Koalas zu entdecken, kann selbst für geübte Beobachter schwierig sein. Oft sitzen die Tiere regungslos hoch oben zwischen den Blättern von Eukalyptusbäumen und sind vom Boden aus kaum zu erkennen. In Australien kommt deshalb bei der Suche nach den Beuteltieren eine ungewöhnliche Unterstützung zum Einsatz: speziell ausgebildete Hunde.
Einer der bekanntesten von ihnen war Bear. Zehn Jahre lang half der Koala-Spürhund Wissenschaftlern und Tierschützern dabei, lebende Tiere aufzuspüren. Anfang 2026 ging der inzwischen elfjährige Rüde in den Ruhestand. Nun steht seine mögliche Nachfolgerin bereit: Die zweijährige Australian-Koolie-Hündin Oaka wird derzeit darauf vorbereitet, lebende Koalas allein anhand ihres Geruchs zu finden.
Damit übernimmt sie eine Aufgabe, die deutlich schwieriger ist, als es zunächst klingt.
Oaka soll in die Fußstapfen von Bear treten
Nachdem Bears Rückzug feststand, suchten der International Fund for Animal Welfare (IFAW) und die australische Organisation Innovation for Conservation (I4C) nach einem neuen vierbeinigen Teammitglied. Mehr als 50 Bewerbungen gingen nach Angaben des IFAW ein, überwiegend aus Australien, eine sogar aus den USA. 13 Hunde wurden näher getestet.
Oaka fiel den Trainern früh auf. Die junge Hündin stammt aus New South Wales und hatte bereits eine für einen Spürhund erstaunlich passende Vorgeschichte: Ihre ursprüngliche Familie kam mit ihrem ausgeprägten Temperament nicht zurecht und gab sie ab. Die Tierschutzorganisation DM Rescue und Hundetrainerin Avery Keller erkannten jedoch das Potenzial der Hündin. Nach ersten Tests per Video reiste Oaka an die Sunshine Coast in Queensland, wo sie die Trainer auch bei den persönlichen Prüfungen überzeugte.
Heute arbeitet sie mit Russell Miller von Innovation for Conservation. Unterstützt wird das Training von Frédéric Chappée, dem Leiter der Hundestaffeln des IFAW, der über mehr als 20 Jahre Erfahrung mit Spürhunden verfügt. Die Ausbildung beginnt mit Suchspielen und Bällen, bevor Oaka lernen muss, ihre Suche mit dem Geruch von Koalafell zu verbinden.
Wie findet ein Hund einen Koala hoch oben im Baum?

Koalas hinterlassen natürlich auch Spuren am Boden. Hunde können beispielsweise darauf trainiert werden, ihren Kot aufzuspüren. Solche Funde sind für Wissenschaftler wertvoll, weil sie Rückschlüsse darauf ermöglichen, ob Koalas in einem Gebiet leben.
Doch Oaka soll etwas anderes lernen: Sie soll lebende Koalas finden.
Und genau darin liegt die besondere Herausforderung. Ein Koala kann viele Meter über dem Boden in einem Baum sitzen. Der stärkste wahrnehmbare Geruch muss sich dabei keineswegs direkt unter dem Tier befinden. Luftbewegungen und die Umgebung können den Geruch vom eigentlichen Standort wegtragen. Ein Hund muss deshalb nicht nur einen Koalageruch erkennen, sondern letztlich auch den Baum identifizieren, in dem sich das Tier befindet. Der IFAW bezeichnet diese Aufgabe als wesentlich schwieriger als die Suche nach Koala-Kot.
Bear war darauf trainiert, sich am Fuß des entsprechenden Baumes hinzulegen. Als Belohnung wartete anschließend sein Lieblingsspielzeug – ein Ball. Bei Oaka soll nach einem ähnlichen Prinzip gearbeitet werden. Zunächst wird ihre ohnehin starke Motivation zum Suchen genutzt, danach kommt schrittweise der Geruch des Koalas hinzu.
Für Bear dauerte die Ausbildung zum Spezialisten rund zwei Jahre. Bei Oaka soll sie nach Angaben des IFAW beschleunigt werden, damit möglichst bald wieder ein Hund für Einsätze zur Verfügung steht.
Was einen schwierigen Familienhund zum perfekten Spürhund machen kann
Oakas Geschichte erinnert erstaunlich stark an die ihres Vorgängers. Auch Bear war ursprünglich als Haustier vorgesehen. Seine enorme Energie, seine Fixierung auf Spielzeug und sein ausgeprägter Bewegungsdrang machten das Zusammenleben allerdings schwierig.
Was für einen gewöhnlichen Familienhund problematisch sein kann, erwies sich bei der Ausbildung zum Spürhund als Vorteil. Bear konnte sich intensiv auf eine Aufgabe konzentrieren und war nahezu unermüdlich auf der Suche nach seinem Ball. Der IFAW beschreibt ihn deshalb als Beispiel dafür, wie Eigenschaften, die im Alltag als schwierig gelten, bei einem Arbeitshund ausgesprochen wertvoll sein können.
Bei der Suche nach einem Nachfolger wurde sogar gezielt nach einem jungen Tierschutzhund mit starkem Spieltrieb gesucht. Wichtig war zugleich, dass der Hund keinen ausgeprägten Jagdtrieb besitzt: Ein Naturschutzhund soll Wildtiere schließlich finden, nicht verfolgen.
Oaka erhält damit wie Bear eine Aufgabe, die ihren Anlagen offenbar wesentlich besser entspricht als das Dasein als gewöhnlicher Familienhund.

Bear wurde während der Buschbrände bekannt
Internationale Aufmerksamkeit erhielt Bear vor allem während und nach den verheerenden australischen Buschbränden des sogenannten „Black Summer“ 2019/2020.
In den abgebrannten Gebieten bestand eine der größten Schwierigkeiten darin, überlebende Koalas überhaupt zu finden. Die Tiere sitzen häufig bewegungslos in den Baumkronen und können zwischen Ästen und Blättern selbst von erfahrenen Helfern übersehen werden.
Bear half nach Angaben des IFAW dabei, mehr als 100 Koalas aufzuspüren. Viele von ihnen benötigten anschließend tierärztliche Hilfe.
Dabei wurde auch sein ungewöhnliches Arbeitsoutfit bekannt: Bei Einsätzen auf verbranntem Untergrund trug der Hund rote Schutzschuhe, die seine Pfoten vor Verletzungen schützen sollten. Die Bilder des Koala-Spürhundes gingen um die Welt.
Sein Einsatz verdeutlichte zugleich, dass Spürhunde nicht nur nach vermissten Menschen, Drogen oder Sprengstoff suchen können. Ihre Nasen lassen sich auch im Natur- und Artenschutz einsetzen – von der Suche nach einzelnen Tierarten bis zum Aufspüren ihrer Hinterlassenschaften.
Koalas stehen in Teilen Australiens unter starkem Druck
Der Einsatz solcher Hunde hat einen ernsten Hintergrund. Die Koala-Populationen in Queensland, New South Wales und im Australian Capital Territory werden unter dem australischen Umweltrecht seit 2022 als gefährdet („endangered“) geführt. Als Ursachen nennt die australische Regierung unter anderem den Verlust und die Zerschneidung geeigneter Lebensräume, Krankheiten, zunehmende Hitze und Dürren sowie Buschbrände. Hinzu kommen Kollisionen mit Fahrzeugen und Angriffe durch Hunde.
Eine genaue Erfassung der Tiere ist deshalb wichtig. Neben Spürhunden kommen mittlerweile unter anderem Drohnen, akustische Verfahren und andere Monitoringmethoden zum Einsatz. Die australische Regierung weist allerdings darauf hin, dass aktuelle Bestandsschätzungen noch Teil einer neuen Datengrundlage sind und nicht ohne Weiteres mit früheren Zahlen verglichen werden können.
Spürhunde lösen nicht die grundlegenden Probleme der Koalas. Sie können aber dabei helfen, Tiere überhaupt erst zu finden – nach Naturkatastrophen ebenso wie bei wissenschaftlichen Untersuchungen oder Schutzmaßnahmen.
Australiens Arbeitshunde haben Tradition
Dass ausgerechnet ein Australian Koolie diese Aufgabe übernimmt, passt durchaus zur Geschichte australischer Arbeitshunde. Koolies und Kelpies wurden über Generationen wegen ihrer Ausdauer, Beweglichkeit und Arbeitsfreude eingesetzt.
Ein berühmter Vertreter dieser australischen Hundetradition ist Red Dog, der in den 1970er-Jahren durch die Pilbara-Region in Westaustralien streifte und dort zur Legende wurde. Ihm wurde in Dampier sogar ein Denkmal gesetzt. Seine Geschichte lieferte später die Vorlage für Kinofilme.
WeltReisender hat Red Dog und die Filmproduktion „Red Dog: True Blue“ bereits ausführlich vorgestellt.
Der Vergleich sollte allerdings nicht zu weit gehen: Red Dog war kein Naturschutz- oder Spürhund. Interessant ist vielmehr, wie stark arbeitsfreudige Hunde bis heute zum australischen Alltag und zur Kultur des Landes gehören.
Koalas auf einer Australienreise erleben
Für Reisende dürfte der Anblick eines Koalas erheblich einfacher sein als für ein Rettungsteam nach einem Buschbrand. Besonders Queensland bietet zahlreiche Möglichkeiten, die Beuteltiere zu beobachten – sowohl in Wildlife Parks und Schutzstationen als auch mit etwas Glück in freier Natur.
Tourism Australia nennt beispielsweise den Noosa National Park an der Sunshine Coast und Magnetic Island vor Townsville als Regionen, in denen Reisende wild lebende Koalas entdecken können. Auf Magnetic Island führt unter anderem der Forts Walk durch Koala-Lebensraum.
Daneben gibt es Einrichtungen wie das Lone Pine Koala Sanctuary bei Brisbane oder das Currumbin Wildlife Sanctuary an der Gold Coast, in denen Besucher mehr über Koalas und ihren Schutz erfahren können.
WeltReisender hat einige solcher Möglichkeiten bereits in dem Beitrag „Frühstück mit Koalas und anderen Kuscheltieren“ vorgestellt.
Oaka steht erst am Anfang
Ob Oaka tatsächlich einmal ähnlich erfolgreich sein wird wie Bear, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Sie befindet sich noch in Ausbildung. Doch die ersten Tests waren offenbar vielversprechend.
Am Ende entscheidet nicht allein ihre empfindliche Nase. Ein erfolgreicher Koala-Spürhund benötigt Ausdauer, Konzentrationsfähigkeit, Spielfreude und eine enge Zusammenarbeit mit seinem Hundeführer.
Für Oaka könnte genau das, was sie einst zu einem schwierigen Familienhund machte, nun zu ihrer größten Stärke werden. Und vielleicht steht künftig irgendwo im australischen Busch eine kleine Koolie-Hündin vor einem Eukalyptusbaum, legt sich auf den Boden – und zeigt den Menschen damit, dass sich weit über ihren Köpfen ein Koala versteckt.
Titelfoto / Die zweijährige Australian-Koolie-Hündin Oaka wird von IFAW und Innovation for Conservation (I4C) zum Koala-Spürhund ausgebildet. Sie soll künftig lebende Koalas anhand ihres Geruchs aufspüren. / Bild: Suzanne Pearson / © IFAW
Auch interessant
- Die Kultur der Aborigines – Fast Facts und Touren
- Mit Qantas A350-1000ULR nonstop von der australischen Ostküste nach London und New York
- Südaustralien: Interessante Wandertouren und ein Lichtschutzgebiet
- Abenteuer im Outback: Eine Reise durch Australiens Wildnis
- Ornate Eagle Ray – das Einhorn der Meere zeigt sich selten
- Schwimmen mit Walen in Queensland
- Naturschauspiel: Lake Eyre in Südaustralien ist gefüllt




