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WLAN an Flughäfen – immer noch nicht überall kostenlos

Flughäfen in der Bundesrepublik verfügen über gut ausgebautes WLAN. Im internationalen Vergleich muss Deutschland jedoch bei Nutzungsdauer und Preisniveau noch nachlegen.


Sorgenfrei und unbegrenzt surfen Passagiere in den Großstädten Berlin (Tegel und Schönefeld), Köln, Frankfurt am Main, München, Hamburg, Düsseldorf und Nürnberg am Flughafen. Aber auch in Münster, Friedrichshafen, Kassel-Calden, Memmingen und am Airport Weeze (Niederrhein) steht Reisenden während ihres Aufenthaltes am Flughafen kostenlos unbegrenzter Zugriff auf das Internet zur Verfügung. Dies hat das Fluggastrechte-Portal flightright.de ermittelt.

 

Nur kurz verbunden: Zeitlimits trüben die Surf-Freude am Flughafen

In anderen deutschen Städten ist das WLAN dagegen nur für ein gewisses Zeitkontingent nutzbar: In Hannover, Bremen und Paderborn / Lippstadt für drei Stunden, in Dresden für zwei Stunden und in Stuttgart, Frankfurt-Hahn sowie Rostock-Laage für eine Stunde. An den Flughäfen Erfurt-Weimar und Karlsruhe / Baden-Baden sind es sogar nur 30 Minuten kostenloses WLAN.

Unbedingt nachrüsten sollte der Flughafen Dortmund, der lediglich seinen Newsletter-Abonnenten für 30 Minuten kostenfreies WLAN zur Verfügung stellt. Danach wird das WLAN auch für die Leser des Newsletters kostenpflichtig (eine Stunde 3€ / zwei Stunden 5€ und 24 Stunden 30€).

Abhilfe schafft da nur das mobile Internet oder der Gang in eines der Bistros und Kaffeehäuser, die häufig einen Internetzugang für Kunden bereitstellen. Alternativ helfen auch mobile WLAN-Router wie von Skyroam, Huawei oder TP-Link.

 

Wie steht Deutschland im Vergleich da?

Mit Blick auf unsere EU-Nachbarn schlägt sich Deutschland bei der grundsätzlichen Abdeckung recht gut, jedoch gilt es bei der Nutzungsdauer und Preisgestaltung aufzuholen: Alle untersuchten spanischen und französischen Flughäfen boten komplett kostenlosen und unbegrenzten Zugriff auf das Internet an. Ebenso sind auch die meisten amerikanischen Flughäfen der Untersuchung für ihre Passagiere damit ausgestattet. Stark frequentierte Drehkreuze wie Schiphol in Amsterdam, Moskau oder Istanbul schließen den Kreis der Gratisanbieter.

Überraschend ist, dass New Yorks John F. Kennedy Airport genauso wie die Flughäfen von Los Angeles oder Honolulu bis zu 6,95 US-Dollar für 24-Stunden Internetzugang verlangen.

 

Kritische Schwachstellen in WLAN-Verschlüsselung

Die weltweite WLAN-Freude wird momentan etwas getrübt durch die Warnung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, kurz BSI. Der Sicherheitsstandard WPA2, der insbesondere zur Verschlüsselung von WLAN-Netzwerken empfohlen wird, ist über kritische Schwachstellen verwundbar. Betroffen sind demnach alle derzeit aktiven WLAN-fähigen Endgeräte in unterschiedlichen Ausprägungen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät dazu, WLAN-Netzwerke bis zur Verfügbarkeit von Sicherheits-Updates nicht für Online-Transaktionen wie Online-Banking und Online.Shopping oder zur Übertragung anderer sensitiver Daten zu nutzen.

Die WPA2-Schwachstellen ermöglichen Angreifern das Mitlesen und Manipulieren von Datenpaketen, die über ein WLAN-Netzwerk gesendet oder empfangen werden. Sie betreffen insbesondere Geräte mit Android und Linux-Betriebssystemen. Windows- und Apple-Betriebssysteme sind eingeschränkt betroffen, hier können die Schwachstellen derzeit nicht in vollem Umfang erfolgreich ausgenutzt werden. Für Nutzer von Android-Smartphone, die älter als zwei Jahre sind, könnte dies ein dauerhaftes Problem werden, weil viele Hersteller nach zwei Jahren keine Updates des Betriebssystems mehr anbieten.

Um einen Angriff über die WPA2-Schwachstellen durchführen zu können, muss sich der Angreifer zudem im Funkbereich des WLAN-Signals aufhalten. Die Ursache der Schwachstellen sind Designfehler des zugrunde liegenden IEEE-Standards 802.11. Keinesfalls sollten Nutzer den WPA2-Sicherheitsstandard deaktivieren, da ältere verfügbare Sicherheitsstandards als unsicher gelten und dafür keine Patches zu erwarten sind.

Sicherheitstipps für WLAN-HotSpots im Urlaub finden Sie hier.

Wie Sie Smartphone, Notebook und Tablet sicher für den Urlaub machen, finden Sie hier.

 

WLAN über den Wolken

Wer die Wartezeit genutzt hat, um zu arbeiten oder die Lieblingsserie zu streamen, der kann bei bestimmten Airlines im Flieger nahtlos anknüpfen. Anbieter, die auch während des Fluges WLAN anbieten sind Lufthansa, Norwegian oder JetBlue, die auf ihren jeweiligen Kontinenten – national, in Europa und den USA, freien Internetzugang gewähren. Turkish Airlines hat für Business-Class-Reisende kostenloses Internet und in Asien sind es Air China und Nok Air, die mit diesem Service bei Passagieren zusätzlich punkten.

 

In diesen beiden Beiträgen erfahren Sie mehr über WLAN über den Wolken:

Internet is not in the air – zwei Drittel der europäischen Airlines ohne WLAN

Wo es WLAN im Flieger gibt

 

Der Irrglaube, dass WLAN oder Handystrahlen das Flugzeug so stark beeinträchtigen, dass es Probleme während des Fluges oder gar einen Absturz geben könnte, ist weit verbreitet. Fakt ist, dass Handys an Bord nicht erlaubt sind, weil telefonierende Passagiere sicherheitsrelevante Durchsagen verpassen, Mitreisende stören würden sowie Störgeräusche im Funkverkehr entstehen könnten.

Das Fluggastrechte-Portal flighright.de hat eine recht umfassende, noch nicht vollständige Welt-Liste über Flughäfen mit WLAN erstellt. Die Recherche/Suche nach Ort, Flughafen oder Land ist möglich.

Übrigens: Wer für den Internetzugang an einem der weltweiten Flughäfen nicht zahlen will, hat Glück. Der IT-Spezialist und Blogger Anil Polat aus den USA hat eine interaktive Karte erstellt, auf der Passagiere die Passwörter der internationalen Flughäfen und Airline-Lounges gesammelt haben und frei zugänglich machen. So finden Passagiere an Flughäfen auf der ganzen Welt ihren Weg kostenlos ins Netz. Er bietet auch eine entsprechende App für Android- und Apple-Handys.

Quellen: Flightright.de, BSI, eigene Recherche

Ingo Paszkowsky

 

Passwörter der WLANs auf Flughäfen und in Lounges weltweit von Anil Polat:

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