und Dustin Hoffman gedreht.

Zwei Dinge sollten Sie im Caffè Meletti probieren, den vorzüglichen Kaffee, der aus Äthiopien kommt und den Anisetta Meletti. Letzteres ist eine regionale Spezialität, für deren Herstellung ausnahmslos grüner Anis aus der Gegend verwendet wird. Wenn Sie sich einen Anisetta Meletti bestellen, so erhalten Sie dazu Mokkabohnen, die Sie in den Likör legen können.

Übrigens Sie sollten auch das WC besuchen, denn in der Toilette des Kaffeehauses wartet eine weitere Sehenswürdigkeit auf Sie. Unter den Waschtischen aus Glas sehen Sie Überreste von Mauern aus römischer Zeit.

Zur Webseite von Caffè Meletti (in italienischer Sprache)

Eine interessante Sehenswürdigkeit sind auch die Geschlechtertürme, von denen es noch zwei gut erhaltene gibt. „Von den ehemals 200 Geschlechtertürmen sind noch 73 irgendwie erkennbar“, sagt Marken-Kennerin Ulla Kastner. Der Geschlechterturm ist eine im späten Mittelalter in der Toskana entstandene Bauweise, die einflussreichen städtischen Familien für Wohn- und Verteidigungszwecken sowie zur Repräsentation diente. Die Begeisterung für diese Turmbauweise schaffte es sogar bis über die Alpen, in Städte wie Nürnberg, Konstanz und Regensburg. Allerdings hatten die Türme dort ausschließlich repräsentativen Charakter. In Regensburg sind mehrere Geschlechtertürme, wie der Goldene Turm, heute noch erhalten.

Überaus interessant ist ebenfalls das rechtwinklige Straßensystem Caro/Decumanus. Der Cardo bezeichnet die Hauptachse einer römischen Stadt, die in der Regel in Nord-Süd-Richtung angelegt wurde. Senkrecht zu dieser Hauptachse wurde eine meist in Ost-West-Richtung verlaufende Achse festgelegt, die Decumanus genannt wird. Der Kreuzungspunkt dieser Hauptachsen markierte das Zentrum der Stadt. In Ascoli Piceno bildet die Kreuzung von Via Del Trivio und Corso Giuseppi Mazzani den Ausgangspunkt der römischen Stadtentstehung.

Weitere Sehenswürdigkeiten in der Stadt sind die Römerbrücken Ponte di Cecco und Ponte Romano di Solestà.


Kostbarkeit Olivenöl

Spanien als weltweit führender Olivenölproduzent bedient zwar 40 Prozent des Weltmarktes mit dem flüssigen Grundnahrungsmittel, kann aber nur mit der Hälfte an Olivensorten aufwarten. “In Italien gibt es 520 Olivenölsorten, die in 14 Regionen angebaut werden”, erzählt Ugo Agostini, Chef des Olivenöl-Produzenten Frantoio Agostini. “Im Vergleich dazu gibt es ‘lediglich’ 380 Pastasorten in Italien.”

Vorzügliches Olivenöl von Frantoio Agostini. Inhaber Ugo Agostini / Foto: Ingo Paszkowsky
Inhaber Ugo Agostini mit den neuesten Olivenöl-Kreationen / Foto: Ingo Paszkowsky

Regional werden also geschmacklich einzigartige native Olivenöle extra erzeugt. Jede Region, in der Oliven angebaut werden, verfügt auch über autochthone Sorten d.h. diese Sorten kommen ausschließlich in der Region oder sogar nur in der Provinz vor. Die meisten autochthonen Olivensorten gibt es in den Marken.

Ugo Agostini verarbeitet in seinem Unternehmen nur frische Oliven, maximal acht Stunden alt. Zunächst werden sie gründlich gewaschen, anschließend zermahlen; nicht länger als 20 Minuten, weil sonst die Bitterstoffe aus den Kernen herausgelöst werden. Dann wird der Brei gründlich durchgerührt, dabei kommen Kühlaggregate zum Einsatz, damit der möglichst wenig Sauerstoff gebunden wird. Das erste Abspalten der festen von den flüssigen Bestandteilen erfolgt in einer Zentrifuge bei 3000 Umdrehungen pro Minute. Um nun Öl und Wasser zu trennen, kommt eine weitere Zentrifuge zum Einsatz. Traditionell wurden für diesen Arbeitsschritt früher Matten aus Pappe eingesetzt, auf die Druck ausgeübt wurde.

Vorzügliches Olivenöl von Frantoio Agostini / Foto: Ingo Paszkowsky
Vorzügliches Olivenöl von Frantoio Agostini / Foto: Ingo Paszkowsky

 

Reiseführer Marken

300 Seiten komprimierte Informationen für Entdecker. Die großartige Hügellandschaft jenseits der endlosen Sandstrände an der Adriaküste ist beeindruckend. Außerdem zeigen sich in dieser östlichen Region des Stiefels grandiose Höhlen wie die berühmten Grotten von Frasassi, die bis zu 2.500 Meter hohen Monti Sibillini in beeindruckender Gebirgswelt oder Urbino, die perfekte Renaissancestadt. Auch Pesaro, Macerata und Ascoli Piceno, wo eine der schönsten italienischen Piazzas beheimatet ist, haben es touristisch in sich.

Kunst und Kultur findet man in den Marken im Überfluss, aber auch kulinarische Hochgenüsse und hervorragende Weine, kleine Dörfer in herrlicher Landschaft und an der Küste die lebhaften Zentren des italienischen Badetourismus. Abgerundet wird das Reisehandbuch von Sabine Becht durch zahlreiche praktische Informationen zu Übernachtungen, Essen, Trinken und Shoppingmöglichkeiten in der Region.

Reiseführer Marken von Sabine Becht, Michael Müller Verlag, 288 Seiten, farbig, 163 Fotos, herausnehmbare Karte, 5. Auflage, ISBN 978-3-95654-212-1, 16,60€

Ingo Paszkowsky

Wird fortgesetzt

Titelfoto / Nationalpark Monti Sibillini: Sumpfgebiete von Accumoli / Foto: Ingo Paszkowsky


Transparenz-Mitteilung

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien, PR-Agenturen und bzw. oder Tourismus-Behörden. Unsere Berichterstattung ist davon unabhängig. Die Unterstützung hat keinen Einfluss auf Inhalt, Ausrichtung oder Tonalität unserer Artikel.


Weitere Informationen über die Region (in italienischer Sprache):

http://www.sibillini.net/index.php

http://www.turismo.marche.it/

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