Portugal und Covid-19: Ein fast unbeschwertes Strandvergnügen

An der Algarve hält ein durchdachtes Sicherheitskonzept die Zahl der Covid-19-Infektionen nach wie vor sehr niedrig

Nachrichten über Corona-Ausbrüche in Portugal sorgten in den letzten Tagen bei vielen Urlaubern, die gerne die schönsten Wochen des Jahres an der Algarve verbringen würden, für Verunsicherung.

Tatsächlich konnten sich in einigen Vororten von Lissabon Hotspots entwickeln, die dort auch wieder zu gezielten, lokal begrenzten Lockdown-Maßnahmen führten. Es sind laut Auswärtigem Amt 19 nicht touristische Gemeinden betroffen, in den Bezirken Amadora (alle Gemeinden), Odivelhas (alle Gemeinden), Sintra (Queluz e Belas, Massamé e Monte Abraão, Agualva e Mira Sintra, Algueirão-Mem Martins, Rio de Mouro, Cacém e São Marcos), Loures (Camarate, Unhos, Apelação, Sacavém e Prior Velho) und in Lissabon nur die Gemeinde Santa Clara. Genaue und aktuelle Daten liefert das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC).

Für den Großraum Lissabon wurden aufgrund der derzeit steigenden Neuinfektionen seit dem 1. Juli 2020 einige Lockerungsmaßnahmen bis Ende Juli 2020 zurückgenommen. Geschäfte und Cafés schließen hier um 20:00 Uhr, Supermärkte um 22:00 Uhr, Restaurants um 23:00 Uhr.

Wenig Infizierte an der Algarve

Die Situation an der Algarve sei aber eine andere: Hier liege die Zahl der mit Covid-19 Infizierten sehr niedrig – obwohl es auch dort nach einer privaten Party zu einigen Infektionen kam.

Am 15. Juli waren bislang an der gesamten Algarve nur 750 Infizierte registriert, von denen keiner intensivmedizinisch behandelt werden musste. In Bayern waren es zur gleichen Zeit über 49.400 Infektionen, so Algarve Tourism, sogar im kleinen Saarland lag die Zahl über 2.800, und selbst im immer wieder als „fast Corona-freien“ bezeichneten Mecklenburg-Vorpommern waren über 800 Menschen infiziert.

Praia da Comporta / Copyright ARPTA
Praia da Comporta / Copyright ARPTA

Allerdings sollte man hier erwähnen, dass die Algarve lediglich rund 450.000 Einwohner (Stand 2013, Quelle Wikipedia) bei einer Bevölkerungsdichte von 90,3 Einwohnern pro Quadratkilometer hat. Mecklenburg-Vorpommern verfügt über rund 1,6 Millionen Einwohnern mit einer Bevölkerungsdichte von 69 pro Quadratkilometer.

Clean & Safe-Label

Die niedrigen Infektionszahlen an der Algarve sind nicht zuletzt dem entschiedenen Hygiene-Management der lokalen Behörden zu verdanken, so die Tourismusbehörde der Algarve. Bereits vor Wochen wurde in Portugal ein „Clean & Safe“-Siegel eingeführt, das touristische Unternehmen nach dem Nachweis klar vorgegebener Sicherheits- und Hygiene-Standards erhalten, deren Einhaltung regelmäßig kontrolliert wird.

Dieses Zertifikat ist ein Jahr gültig, kostenlos und kann auf freiwilliger Basis beantragt werden. Es erfordert die Umsetzung eines internen Protokolls in den Unternehmen, das gemäß den Empfehlungen der Generaldirektion für Gesundheit die notwendige Hygiene gewährleistet, um Ansteckungsgefahren zu vermeiden und die sichere Durchführung touristischer Angebote und Aktivitäten zu garantieren.

Das “Clean & Safe”-Label kann seit Ende April über die Online-Plattformen von Turismo de Portugal (RNET – Landesregister für Touristikunternehmen, RNAAT – Landesregister für touristische Freizeitunternehmen und RNAVT – Landesregister für Reise- und Tourismusagenturen) beantragt werden und ist stets an die Registrierungsnummer des Unternehmens gekoppelt.

Sobald die Unternehmen ihre Verpflichtungserklärung abgegeben haben, können sie das “Clean and Safe”- Siegel verwenden, entweder direkt in ihren Räumlichkeiten als Plakette oder innerhalb ihrer Online-Präsenz. Turismo de Portugal wird in Abstimmung mit den zuständigen Behörden stichprobenartige Prüfungen der teilnehmenden Einrichtungen durchführen.

Bislang haben sich laut der folgenden Webseite über 18.300 Hotels, Resorts und Ferienhausvermieter, Golfplätze und Autovermieter, Reisebüros und lokale Tourismus-Dienstleister erfolgreich zertifizieren lassen. Somit haben fast alle touristischen Einrichtungen an der Algarve unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften nun auch wieder geöffnet. Auf dieser Webseite kann man nach den zertifizierten Unternehmen recherchieren (auch in englischer Sprache).

Ampeln regeln den Zugang zum Strand

Natürlich habe die weltweite Corona-Pandemie dazu geführt, dass auch an der Algarve deutlich weniger Urlauber als in früheren Jahren unterwegs sind. Für alle, die jetzt trotzdem an Portugals Sonnenküste reisen, hat dies enorme Vorteile: Die Strände sind deutlich leerer (weshalb sich auch der vorgeschriebene Sicherheitsabstand von 1,5 Metern problemlos einhalten lässt) – und touristische Highlights sind garantiert nicht überlaufen, heißt es bei Algarve Tourism.

Ein sicheres Badevergnügen gewährleiste auch die „Strandampel“, die online unter https://infopraia.apambiente.pt (in portugiesischer und englischer Sprache) und als kostenlose Smartphone-App für iOS und Android verfügbar ist. Damit lässt sich im Vorfeld klären, wie frequentiert bestimmte Strände bzw. Strandabschnitte sind. Zeigt die Anwendung Rot, muss man sich einen anderen Platz zum Baden und Sonnen suchen. Auch hier zeigt sich, ähnlich wie beim begehrten Platz am Pool im Pauschalhotel, der frühe Vogel fängt den Wurm.

Suche auf der Webseite https://infopraia.apambiente.pt/search/ nach Stränden mit Sanitäreinrichtungen in ganz Portugal, die bereits belegt sind
Suche auf der Webseite https://infopraia.apambiente.pt/search/ nach Stränden mit Sanitäreinrichtungen in ganz Portugal, die bereits belegt sind

Die App liefert die Daten für alle Strände Portugals, nicht nur in der Algarve. Übrigens sollen tatsächlich an Stränden physische Ampeln installiert sein. In diesen Fällen werde mittels Radar gemessen, wie hoch die Besucherdichte am Strand ist und entsprechend die Ampel betätigt, meldet der Blog Algarve.Guide.

Suche auf der Webseite https://infopraia.apambiente.pt/search/ nach Stränden mit Sanitäreinrichtungen in ganz Portugal, die noch frei sind
Suche auf der Webseite https://infopraia.apambiente.pt/search/ nach Stränden mit Sanitäreinrichtungen in ganz Portugal, die noch frei sind

Noch eine Falschmeldung machte unlängst die Runde, so Algarve Tourism. Anders als mitunter behauptet, benötigen Besucher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei der Einreise keinen Corona-Test und werden am Flughafen auch nicht getestet – diese Regelung gilt nur für Besucher aus den USA, Brasilien und einigen portugiesisch-sprachigen Ländern Afrikas.

An Bord des Ferienfliegers zum portugiesischen Festland müssen die Passagiere für ihre Einreise persönliche Angaben zu Zielort, Reisegrund und ihrer Erreichbarkeit, auch während des Aufenthalts in Portugal, machen.

Im Einreisebereich sind automatische Wärmebild-Kameras installiert. Sollte die Temperatur 37,5°C übersteigen, ist mit weiteren Untersuchungen und Maßnahmen der Gesundheitsbehörden, wie Selbstisolation bzw. häuslicher Quarantäne, zu rechnen, heißt es in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts.

Für die Azoren und Madeira gelten gesonderte Regelungen. Die Links zu den Formularen und finden Sie auch auf der Reisehinweisseite zu Portugal beim Auswärtigen Amt.

Gesundheitliche Versorgung in Portugal

Wer Portugal besucht, weiß seine Gesundheit in guten Händen, so Turismo de Portugal. Der SNS (Portugals Nationaler Gesundheitsdienst) ist ein für alle zugängliches, umfassendes Gesundheitssystem, das niemandem eine erforderliche Behandlung verweigert, auch nicht, wenn man sie sich nicht leisten kann.

Zur Sicherheit der Besucher sei für Portugal jetzt eine erweiterte Reiseversicherung erhältlich, die von RNA Seguros de Assistência, S.A. angeboten werde. Sie decke die Kosten für Behandlung bis hin zur Rückführung, Stornierung oder Unterbrechung einer von Covid-19 verursachten Reise ab und könne einfach per E-Mail abgeschlossen werden. Bei unserem Besuch auf der Webseite konnten wir allerdings das Produkt nicht finden.

Zusätzlich können internationale Besucher Portugals den portugiesischen Gesundheitspass herunterladen, eine Art „inoffizieller“ Pass. Für den Fall, dass während des Aufenthalts eine medizinische Versorgung benötigt wird, bietet der Pass Zugang zu speziellen Angeboten von privaten Gesundheitsdienstleistern und eine Notfallversorgung sowie Vorsorgeleistungen zu Festpreisen bei den größten privaten Gesundheitsdienstleistern des Landes. Die Preise für die auf der Webseite offerierten Pakete beginnen bei 100€ für einen Dental Check-up gehen bis zu 295€ für einen Dermatology Check-up.

Besucher können sich auch kurz nach der Ankunft, vor der Abreise oder jederzeit während des Aufenthalts in einem der im portugiesischen Gesundheitspass enthaltenen Krankenhäuser und Kliniken auf Covid-19 testen lassen, mit persönlicher Hilfestellung in der Muttersprache. Die Testergebnisse werden innerhalb von max. 72 Stunden mitgeteilt, heißt es in der Mitteilung weiter. Dennoch sind detaillierte Informationen sowie Preise derzeit auf der Webseite nicht erhältlich, sondern sollen per E-Mail erfragt werden: info.covid19@portugalhealthpassport.com oder test.covid19@portugalhealthpassport.com

Mehr Informationen über COVID-19-Maßnahmen in Portugal.

Quellen: Algarve Tourism Bureau, Turismo de Portugal, eigene Recherchen

Titelfoto / Portugal verfügt über Strände mit einer Gesamtlänge von 850 Kilometern an der Atlantikküste / Foto: Ingo Paszkowsky

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