Fragt man Niederländer:innen, welches das schönste Museum in den Niederlanden ist, erhält man meist als Antwort das Kröller-Müller-Museum genannt. Zum einen ist es das Museum mit der weltweit größten Privatsammlung an Van-Gogh-Kunstwerken, zum anderen die zweitgrößte Van-Gogh-Sammlung der Welt überhaupt. (Über die weltweit größte Sammlung von Kunstwerken des Künstlers verfügt das van-Gogh-Museum in Amsterdam.) Aber anders als viele anderen bedeutende Museen liegt das Kröller-Müller-Museum nicht inmitten einer Stadt oder einer Schlossanlage, sondern mitten in einem Nationalpark. Schon bei der Einfahrt in die Museumsanlage entsteht der Eindruck, dass sich Kunst und Natur hier auf wundersame Art verbinden.

Inhaltsverzeichnis:
- Kunstpark und Naturpark
- Werke von Vincent van Gogh im Mittelpunkt
- Der Skulpturengarten: Ein Freiluft-Wohnzimmer der Moderne
- Sonderausstellungen 2026 im Kröller-Müller Museum
- Isaac Israels’ Europe (bis 30. August 2026)
- Space Journey (bis 22. November 2026)
- Anouk Griffioen: For as long as it lasts (bis 20. September 2026)
- Ruud Kuijer (23. Mai bis 4. Oktober 2026)
- Unterwegs im De Hoge Veluwe Nationalpark
- Mit Witte Fietsen oder per pedes den Park erkunden
- Naturerlebnis mit Überraschungen
- Ein Jagdhaus als Gesamtkunstwerk
- Praktische Tipps für deinen Besuch
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Kunstpark und Naturpark
Diese wunderbare Sammlung an diesem zauberhaften Ort verdanken wir dem Ehepaar Helene und Anton Kröller-Müller. Auf Anregung ihrer Tochter Helene jr. nimmt Helene Lehrstunden bei dem angesehenen Kunstpädagogen Hendricus Petrus Bremmer, ein Bewunderer von van Gogh. Er riet seinen Student:innen, die Werke von einem „der großen Schöpfer moderner Kunst“ zu kaufen.

Unter Bremmers Anleitung begann Helene Kröller-Müller, van Goghs Werke von Kunsthändlern zu erwerben. Ihr Mann Anton hatte das Familienunternehmen übernommen und baute es erfolgreich zu einer internationalen Unternehmung aus, so dass der Familie Kröller-Müller die entsprechenden finanziellen Mittel zum Aufkauf der Kunstwerke zur Verfügung standen.

Werke von Vincent van Gogh im Mittelpunkt

Insgesamt umfasst die Sammlung 88 Gemälde und rund 180 Zeichnungen, die Helene Kröller-MüIIer zwischen 1908 und 1929 erwarb. Die Arbeiten van Goghs nehmen einen besonderen Platz in der Sammlung des Ehepaars Kröller-MüIIer, den Gründern des Museums, ein. Seit der Eröffnung des Museums im Jahr 1938 stehen die Werke von Vincent van Gogh im Mittelpunkt des Hauses.

Einen Teil dieser Werke zeigt die Van-Gogh-Galerie im Herzen des Museums, wo 30 bis 40 Gemälde in einem sorgfältig kuratierten Rundgang bewundert werden können. Die Sammlung vermittelt einen umfassenden Einblick in Van Goghs künstlerische Entwicklung: von seinen frühen, düsteren Landschaften über die leuchtenden Farben der Provence bis hin zu den expressiven Stillleben und Porträts seiner späten Jahre.

Du kannst die einzelnen Meisterwerke bewundern, kommst ihnen ganz nah und kannst die Entwicklung eines der größten Künstler des Post-Impressionismus im Kontext seiner gesamten Arbeit erleben. Dazu erhältst du Hintergrundinformationen zu van Goghs Leben, Techniken und Einflüssen.




Das Museum beherbergt zudem Werke anderer Meister des Impressionismus und der Moderne.








Der Skulpturengarten: Ein Freiluft-Wohnzimmer der Moderne

Auf 25 Hektar erstreckt sich einer der größten Skulpturenparks Europas. Hier begegnet man Giganten wie Auguste Rodin, Henry Moore und Jean Dubuffet.

Das Besondere: Die Kunst ist nicht „ausgestellt“, sie ist Teil der Natur. Je nach Jahreszeit verändert sich die Wirkung. Im Frühling blüht die Umgebung um die Skulpturen auf, während der Winter eine meditative Stille über die Bronzen und Steine legt. Man wandert zwischen den Werken, setzt sich auf eine Bank und lässt die Linien der Kunst mit den Linien der Bäume verschmelzen. Auf den Wiesen kannst du eine Ruhepause einlegen oder picknicken.

Über 200 Skulpturen im weitläufigen Skulpturenpark erweitern das Erlebnis inmitten der weiten Veluwe-Landschaft, die zu Spaziergängen und Entdeckungen einlädt.

Besucher:innen erleben hier nicht nur Kunstwerke, sondern eine besondere Symbiose aus Kultur, Natur und Geschichte — ein Ort zum Staunen, Entspannen und Inspiration sammeln.






Sonderausstellungen 2026 im Kröller-Müller Museum
Neben den permanenten Sammlungen bietet das Museum regelmäßig Sonderausstellungen, die internationale und zeitgenössische Kunst mit den historischen Sammlungen in Dialog setzen.
Isaac Israels’ Europe (bis 30. August 2026)

Dieses Cabaret mit Tanzsaal ist die französische Variante des sogenannten Café Cantante, eines Cafés mit Live-Flamenco-Aufführungen. Während seiner Reisen durch Spanien hatte Israels in Algeciras eine Feria, einen Jahrmarkt mit spanischen Tänzern, besucht, und seine Besuche im Pariser Café müssen ihn in diese Zeit zurückversetzt haben.
Isaac Israels, La Feria, Paris, 1913 / Foto: Ingo Paszkowsky
Anhand von Gemälden, Aquarellen, Pastellen und zahlreichen Zeichnungen zeichnet die Ausstellung das Leben und die künstlerische Entwicklung des niederländischen Malers Isaac Israels (1865—1934) nach. Israels war ein leidenschaftlicher Reisender, der sein künstlerisches Werk stark von der Vielfalt der europäischen Kultur, Landschaft und Gesellschaft beeinflussen ließ. Schon mit 13 Jahren unternahm er seine erste Eisenbahnreise mit der Familie durch Europa, was seine lebenslange Reiselust weckte.

Die Ausstellung verbindet Werke aus der umfangreichen Museumssammlung mit bedeutenden Leihgaben aus anderen Institutionen und Privatsammlungen.

Space Journey (bis 22. November 2026)
Mit Space Journey präsentiert das Kröller-MüIIer Museum eine groß angelegte Ausstellung, die das Verhältnis von Raum, Bewegung und künstlerischer Ausdrucksform erforscht. Die Ausstellung zeigt Installationen und Werke, die den Begriff „Raum” nicht nur physisch, sondern auch konzeptionell neu interpretieren.
Anouk Griffioen: For as long as it lasts (bis 20. September 2026)
Die Ausstellung For as long as it lasts der niederländischen Künstlerin Anouk Griffioen beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Praxis mit Themen wie Erinnerung, Zeit und Wahrnehmung — oft durch zeichnerische und installative Arbeiten, die das Vergängliche sichtbar machen.
Ruud Kuijer (23. Mai bis 4. Oktober 2026)
Die Ausstellung zeigt 16 seiner Skulpturen im Rietveld-Pavillon im Skulpturengarten. Kuijer arbeitet mit industriellen Materialien wie Beton und Stahl und untersucht die Grundformen der Skulptur, wie etwas steht, liegt, hängt oder lehnt.
Unterwegs im De Hoge Veluwe Nationalpark

Nach dem Museumsbesuch lohnt es sich, den Park selbst intensiver zu erkunden. Der Nationalpark De Hoge Veluwe ist mit einer Ausdehnung von rund 5.400 Hektar einer der größten und abwechslungsreichsten Nationalparks der Niederlande. Gelegen zwischen den Städten Arnhem im Westen und Apeldoorn im Osten, bietet der Park eine beeindruckende Vielfalt an Landschaften: ausgedehnte Wälder, offene Heideflächen, Sandverwehungen und Graslandschaften prägen das Bild.

Mit Witte Fietsen oder per pedes den Park erkunden
Der Nationalpark De Hoge Veluwe lässt sich am besten mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkunden. Das weitläufige Gelände bietet ein Netz von über 40 Kilometern Radwegen, die durch die abwechslungsreiche Landschaft führen, von dichten Wäldern über offene Heideflächen bis hin zu Sandverwehungen und Graslandschaften.

Im Park stehen rund 1.800 kostenlose „Witte Fietsen” (weiße Fahrräder) bereit, die an verschiedenen Punkten und an den Eingängen Hoenderloo, Otterlo und Schaarsbergen genutzt werden können. Die berühmten weißen Fahrräder, die kostenlos zur Verfügung stehen, sind dabei nicht nur praktisch, sondern auch ein Stück Kult. Sie gibt es auch als Kinderfahrräder und mit Kindersitzen.

Die Fahrräder können jederzeit genutzt und wieder abgestellt werden, so dass du flexibel deine Route planen kannst. Keine Lust auf so viel Muskelkraft? Dann kannst du dir auch kostenpflichtig ein E-Bike ausleihen.

Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, findet im Park zahlreiche markierte Wanderwege unterschiedlicher Länge. Die gesamte Wegelänge beträgt 160 Kilometer. Sie führen durch verschiedene Naturräume und bieten die Möglichkeit, Flora und Fauna in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten.
Naturerlebnis mit Überraschungen

Was den Park zusätzlich besonders macht, ist die Tierwelt. Mit etwas Glück lassen sich Rehe, Hirsche oder Wildschweine beobachten. Am ehesten morgens oder abends. 2025 lebten rund 160 Rothirsche, etwa 250 Wildschweine, 60 Rehe und 40 Mufflons im Park. Außerdem Dachse, Füchse, Baummarder und viele (auch geschützte) Vogelarten, von denen die genaue Zahl nicht bekannt ist. Auch der Wolf ist wieder heimisch, 2025 mit immerhin 12 Tieren. Derzeit sind es wohl acht Exemplare, erzählt Ranger Harry Grob. Auf die Frage, ob dies eventuell zu viele Wölfe für den Nationalpark sein könnten, weist Grob darauf hin, dass „Wolfentnahmen“ in den Niederlanden ähnlich kontrovers diskutiert werden wie in Deutschland.

Im Hoge Veluwe Nationalpark gibt es eine Wildkamera, über die Besucher:innen das Verhalten der Tiere live verfolgen können. Die Kamera zeigt Aufnahmen von einem Beobachtungsplatz im Park und ermöglicht Einblicke in die Tierwelt. So lässt sich die Natur des Parks auch aus der Ferne beobachten. Allerdings musst du viel Geduld haben. Ich konnte an einem Nachmittag bei mir zuhause tatsächlich ein Reh entdecken.

Im Park hatte ich nur einen direkten „Nahkontakt“ mit einer Eidechse, aber allein das Wissen, dass diese Tiere hier leben, verändert die Wahrnehmung der Landschaft. Man fährt nicht einfach durch die Natur – man ist Teil davon.

Auch die Ruhe ist bemerkenswert. Trotz der Größe und Bekanntheit des Parks verteilen sich die Besucher so gut, dass man immer wieder Momente hat, in denen man allein unterwegs ist.
Apropos Ruhe: Gelegentlich wird die Stille von Schießübungen auf dem nahegelegenen Militärflughafen unterbrochen. Das es jedoch nicht sehr laut ist, gewöhnt man sich dran.

Ein Jagdhaus als Gesamtkunstwerk

Das Jachthuis Sint Hubertus ist sicher das markanteste Bauwerk im Nationalpark De Hoge Veluwe und gilt als eines der wichtigsten Denkmäler der Niederlande. Es wurde als Landsitz und Jagdhaus für das Ehepaar Anton und Helene Kröller-Müller errichtet und zwischen 1915 und 1920 realisiert. Der renommierte Architekt Hendrikus Petrus Berlage entwarf dabei nicht nur das Gebäude selbst, sondern auch das gesamte Interieur sowie den umliegenden Garten, was das Jachthuis zu einem echten Gesamtkunstwerk macht.

Berlage ließ sich bei der Gestaltung vom englischen Landhausstil inspirieren, integrierte jedoch zahlreiche charakteristische Eigenheiten wie natürliche Steinmaterialien, geglättete Fliesen, Kassettendecken und eine präzise geometrische Anordnung der Raumstruktur. Der auffällige Turm des Jachthuis, der nicht typisch für englische Landhäuser ist, wurde auf Wunsch der Eheleute Kröller gebaut, um einen weiten Blick über die umgebende Landschaft zu ermöglichen.

Schon von außen wirkt das Gebäude beeindruckend – mit seinem markanten Turm und der klaren Formensprache. Doch erst bei näherem Hinsehen wird deutlich, wie durchdacht hier alles gestaltet wurde.
Allerdings stellte Berlage den Bau nicht fertig, denn Helene mischte sich ständig in die Realisierung ein und verlangte Änderungen nach dem Motto „Wer die Musik bezahlt, bestimmt, was gespielt wird.“ Daraufhin kündigte Berlage noch vor Fertigstellung des Jagdhauses.

Sichtbare Ergebnisse des Streits zwischen Auftraggeberin und Architekten sind z.B., dass unter dem Teppich im Esszimmer keine Fliesen sind, damit der Tisch nicht verschoben werden konnte oder die Eule am Treppenaufgang mit Klebstoff befestigt wurde, damit sie nicht einfach umgesetzt werden konnte. Henry van de Velde führte die Arbeit schließlich zu Ende.

Das Jagdhaus wurde mit den modernsten technischen Einrichtungen ausgestattet. Es war eines der ersten Häuser in den Niederlanden mit einem elektrischen Aufzug. Alle Uhren mussten exakt die gleiche Uhrzeit anzeigen. Sie konnten mittels eines zentralen Uhrwerks im Zimmer des Hausmeisters eingestellt werden.
Heute wird das Jagdhaus von der Niederländischen Regierung gelegentlich als Gästehaus benutzt. So hatte der ehemaligen US-Präsident Barack Obama dort übernachtet.
Man kann das Jagdhaus teilweise im Rahmen einer Führung besichtigen, aber nur mit Voranmeldung.

Praktische Tipps für deinen Besuch
- Zeit einplanen: Ein halber Tag reicht kaum aus – besser ist ein ganzer Tag, noch besser sind zwei Tage.
- Eintrittskarten: Am besten vorher online buchen. Du benötigst auf jeden Fall eine Karte für den Park. Zusätzlich kannst du das Museum und Führungen sowie Workshops buchen.
- Fahrrad nutzen: Die kostenlosen „Witte Fietsen“ sind ideal, um den Park flexibel zu erkunden
- Kombination nutzen: Museum und Natur gehören hier zusammen – beides einplanen
- Wetter beachten: Gerade bei gutem Wetter entfaltet der Park seine volle Wirkung
- Pausen einlegen: Es gibt viele schöne Plätze, um einfach innezuhalten
Titelbild / Mark di Suvero, K-Stück, 1972, lackierter Stahl / Foto: Ingo Paszkowsky
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