Im südlichen Afrika entsteht KAZA, das größte Naturschutzgebiet der Welt. Auf 430.000 Quadratkilometern, einer Fläche von der Größe Schwedens, sollen 36 einzelne Schutzgebiete und Nationalparks in Angola, Sambia, Simbabwe, Botswana und Namibia miteinander verbunden werden. In Katima Mulilo, Namibia, wurde am 15. März 2012 das größte grenzübergreifende Naturschutzgebiet offiziell eingeweiht.

„Das Hauptziel ist die nachhaltige Entwicklung des Tourismus und der Wirtschaft in den beteiligten Ländern“, erklärt Ralph Kadel. Er ist Projektmanager bei der KfW Entwicklungsbank (https://www.kfw.de/kfw.de.html), die den Aufbau von KAZA im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) als größter Financier mit 20 Millionen Euro begleitet. Dabei arbeitet der KfW-Experte eng mit Partnern wie Philipp Göltenboth vom WWF zusammen, außerdem mit Vertretern der niederländischen, Schweizer und US-amerikanischen Entwicklungszusammenarbeit und der gemeinnützigen Peace Parks Foundation. „Staatliche Geldgeber und Nichtregierungsorganisationen ergänzen sich in dem Projekt“, sagt Kadel. „Das funktioniert sehr gut. Genauso wie die Zusammenarbeit der einzelnen Regierungen der KAZA-Länder.“ In ihrer Geschichte standen sie sich vielfach in kriegerischen Auseinandersetzungen und diplomatischen Scharmützeln gegenüber. „Dass sie es über neutrale Themen wie Naturschutz und Tourismus schaffen, wieder konstruktiv zusammenzuarbeiten, ist für mich die größte Leistung.“ Man wird sehen, Angola und Simbabwe sind ja nicht gerade Staaten, die bisher Wert auf gute nachbarschaftliche Beziehungen legten.
Sieh unser Video auf Youtube vom Besuch des Etosha Nationalparks
Ohne Tiere keine Touristen
KAZA will aber nicht nur politische und wirtschaftliche Grenzen einreißen, sondern auch den wandernden Tieren Afrikas neue Lebensräume erschließen – allen voran den Elefanten. „Allein im Chobe-Nationalpark in Botswana leben 240.000 Elefanten“, sagt Göltenboth. Doch die Population ist viel zu groß für das Gebiet. Weil Grenzen und Veterinärzäune sie davon abhalten, weiter nach Norden zu wandern, zertrampeln die Tiere nach und nach ihre eigene Lebensgrundlage. KAZA schafft Abhilfe, baut Zäune ab und richtet Korridore ein. Erste Pfade haben die Elefanten bereits genutzt.
Acht Touristen schaffen einen Arbeitsplatz
Die Gemeindeschutzgebiete seien das beste Beispiel dafür, wie die Bevölkerung mit dem Naturreichtum Geld verdienen kann. „Offiziell gehört das Land in Afrika und alles, was darauf lebt und wächst, dem Staat“, sagt Kadel. Dort, wo Conservancies entstehen, wird es erstmals an die Gemeinde überschrieben, die es dann wirtschaftlich nutzen kann. „Zum Beispiel kann sie ein Grundstück an einen Lodge-Betreiber verpachten.“ An die Betreiber können die Bauern Lebensmittel verkaufen; einige von ihnen erhalten sogar eine Anstellung. Acht Touristen schaffen einen Arbeitsplatz, lautet eine Faustregel. „Im Umkehrschluss bedeutet Eigentum aber auch, dass die Gemeinde dafür sorgen muss.“ Und weil Touristen vor allem wegen Löwe, Elefant und Antilope kommen, ist es plötzlich attraktiver, sie zu schützen als zu jagen. Mithilfe der KfW und ihrer Partner werden ehemalige Wilderer zu Wildhütern umgeschult.

Die Bauern lernen einfache, aber effektive Maßnahmen, um Elefanten von ihren Feldern fernzuhalten, etwa mit Kugeln aus Chili und getrocknetem Elefantendung. Sie werden angezündet und senden einen beißenden Rauch aus, bei dem die sensiblen Tiere sofort das Weite suchen. „Solche einfachen Methoden sind wichtig für den Erfolg von KAZA“, sagt Kadel. Immerhin leben im KAZA-Gebiet knapp 1,2 Millionen Menschen. Sie umzusiedeln, stand nie zur Debatte. „Das oberste Ziel ist, die Region wirtschaftlich zu entwickeln. Der Naturschutz bietet hierzu gute Möglichkeiten.“ (IP)
Der WWF hat ein Video zum KAZA-Projekt gedreht (auf Youtube)
Titelfoto: Ingo Paszkowsky
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Wer nach Namibia fährt, sollte sich unbedingt den Etosha National Park ansehen

