Zecken, unsere kleinen, gefährlichen Begleiter bei (manchen) Sommerurlauben

Bereits seit vielen Jahren erobert der gefährliche Krankheitsüberträger immer mehr Gebiete in Deutschland. Mit dem Frühling sind die Zecken in Wald und Garten da. Es genügen schon zwei oder drei aufeinanderfolgende Tage mit Höchsttemperaturen über sieben Grad Celcius, um Zecken aktiv werden zu lassen. Der Parasit gilt als äußerst anpassungsfähig und widerstandsfähig: Bei Minusgraden verfällt er unter Blättern und Baumnadeln in eine Art Winterstarre, ist aber bei steigenden Temperaturen sofort wieder einsatzbereit.

2018 und 2019 waren Zeckenrekordjahre. Und auch 2020, so prognostizieren Experten, wird nach dem milden Winter wieder ein “Zeckenjahr”.

Das gefährlichste Tier Deutschlands

Zecken übertragen eine Reihe von sehr problematischen Krankheiten, darunter die mitunter tödlich verlaufende Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die weitverbreitete Lyme-Borreliose. Mit gutem Grund gilt bei vielen die Zecke als gefährlichstes Tier Deutschlands.

Jeder fünfte der vier Millionen deutschen Schmerzpatienten hat nach Ansicht von Medizinern sein Leiden einem vor Jahren unbemerkten oder verharmlosten Zeckenstich zu verdanken. Es kann Jahre nach der Infektion zu Gelenksentzündungen, zu Immunschäden, Blutarmut, Muskelentzündungen, Harnsäurestörungen, ja sogar zu einer Form von Leukämie kommen. Die Krankheit ist in ihrer Erscheinungsform der Multiplen Sklerose sehr ähnlich.

Keine Impfung möglich

Alle reden vom Impfen gegen Zeckenkrankheiten, dabei ist gegen die schlimmste Krankheit, die unsere heimischen Blutsauger übertragen, gar keine Impfung möglich. Impfen lässt sich nur gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine infektiöse Gehirnhautentzündung. Ist man erst an ihr erkrankt, kann die Medizin kaum noch etwas tun. Es gibt schlicht keine Medikamente gegen die Infektion, die Gehirnentzündung hervorrufen und das Rückenmark schädigen kann. Die Impfung sollte früh im Jahr erfolgen, weil zwischen den insgesamt drei notwendigen Impfterminen Zeit vergehen muss.

Krankenkassen übernehmen die Impfkosten in Risikogebieten, welche sich längst nicht mehr nur auf Süddeutschland und das benachbarte Ausland beschränken. Neben Mittel- und Südhessen, Teile des Saarlands, Südthüringen und Teile von Sachsen ist seit 2019 auch ein Landkreis in Niedersachsen (Emsland) betroffen. Außerdem sind nach dem jüngsten Epidemiologischen Bulletin des Robert-Koch-Instituts (Stand Januar 2020) zwei weitere Kreise in Sachsen und ein Kreis in Thüringen als Risikogebiete hinzugekommen, so dass aktuell 164 Kreise in Deutschland betroffen sind.

Das Bakterium des 21. Jahrhunderts

Die noch gefährlichere Lyme-Borreliose kommt allerdings 50 bis 100 Mal häufiger vor. Im Bereich des Bodensees sind beispielsweise fast 60 Prozent aller Zecken zugleich Träger der Erreger von Borreliose. Ansonsten überträgt jede dritte bis fünfte Zecke die Infektion. Die Lyme-Borreliose wird wegen der Heimtücke und Gefährlichkeit ihrer auch als “Bakterium des 21. Jahrhunderts” und wegen der Ähnlichkeit des Krankheitsverlaufs als “Syphilis aus dem Wald” bezeichnet.

Gegen bakterielle Infektionen helfen Antibiotika, sie müssen aber rechtzeitig eingesetzt werden, damit es nicht zu gravierenden Spätfolgen kommt. Wenn innerhalb von zwei Wochen nach einem Zeckenstich grippeähnliche Beschwerden auftreten, begleitet von hohem Fieber (bis 39,5° C) und Gelenk- oder Muskelschmerzen, sollte jedenfalls ein Arzt aufgesucht werden. In etwa der Hälfte aller Fälle bleibt sogar das typische Anzeichen einer Borreliose aus, nämlich eine ausgedehnte Rotfärbung um die Einstichstelle (erythema migrans).

Bereits mit einem halben Millimeter Größe schon gefährlicher Blutsauger

Die beste Waffe gegen alle die von Zecken übertragenen Krankheiten ist immer noch die Verhütung, damit es erst gar nicht zu einer Infektion kommt. Dabei ist es hilfreich, etwas über die Entwicklung der Blutsauger aus dem Reich der Spinnen zu wissen. Die Zecke, auch Holzbock genannt, entwickelt sich als Larve aus den Eiern, die das Weibchen im Waldlaub ablegt. Die nur einen halben Millimeter großen Jungen sind bereits aktive Blutsauger: Allerdings erwischen sie meist nur Kleinnager wie Mäuse und Ratten, die als Zwischenwirt für die FSME-Erreger dienen. Ob auch Borrelien auf diesem Wege übertragen werden, ist noch nicht geklärt. Im zweiten Stadium, als ein Millimeter große Nymphen, suchen sich die Jungzecken erneut einen Wirt, den sie beim Blutsaugen mit dem Erreger infizieren, falls er es nicht schon ist. Aus der Nymphe entsteht die erwachsene Zecke.

Zecken übertragen beim Zeckenstich häufig Krankheitserreger zwischen den Wirten, ohne jedoch selbst zu erkranken. / Foto: pixbay / Catkin
Zecken übertragen beim Zeckenstich häufig Krankheitserreger zwischen den Wirten, ohne jedoch selbst zu erkranken. / Foto: pixbay / Catkin

Viele Märchen über die Zecken

Eine Menge Märchen kursieren über diesen Blutsauger. Es lässt sich weder von Bäumen auf den Menschen herunterfallen, noch hat es ein Schraubgewinde am Saugrüssel. Zecken lauern im Gras oder Gebüsch bis in Höhen von etwa einem Meter. Erst wenn ihnen ein Tier oder Mensch so nahekommt, dass sie die Ausdünstungen der warmen Haut wittern, lassen sie sich fallen. Zecken orientieren sich mithilfe ihres Hallerschen Organs und nehmen damit Gerüche von Ammoniak, Buttersäure und Kohlenmonoxid wahr. So wissen sie ganz genau, ob sie sich gerade auf einem möglichen Opfer befinden oder nicht.

Sie stechen mit ihrem hornigen Blutsäbel, der Dutzende von Widerhaken trägt, meist nicht sofort zu. Oft krabbeln sie bis zu eineinhalb Stunden auf dem Körper, um die schmackhafteste Einstichstelle zu finden. Sie lieben besonders gut durchblutete Hautpartien: Kopfhaut, Ohren, Hals, Arm- und Kniebeugen, Leisten, Hände und Füße. Die Krabbelzeit sollte jedenfalls genutzt werden, um nach einem Waldspaziergang den Körper nach den Tierchen abzusuchen, noch bevor sie sich in die Haut gebohrt haben. Ärzte empfehlen neuerdings die bekannten Fusselrollen, die sowohl krabbelnde Zecken, als auch die nur millimetergroßen Nymphen mit ihrem Klebstoff packen und entfernen.

Beachten Sie diese Vorsichtsmaßnahmen

* Meiden Sie Unterholz, Gebüsch und hohes Gras im Wald.

* Tragen Sie festes Schuhwerk, lange Hosen und Kniestrümpfe.

* An unbedeckten Körperstellen können Insekten-Repellents Zecken abschrecken. Beispielsweise ANTI BRUMM Forte, dem von der Stiftung Warentest (Test 05/2017) in der Kategorie “Zeckenschutz” mit der Note 0,6 bewerteten Testsieger. ANTI BRUMM Forte schützt fünf Stunden vor Zecken, ist dermatologisch getestet und bei sparsamer Verwendung schon für Kinder ab drei Jahren geeignet.

Mit Ultraschall gegen Zecken

Viele chemische Mittel sind inzwischen gut auf die Abwehr beziehungsweise das Abtöten von Zecken abgestimmt, doch haben sogenannte Repellents (insektenabwehrende Sprays) einen entscheidenden Nachteil: Die Auswirkung ihrer Bestandteile auf den menschlichen Organismus ist nicht in allen Einzelheiten geklärt, daher werden die Sprays von vielen Menschen abgelehnt. Tobias Heine von Eltidia: „Sehr gut haben sich unserer Erfahrung nach kleine Sender wie Tickless Human bewährt, die mittels harmloser Ultraschallwellen den Zeckenbefall zum Beispiel auf Hunden deutlich reduzieren können. Vermutlich beeinflussen und stören die Signale die Funktionsweise des Hallerschen Organs und damit die Orientierung der Zecke.“ Mit über 40 Kilohertz liegen die Ultraschallwellen außerhalb des Wahrnehmungsbereiches von Säugetieren. Ausflügler und Reisende können die kleinen Sender ganz einfach an Kleidung, Gürtel oder Tasche befestigen und somit ihren Urlaub unbeschwert genießen, verspricht der Anbieter.

Tickless Human-Befestigung / Foto: ProtectONE Ltd.
Tickless Human-Befestigung / Foto: ProtectONE Ltd.

So kriegen Sie die Zecke weg:

– Bitte nicht mit Alleskleber oder Öl beträufeln, sonst bleibt dem Insekt die Luft weg. Eine Zecke, die keine Luft mehr kriegt, würgt aber ihre Verdauungssäfte in die Wunde – und gerade darin sind die gefährlichen Krankheitserreger enthalten.

– Aus dem gleichen Grunde sind auch nur schmale Pinzetten oder Zeckenzangen, die das Tier direkt an der Einstichstelle auf der Haut packen, ratsam. Wird nämlich Druck auf den Zeckenkörper ausgeübt, ergießen sich die Erreger aus dem Leib des Blutsaugers in die Wunde. Nicht drehen – sonst besteht das Risiko, dass das Mundwerkzeug (“Stachel”) der Zecke abbricht und in der Haut verbleibt. Die verwendete Pinzette sollte nach Innen gewinkelte Spitzen haben (z. B. eine Splitterpinzette). Bei flachen, parallel verlaufenden Spitzen besteht die Gefahr, dass die Zecke beim Zugreifen zusammengedrückt wird. Es gibt deshalb auch spezielle Zeckenpinzetten oder Zeckenzangen. Auch Zeckenkarten oder -haken sind so geformt, dass sich die Zecke entfernen lässt, ohne sie zu zerquetschen. Es ist allerdings wichtig, sich dabei an die Gebrauchsanweisung des Herstellers zu halten.

– Zecken immer an den Mundwerkzeugen herausziehen und niemals am vollgesogenen Körper!

– Wenn kein geeignetes Hilfsmittel vorhanden ist, dann kann man die Zecke auch mit den Fingernägeln herausziehen. Das Tier muss dabei aber möglichst nah an der Einstichstelle gefasst und darf nicht zerquetscht werden.

– Manche Ärzte raten, im Zweifelsfall die Zecke mit einer scharfen Schere abzuschneiden. Der schwarze Punkt, der in der Haut zurückbleibt, ist nicht der Kopf, denn Zecken haben keinen Kopf. Es handelt sich um das Stechwerkzeug, das von der Haut mit der Zeit abgestoßen wird.

– Nach dem Entfernen die Einstichstelle desinfizieren.

– Sobald sich nach einem Zeckenstich eine kreisförmige Rötung zeigt oder grippeähnliche Beschwerden auftreten, sofort zum Arzt! Da Symptome oft mit Verzögerung auftreten, sollte jeder Zeckeneinstich mindestens vier Wochen beobachtet werden.

Weitere Plagegeister

Bienen- und Wespenstiche: Wann kühlen, wann zum Arzt?

Wenn man von einer Biene oder Wespe gestochen wird, merkt man das in der Regel sofort, anders als bei Zecken: Die Einstichstelle schmerzt, brennt, schwillt an und wird rot. Ursache ist das bei einem Stich abgegebene Gift.

Das können Sie selbst tun, wenn Sie gestochen werden:

– Ist der Stachel in der Haut stecken geblieben, entfernen Sie ihn so schnell wie möglich mit einer Pinzette oder schaben Sie ihn mit einer scharfen Plastikkarte oder dem Fingernagel ab. Um den Giftsack dabei nicht auszudrücken, sollte auf den Stachelapparat kein Druck ausgeübt werden, d. h. er sollte nicht mit den Fingern zusammengepresst werden!

– Um die Giftausbreitung zu verlangsamen, kann man die Einstichstelle waschen oder desinfizieren und mit Eiswürfeln oder kaltem Wasser kühlen.

– Nicht kratzen, um eine Entzündung an der Einstichstelle zu vermeiden. Bei starkem Juckreiz helfen möglicherweise juckreizstillende Salben oder Gele.

– Bei Stichen im Mund-Rachen-Raum sofort einen Arzt aufsuchen. Bis Sie beim Arzt sind, können Sie Eiswürfel lutschen, um die Schwellung aufzuhalten.

Sind die Auswirkungen eines Bienen- oder Wespenstichs auf die Einstichstelle begrenzt, spricht man von einer lokalen Reaktion. Sie ist unangenehm, doch innerhalb eines Tages klingt die Schwellung in der Regel wieder ab.

Zum Arzt gehen sollten Sie bei starken Stichreaktionen. Wenn Sie von einer Wespe gestochen wurden und nicht gegen Tetanus geimpft sind, wird ebenfalls zum Arztbesuch geraten. Denn Wespen können Krankheitserreger wie Tetanus übertragen.

Achtung: Manche Menschen reagieren allergisch auf Insektengift. Bei ihnen kann es zu schweren Reaktionen des gesamten Immunsystems mit einer starken Rötung und Schwellung, Fieber, Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufbeschwerden bis zur Bewusstlosigkeit kommen. Solch ein anaphylaktischer Schock ist unter Umständen lebensbedrohlich. Sollten Sie bei sich oder jemandem in Ihrer Nähe Anzeichen einer starken allergischen Reaktion bemerken, verständigen Sie sofort den Notarzt!

Mückenstiche: Das können Sie gegen lästiges Jucken tun

Es summt, krabbelt, piekt – dann brennt und juckt es. Schon wieder ein Mückenstich. Die Stelle wird rot, dick und hört nicht mehr auf zu jucken. Wohl jeder hat den Impuls, nun zu kratzen. Doch genau das sollten Sie nicht tun. Durch Kratzen wird die Haut noch mehr gereizt, kann sich entzünden und dann noch stärker jucken. Außerdem können so Keime in die Wunde geraten.

Den unangenehmen Juckreiz lindern können diese Maßnahmen:

– Kühlen: Eiswürfel in ein Stofftuch wickeln und auf den Stich halten. Durch die Kälte werden die Blutgefäße verengt, was die Ausschüttung von juckreizfördernden Substanzen verlangsamt. Durch das Kühlen leiten die Nerven die Reize außerdem langsamer weiter.

– Hitze: Mit kleinen elektrischen Geräten kann die Einstichstelle für ein paar Sekunden auf rund 50 Grad Celsius erhitzt werden. Die Wirkungsweise ist noch nicht ganz geklärt. Eine mögliche Erklärung ist, dass die sensiblen Hautnerven auf die Überwärmung reagieren, indem sie die Reizweiterleitung abschalten. Dadurch kommt das Jucksignal im Gehirn nicht mehr an.

– Antihistaminika: Der Botenstoff Histamin befindet sich im Speichel von Insekten und wird auch vom Körper als Reaktion auf den Stich ausgeschüttet. Histamin löst über die umliegenden Nerven-Enden und im umliegenden Gewebe einen Juckreiz aus. Es entstehen meist gerötete Quaddeln auf der Haut. Es gibt verschiedene Gele oder Salben mit Substanzen, welche die Wirkung von Histamin abschwächen sollen.

Meist verschwinden die juckenden Quaddeln innerhalb von ein paar Tagen von allein. Manche Menschen reagieren allerdings stärker auf Mückenstiche als andere. Dann schwillt der Stich stark an und entzündet sich. Bei ausgeprägten Beschwerden können Ärztin oder Arzt gegen die Entzündung eine Salbe verschreiben.

Äußerst selten sind starke allergische Reaktionen. Bei solch einem anaphylaktischen Schock reagiert das komplette Immunsystem des Körpers auf den Mückenstich mit grippeähnlichen Symptomen bis hin zur Bewusstlosigkeit. In diesem Fall sollten Sie umgehend einen Notarzt verständigen und Erste Hilfe leisten.

Quellen: Stiftung Gesundheitswissen, Eltidia, obx-medizindirekt, Hermes Arzneimittel

Titelbild / Blutsauger Zecken / Foto: pixabay / Meli1670

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