Eindhoven ist keine niederländische Stadt, die Besucher mit Grachten, Patrizierhäusern und einer jahrhundertealten Altstadt empfängt. Wer hierherkommt, begegnet stattdessen Fabrikhallen, ungewöhnlichen Neubauten, riesigen Rohrleitungen, begrünten Hochhäusern, Designstudios und einem Gebäude, das aussieht, als sei ein UFO mitten in der Stadt gelandet. Genau darin liegt der Reiz: Eindhoven macht aus seiner industriellen Vergangenheit keine nostalgische Kulisse, sondern benutzt sie als Ausgangsmaterial für etwas Neues.
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Wer mit dem Namen Philips nicht sofort etwas verbindet: Das niederländische Technologieunternehmen wurde 1891 in Eindhoven gegründet und begann mit der Herstellung elektrischer Glühlampen. Später wurde Philips unter anderem mit Radios, Fernsehern und Medizintechnik weltweit bekannt; heute konzentriert sich Royal Philips vor allem auf Gesundheitstechnologie. Über Jahrzehnte prägte der Konzern Eindhoven wie kaum ein anderes Unternehmen – als Arbeitgeber, Bauherr und Motor der Stadtentwicklung.

Was in der niederländischen Tourismuskommunikation unter dem Begriff „New Dutch“ zusammengefasst wird, lässt sich hier besonders gut beobachten. Die Initiative will das Bild der Niederlande um Innovation, Kreativität und Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen erweitern – jenseits der klassischen Motive von Tulpen, Windmühlen und alten Meistern. Eindhoven365 gehört gemeinsam mit Rotterdam Partners zu den Initiatoren dieser landesweiten Bewegung.

Unsere Reise führt uns durch ehemalige Industrieareale und Stadtviertel, in denen historische Gebäude neue Funktionen erhalten und Architektur, Design und Technologie miteinander verbunden werden.
Eine Stadt sucht nicht nach einer neuen Identität – sie entwickelt die alte weiter
Zum Einstieg unserer Tour erklären Erik van Gerwen von Eindhoven365 und Rik Verhalle von Brainport Eindhoven, warum sich die Stadt so stark über Innovation definiert. Eindhoven365 beschäftigt sich nicht allein mit Tourismuswerbung, sondern mit der Positionierung Eindhovens als Stadt zum Besuchen, Leben, Arbeiten und Studieren.

Brainport betrachtet dieselbe Entwicklung stärker aus wirtschaftlicher Perspektive. Hinter dem Namen steht ein Netzwerk aus Unternehmen, Wissens- und Bildungseinrichtungen sowie öffentlicher Hand. Gerade diese Zusammenarbeit gilt als ein wesentlicher Grund dafür, dass sich Eindhoven nach dem tiefgreifenden Strukturwandel der Philips-Ära nicht zu einer Stadt mit verlassenen Fabriken entwickelte, sondern zu einem Zentrum für Hightech, Forschung und Design.

Philips hat viele seiner früheren Produktionsstandorte verlassen, aus dem Stadtbild ist das Unternehmen aber keineswegs verschwunden. Auf der Fahrradtour durch Philipsdorp, Strijp-S und Woensel-West begegnet einem das Unternehmen immer wieder – in Arbeiterhäusern, Industriehallen, Rohrleitungen, Straßennamen und sogar im Fußball. Genau diese drei Viertel waren auch als Beispiele für den Wandel vom Industriezentrum zur heutigen Design- und Innovationsstadt ausgewählt worden.
Eindhoven kann erstaunlich grün sein
Schon kurz nach dem Start unserer Tour fällt ein Detail auf, das nicht so recht zum Bild einer Industriestadt passen will: Eindhoven ist erstaunlich grün.
Bei der Führung wird die Stadt sogar als eine der grünsten größeren Kommunen der Niederlande beschrieben. Mehr als 40 Prozent der Fläche seien grün. Die Größenordnung der Baumbestände lässt sich auch offiziell nachvollziehen: Die Stadt Eindhoven spricht von rund 100.000 Straßen- und Grünanlagenbäumen.

Doch es geht nicht nur um Parks. Bei der Neugestaltung öffentlicher Räume werden versiegelte Flächen aufgebrochen, Beete und Bäume angelegt und Möglichkeiten geschaffen, Regenwasser zurückzuhalten. Brunnen und zusätzliche Vegetation sollen gleichzeitig gegen Hitze helfen. Stadtgrün wird damit zunehmend als technische Infrastruktur verstanden – für Kühlung, Luftqualität, Biodiversität und den Umgang mit Starkregen.
Dass man diese Veränderungen mit dem Fahrrad erkundet, passt zu Eindhoven. Die Entfernungen zwischen den Quartieren sind überschaubar, und der Wechsel zwischen alter Arbeitersiedlung, Industriegelände und neuen Wohnvierteln wird unmittelbar sichtbar.
Philipsdorp: Als der Arbeitgeber auch Stadtplaner war
In Philipsdorp beginnt die Geschichte ganz bodenständig. Das Viertel entstand Anfang des 20. Jahrhunderts, um Beschäftigten des schnell wachsenden Unternehmens Wohnraum zu bieten. Philips ließ nicht nur Fabriken errichten, sondern prägte mit Wohnungen und sozialen Einrichtungen ganze Teile Eindhovens. Eindhoven365 beschreibt Philipsdorp als Siedlung, die eigens für Beschäftigte der expandierenden Fabrik geschaffen wurde.

Bei der Führung fällt ein Merkmal der Häuser besonders auf: ihre vergleichsweise langen Gärten. Viele neue Arbeiter kamen damals aus ländlichen Gegenden. Ein Garten hinter dem Haus erleichterte den Übergang vom Leben auf dem Land in die Industriestadt und bot Platz für Gemüse und andere Nutzpflanzen.
Nur wenige Schritte weiter zeigt sich, wie weit der Einfluss des Unternehmens reichte. Auch der Fußballverein PSV Eindhoven trägt seine Herkunft bereits im Namen: Philips Sport Vereniging. Aus einem Sportangebot für Beschäftigte entwickelte sich einer der bekanntesten niederländischen Fußballvereine.

Heute wird diese Verbindung von Wirtschaft und Gesellschaft in anderer Form fortgesetzt. Brainport Eindhoven tritt gemeinsam mit Unternehmen der Region rund um PSV auf. Das Engagement beschränkt sich nicht auf klassisches Sportsponsoring: Unterstützt werden auch gesellschaftliche Aktivitäten, etwa Sprachprogramme oder Hilfsangebote für Bewohner.
So verbindet sich in Philipsdorp Stadtgeschichte fast beiläufig mit einer Frage, die für Eindhoven bis heute wichtig ist: Was hat wirtschaftlicher Erfolg eigentlich mit der Lebensqualität einer Stadt zu tun?

Karl Marx und die Familie Philips
Eine überraschende Verbindung führt von Eindhoven zu Karl Marx. Marx selbst lebte zwar nie in der Stadt, war aber mit der Familie Philips verwandt. Sein angeheirateter Onkel Lion Philips aus Zaltbommel war mit Sophie Presburg verheiratet, einer Schwester von Marx’ Mutter Henriette. Lion war zugleich der Großvater von Gerard und Anton Philips, die später die Entwicklung des Philips-Konzerns prägten. Marx hielt sich mehrfach bei seinen niederländischen Verwandten in Zaltbommel auf. Sein Onkel half ihm auch finanziell und vermittelte unter anderem Vorschüsse auf das Erbe seiner Mutter.

Der Philips-Konzern entstand allerdings erst 1891, acht Jahre nach Marx’ Tod. Die Verbindung zwischen Marx und Eindhoven ist also keine direkte Stadtgeschichte, sondern eine bemerkenswerte Familiengeschichte, die weit vor der Gründung des späteren Elektronikkonzerns beginnt.
Strijp-S: Wo früher ohne Werksausweis nichts ging
Wenige Minuten später verändert sich das Bild vollständig. Strijp-S ist groß, rau und industriell. Dicke Leitungen ziehen sich über Straßen, zwischen mächtigen Backstein- und Betonbauten stehen Cafés, Wohnungen und junge Unternehmen.

Noch in den 1970er-Jahren arbeiteten hier täglich rund 10.000 Menschen für Philips. Das Gelände war von Zäunen und Schranken umgeben und nur mit Werksausweis zugänglich. Deshalb nannten die Eindhovener Strijp-S die „Verboden Stad“ – die verbotene Stadt.
Philips produzierte hier weitgehend unabhängig: Glas, Karton und andere Komponenten wurden auf dem Gelände hergestellt, während im NatLab an neuen Technologien geforscht wurde. Mit dem Rückzug des Unternehmens stellte sich die Frage, was aus den riesigen Anlagen werden sollte. Die Antwort bestand nicht darin, alles abzureißen.

Seit Beginn der 2000er-Jahre entwickelt sich Strijp-S zu einem gemischten Quartier aus Wohnen, Arbeiten, Gastronomie, Kultur und Kreativwirtschaft. Viele der ehemaligen Fabriken blieben stehen. Auch technische Relikte wie Rohrleitungen wurden nicht überall entfernt. Sie erzählen weiter davon, wofür das Gelände ursprünglich gebaut wurde.
Gerade dadurch unterscheidet sich Strijp-S von einem am Reißbrett entstandenen Neubauviertel. Das Neue verdrängt das Alte nicht vollständig, sondern wächst hinein.
Sozialwohnungen im vertikalen Wald
Kaum ein Gebäude zeigt diese neue Richtung so auffällig wie die Trudo Toren. Auf Balkonen in großer Höhe wachsen Bäume und Sträucher. Entworfen wurde der 70 Meter hohe Wohnturm vom italienischen Architekten Stefano Boeri.
Das Überraschende verbirgt sich hinter der spektakulären Fassade: Die 125 Wohnungen sind Sozialwohnungen. Nach Angaben der Wohnungsbaugesellschaft Trudo handelt es sich um den weltweit ersten von Stefano Boeri entworfenen vertikalen Wald speziell für den sozialen Mietwohnungsbau. Am Turm wachsen 125 Bäume sowie mehr als 5.200 Sträucher und weitere Pflanzen.

Damit wird eine Idee umgesetzt, die auf Strijp-S immer wieder auftaucht: Anspruchsvolle Architektur und ökologische Konzepte sollen nicht zwangsläufig nur für ein zahlungskräftiges Publikum entstehen. Stadtführer bezeichnen den Trudo Toren gern als eines der meistfotografierten Gebäude Eindhovens.
Gleich daneben experimentiert Eindhoven mit anderen Formen der Wiederverwendung. Plug-in-City entstand aus gebrauchten und teilweise versetzbaren Bauteilen. Werkstätten, Ateliers und Veranstaltungsflächen bilden ein Kreativlabor, das schon durch seine Konstruktion deutlich macht, dass Materialien nicht zwangsläufig nach einmaliger Nutzung verschwinden müssen.
Noch eindrucksvoller ist der Umgang mit der früheren Philips-Halle, in der sich Area51, ein großer Skatepark, befindet. Eigentlich hätte die Halle einer neuen Bebauung weichen können. Stattdessen wurde sie Bestandteil des Neubauprojekts Haasje Over: Die Wohnungen wurden buchstäblich über den bestehenden Gebäudeteil gebaut. Die offizielle Entwicklungsgeschichte von Strijp-S nennt dieses Projekt ausdrücklich als Beispiel dafür, wie der alte Bestand in die Neubebauung integriert wurde.

Auch Energie wird sichtbar zum Bestandteil der Architektur. Auf einzelnen Gebäuden stehen Anlagen, die Windkraft und Solarenergie kombinieren. Ein Beispiel ist PowerNEST. Solche Details machen Strijp-S zu einem Viertel, in dem Nachhaltigkeit nicht nur in Broschüren vorkommt, sondern auf Dächern und Fassaden zu sehen ist.
Woensel-West: Stadtentwicklung beginnt nicht mit Häusern
Woensel-West wirkt wiederum ganz anders. Niedrige Häuser, kräftige Farben, Street-Art, kleine Geschäfte und Gastronomie prägen Teile des Viertels. Das war nicht immer so.
Woensel-West galt lange als problematischer Stadtteil. Bei seiner Erneuerung sollte deshalb nicht nur der Gebäudebestand modernisiert werden. Die Grundidee wurde mit dem Satz „erst die Menschen, dann die Steine“ beschrieben: Sozialarbeit, Bildung, Nachbarschaft und Chancen für die Bewohner sollten mit der baulichen Entwicklung verbunden werden.

Rund um den Celsiusplein entstand in mehreren Bauphasen ein neues Quartier. Insgesamt umfasst Plan Celsius 449 Wohnungen; gleichzeitig sollte der Platz ein Zentrum für das gesamte Viertel werden.
Trudo beschreibt die Entwicklung rückblickend als Kombination aus baulichen und sozialen Maßnahmen. Alte und neue Bewohner leben heute stärker gemischt zusammen, während ungewöhnliche Neubauten, Street-Art, Gastronomie und kleine Geschäfte auch Besucher in den Stadtteil ziehen.
Gerade Woensel-West ergänzt damit die Geschichte von Strijp-S. Stadtentwicklung bedeutet in Eindhoven eben nicht nur, eine attraktive ehemalige Fabrikhalle in Lofts umzubauen. Die schwierigere Frage lautet, wie auch bestehende Quartiere von wirtschaftlichem Wachstum profitieren können.

Eindhoven von oben: VANE Skybar
Nach der Fahrradtour lohnt sich noch ein Perspektivwechsel. Das NH Collection Eindhoven Centre liegt im sogenannten Groene Toren; ganz oben befinden sich das Restaurant VANE und die VANE Skybar mit Dachterrasse. Von dort öffnet sich ein weiter Panoramablick über Eindhoven – von der Innenstadt bis zu den früheren Philips-Arealen.
Kazerne: Abendessen mitten im Design

Am Abend wird Design schließlich zum unmittelbaren Teil des Restaurantbesuchs. Die Kazerne – Home of Design befindet sich in einer ehemaligen Militärpolizeikaserne von 1825 und einer angrenzenden Industriehalle, die 1925 für die städtische Reinigung errichtet wurde. Heute verbindet der Komplex Ausstellungen, Gastronomie, Veranstaltungen und Hotelzimmer.

Das Prinzip ähnelt Strijp-S: Ein historisches Gebäude bleibt nicht deshalb erhalten, weil man es konserviert und anschließend hauptsächlich betrachtet. Es bekommt eine neue Funktion – und wird dadurch wieder Teil des täglichen Lebens.


Mariënhage: 600 Jahre Geschichte unter einem Dach

Am nächsten Morgen wird dieses Prinzip im Hotel Mariënhage noch deutlicher. Das Hotel ist Teil des Ensembles DOMUSDELA. Wer durch den Innenhof geht, steht an einem Ort, dessen Geschichte weit älter ist als die meisten Gebäude im heutigen Eindhoven. Seit 1420 wird das Gelände Mariënhage genannt, nachdem Augustiner hier ein Kloster gegründet hatten. Der Wanderführer von DOMUSDELA bezeichnet den Platz sogar als ältesten bewohnten Teil Eindhovens und führt seine Geschichte bis ins 11. Jahrhundert zurück.

Das heutige Hotel befindet sich teilweise in Räumen des früheren Jungeninternats der Augustiner. Der Klosterkomplex Mariënhage wurde 1568 während des Achtzigjährigen Krieges zerstört und 1628 wiederaufgebaut. Bis 2017 waren Augustiner auf dem Gelände präsent.

Bei der Umgestaltung ging es ausdrücklich nicht darum, die Gebäude in einen vermeintlich historischen Originalzustand zurückzuversetzen. Die Kunst- und Designbroschüre bringt die Philosophie auf eine knappe Formel: nicht wiederholen, nicht imitieren, sondern verbinden – mit Respekt vor dem Vergangenen und Vertrauen in das Kommende.

Alte Ziegelwände treffen auf Glas und weiße Flächen. Religiöse Objekte wurden teilweise aus der Kirche herausgenommen und an anderen Stellen des Komplexes neu präsentiert. Moderne Kunst steht nicht im Gegensatz zur Geschichte des Ortes, sondern kommentiert sie.

Fliegende Lichter und ein waghalsiger Jesus
Über dem Empfangsbereich von De Knoop, dem modernen Verbindungselement zwischen mehreren historischen Gebäuden, schwebt Flylight von Studio Drift. Die Lichtinstallation ahmt die Bewegung eines Vogelschwarms nach und reagiert auf ihre Umgebung. In der ehemaligen Paterskerk wiederum bewegen sich bei Shylight mechanische Blüten auf und ab – inspiriert von Pflanzen, die sich nachts schließen.

Vor der Kirche steht eine weitere ungewöhnliche Arbeit. „Iets Hogers“ von Maarten Baas zeigt eine Alltagsszene mit Tisch und Stühlen – nur in völlig unerwarteter Höhe. Das 2020 eigens für DOMUSDELA geschaffene Werk spielt mit dem Gedanken, dass nicht nur die spektakulären Momente einem Leben Bedeutung geben, sondern oft gerade das alltägliche Zusammensein.
Und dann ist da noch „Jezus Waaghals“, der waghalsige Jesus. Die fünf Meter große und rund 800 Kilogramm schwere Herz-Jesu-Figur steht seit 1898 auf dem Turm der Paterskerk. Ihren Spitznamen bekam sie, weil ihre Haltung mit ausgebreiteten Armen so wirkt, als könne sie jeden Moment vom Turm springen. Inzwischen hat Eindhoven daraus ein neues Ritual gemacht: Eltern eines neugeborenen Kindes können die Figur in einer von ihnen gewählten Farbe beleuchten lassen.
Kaum ein anderer Ort auf dieser Reise verbindet Stadtgeschichte und zeitgenössisches Design so dicht miteinander.
Das Evoluon: Ein UFO aus dem Jahr 1966

Wenig später steht eines der bekanntesten Gebäude Eindhovens auf dem Programm. Das Evoluon sieht auch sechs Jahrzehnte nach seiner Eröffnung noch so aus, als sei es gerade aus einer Zukunftsvision gelandet.
Philips eröffnete das Gebäude 1966 anlässlich des 75-jährigen Firmenjubiläums als Bildungszentrum und Museum für Wissenschaft und Technik. Die Architekten Louis Kalff und Leo de Bever entwarfen die charakteristische flache Kuppel. 1989 endete der ursprüngliche Museumsbetrieb; später diente das Gebäude lange als Kongresszentrum. Seit 2022 ist es mit dem Next Nature Museum wieder öffentlich als Museum zugänglich.

Damit ist das Evoluon erneut ein Zukunftsort – allerdings mit einer anderen Fragestellung als in den 1960er-Jahren. Damals galt technischer Fortschritt fast selbstverständlich als Versprechen. Heute geht es stärker darum, welche Folgen Technologie hat und wie Mensch, Natur und Technik künftig miteinander leben können.
Das Next Nature Museum bezeichnet sich selbst als Ort, an dem die Beziehungen zwischen Mensch, Natur und Technologie untersucht und Zukunftsszenarien erfahrbar gemacht werden.

Mit dem GeoLift zum Mittelpunkt der Erde
Die aktuelle Ausstellung „Once Upon a Time… the Earth“ beginnt nicht mit einem Blick in die Zukunft, sondern weit zurück in der Vergangenheit. Sie führt von der Entstehung der Erde über ihre Rohstoffe und das Klima bis zu möglichen Welten in ferner Zukunft. Im Mittelpunkt stehen das Zusammenspiel von Technologie, Natur und Gesellschaft sowie spekulative Entwürfe für mögliche Zukünfte.
Eine der spektakulärsten Stationen ist der GeoLift. Die Besucher steigen in einen vermeintlichen Aufzug und fahren – zumindest in der Inszenierung – durch Erdkruste und Erdmantel bis tief ins Erdinnere. Die Installation spielt mit einem interessanten Gegensatz: Mehr als 650 Menschen waren bereits im Weltraum, aber niemand hat den Mittelpunkt der Erde erreicht.

Andere Installationen zeigen, wie viele Rohstoffe in einem Smartphone stecken, lassen Besucher mit Klimaszenarien experimentieren oder die Kontinente virtuell neu zusammensetzen. Eine VR-Installation führt bis ins Jahr 2501.
Wissenschaftliche Grundlage erhält die Ausstellung unter anderem durch PRELIFE, ein interdisziplinäres Forschungsprogramm zur Entstehung des Lebens auf der Erde und zu der Frage, unter welchen Bedingungen Leben auch anderswo im Universum möglich sein könnte. Beteiligt sind Wissenschaftler aus Astronomie, Biologie, Chemie, Geowissenschaften, Physik und weiteren Disziplinen.

Der interessante Unterschied zu einem klassischen Technikmuseum liegt darin, dass Next Nature nicht einfach möglichst viele Antworten präsentieren will. Die Ausstellung stellt Fragen. Was bedeutet Natur noch, wenn Menschen die Umwelt längst überall verändern? Wann wird Technologie selbst zu einer Art „zweiter Natur“? Und wenn der Mensch ohnehin in die Entwicklung des Planeten eingreift – wie bewusst will er dies tun?

Piet Hein Eek: Das Material darf seine Vergangenheit zeigen

Die letzte Station führt wieder auf ein ehemaliges Philips-Areal: nach Strijp-R, zum Designer Piet Hein Eek.
International bekannt wurde Eek vor allem mit Möbeln aus Altholz. Gebrauchsspuren, unterschiedliche Farben, Löcher und Unebenheiten verschwinden dabei nicht unter einer perfekten Oberfläche. Sie sind Bestandteil des Entwurfs. Gerade diese Verbindung von Handwerk, Recycling und dem bewussten Umgang mit vorhandenen Materialien ist Kern seiner Arbeit.

Wer den Komplex besucht, sieht allerdings weit mehr als Möbel. Werkstatt, Lager, Showroom, Shop, Kunst und Hotel greifen ineinander. Auch Eek selbst beschreibt Rundgänge durch Werkstatt, Holzlager, Shop, Showroom und Hotel als zusammenhängendes Erlebnis.
Dabei bleibt die Produktion sichtbar. Man kann zwischen fertigen Objekten stehen und gleichzeitig in die Werkstatt blicken, in der Holz verarbeitet wird. Das passt zur Philosophie: Das fertige Produkt soll seine Entstehung nicht verleugnen.

Nach all den großen Zukunftsvisionen des Evoluon wirkt das zunächst beinahe bodenständig. Gerade deshalb schließt sich hier der Kreis. Auch Piet Hein Eek arbeitet mit etwas, das bereits vorhanden ist, und gibt ihm einen neuen Wert.

Das gilt letztlich für große Teile Eindhovens. Die Stadt hat ihre industrielle Vergangenheit nicht beseitigt. Die Arbeiterhäuser von Philipsdorp stehen noch, auf Strijp-S erzählen alte Fabriken und Rohrleitungen von der Produktion, das Evoluon ist wieder ein Ort für Zukunftsfragen, frühere Kloster- und Kasernengebäude beherbergen Hotels, Gastronomie und Design.

Eindhoven erfindet sich deshalb vielleicht gar nicht ständig neu. Die Stadt entwickelt Vorhandenes weiter: Aus Fabriken werden kreative Quartiere, aus Industriegeschichte wird Identität. Genau darin liegt der rote Faden dieser ungewöhnlichen Stadt – und die treffendste Erklärung dafür, was „New Dutch“ hier bedeutet.
Fünf Hotelvorschläge für Eindhoven
Eindhoven hat einige Hotels, die selbst Teil der Stadtgeschichte oder Designszene sind. Die Preise schwanken je nach Wochentag, Messe und Veranstaltung stark – besonders während der Dutch Design Week. Als grobe Orientierung lagen bei einer Recherche im September 2026 sichtbare Einstiegspreise ungefähr in folgenden Größenordnungen:
Kazerne – Home of Design: Hier schläft man mitten in einem Designort. Die Zimmer und Lofts verteilen sich auf den historischen Komplex aus Militärpolizeikaserne und früherer Halle der städtischen Reinigung; Ausstellungen und Gastronomie gehören zum Konzept. Die günstigsten Zimmer werden je nach Termin ab etwa 160 Euro angeboten.
Hotel Mariënhage: Das bereits beschriebene Boutiquehotel im DOMUSDELA-Ensemble verbindet Klostergeschichte mit zeitgenössischem Design. Das Zentrum liegt in Laufweite; zum Haus gehören außerdem Fitness- und Wellnessbereiche. Angebote beginnen je nach Termin ungefähr bei 95 Euro pro Zimmer.
Hotel Piet Hein Eek: Wer Strijp-R und die Welt des Designers nicht nur besuchen, sondern dort übernachten möchte, findet im Komplex 13 individuell gestaltete Zimmer. Der Basic Room wird auf der Hotelseite ab 135 Euro angeboten, reguläre Zimmer ab 150 Euro.
NH Collection Eindhoven Centre: Das Fünf-Sterne-Hotel im Groene Toren liegt nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Ein besonderes Argument ist der Blick von Restaurant VANE und Skybar über die Stadt. Bei aktuellen Preisvergleichen waren Zimmer ab etwa 120 Euro zu finden.
WestCord Hotel Eindhoven: Für die Philips-Geschichte ist dieses Hotel besonders passend, denn ein Teil der Zimmer befindet sich im historischen Lichttoren, einer ehemaligen Philips-Fabrik. Hauptbahnhof und Philips Stadion sind zu Fuß schnell erreichbar. Bei Preisvergleichen gab es Angebote ab etwa 80 Euro.
Die genannten Preise sind Momentaufnahmen pro Zimmer und Nacht. Frühstück, Touristenabgabe, Stornierungsbedingungen und vor allem die Reisedaten können den tatsächlichen Preis deutlich verändern.
Mit der Bahn nach Eindhoven
Eindhoven Centraal liegt unmittelbar am Stadtzentrum. Viele Ziele in der Innenstadt sind zu Fuß erreichbar; Strijp-S ist mit dem Zug nur eine Station entfernt.
Von Köln lässt sich Eindhoven bei günstigen Verbindungen in gut zwei bis drei Stunden erreichen. Von Frankfurt am Main sollte man etwa dreieinhalb bis viereinhalb Stunden einplanen. Aus Hamburg sind meist fünfeinhalb bis sechs Stunden realistisch, aus Berlin ungefähr sechs bis sieben Stunden. Von München dauert die Fahrt bei günstigen Verbindungen rund sieben Stunden.
Direkte Züge aus diesen deutschen Städten gibt es in der Regel nicht. Häufig führen die Verbindungen über Düsseldorf, Mönchengladbach oder Venlo. Da internationale Fahrpläne durch Baustellen und kurzfristige Änderungen variieren können, empfiehlt sich vor der Reise ein Vergleich bei Deutscher Bahn und NS International.
Ingo Paszkowsky
Titelbild: Trudo Toren auf Strijp-S, Eindhoven. Foto: Ingo Paszkowsky
Transparenz-Mitteilung
Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien, PR-Agenturen und bzw. oder Tourismus-Behörden.
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