Großer gepflasterter und asphaltierter Platz in Lausanne mit Gebäuden und einer Kirche im Hintergrund.

Lausanne: Radsport, Hitze und Erbauung

Ein Wochenende zu Beginn der Tour de France Femmes

Große Teile Europas ächzten Anfang August unter einer weiteren Hitzewelle dieses Jahres, auch das schweizerische Lausanne war davon betroffen. Gemeinhin wird den Menschen geraten, bei hohen Temperaturen alles langsamer anzugehen, aber sag das mal einer Radsportlerin. Zumal wenn sie auf DAS große Sportereignis des Jahres hin fiebert (und trainiert), die Tour de France Femmes, die 2026 am Genfersee in Lausanne startete.

Ruhige Uferpromenade in Lausanne-Ouchy mit Metallskulptur, Hafen und Genfersee am Morgen.
Noch ist es ruhig am Genfersee: Im Lausanner Stadtteil Ouchy warten Uferpromenade und Hafen auf den Starttag der Tour de France Femmes. / Bild: Beate Lemcke

Die legendäre Tour de France, das wichtigste Radrennen der Welt, findet seit 1903 jedes Jahr im Juli statt, lediglich unterbrochen während der beiden Weltkriege. Für Frauen gibt es die Tour als eigenständiges Etappenrennen seit 2022, sie findet jeweils im Anschluss an das Radrennen der Männer statt.

Sportgruppe bei Gymnastik auf Matten an der Uferpromenade von Lausanne mit Genfersee und Bergen.
Während es rund um den Startbereich noch ruhig ist, nutzt eine Sportgruppe die Uferpromenade in Ouchy für gemeinsame Morgengymnastik. / Bild: Beate Lemcke

Tolle Atmosphäre und die Strapazen des Rennens

Gelbe Tour-de-France-Femmes-Fotokulisse mit Fahrrad am Place de la Navigation in Lausanne.
Am Place de la Navigation weist eine gelbe Fotokulisse mit Fahrrad auf den Grand Départ der Tour de France Femmes in Lausanne hin. / Bild: Beate Lemcke

In diesem Jahr nun also erstmals in Lausanne im französischsprachigen Kanton Waadt startend und zwar direkt am Genfersee in Ouchy, wo sich auch das Olympische Museum befindet. Alle Zeichen standen auf Sport und das Publikum aus Lausanne, der Schweiz und Radbegeisterte aus aller Welt ließen sich von der tollen Atmosphäre am Start und der Rennstrecke mitreißen.

Reichlich hatten sich die Radsport-Fans mit Ansporn-Pappen und Bucket-Hats ausgestattet, besonders stolz trug so mancher sein rotes Basecap, bestickt mit der ironischen Replik „Switzerland great since 1291“.


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Nahaufnahme eines Oberarms mit kNahaufnahme eines Oberarms mit einem temporären türkis-blauen Glitzer-Tattoo in Form eines Fahrrads.
Ein temporäres Fahrrad-Glitzer-Tattoo erinnert an den Grand Départ der Tour de France Femmes in Lausanne. Die kostenlosen Tattoos gehörten zu den Aktionen in der Familienzone. / Bild: Beate Lemcke

So ein Radrennen ist ein Event mit Fanzone und Rahmenprogramm. Vorab durften Knirpse auf Tret-Fahrrädern ein ganz ganz kurzes Stück der Strecke schon mal auf Tauglichkeit testen. Von Viertelstunde zu Viertelstunde war zu spüren, wie die Spannung stieg und der Geräuschpegel anschwoll. Da ist dann auch jemand, der es nicht so mit dem Leistungssport hat, voll im Geschehen und zieht den Sonnenhut vor den Sportlerinnen, die bei hochsommerlichen Temperaturen die Strapazen des Rennens auf sich nehmen. In solchen Momenten entfaltet der Sport seine eigentliche Superkraft: das Erzeugen eines Gemeinschaftsgefühls. Und das ist mindestens so wichtig wie der Aspekt der Körperertüchtigung, der im Breitensport Früchte tragen soll.

Peloton der Tour de France Femmes fährt beim Start durch eine von Zuschauern gesäumte Straße in Lausanne.
Unter dem Jubel der dicht gedrängten Zuschauer startet das Peloton der Tour de France Femmes in Lausanne auf die 138 Kilometer lange Rundstrecke. / Bild: Beate Lemcke

Los ging es kurz nach 14 Uhr. Wohl dem, der ein schattiges Plätzchen unter Platanen finden konnte. Naturgemäß ist so ein Radrennen beim Start, an dem sich alles noch bündelt, in Minutenschnelle für den Zuschauer am Straßenrand vorbei.

Die spektakuläre Rundstrecke von 138 Kilometern führte die Radfahrerinnen dann zum Neuenburgersee und zurück. Die Steigung vom Genfersee auf dem Rückweg in Lausannes Innenstadt verlangte an einem heißen Tag den Sportlerinnen ein Menge ab, ehe sie ins Ziel in der Rue du Grand-Chêne einfuhren. Hitze auch da noch, am späten Nachmittag bei der Ankunft der Radfahrerinnen gegen 18 Uhr.

Roter Werbewagen mit großer Kuhfigur fährt an Zuschauern und historischen Gebäuden in Lausanne vorbei.
Vor der Rückkehr der Fahrerinnen zieht die bunte Werbekarawane durch die Innenstadt und stimmt das Publikum auf den Zieleinlauf ein. / Bild: Beate Lemcke

Die Stimmung beim Start wie der Zieleinfahrt lässt sich nicht anders beschreiben als elektrisierend. Sportförderung ist Förderung des Gemeinsinns und damit der humanistischen Bildung. Etwas pathetisch lässt sich das in die Losung fassen: Wir sind alle Menschen und wollen in Frieden zusammenleben.

Mehrere Rennfahrerinnen der Tour de France Femmes fahren vor Zuschauern durch die Lausanner Innenstadt.
Die Fahrerinnen passieren in hohem Tempo die dicht besetzten Absperrungen in der Lausanner Innenstadt und nähern sich dem Ziel in der Rue du Grand-Chêne. / Bild: Beate Lemcke

Olympische Hauptstadt in malerischer Lage

Um aufs Radrennen zurückzukommen, das ich nur am ersten Tag begleitete: bei den folgenden Etappen sollte es weitergehen am Nordufer des Genfersees nach Genf und dann in den Südosten Frankreichs, bis zum Finish nach neun Etappen in Nizza.

Lausanne ist bekannt als Olympische Hauptstadt und Sitz des IOC und für seine malerische Lage. Die hügelige Altstadt mit ihren kleinen Gassen lädt zum Verweilen ein, und über allem thront die im späten 12. Jahrhundert erbaute Kathedrale. Dank seiner Hanglage blickt man in Lausanne von überall auf den Genfersee.

Drei mittelalterliche Steinfiguren zwischen schlanken Säulen im Eingangsbereich der Kathedrale von Lausanne.
Drei mittelalterliche Steinfiguren stehen zwischen schlanken Säulen im Eingangsbereich der Kathedrale und zeugen vom reichen Skulpturenschmuck des Gotteshauses. / Bild: Beate Lemcke

Die Hotelkette ibis als Werbepartner der Tour der France Femmes bot auch mir Quartier, im ibis Lausanne Centre an der Rue du Maupas. Funktional und schön eingerichtet, wirkte es freundlich und fast schon familiär, wie man es eher aus kleinen Hostels kennt. Sein großes Pfund ist die zentrale Lage, man kann sich die Altstadt erlaufen und gleich um die Ecke ist das Art Brut Museum.

Eine unorthodoxe Sicht auf die Welt

Außenansicht der Collection de l’Art Brut im Château de Beaulieu in Lausanne.
Die Collection de l’Art Brut ist seit 1976 in einem Flügel des Château de Beaulieu untergebracht. Auf vier Etagen zeigt das Lausanner Museum Werke autodidaktischer Kunstschaffender abseits des etablierten Kunstbetriebs. / Bild: Beate Lemcke

Für mich war auch dieses ein Highlight des Kurzaufenthalts von zweieinhalb Tagen. Die Sammlung residiert seit 50 Jahren in einem eleganten alten Herrenhaus an der Avenue des Bergières. Maßgeblich geht das Konzept von Art Brut auf den Künstler Jean Dubuffet zurück, der Interesse an der Kunst jenseits konventioneller Strukturen hatte. Er besuchte deshalb psychiatrische Krankenhäuser, Gefängnisse und Sammlungen ethnographischer Kunst in der Schweiz und entdeckte und sammelte dabei, was ihn interessierte. Diese Kunstwerke zu legitimieren und psychisch Erkrankte zu entstigmatisieren war Dubuffet ein Anliegen.

Zwei hohe, detailreiche Holzkonstruktionen von Émile Ratier in einem dunklen Ausstellungsraum.
Die detailreichen Holzkonstruktionen von Émile Ratier erinnern an Weihnachtspyramiden. Der französische Art-Brut-Künstler schuf bewegliche Skulpturen mit Kurbeln und weiteren Mechanismen. / Bild: Beate Lemcke

Es spielte also die Schweiz eine Schlüsselrolle in diesem autodidaktischen, auch Outsider Art genannten Genre. 1971 übergab Dubuffet seine umfangreiche Sammlung aus Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen, Assemblagen sowie das Archiv der Stadt Lausanne. Im sichtlich mit Herzblut eingerichteten Art Brut Museum wird sie liebevoll präsentiert als ein einzigartiges Universum der rohen, leidenschaftlichen, mitreißenden Kreativität. Kommerzielle Aspekte spielen bei den Schöpfern der Werke keine Rolle, sie schielen nicht auf den Markt und lassen an ihrer unorthodoxen Sicht auf die Welt teilhaben. So unmittelbar trifft es dann auch den Betrachter, wenn er sich dem Ursprünglichen, Urmenschlichen, Ungefilterten öffnet.

Große bemalte Holzskulptur eines gedrungenen Tieres mit offenem Maul von Eugenio Santoro.
Beeindruckend und vielleicht auch ein wenig einschüchternd wirkt diese expressiv bemalte Tierfigur aus Holz von Eugenio Santoro. / Bild: Beate Lemcke

Lausanne, gesegnet mit gekühlten Museen und einer Kathedrale, in der man neben Kontemplation auch Abkühlung findet, hatte bis zum ersten Augustwochenende 2026 als wir in der Stadt weilten, schon erheblich unter Hitze und Trockenheit gelitten. Einigen Parks und Grünflächen war das anzusehen und improvisierte Klima-Anlagen, von denen aus Läden, Studios und Wohnungen kriechende Schläuche zeugten, sprachen Bände. Es gibt immer noch viel zu viele versiegelte Flächen, aber auch sichtbare Bemühungen, diese aufzubrechen und beispielsweise im Stadtviertel Flon Dach- und Fassaden-Begrünungen.

Üppig begrünte Terrassen und Dächer eines modernen Gebäudes im Quartier du Flon in Lausanne.
Das rund 55.000 Quadratmeter große Quartier du Flon setzt an einigen Gebäuden auf üppige Dach- und Fassadenbegrünung. / Bild: Beate Lemcke

Beate Lemcke

Titelbild / Eine weitgehend versiegelte Platzfläche zeigt, wie stark Pflaster und Asphalt Teile des Lausanner Stadtbilds noch prägen. / Bild: Beate Lemcke

Sieh auch unsere ausführliche Fotostrecke über Lausanne

Service-Infos

Tour de France Femmes

Die heutige Tour de France Femmes avec Zwift wird seit 2022 ausgetragen und hat sich innerhalb weniger Jahre zum wichtigsten Etappenrennen im internationalen Frauenradsport entwickelt. Veranstalter ist – wie bei der Tour de France der Männer – die Amaury Sport Organisation (A.S.O.). Die Ausgabe 2026 ist die fünfte Tour de France Femmes und führt vom 1. bis 9. August 2026 über neun Etappen und insgesamt 1.175 Kilometer.

Der Grand Départ fand 2026 erstmals in der Schweiz statt. Die Auftaktetappe führte am 1. August als Rundkurs über 138 Kilomter von Lausanne zurück nach Lausanne. Am zweiten Tag ging es von Aigle nach Genf, ehe das Rennen auf der dritten Etappe Frankreich erreichte. Nach Rotterdam 2024 war die Schweiz erst der zweite Grand Départ der Tour de France Femmes außerhalb Frankreichs.

Steile gepflasterte Escaliers du Marché mit überdachter Holztreppe und dem Turm der Kathedrale von Lausanne im Hintergrund.
Die historischen Escaliers du Marché führen durch die Lausanner Altstadt hinauf zur weithin sichtbaren Kathedrale. / Bild: Beate Lemcke

Sehenswürdigkeiten in Lausanne

  • Das Olympische Museum (Musée Olympique): Direkt am Seeufer im Stadtteil Ouchy gelegen – interaktiv und weltweit einmalig.
  • Kathedrale von Lausanne: Das imposante gotische Bauwerk überragt die Altstadt und bietet einen Panoramablick über die Dächer bis zu den Alpen.
  • Ouchy-Promenade & Genfersee: Ideal zum Flanieren, Tretbootfahren oder für eine Schifffahrt Richtung Evian oder Montreux.
  • Plateau de Hermitage: Kunstmuseum in einer wunderschönen Parkanlage mit Blick auf See und Berge.
  • Flon-Viertel: Das moderne Herz der Stadt mit trendigen Shops, Restaurants und Nachtleben in ehemaligen Lagerhallen.
Blick über das dicht bebaute Quartier du Flon in Lausanne mit Straßen, Gebäuden, Baustelle und wenigen Grünflächen.
Der Blick über das Quartier du Flon zeigt moderne Stadtentwicklung, aber auch stark versiegelte Flächen, die Raum für mehr Stadtgrün bieten würden. / Bild: Beate Lemcke

Praktisch: Wegen der starken Steigungen ist die Metro in Lausanne ausgesprochen hilfreich. Die Linie M2 verbindet unter anderem den See in Ouchy mit Bahnhof, Flon und den höher gelegenen Stadtteilen. Wer in einer Unterkunft übernachtet, die die Lausanner Kurtaxe erhebt, erhält die Lausanne Transport Card und kann damit Busse, Bahnen und Metro im Großraum Lausanne während des Aufenthalts – maximal 15 Tage – kostenlos nutzen.

Anreise aus Deutschland

Mit der Bahn: Lausanne besitzt sehr gute Bahnverbindungen über Basel, Bern und Zürich. Je nach Verbindung und Reisetag sind ein oder zwei Umstiege erforderlich. Als ungefähre Richtwerte nach dem Fahrplan 2026 kann man rechnen: Berlin–Lausanne ab etwa 9:30 Stunden, Hamburg–Lausanne rund 9:20 bis 10 Stunden, Köln–Lausanne rund 6:30 bis 7 Stunden und München–Lausanne etwa 7 Stunden. Die konkreten Fahrzeiten ändern sich je nach Verbindung und Baustellen.

Gerade von Köln ist die Bahn damit eine interessante Alternative zum Flug. Die internationalen Züge führen meist über Basel beziehungsweise Bern weiter nach Lausanne. Für Berlin und Hamburg ist die Reise zwar deutlich länger, dafür gelangt man direkt ins Stadtzentrum und erspart sich Transfer und Sicherheitskontrolle am Flughafen.

Mit dem Flugzeug: Lausanne besitzt keinen größeren Verkehrsflughafen. Am günstigsten liegt Genf (GVA). Der Bahnhof befindet sich direkt am Flughafenterminal, und es verkehren mehrmals pro Stunde durchgehende Züge nach Lausanne. Die schnellsten benötigen derzeit etwa 49 Minuten, im Durchschnitt dauert die Fahrt rund 55 Minuten.

Von Berlin gibt es beispielsweise Nonstop-Flüge nach Genf mit easyJet, von München Direktverbindungen mit Lufthansa. Für Hamburg und Köln hängt die günstigste Flugverbindung stärker vom jeweiligen Flugplan ab. Gerade dort lohnt sich deshalb auch ein Preis- und Zeitvergleich mit der Bahn.

Collection de l’Art Brut

Von großen Platanen beschatteter Vorplatz der Collection de l’Art Brut mit Bänken in Lausanne.
Vor der Collection de l’Art Brut lädt der von Platanen beschattete Hof zu einer Pause vor oder nach dem Museumsbesuch ein. / Bild: Beate Lemcke

Collection de l’Art Brut
Avenue des Bergières 11
1004 Lausanne
Schweiz

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr, montags geschlossen. Das Museum ist grundsätzlich auch an Feiertagen sowie am Oster- und Pfingstmontag geöffnet. Geschlossen bleibt es am 25. Dezember und 1. Januar; am 24. und 31. Dezember ist von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Eintritt: Erwachsene 12 CHF, ermäßigter Eintritt 6 CHF. Kostenlos ist der Besuch unter anderem für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie für Studierende und Auszubildende. Außerdem ist der Eintritt für alle Besucher am ersten Samstag jedes Monats kostenlos. Die reguläre Eintrittskarte gilt drei Tage lang auch für die beiden anderen städtischen Museen Musée Historique Lausanne und Musée romain Lausanne-Vidy.

Stand: August 2026


Transparenz-Mitteilung

Die Recherche für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien, PR-Agenturen und bzw. oder Tourismus-Behörden.
Unsere Berichterstattung ist davon unabhängig. Die Unterstützung hat keinen Einfluss auf Inhalt, Ausrichtung oder Tonalität unserer Artikel.


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