GeoPark Schieferland: Blaues Gold entdecken – auf den Spuren des Schiefers im Frankenwald

Der Frankenwald ist für mich der schönste Wald. Warum das so ist, kann ich gar nicht so genau beschreiben. Es liegt sicher nicht nur daran, dass die Brauereidichte in der Region die höchste in Deutschland ist. Manche meinen sogar weltweit.

Die Landschaft des deutschen Mittelgebirges ist einfach beeindruckend. “Rund 2.400 Kilometer Wanderwege gibt es im Frankenwald”, erzählt Dieter Frank, der Hauptvorsitzende des Frankenwaldvereins e.V.

Abenteuer Blaues Gold

Tagelang könnte man dort wandern und sich an der Natur erfreuen – und würde dabei häufiger auch auf Zeugnisse des Blauen Goldes der Region stoßen: den Schiefer. Eigentlich besitzt der Schiefer eine schwärzliche Färbung, mit einigem guten Willen könnte man die Farbe auch als Blau-Schwarz oder Grau-Blau-Schwarz bezeichnen. Jedoch, „Schwarzes Gold“ ist als Metapher schon für zahlreiche Rohstoffe und Produkte wie Erdöl, Kohle, Guinness oder Trüffel belegt. Bleiben wir also beim Blauen Gold. Abenteuer Blaues Gold ist das Motto des Geoparks Schieferland, der vor zehn Jahren gegründet und kürzlich „geadelt“ wurde. Er darf ab sofort den Zusatz „Nationaler GeoPark in Deutschland“ verwenden.

Lauschige Orte gibt es viele im GeoPark Schieferland / Foto: Ingo Paszkowsky
Lauschige Orte gibt es viele im GeoPark Schieferland / Foto: Ingo Paszkowsky

Die Entscheidung, den bundesländerübergreifenden Park mit dem Gütesiegel auszuzeichnen, ist von der Zertifizierungskommission der GeoUnion „Nationaler Geopark“ einstimmig getroffen worden. Damit ist der Geopark Schieferland, der sich über die Landkreise Hof, Kronach und Kulmbach in Bayern sowie die Landkreise Saale-Orla-Kreis, Saalfeld-Rudolstadt und Sonneberg in Thüringen erstreckt, einer von insgesamt 17 nationalen Geoparks in Deutschland. „Insgesamt umfasst er ein Gebiet von rund 3.200 Quadratkilometern, etwa zu gleichen Teilen in Bayern und Thüringen“, berichtet Dietrich Förster, Geschäftsführer Geopark Schieferland in Franken e.V.


Fotostrecke GeoPark Schieferland


Ehemaliger Exportschlager Schiefertafeln

An der Nahtstelle der drei Naturparke Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale, Thüringer Wald und Frankenwald dreht sich (fast) alles um den Schiefer. Die Konzentration von historischen Schieferbrüchen zeugt vom einst florierenden, weltweiten Absatz des Rohstoffs. Bis zu 1000 Menschen arbeiteten damals für die Gruben in der Region. 10 bis 12 Stunden am Tag, in einer 6-Tage-Arbeitswoche mit lediglich fünf Tagen Urlaub im Jahr. Die Bergleute standen während ihrer Arbeit wegen des Grundwassers immer im Wasser – im Sommer und im Winter. Ein Ergebnis dieser Plackerei: Pro Jahr verließen 20 Millionen Schiefertafeln die Region in alle Welt.

Schieferbergwerk Lotharheil: Kurze Unterweisung vom Chef, bevor es in der Berg geht. Manfred Teichmann führt den Familienbetrieb in vierter Generation / Foto: Ingo Paszkowsky
Schieferbergwerk Lotharheil: Kurze Unterweisung vom Chef, bevor es in der Berg geht. Manfred Teichmann führt den Familienbetrieb in vierter Generation / Foto: Ingo Paszkowsky

Während man allerorts die Zeugnisse der Schiefervergangenheit, nämlich Abraumhalden, ehemalige Tagebaue und zahlreiche Grubeneingänge entdecken kann, ist der Schieferabbau eingestellt worden – bis auf eine kleine Ausnahme: das Schieferbergwerk Lotharheil – Teichmann SchieferZentrum. Dort wird immer noch Tonschiefer abgebaut und verarbeitet. Tonschiefer besteht in erster Linie aus den Mineralien – jetzt wird es fachlich – Muskowit, Chlorit und Serizit sowie einem hohen Quarzanteil. Der Gehalt an „Schadstoff“ Schwefelkies (Pyrit – das von Laien wegen seines goldglänzenden Aussehens auch mal mit dem kostbaren Edelmetall verwechselt wird) ist gering. Dieser Tonschiefer ist frost-, farb-, säure-, laugen- und hitzebeständig bis 300°C.


Fotostrecke Schieferbergwerk Lotharheil

Schieferbergwerk Lotharheil


„Vermutliche Entstehung in einem landfernen, tiefen Meeresbecken vor 340 bis 400 Millionen Jahren“, erzählt Inhaber Manfred Teichmann. Das Flöz (Schieferlager) hat eine Mächtigkeit (Dicke) von 14 bis 20 Metern und „steht“ in einem Winkel von 45 Grad in Richtung Nordwesten im Berg. Das Vorkommen lasse sich an der Oberfläche über etwa zweieinhalb Kilometer verfolgen, erklärt Teichmann.

Dunkel und mystisch

Manfred Teichmann nimmt uns mit in sein Reich im Berg. Vorher bekommen wir einen Bergarbeiter-Schutzhelm verpasst. Hinein geht es eine längere Zeit tief gebückt in den Stollen, an nur wenigen Stellen kann man aufrecht stehen, bis wir dann endlich in eine große Höhle kommen, in der Teichmann und Mitarbeiter in der Regel zweimal in der Woche den Schiefer abbauen.

Schieferbergwerk Lotharheil. Die Kameras haben so ihre Mühe, im Bergwerk vernünftige Aufnahmen zu machen / Foto: Ingo Paszkowsky
Schieferbergwerk Lotharheil. Die Kameras haben so ihre Mühe, im Bergwerk vernünftige Aufnahmen zu machen / Foto: Ingo Paszkowsky

Unheimlich, feucht und dunkel ist es. Zu kalt sowieso, zu jeder Jahreszeit acht Grad. Zum Fotografieren zu dunkel, die Kamera will im Automatik-Modus in dieser Dunkelheit nicht mehr auslösen. Das Handy lässt sich teilweise überreden. Nach einiger Zeit gewöhnen wir uns etwas an die Dunkelheit. Es gut zu erkennen, wie sich das Schieferflöz quer durch den Berg erstreckt.

Vermutlich ein perfekter Drehort. Der amerikanische Starregisseur Ridley Scott könnte an diesem ungastlichen mystischen Ort sicher die nächste gruselige Folge seines Science-Fiction-Films Prometheus drehen.

Endlich geht es wieder nach draußen. Manchen Kolleginnen und Kollegen fällt die dauerhaft gebückte Haltung im Stollen inzwischen schwer und so hört man ab und zu ein lautes Plopp, begleitet von einem Lachen oder auch Fluchen, wenn jemand mit dem Helm an die „Decke“ des niedrigen Stollens stößt. Direkt vor mir läuft ein Kollege, der schnell wieder ins Freie will, alle paar Sekunden ploppt es. Sein Schutzhelm hat glücklicherweise seine vielen Zusammenstöße mit dem Gestein wunderbar abgefangen. Im Freien sind wir uns jetzt alle einig, dass es wirklich wichtig war, einen Helm aufzusetzen.

Für Schiefertafeln und Dachschiefer zu hart

Vor rund 300 Jahren begann an dieser Stelle der Abbau des Blauen Goldes im Tagebau. Seit 1857 wird der Schiefer untertage gewonnen. Reichsrat Lothar Freiherr von Faber erwarb damals das Abbaurecht. Vom Ersteigentümer des Bergwerks stammt immer noch der Name: Lotharheil. Faber benötigte den Schiefer für die damals sehr beliebten Schiefertafeln. Der Schiefer erwies sich für diesen Einsatzzweck allerdings als zu hart und so wurde das Bergwerk 1894 verkauft. Der Schreibwarenhersteller Faber-Castell mit heute weltweit rund 8000 Mitarbeitern, davon 1100 in Deutschland, hat seinen Unternehmenssitz immer noch in Franken, baut aber heute keinen Schiefer mehr ab.

Schieferwerk Lotharheil & Teichmann, SchieferZentrum Inhaber: Manfred Teichmann. Dachschiefer ist im Angebot, wird nicht mehr selbst produziert. Stattdessen etwas gröbere Dinge wie Fußbodenplatten, Treppensteine etc. / Foto: Ingo Paszkowsky
Schieferwerk Lotharheil & Teichmann, SchieferZentrum
Inhaber: Manfred Teichmann. Dachschiefer ist im Angebot, wird nicht mehr selbst produziert. Stattdessen etwas gröbere Dinge wie Fußbodenplatten, Treppensteine etc. / Foto: Ingo Paszkowsky

Als 1904 das Bergwerk erneut zum Kauf stand, griffen die Schieferdecker-Eheleute Christian und Henriette Teichmann zu. Der heutige Inhaber Manfred Teichmann holt mittlerweile in vierter Generation den Schiefer aus dem Berg. Auch die Teichmanns sollten erfahren, dass dieser Schiefer für bestimmte Produkte zu hart ist. Daher musste Familie Teichmann Ende der 60er Jahre aus wirtschaftlichen Gründen die Dachschieferproduktion einstellen. Das Verhältnis zwischen Abraum und verkaufsfähigem Material betrug sechs zu eins. Genug Rohstoff Schiefer für andere Produkte ist aber in der Mine vorhanden, von den 36 Hektar wurden bisher nur fünf Prozent abgebaut.

Inzwischen holen Teichmann und Mitarbeiter das Blaue Gold nur noch bei Bedarf aus dem Berg. Das Unternehmen hat sich auf die Produktion von Fußbodenplatten, Treppensteinen, Fensterbänken und Tischplatten und ähnlichen Erzeugnissen verlegt. Diese und zusätzlich Produkte seiner europäischen Partnerlieferanten, wie beispielsweise Dachschiefer, bietet das Unternehmen deutschlandweit und im benachbarten Ausland an.

Zum Abschluss der Führung sollen die Frauen aus der Besucherrunde ein Herz aus Schiefer ihr eigen nennen können. Anwesende Mitarbeiter hämmern gekonnt und gezielt – man möchte sagen, in Windeseile – die notwendige Anzahl Herzen aus den Schieferplatten.

Alles über Schiefer und Schiefertafeln

Wer noch mehr über Schiefer wissen will, ist bei Nicole Wittig von der Tourismusinitiative „Handwerk & Kultur erleben!“ GbR richtig. Wir treffen sie im Deutschen Schiefertafel Museum in Ludwigsstadt.

Erster Eindruck: Nicole Wittig weiß alles über Schiefer. Zweiter Eindruck: Der erste Eindruck trügt nicht.

Und sie bringt ihr Wissen wirklich unterhaltsam rüber. „Schiefer entsteht aus Sedimentschichten unter hohem Druck“. Okay, das wissen wir schon. „Ein achtstöckiges Wohnhaus wird auf einen halben Zentimeter Stärke zusammengepresst.“ Das ist eine wirklich plastische Schilderung.

Schiefertafelmuseum Ludwigsstadt: Umfangreiche Ausstellung über Schiefertafeln / Foto: Ingo Paszkowsky
Schiefertafelmuseum Ludwigsstadt: Umfangreiche Ausstellung über Schiefertafeln / Foto: Ingo Paszkowsky

Wir erfahren außerdem, dass sich Schiefer in Platten bis zu einem halben Zentimeter Dicke aufspalten lässt, wenn er nicht zu hart ist. Außerdem lässt er sich nur „bergfeucht“ (interessantes Wort, bei Wikipedia gibt es dazu auch den Begriff bergfrisch) spalten.

Heute kommt der in Deutschland verwendete Schiefer hauptsächlich aus Spanien, Portugal und China. Nicole Wittig hat indischen Farbschiefer als Boden in ihrem Heim. In Großbritannien gibt es auch roten und grünen Schiefer.

Setzen wir unsere Schieferexpedition weiter in Süddeutschland fort. Damals waren in der Region viele Dächer mit Schiefer gedeckt. Aber nur reiche Leute konnten sich ein Schieferdach leisten. Auch heute ist ein Schieferdach keine sparsame Lösung und kann schon mal 40.000 Euro kosten, wenn es etwas aufwändiger sein soll. „Dafür hält es für Generationen“, sagt Nicole Wittig. Wenn da nicht die rostenden Nägel wären, die die 100 Jahre Haltbarkeitsdauer nicht mitmachen wollen.

Nicole Wittig von der Tourismusinitiative „Handwerk & Kultur erleben!“ GbR weiß alles über Schiefer / Foto: Ingo Paszkowsky
Nicole Wittig von der Tourismusinitiative „Handwerk & Kultur erleben!“ GbR weiß alles über Schiefer / Foto: Ingo Paszkowsky

Zwischenfrage: Was ist denn mit Kupfernägeln, die rosten doch nicht? „Kupfernägel sind zu weich für das Dach. Im Winter bei Wind singt dann das Haus. Das wird richtig gruselig.“


Fotostrecke Schiefertafelmuseum Ludwigsstadt


Wir erfahren noch, dass Kinder aus der ganzen Welt auf Tafeln von Ludwigsstadt geschrieben haben. Um die Schiefertafeln herzustellen, sind über 20 Arbeitsschritte erforderlich. Außerdem kann der Besucher im Schiefermuseum selbst Hand anlegen bei einigen Herstellungsschritten der damaligen Exportschlager.

Geotope, Geopfade, Georadrouten und Geostraßen

„Die zahlreichen Geotope, die bereits bestehenden 23 Geopfade, die zwei Georadrouten und die drei Geostraßen im Geopark Schieferland sollen künftig durch eine intensive Vermarktung noch mehr in den Fokus gerückt werden“, verspricht Dr. Oliver Bär, Hofs rühriger Landrat und Vorsitzender des Geoparks Schieferland. Bär bedankt sich in diesem Zusammenhang bei den vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern, die – etwa durch Führungen – den Geopark für Besucher erlebbar machen.

Beispiel für einen Geopfad ist der Geopfad Geroldsgrün, der in die drei Rundkurse Panoramarunde (14 Kilometer Länge), Lohtarheiler Runde (15,5 Kilometer) – hier kommt man übrigens bei dem oben genannten einzigen aktiven Schieferbergwerk in Süddeutschland vorbei – und Rauhbergrunde (6 Kilometer) unterteilt ist.

GeoPark Schieferland. Die Schieferhalden bei Dürrenwaiderhammer / Foto: Ingo Paszkowsky
GeoPark Schieferland. Die Schieferhalden bei Dürrenwaiderhammer / Foto: Ingo Paszkowsky

Geroldsgrün – am südwestlichen Rand der Hochfläche gelegen – ist dabei ein idealer Ausgangspunkt zur Erkundung der landschaftlichen und geologischen Facetten des Frankenwaldes. Besonders beeindruckend ist der meist abrupte Wechsel von der sanft gewellten, teils fast eben wirkenden Hochfläche zu den unvermittelt einsetzenden, tief eingekerbten und intensiv bewaldeten Tälern.

Der Superstar der deutschen Naturforscher wirkte hier

In der Region wurde nicht nur Schiefer abgebaut, sondern auch Kupfer- und Eisenerz. Die Bergbaugeschichte in der Region begann vor 1000 Jahren. Die Bekanntschaft mit dem Naturforscher-Popstar in Deutschland, Alexander von Humboldt, bleibt nicht aus. Er hatte für einige Jahre seine Wirkungsstätte in der Region, revolutionierte die damaligen Abbauverfahren und machte unrentable Gruben wieder rentabel.

In Bad Steben richtete er auf eigene Kosten und ohne Rücksprache mit vorgesetzten Behörden eine Berufsschule für Bergleute ein. Die erste Arbeiterberufsschule in Deutschland war offen für die Altersstufen 12 bis 30 Jahre. Gelehrt wurde nach Schichtende bis 23 Uhr. Heute dient das Haus in der Hauptstraße 2 in Bad Steben der Gemeinde als Rathaus.

Wasserfall-Ecke. Beim Bau der Therme Bad Steben wurden viele regionale Nturmaterialien verwendet / Foto: M .Teuber / CC BY-NC-SA 2.0 / https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de
Wasserfall-Ecke. Beim Bau der Therme Bad Steben wurden viele regionale Nturmaterialien verwendet / Foto: M .Teuber / CC BY-NC-SA 2.0 / https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de

Tipp: Im Keller findet sich derzeit noch der Gastraum der Privatbrauerei „Budenschuster“, die ein spezielles Humboldt-Bier brauchen. In den eigenen Räumlichkeiten der Brauerei in der Friedrichstraße 2 wird wohl noch gebaut.

Humboldts ehemaliges Wohnhaus in Bad Steben in der Badstraße 2 steht heute unter Denkmalschutz. Das Haus befindet sich in Privatbesitz.

Bad Steben ist auch als Kurort sehr bekannt durch die Bad Stebener Therme. Diese geht auf eine seit dem Mittelalter bekannte Mineralquelle im heutigen Markt Bad Steben zurück. Der Gebäudekomplex ist ein architektonisches Highlight, in dem viele regionale Naturmaterialien verwendet wurden, wie beispielsweise Schiefer aus dem Frankenwald.

Die Spuren der deutschen Teilung

Der Frankenwald als deutsches Mittelgebirge liegt im Nordosten Frankens im nördlichen Bayern und hat Ausläufer bis nach Thüringen. Dadurch finden wir auch noch Zeugnisse der deutschen Teilung wie den Aussichtsturm Thüringer Warte mit einer Höhe von 26,5 Metern. Er steht auf dem 678 Meter hohen Ratzenberg in der Nähe von Lauenstein, einen Ortsteil der oberfränkischen Stadt. Die Landesgrenze zwischen Thüringen und Bayern läuft nur etwa 200 Meter vom Turm entfernt. Der ehemalige innerdeutsche Grenzstreifen ist wegen des jüngeren Baumbewuchses noch gut erkennbar. Die Einweihung des Turms erfolgte am 17. Juni 1963, dem damaligen Tag der deutschen Einheit. Der Turm war ein Besuchermagnet für viele, die weit ins Thüringer Land schauen wollten, sehr zum Missfallen der ostdeutschen Grenzbehörden.

Ausblick von der Thüringer Warte. Der Verlauf der ehemaligen Deutsch-Deutschen-Grenze ist wegen der helleren und kleineren Bäume noch gut zu erkennen. / Foto: Ingo Paszkowsky
Ausblick von der Thüringer Warte. Der Verlauf der ehemaligen Deutsch-Deutschen-Grenze ist wegen der helleren und kleineren Bäume noch gut zu erkennen. / Foto: Ingo Paszkowsky

Vom Parkplatz muss man bis zum Eingang des Turmes einige Meter mit moderater Steigung laufen. Vom Parkplatz aus in die andere Richtung gelangt man nach rund 100 Metern zu einem Aussichts- und Rastpunkt, der einen exquisiten Blick auf die mit Schiefer gedeckte Burg Lauenstein erlaubt.


Fotostrecke Aussichtsturm Thüringer Warte


Wenn Sie schon in Lauenstein sind, auf Pralinenkunst und Hochgenuss stehen, dann besuchen Sie doch die Lauenstein Confiserie. Dort können Sie in der Fischbachsmühle alle möglichen und unmöglichen Schokoladenkreationen probieren und erwerben. In der gläsernen Manufaktur schauen Sie den Mitarbeitern bei der kreativen Produktion zu oder stellen gleich selbst ihre eigenen Entwürfe her. Keine Zeit vorbeizuschauen? Kein Problem, es gibt auch einen Online-Shop.

Little Berlin in Franken, wo die Mauer noch steht

Noch ein Ort verdient Ihre Aufmerksamkeit, das kleine Mödlareuth. Ein Dorf mit 40 Einwohnern, das zu einem Teil im Bundesland Bayern (Landkreis Hof mit 16 Einwohnern) und zum anderen Teil im Bundesland Thüringen (Saale-Orla-Kreis mit 24 Einwohnern) liegt. Die innerdeutsche Grenze verlief mitten durch das Dorf entlang des Tannbachs. Es gab eine Mauer, aber keinen Checkpoint, keinen Grenzübergang. Es war verboten, von Ost nach West zu winken oder grüßen.

Mauermuseum "Little Berlin". Rekonstruiertes Freigelände der Gliederung des DDR-Grenzgebietes / Foto: Ingo Paszkowsky
Mauermuseum “Little Berlin”. Rekonstruiertes Freigelände der Gliederung des DDR-Grenzgebietes / Foto: Ingo Paszkowsky

Mit dem Teilabriss der Mauer am 17. Juni 1990 entstand die Idee, doch nicht alle Grenzanlagen abzureißen, sondern eine Gedenkstätte und ein Museum einzurichten. Damals gingen Verwaltungsakte noch schnell, denn bereits am 3. September 1990 erfolgte die Gründung des Vereins Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth e.V.


Fotostrecke Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth

Fotostrecke Deutsch-Deutsches Museum


Das Freigelände vermittelt in einer Rekonstruktion die Gliederung des DDR-Grenzgebietes in Sperrzone und Schutzstreifen, Aufbau und Zusammenwirken der verschiedenen Sperranlagen sowie die „offene“ Grenze auf Seiten der Bundesrepublik. Ein zweiter Teilbereich bildet die Betonsperrmauer im Original auf einer Länge von 100 Metern. Dazu gibt es noch einen vier Kilometer langen Geschichtslehrpfad um das Freigelände und dann natürlich das Museum an sich. In einer zusätzlichen Halle sind über 30 historische Grenzfahrzeuge ausgestellt.

Auf dem Freigelände des Mauermuseums in "Little Berlin" steht die Mauer auf einer Länge von 100 Metern noch im Original / Foto: Ingo Paszkowsky
Auf dem Freigelände des Mauermuseums in “Little Berlin” steht die Mauer auf einer Länge von 100 Metern noch im Original / Foto: Ingo Paszkowsky

Übernachten in einem Bauhaus-Ensemble

Wenn Sie sich nicht nur für schöne Landschaften und Schiefer interessieren, sondern auch für den Bauhausstil, dann machen Sie doch einen Abstecher nach Probstzella in Thüringen. Übernachten Sie im Haus des Volkes. Das Haus des Volkes erbauten 1925 bis 1927 Alfred Arndt und Ernst Gebhardt im Auftrag des Industriellen Franz Itting als Hotel und kulturelles Zentrum. Die Inneneinrichtung gestalteten sämtlich Künstler des Bauhauses Dessau, es handelt sich um das größte in Thüringen realisierte Bauhaus-Ensemble. Das Haus besitzt natürlich ein Schieferdach. Wie könnte es auch anders sein in der Region.

Das Haus des Volkes erbauten 1925 bis 1927 Alfred Arndt und Ernst Gebhardt im Auftrag des Industriellen Franz Itting als Hotel und kulturelles Zentrum. / Foto: Ingo Paszkowsky
Das Haus des Volkes erbauten 1925 bis 1927 Alfred Arndt und Ernst Gebhardt im Auftrag des Industriellen Franz Itting als Hotel und kulturelles Zentrum. / Foto: Ingo Paszkowsky

1995 erhielten Haus und Hotelpark Denkmalstatus. Inhaber Dieter Nagel ersteigerte 2003 das Gebäude und saniert es seitdem schrittweise. Sehr beeindruckend sind übrigens der große Veranstaltungssaal und der „Blaue Saal“, in dem sich das Restaurant befindet.

Die Geschichte des Hauses kann in der hauseigenen digitalen Führung mittels Smartphone oder Tablet erforscht werden.


Fotostrecke Haus des Volkes

Das Haus des Volkes erbauten 1925 bis 1927 Alfred Arndt und Ernst Gebhardt im Auftrag des Industriellen Franz Itting als Hotel und kulturelles Zentrum.


Die Preise für die Zimmer im Bauhaus-Stil sind moderat. Ab 54 Euro für ein Einzelzimmer bis zu 99 Euro für das Luxus-Doppelzimmer mit Eck-Badewanne. Frühstück kostet 5 Euro pro Person. Halbpension – Frühstück und 3-Gänge-Menü zum Abendessen – 27,50 Euro pro Person. Kinder von drei bis elf Jahren zahlen 15 Euro für die Halbpension.

Hotelzimmer im Bauhaus-Stil / Foto: Ingo Paszkowsky
Hotelzimmer im Bauhaus-Stil / Foto: Ingo Paszkowsky

Abschließend noch einen Restaurant-Tipp: Ausgezeichnet Essen (und Übernachten) im Grünen können Sie im Gasthof Bischofsmühle, Bischofsmühle 1, 95233 Helmbrechts. Familie Strößner serviert ein wirklich phantastisches Essen. Außerdem bieten sie Zimmer und Ferienwohnungen an. Die Zimmerpreise beginnen bereits bei 42 Euro pro Person inklusive Frühstücksbüfett, Halbpension für 16 Euro und Vollpension 21 Euro.

Ingo Paszkowsky

Titelfoto: Ingo Paszkowsky


Transparenz-Mitteilung

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien, PR-Agenturen und bzw. oder Tourismus-Behörden.
Unsere Berichterstattung ist davon unabhängig. Die Unterstützung hat keinen Einfluss auf Inhalt, Ausrichtung oder Tonalität unserer Artikel.


 

Weitere Informationen:

Geopark Schieferland

Umweltatlas Bayern

Frankenwald Tourismus

Liste der Nationalen GeoParks; (bei Abruf 15.1.2020 nicht aktuell)

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