Brunnen mit Wasserfontäne in einer von Hecken gesäumten Parkanlage vor historischen Häusern.

Heilschlamm, heiße Quellen und überraschende Entdeckungen in Piešťany

Unsere Reise führt von Berlin in die slowakische Region Trnava. Zwischen Kurinsel, Schlammbad, Klöppelspitze und einer ungewöhnlichen Brennerei begegnen wir Heiltradition und Handwerk.

Eine weiß-grüne SkyAlps-Propellermaschine steht bei bewölktem Himmel auf dem Flughafenvorfeld.
Eine Turboprop-Maschine der Fluggesellschaft SkyAlps auf dem Vorfeld vor dem Flug in die Slowakei. Foto: Ingo Paszkowsky

Ich bin schon lange nicht mehr mit einem Propellerflugzeug geflogen. Mitte Oktober war es wieder so weit: Vom Flughafen Berlin-Brandenburg ging es mit einer DHC-8 der italienischen Fluggesellschaft SkyAlps auf einem Charterflug nach Piešťany in der Slowakei. Knapp anderthalb Stunden später setzte die Maschine auf dem kleinen Regionalflughafen auf. Piešťany gehört nicht gerade zu den Flughäfen mit dichtem Linienverkehr. Regelmäßige Passagierverbindungen sind hier selten.

Graue Flugzeugsitze mit grünen SkyAlps-Kopfstützen in einer schmalen Passagierkabine.
Ein Blick auf die Sitzreihen mit grünen Kopfstützen in der Kabine der Charterfluggesellschaft SkyAlps. Foto: Ingo Paszkowsky

Zwischen dem 26. September und dem 31. Oktober 2026 verband ein saisonaler Charterflug den BER jeweils samstags mit dem Kurort. Die Verbindung war vor allem für Gäste gedacht, die in der westslowakischen Region Trnava Erholung und medizinisch betreute Kuren suchen. Für uns wurde die Reise zum Streifzug durch eine Region, in der heißes Wasser, jahrhundertealte Traditionen und erstaunlich moderne Ideen zusammenkommen.

Aus der Luft fotografierte Felder und helle, geschwungene Bodenstrukturen.
Die außergewöhnliche Trockenheit im Sommer und Herbst 2026 hinterließ auch in der Slowakei ihre Spuren. Sandverwehungen auf ausgetrocknetem Boden. Foto: Ingo Paszkowsky

Die Region Trnava: mehr als ein Kurziel

Breite gepflasterte Straße mit historischen Häuserfassaden, Läden und einzelnen Passanten.
Die Innenstadt des Kurorts Piešťany mit Geschäften, Cafés und einer breiten Fußgängerzone. Foto: Ingo Paszkowsky

Die Region Trnava liegt im Westen der Slowakei, nicht weit von Bratislava, Österreich und der tschechischen Grenze. Namensgeber ist die Stadt Trnava, die wegen ihrer zahlreichen Kirchen auch „Kleines Rom“ genannt wird. Die Region vereint sehr unterschiedliche Landschaften: die Hänge der Kleinen Karpaten, Flussauen und Weinberge. Hinzu kommen historische Städte und traditionsreiche Thermalbäder.

Markantes kantiges Betongebäude mit auskragendem Balkon vor einem blauen Himmel.
Der moderne Bau des Hauses der Künste gehört zum kulturellen Angebot des slowakischen Kurorts Piešťany. Foto: Ingo Paszkowsky

Wasser, Wein und Honig sind drei wiederkehrende Themen. Rund um Piešťany dominiert die Kurtradition; bei Trnava und an den Ausläufern der Kleinen Karpaten prägen Weinbau und historische Städte das Bild. Smolenice wartet mit einer weithin sichtbaren Burg auf, und in kleinen Gemeinden wird altes Handwerk gepflegt. Über die Stadt Trnava und über Smolenice berichten wir in gesonderten Beiträgen.

Abstrakte Sandsteinskulptur zweier eng umschlungener Liebender auf einem niedrigen Sockel im herbstlichen Stadtpark von Piešťany.
Die Sandsteinskulptur „Milenci“ (Die Liebenden) der bulgarischen Künstlerin Juliana Bošková entstand 1963/64 und steht im Stadtpark von Piešťany. Foto: Ingo Paszkowsky

Piešťany und die grüne Kurinsel

Brücke über ruhiges Flusswasser mit Spiegelungen und bewaldetem Ufer im Hintergrund.
Der Fluss Waag und die Brücke zur Kurinsel von Piešťany, umgeben von herbstlich gefärbten Bäumen. Foto: Ingo Paszkowsky

Piešťany hat rund 26.000 Einwohner und liegt an der Waag, slowakisch Váh. International bekannt wurde der Ort durch die heißen Mineralquellen und einen besonderen, schwefelhaltigen Schlamm. Das Zentrum des Kurbetriebs liegt auf einer weitläufigen, begrünten Insel, die zwischen dem Hauptarm und einem Seitenarm des Flusses entstanden ist. Spazierwege, Parkanlagen und die Architektur verschiedener Epochen verleihen dem Gelände eine beinahe eigene Atmosphäre.

Gelbe historische Hotelfassade mit vielen Fahnen, Säuleneingang und rotem Teppich.
Das traditionsreiche Hotel Thermia Palace mit Fahnen und rotem Teppich am Haupteingang in Piešťany. Foto: Ingo Paszkowsky

Auf der Kurinsel befinden sich mehrere Hotels der Ensana-Gruppe und zugehörige Behandlungszentren. Eine besondere Adresse ist das historische Thermia Palace, dessen Geschichte eng mit der Unternehmerfamilie Winter verbunden ist. Das repräsentative Fünf-Sterne-Hotel wurde 1912 zusammen mit dem Kurhaus Irma eröffnet. Einen deutlichen Kontrast bilden die jüngeren Anlagen um das Balnea Health Spa, dessen Größe bei der Führung mit etwa 7.000 Quadratmetern angegeben wurde.

Rohrleitungen, Behälter, Metallgestelle und Maschinen in einer technischen Halle.
Von hier wird der Heilschlamm über ein Rohrsystem zu den Behandlungsbereichen transportiert. Foto: Ingo Paszkowsky

Wie das „schwarze Gold“ von Piešťany entsteht

Das Thermalwasser gelangt mit etwa 67 bis 69 Grad Celsius an die Oberfläche. Es enthält gelöste Mineralstoffe und Schwefelverbindungen, die dem Kurort seinen charakteristischen Geruch geben. Die heißen Quellen werden natürlich nicht unverändert als Badewasser genutzt, sondern für die jeweiligen Anwendungen auf passende Temperaturen gebracht.

Kuppelförmige Einfassung des Thermalbrunnens Adam Trajan mit gelblichen Glasscheiben und einer lateinischen Gedenktafel auf der Kurinsel von Piešťany.
Unter einer gläsernen Kuppel befindet sich der nach dem böhmischen Dichter Adam Trajan benannte Thermalbrunnen. Hier findet auch die traditionelle Segnung der Heilquellen statt. Foto: Ingo Paszkowsky

Mindestens ebenso bekannt ist der dunkle Heilschlamm. Das Flusssystem transportiert feine Sedimente aus seinem Einzugsgebiet. Im Bereich des Kurorts treffen diese Ablagerungen auf schwefelhaltiges Thermalwasser; unter diesem Einfluss und durch biologische Prozesse entsteht der besondere Peloid-Schlamm. Nach der Entnahme „reift“ er mindestens ein Jahr in Thermalwasser, bevor er für Behandlungen verwendet wird.

Lucia Nogová, Vertriebsleiterin von Ensana Piešťany, nennt bei unserer Führung den Schlamm das „schwarze Gold“ von Piešťany. Seine besondere Eigenschaft ist die Fähigkeit, Wärme lange zu speichern und gleichmäßig abzugeben. Gerade deshalb spielen Schlammbäder und -packungen bei den klassischen Kurprogrammen eine wichtige Rolle.

Grauer dickflüssiger Schlamm mit feuchten Falten und Wellen in einer runden Beckenöffnung.
Das schwarze Gold: Der für die Kuranwendungen genutzte Heilschlamm von Piešťany hat eine dickflüssige graue Konsistenz. Foto: Ingo Paszkowsky

Überhaupt ist die Vokabel Gold bei meinem Besuch viel zu hören. Als flüssiges Gold gilt das Wasser der Thermalquellen. Aber auch der ausgezeichnete Honig wird als flüssiges Gold bezeichnet. Letzterer wird nicht nur verzehrt, sondern dient auch als Grundlage für den legendären Honigwein Met. Sogar Bier lässt sich mit Honig brauen. Und dann eben der Heilschlamm, als sogenanntes schwarzes Gold.

Ensana-Managerin Lucia Nogová verspricht für den Abschluss unserer Besichtigung der Kureinrichtungen schwarzes Gold auf dem Teller. Ich kann mir kaum vorstellen, dass der Schlamm nicht nur äußerlich angewendet, sondern sogar gegessen werden soll. Ich frage eine Kollegin, was sie davon hält. „Ja, das ist bestimmt gesund“, antwortet sie.

Auch das Thermalwasser habe ich probiert. An den Trinkbrunnen wird es Kurgästen und Besuchern angeboten. Der ausgeprägte schwefelige Geschmack ist gewöhnungsbedürftig. Dass Mineralwasser als Trinkkur eingesetzt wird, bedeutet nicht, dass beliebige Mengen für jeden empfehlenswert wären; die passende Dosierung sollte bei gesundheitlichen Beschwerden medizinisch abgestimmt werden.

Verzierter Steinbrunnen mit goldenem Auslauf, laufendem Wasser und einer weißen Tasse daneben.
An einem öffentlichen Brunnen auf der Kurinsel Piešťany fließt mineralhaltiges Thermalwasser in eine Steinschale. Foto: Ingo Paszkowsky

Nachdem ich einige tiefe Schlucke von dem Mineralwasser der Heilquelle genossen hatte und es mir rund eine halbe Stunde schwer im Magen lag, entschloss ich mich, beim Essen des schwarzen Goldes auszusetzen.

Zehn Minuten im heißen Wasser – und zehn Minuten im warmen Schlamm

Bei unserem Besuch konnte ich kurz den Heilbetrieb erleben und eine Kombination zweier Anwendungen selbst kennenlernen. Zunächst saß ich zehn Minuten in einem Becken mit fast 40 Grad warmem Thermalwasser. Nach einer Pause von ebenfalls zehn Minuten auf einer Liege folgte das Schlammbad, wieder für zehn Minuten. Dabei konnte ich die gewünschten Körperstellen selbst mit dem schwarzgrauen Schlamm bedecken.

Mann steht bis zur Brust in einem Thermalbecken und streicht dunklen Heilschlamm auf seine Schulter. Im Hintergrund bunte Glasfenster und eine historische Brunnenanlage.
Ein Kurgast trägt sich im Thermalbecken des Kurhauses Irma in Piešťany schwefelhaltigen Heilschlamm auf die Schulter auf. Im Hintergrund sind farbige Glasfenster und die historische Architektur des Badebereichs zu sehen. Foto: Ensana Piešťany.

Der Kontakt mit dem warmen, dunklen Schlamm war eine interessante Erfahrung. Anders als Wasser bleibt das Material am Körper und gibt die gespeicherte Wärme über längere Zeit ab. Die begrenzte Anwendungsdauer und die Pause dazwischen haben ihren Grund: Intensive Wärmebehandlungen belasten den Kreislauf und gehören bei einer medizinischen Kur in fachkundige Hände.

Und was wurde nun aus dem angekündigten schwarzen Gold auf dem Teller? Die Auflösung war ebenso einfach wie schmackhaft: Es gab dunklen Kuchen, der hervorragend schmeckte.

Welche Heilmaßnahmen werden angeboten?

Heller eleganter Hotelkorridor mit Stuckdecke, Wandleuchten, weißen Türen und Teppichläufern.
Warten auf Anwendungen im Grandhotel Thermia Palace. Foto: Ingo Paszkowsky

Piešťany ist vor allem auf Erkrankungen des Bewegungsapparats und rehabilitative Behandlungen spezialisiert. Dazu gehören nach Angaben des Kurbetriebs unter anderem Beschwerden an Gelenken und Wirbelsäule, manche rheumatische Erkrankungen sowie Anwendungen nach Verletzungen oder Operationen. Die konkreten Therapiepläne werden individuell festgelegt.

Zum klassischen Angebot zählen Thermalbäder und Schlammbäder, örtliche Schlammpackungen, Teil- und Ganzkörpermassagen, Unterwasseranwendungen, Bewegungsübungen im Wasser, Physiotherapie, Ergotherapie und verschiedene Formen der Elektrotherapie. Auch Paraffinpackungen, Traktionsbehandlungen und ausgewählte Rehabilitationsprogramme werden beschrieben. Welche Maßnahme geeignet ist, hängt von Diagnose, Alter, Belastbarkeit und möglichen Gegenanzeigen ab.

Heller moderner Aufenthaltsraum mit cremefarbenen Sesseln, Beistelltischen und breiter Fensterfront.
Moderner Aufenthaltsbereich mit Sesseln und Sitzgruppen in einem Kurhotel von Piešťany. Foto: Ingo Paszkowsky

Das Angebot richtet sich nicht ausschließlich an Menschen mit einer medizinischen Indikation. Die Hotels verkaufen ebenso Wellnessaufenthalte und kürzere Auszeiten; hinzu kommen Programme, die Bewegung, Ernährung und Anwendungen kombinieren. Während der Führung wurde auch ein besonderes Parkinson-Programm vorgestellt. Nach Aussage von Ensana-Managerin Lucia Nogová soll es besonders in frühen Stadien helfen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Prächtiger heller Hotelspeisesaal mit hohen Fenstern, Säulen, Kronleuchtern und weiß gedeckten Tischen.
Der großzügige Speisesaal des Hotels Thermia Palace mit gedeckten Tischen, Säulen und hohen Fenstern. Foto: Ingo Paszkowsky

Der Pfau und die gebrochenen Krücken

Gibt es eine schöne Geschichte – eine Legende – über die Gründung der Heilstätten? Ja. Und sie lautet so: Ein Pfau soll mit einem verletzten Bein in eine schlammige, von warmem Wasser durchströmte Stelle geraten sein. Nachdem er von seinem Missgeschick befreit wurde, habe er sich erstaunlich schnell von seiner Verletzung erholt. Die Idee vom Heilbad war geboren. Die Geschichte verbreitete sich, Menschen entdeckten die schlammigen Quellen für sich – so erzählt man es jedenfalls im Kurort.

Bronzeskulptur eines Mannes, der eine Krücke zerbricht, am Eingang der Kolonnadenbrücke in Piešťany. Daneben ein weißes Gebäude mit großen Fenstern.
Die Bronzeskulptur „Krückenbrecher“ (Barlolámač) von Robert Kühmayer steht am Eingang der Kolonnadenbrücke in Piešťany. Sie symbolisiert die Hoffnung der Kurgäste, den Kurort ohne Gehhilfen verlassen zu können. Foto: Ensana Piešťany.

Die Familie Winter griff das Pfauenmotiv für das 1912 eröffnete Thermia Palace auf. Es begegnet Gästen an mehreren Stellen des traditionsreichen Hauses und steht zugleich für Eleganz und eine Epoche, in der der Kurort auch wohlhabende und prominente Besucher anzog.

Ein zweites Wahrzeichen ist deutlich handfester: Vor der Kolonnadenbrücke steht die Bronzeskulptur eines Mannes, der seine Krücken zerbricht. Der „Krückenbrecher“ (Barlolámač) verkörpert den Wunsch, den Kurort ohne Gehhilfe verlassen zu können. Die 1933 aufgestellte Figur stammt vom Bildhauer Robert Kühmayer.

Wenn die Heilquellen kirchlichen Segen erhalten

Eine besondere Tradition in Piešťany ist die feierliche Segnung der Thermalquellen zu Beginn der jährlichen Kursaison. Ihre Wurzeln reichen bis in die Zwischenkriegszeit zurück und sind eng mit der Familie Winter verbunden, die den Kurort maßgeblich entwickelte. Bereits in den 1930er-Jahren kam mit dem Pariser Erzbischof Kardinal Jean Verdier ein päpstlicher Gesandter nach Piešťany, um die Heilquellen zu segnen. Seit 2023 veranstalten die Heilbäder wieder eine eigene Zeremonie zur Segnung der Quellen. Seitdem findet die Zeremonie jährlich am Brunnen Adam Trajan auf der Kurinsel statt. Auch der Vatikan ist dabei immer wieder vertreten: Der apostolische Nuntius in der Slowakei, Erzbischof Nicola Girasoli, nahm 2023, 2025 und zuletzt am 30. April 2026 an der Feier teil. Gemeinsam mit kirchlichen Würdenträgern wird dabei für das natürliche Geschenk des Thermalwassers gedankt. Die Zeremonie verbindet die lange Kurgeschichte von Piešťany mit einer religiösen Tradition, die bis heute gepflegt wird.

Mehr über die Ensana-Hotels in Piešťany

Gerichte aus regionalen Zutaten, eigene Bienen und eine Rooftop-Bar

Helles mehrstöckiges Hotelgebäude mit Balkonen, Rasenflächen und Büschen im Vordergrund.
Außenansicht des Hotel Park, das während unserer Reise als Unterkunft in Piešťany diente. Foto: Ingo Paszkowsky

Während unseres Aufenthalts wohnten wir nicht in einem der traditionsreichen Ensana-Häuser auf der Kurinsel, sondern im Vier-Sterne-Hotel Park in Piešťany. Das Haus liegt mitten im Grünen, unmittelbar am Stadtpark und unweit der Waag. Bis zum Eingang der Kurinsel sind es etwa 500 Meter, auch die historische Innenstadt lässt sich in wenigen Minuten zu Fuß erreichen.

Heller Hotelflur mit beleuchteter Zimmernummer fünf und einem alten Holzschrank.
Im Hotel Park in Piešťany treffen moderne Flurgestaltung und ein historischer Holzschrank aufeinander. Foto: Ingo Paszkowsky

Das Hotel verfügt über 100 Zimmer, einen Wellnessbereich mit Hallenbad, Saunen und verschiedenen Anwendungen. Wer nach einem erlebnisreichen Tag noch einen schönen Ausblick genießen möchte, findet im sechsten Stock eine Skybar mit Panoramaterrasse und Blick über den Park und die Umgebung von Piešťany.

Hervorragende Gastronomie

Besonders angenehm in Erinnerung geblieben ist uns auch die Gastronomie. Schon das Frühstücksbuffet überraschte mit seiner reichhaltigen Auswahl und bot einen guten Start in unsere dicht gefüllten Besichtigungstage. Auch das Mittagessen überzeugte uns geschmacklich.

In der Hotelküche treffen traditionelle slowakische Gerichte auf internationale Einflüsse. Dabei spielen frische Zutaten und Erzeugnisse aus der Region eine wichtige Rolle. Dass dies nicht nur ein wohlklingendes Versprechen für die Hotelwerbung ist, erfuhren wir bei einer Vorstellung des Hauses.

Korb mit mehreren Brotscheiben und kleinen Schalen mit Aufstrichen auf einem gedeckten Tisch.
Ein Brotkorb mit herzhaften Aufstrichen als Teil des gastronomischen Angebots im Hotel Park in Piešťany. Foto: Ingo Paszkowsky

Hoteldirektorin Lenka Žilavá berichtete beispielsweise, dass die Frühstückseier von einem regionalen Freilandbetrieb stammen. Regionale Qualität hat allerdings auch ihren Preis. Die Zusammenarbeit mit örtlichen Erzeugern sei nicht immer die günstigste Lösung, erklärte sie. Dennoch halte man an diesem Konzept fest.

Bienen auf dem Dach

Auf dem Hoteldach werden eigene Bienenvölker gehalten. Sie liefern Honig für das Haus. Nach Angaben der Hotelleitung werden bei einer Honigernte üblicherweise rund 60 Liter gewonnen. Die Qualität hängt dabei wesentlich von den Pflanzen und Blüten in der Umgebung ab. Ein schönes Beispiel dafür, wie sich regionale Produkte und Hotelgastronomie miteinander verbinden lassen. Zugleich passt die kleine Imkerei hervorragend zur Region Trnava, in der Honig und daraus hergestellte Spezialitäten eine lange Tradition haben.

Dunkler moderner Barbereich mit Theke, Hockern, Flaschen und hängenden Grünpflanzen.
Rooftop-Bar im Hotel Park in Piešťany. Foto: Ingo Paszkowsky

Klöppelspitze, die fast wie Stickerei aussieht

Zwei Frauen in farbigen slowakischen Trachten, eine davon mit Akkordeon, stehen vor einem Eingang.
Zwei Frauen in traditionellen Trachten begrüßen die Besucher mit Musik vor einem Gebäude in Krakovany. Foto: Ingo Paszkowsky

Nur wenige Kilometer von Piešťany entfernt liegt das Dorf Krakovany. Im privaten ethnografischen Museum „Za Krakovskú bránu“ – nach Angaben der Gastgeber das erste private ethnografische Museum der Slowakei – wird anschaulich gezeigt, wie Menschen in der Umgebung früher lebten und arbeiteten. Das Haus vereint historische Alltagsgegenstände, Möbel, Trachten und Textilien. Besonders eindrucksvoll ist die Sammlung von lokaler Klöppelspitze, deren Muster auf den ersten Blick mit Stickerei verwechselt werden könnten.

Alte braune Holztür mit drei runden weißen Spitzenarbeiten, Schildern und einer Museumstafel.
Die mit Klöppelarbeiten verzierte Holztür des privaten ethnografischen Museums in Krakovany. Foto: Ingo Paszkowsky

Die sogenannte Krakovany-Spitze wird mit einer ungewöhnlichen Technik gefertigt. Ihre Besonderheit liegt in den charakteristischen Musterelementen, den sogenannten „Babkas“. Dabei entstehen dichte, mehrfarbige Flächen mit geometrischen Motiven. Das Ergebnis erinnert eher an eine Stickerei oder ein Gewebe als an klassische Klöppelspitze.

Die Technik war in Krakovany und benachbarten Dörfern verbreitet und ist eng mit der regionalen Fest- und Hochzeitstracht verbunden. Seit 2022 steht die Tradition im slowakischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.

Historische Bauernstube mit Holztisch, Eckbank, Wandschrank und bestickten Textilien.
Ein eingerichtetes Zimmer mit Holzmöbeln, Textilien und Haushaltsgegenständen im ethnografischen Museum Krakovany. Foto: Ingo Paszkowsky

Bei unserem Besuch erläuterten Daniela Piscová und Sohn Matej Pisca die Bedeutung der Trachten und schilderten die Arbeit hinter der Sammlung. Anhand der Kleidung lassen sich Herkunft und gesellschaftliche Anlässe ablesen.

Unter der Haube

Unterschiede im Kopfschmuck zeigten beispielsweise an, ob eine Frau noch unverheiratet oder bereits verheiratet war. Die Braut trug eine traditionelle festliche Kopfbedeckung, verheiratete Frauen später eine Haube. Daher stammt übrigens die bis heute gebräuchliche Redewendung „unter die Haube kommen“. Die Haube war in vielen europäischen Regionen über Jahrhunderte ein sichtbares Zeichen des Ehestands.

Nahaufnahme einer hellen Spitze mit vielen kleinen Blumen, Blättern und geometrischen Mustern.
Dicht gearbeitete Spitze mit Blumen- und Ornamentmotiven zeigt die Feinheit der traditionellen Handarbeit aus Krakovany. Foto: Ingo Paszkowsky

Ein besonders schönes Beispiel findet sich sogar in Berlin: Das Museum Europäischer Kulturen besitzt eine Hochzeitshaube aus Piešťany vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie besteht aus feinem Leinen und Seide und ist kunstvoll mit Platt- und Lochstickerei verziert.

Helle Schaufensterbüste mit schwarzer gemusterter Augenmaske und breitem Spitzenkragen.
Dunkle Klöppelspitzen im ethnografischen Museum Krakovany. Foto: Ingo Paszkowsky

Daniela Piscová kann nach ihren Angaben die zahlreichen regionalen Grundformen bereits auf den ersten Blick unterscheiden; bei den feinen Unterschieden zwischen benachbarten Dörfern wird es schwieriger.

Viele Schaufensterpuppen in verschiedenfarbigen, reich geschmückten Volkstrachten vor einer Wand mit Hauben.
Die Sammlung im Museum Krakovany zeigt regionale Fest- und Alltagstrachten mit aufwendigen Verzierungen. Foto: Ingo Paszkowsky

Die traditionellen Festtagstrachten waren nicht nur kunstvoll gearbeitet, sondern auch ausgesprochen aufwendig zu tragen. Wie wir bei der Führung erfuhren, konnten vier oder fünf schwere Röcke übereinander getragen werden. Das beträchtliche Gewicht und die vielen Stofflagen machten die Kleidung alles andere als bequem. Unsere Gastgeberin schilderte anschaulich, wie beschwerlich es war, über längere Zeit in einer solchen Tracht Modell zu sitzen. Man habe darin kaum Luft bekommen, erzählte sie lachend.

Was heute wie ein kunsthandwerklicher Luxus aussieht, war früher Teil der sozialen Sprache eines Dorfes. Muster, Farben und Formen verrieten, wo jemand herkam. Dass diese Kenntnisse nicht verloren gehen, ist auch dem Engagement örtlicher Sammlerinnen und dem Klöppelverein zu verdanken.

Sitzender Mann arbeitet mit kleinen Klöppeln und Fäden an einem gepolsterten Handarbeitskissen.
Matej Pisca führt an einem mit Garn umspannten Kissen die traditionelle Herstellung von Spitze vor. Foto: Ingo Paszkowsky

Eine Brennerei, ein Flugbenzintank und mehr als 8.000 Jahre altes Holz

Einen überraschenden Ortswechsel bietet die Brennerei Pescan in Piešťany. Aus einem ehemaligen Flugbenzintank entstand ein Ausstellungs- und Gastronomiebereich, zu dem eine Destillerie gehört. Im Mittelpunkt stehen 14 geschnitzte Figuren aus uraltem Eichenholz. Nach Angaben der Betreiber wurde das Eichenholz – laut Radiokarbondatierungen mehr als 8.000 Jahre alt – bei Bauarbeiten rund fünf Meter tief im Boden gefunden. Für die Einrichtung der Galerie wurde ebenfalls Holz aus dem außergewöhnlichen Fund verwendet.

Sechs beleuchtete Mauernischen mit dunklen geschnitzten Figuren vor einer Ziegelwand.
Beleuchtete Nischen mit geschnitzten Figuren aus jahrtausendealtem Holz in der Brennerei Pescan in der Nähe von Piešťany. Foto: Ingo Paszkowsky

Die Holzfiguren stellen antike Gottheiten dar. Der Künstler Martin Barnáš schuf die Skulpturen. Sehr eindrucksvoll ist die ungewöhnliche Verbindung aus archäologisch wirkendem Material, Kunst und einem Ort der Verkostung.

Gerahmtes Zertifikat mit der Aufschrift „Slovenský rekord“ an einer Ziegelwand.
Ein ausgestelltes Zertifikat zum slowakischen Rekord in der Galerie Pescan in Piešťany. Foto: Ingo Paszkowsky

Kaltdestillation: Obstbrand aus der Hightech-Anlage

Nicht nur die jahrtausendealten Holzskulpturen machen einen Besuch der Brennerei Pescan interessant. Auch bei der Herstellung ihrer Spirituosen geht das Unternehmen ungewöhnliche Wege. Statt ausschließlich auf die klassische Destillation mit hohen Temperaturen zu setzen, nutzt die Brennerei ein Verfahren, das als Kaltdestillation bezeichnet wird. So richtig kalt ist es aber nicht: Die Destillation beginnt bereits bei etwa 40 Grad Celsius. Möglich macht dies eine Vakuumanlage, in der der Luftdruck abgesenkt und damit der Siedepunkt der Flüssigkeit reduziert wird.

Mann mit kleiner Spirituosenflasche vor einem beleuchteten Regal mit Flaschen und Gläsern.
Michal Dekan, Sohn des Inhabers, präsentiert ein Destillat vor den Flaschen und Verkostungsgläsern in der Brennerei Pescan. Foto: Ingo Paszkowsky

Auf diese Weise lassen sich empfindliche Fruchtaromen schonender gewinnen, die bei höheren Temperaturen verändert werden oder verloren gehen könnten. Bei der Herstellung klassischer Obstbrände ist dieses Verfahren noch vergleichsweise selten.

Beeindruckend sind auch die Dimensionen der weitgehend automatisierten Produktion. Eine aus dem österreichischen Steyr stammende Verarbeitungsanlage kann nach Angaben der Brennerei innerhalb von nur drei Stunden bis zu 16 Tonnen Obst waschen, entstielen, entsteinen und zerkleinern. Das entspricht einer kompletten Lkw-Ladung. Anschließend folgen die weiteren Produktionsschritte bis zum fertigen Destillat.

Langer gedeckter Restauranttisch vor einer Ziegelwand mit beleuchteten Figuren in Nischen.
Das Restaurant der Brennerei Pescan verbindet rustikale Ziegelwände und Holzskulpturen mit gedeckten Tischen. Foto: Ingo Paszkowsky

Drei Mitarbeiter reichen für die Bedienung der weitgehend automatisierten Anlage aus. Hier treffen industrielle Verarbeitung auf den Anspruch, hochwertige Spirituosen mit möglichst unverfälschtem Fruchtaroma herzustellen.

Ingo Paszkowsky

Titelbild / Ein Springbrunnen, gepflegte Hecken und historische Gebäude prägen den Park auf der Kurinsel. Foto: Ingo Paszkowsky

Mehr über die Trnava-Region


Transparenz-Mitteilung

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde teilweise durch touristische Partner unterstützt, beispielsweise durch Veranstalter, Hotels, Fluggesellschaften, PR-Agenturen oder Tourismusbehörden.
Unsere Berichterstattung ist davon unabhängig. Die Unterstützung hat keinen Einfluss auf Inhalt, Ausrichtung oder Tonalität unserer Artikel.


Auch interessant

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen