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Kategorie "unbedingt sehenswert" - die Giacometti-Halle in der Polizeiwache. Foto: Beate Lemcke

Weltenbummler: Zürichwochenende

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Im Züricher Stadtzentrum nach der Uhrzeit zu fragen, grenzte an Verwegenheit. Liegen doch in gefühlt jedem zweiten Ladengeschäft zwischen Bahnhof und Zürichsee dutzende Chronometer in der Auslage, flankiert von Uhren als Zunftzeichen, die das Stadtbild prägen. Da ist es schier unmöglich, die Zeit aus den Augen zu verlieren.

Stadt der Uhren, Variation 3. Foto: Beate Lemcke
Stadt der Uhren, Variation 3. Foto: Beate Lemcke

Bei einem Kurzaufenthalt in Zürich, das 929 erstmals als Stadt erwähnt wurde und heute wirtschaftlich wie kulturell als Weltstadt gelten kann, stellen einen über 50 Museen vor die Qual der Wahl. Dennoch ist die Zeit auch für einen kleinen Ausflug ins Umland gut angelegt, denn die Wege in der Stadt sind dank eines praktischen Tram-Systems schnell zu bewältigen. Mit einer Seilbahn steigt man in wenigen Minuten zum Rigiblick auf. Dieser war bis 1815 wegen seiner ausgezeichneten Lage über Jahrhunderte „Hochwacht“, und die Germania, eine Verbindung deutscher Studenten an den Zürcher Hochschulen, feierte hier Jahr für Jahr ihr Stiftungsfest. Späteren Generationen der Verbindung wurde es 1875 erlaubt, die Gebeine des von ihr verehrten Dichters Georg Büchner auf „ihren Hügel“ umzubetten. Auf dem Stein zum Gedächtnis an den mit 24 Jahren Verschiedenen ist zu lesen „Ein unvollendet Lied/sinkt er ins Grab/Der Verse Schoensten nimmt er mit hinab“.

Büchners Grab auf dem Germaniahügel. Foto: Beate Lemcke
Büchners Grab auf dem Germaniahügel. Foto: Beate Lemcke

Im Kunsthaus Zürich findet sich neben Sonderausstellungen eine hervorragende Sammlung internationaler Kunst, darunter Böcklin, Penck, Basquiat. Auch eine Reihe wenig bekannter Skulpturen von Cy Twombly ist zu sehen und vor allem eine großartige Kollektion an Malerei und Plastik aus allen Schaffensphasen von Alberto Giacometti.

Die Familie Giacometti war eine wahre Künstlerdynastie, da gerät man schonmal durcheinander. Gemälde des post-impressionistischen Malers Giovanni Giacometti sind nämlich auch zu sehen im Kunsthaus, er war der Vater von Alberto, Diego (Bildhauer) und Bruno (Architekt). Die Kirchenfenster im Fraumünster hingegen gestaltete neben Marc Chagall ein Cousin von Giovanni, Augusto Giacometti. Seiner Handschrift begegnet man wieder im Großmünster, für das auch Sigmar Polke vielgestaltige Fenstermotive fand.

Schweizer Kühe sind anders. Züricher Altstadt westlich des Limmat. Foto: Beate Lemcke
Schweizer Kühe sind anders. Züricher Altstadt westlich des Limmat. Foto: Beate Lemcke

Unbedingt sehenswert, aber nur zu sehr begrenzten Zeiten zugänglich ist das Eingangsfoyer der Polizeihauptwache am Bahnhofquai. Die Deckengewölbe des ehemaligen Waisenhauses hatten dereinst wie eine düstere Kellergruft gewirkt, so daß der Zürcher Stadtrat beschloss, sie künstlerisch ausgestalten zu lassen. Dies nahm Augusto Giacometti von 1923 bis 1925 mit drei Helfern in Angriff. Ein leuchtendes Feuerwerk an Farben und Formen versetzt einen heute in Staunen.

Neben den großen Museen lohnen auch kleine einen Besuch, so das Spielzeugmuseum in der Fortunagasse mit seiner europäischen Sammlung. Hier sind heute sogar noch alte DDR-Bestände, wie eine kleine Holzeisenbahn, zu erwerben.

Und dann bleibt die Zeit doch einmal stehen: wenn man die fein gefüllten Makrönchen von der Confiserie Sprüngli, die Luxemburgerli, auf der Zunge schmelzen läßt. Sie gelten als Wahrzeichen für Zürich.

Beate Lemcke

Titelfoto / Kategorie „unbedingt sehenswert“ – die Giacometti-Halle in der Polizeiwache. / Foto: Beate Lemcke

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