Hurrikans in der Karibik, Taifune in Asien, Zyklone im Indischen Ozean – lange galten schwere tropische Stürme vor allem als Gefahr für Fernreisende. Wer innerhalb Europas unterwegs war, musste zwar mit Hitze, Starkregen oder Herbststürmen rechnen, aber kaum mit Wetterlagen, die den Reiseverkehr über Tage lahmlegen können. Dieses Bild verändert sich. Extreme Wetterereignisse treten häufiger auf, treffen neue Regionen und machen Reiseplanung zunehmend komplizierter.
Darauf weist der aktuelle „Hurricane Informer 2026“ von Safeture und Riskline hin. Die Analyse zeigt: Steigende Meerestemperaturen, veränderte Wetterlagen und globale Klimaphänomene können dazu beitragen, dass schwere Sturmsysteme intensiver werden oder auch Regionen erreichen, die früher weniger stark betroffen waren.
Ausläufer von Tropenstürmen in Europa
Direkte Hurrikans wie in der Karibik sind in Europa weiterhin selten. Das gemäßigte Klima schützt den Kontinent in der Regel vor klassischen tropischen Wirbelstürmen. Dennoch können die Ausläufer solcher Systeme auch in Europa erhebliche Folgen haben. Wenn ehemalige Tropenstürme auf den europäischen Wetterraum treffen, können sie Starkregen, Überschwemmungen und schwere Sturmböen mitbringen.
Besonders im Mittelmeerraum geraten zudem sogenannte Medicanes stärker in den Blick. Der Begriff setzt sich aus „Mediterranean“ und „Hurricane“ zusammen und beschreibt wirbelsturmähnliche Tiefdrucksysteme über dem Mittelmeer. Sie erreichen zwar meist nicht die Stärke großer Atlantik-Hurrikans, können aber lokal heftige Regenfälle, hohe Wellen, Überschwemmungen und Schäden an der Infrastruktur verursachen.
Für Urlauber bedeutet das: Auch beliebte Reiseziele in Süd- und Westeuropa sind nicht automatisch wetterrobust. Straßen können unpassierbar werden, Bahnverbindungen ausfallen, Fähren gestrichen oder Flughäfen zeitweise beeinträchtigt werden.
Wenn Stürme Reisepläne durcheinanderbringen
Die jüngste Sturmsaison zeigte bereits, wie empfindlich Reiseinfrastruktur auf extreme Wetterlagen reagieren kann. Im Herbst 2025 sorgten die Stürme Amy und Benjamin in Teilen Süd- und Westeuropas für erhebliche Einschränkungen. Anfang 2026 folgten weitere schwere Wetterlagen, darunter Goretti und Leonardo. Umgestürzte Bäume, lokale Überschwemmungen und beschädigte Infrastruktur führten vielerorts zu Problemen im Straßen- und Bahnverkehr.
Besonders deutlich wurden die Folgen nach Sturm Leonardo auf der Iberischen Halbinsel. Tausende Menschen mussten zeitweise ihre Häuser verlassen, Teile der Reiseinfrastruktur waren über mehrere Tage beeinträchtigt. Für Reisende kann so etwas bedeuten, dass sie nicht nur mit Verspätungen rechnen müssen, sondern auch mit kurzfristigen Umbuchungen, gesperrten Straßen oder ausgebuchten Ausweichverbindungen.
Solche Ereignisse zeigen: Extremwetter ist längst nicht mehr nur ein Thema für Katastrophenschutzbehörden. Es betrifft auch den Alltag von Reisenden – vom Wochenendtrip bis zur Fernreise.
Klassische Hurrikanregionen bleiben besonders gefährdet
Während Europa stärker in den Fokus rückt, bleiben die bekannten Hurrikan- und Taifunregionen weiterhin besonders exponiert. In der Karibik wurden während der Saison 2025 insgesamt 13 benannte Stürme registriert, darunter fünf Hurrikans und vier schwere Hurrikans. Auf Jamaika wurde der Flugverkehr durch Hurrikan Melissa zeitweise ausgesetzt.
Auch in Teilen der USA, Mexikos und Mittelamerikas wirken sich schwere Wirbelstürme regelmäßig auf Reisen aus. Flughäfen können geschlossen werden, Kreuzfahrtrouten ändern sich kurzfristig, Hotels werden evakuiert oder ganze Regionen sind nach Überschwemmungen vorübergehend schwer erreichbar.
In Asien ist die Gefahr durch Taifune besonders hoch. Auf den Philippinen kamen im November 2025 nach den aufeinanderfolgenden Taifunen Tino und Supertaifun Uwan insgesamt 297 Menschen ums Leben. Hunderte Flüge wurden gestrichen, Millionen Menschen waren von Evakuierungsmaßnahmen betroffen. Anfang 2026 erreichte Supertaifun Sinlaku Windgeschwindigkeiten von nahezu 300 Kilometern pro Stunde und galt zu diesem Zeitpunkt als stärkster tropischer Wirbelsturm des Jahres.
Auch Madagaskar und Papua-Neuguinea waren zuletzt schwer betroffen. Tropenstürme forderten dort Menschenleben, beschädigten Infrastruktur und führten zu Versorgungsengpässen. Für Reisende sind solche Entwicklungen besonders relevant, weil nach einem Sturm oft nicht nur der eigentliche Aufenthalt betroffen ist, sondern auch die Weiterreise.
El Niño kann Wetterextreme verstärken
Ein zusätzlicher Faktor ist das Klimaphänomen El Niño. Dabei erwärmen sich die Oberflächengewässer im tropischen Pazifik, was das globale Wettergeschehen beeinflussen kann. Je nach Region kann El Niño mit höheren Temperaturen, veränderten Niederschlagsmustern und einer veränderten Sturmaktivität einhergehen.
Meteorologische Behörden rechnen für den Zeitraum zwischen Juni und November mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für ein starkes El-Niño-Ereignis. In Verbindung mit langfristig steigenden Meerestemperaturen könnte dies die Entstehung und Intensität extremer Wetterlagen zusätzlich begünstigen.
Für Reisende heißt das nicht, dass jede Reise in eine gefährdete Region automatisch riskant ist. Es bedeutet aber, dass Wetterrisiken stärker in die Planung einbezogen werden sollten – besonders in der Hurrikan-, Taifun- oder Monsunzeit.
Was Reisende vor der Buchung prüfen sollten
Wer in wetteranfällige Regionen reist, sollte nicht erst am Abflugtag auf Warnmeldungen schauen. Sinnvoll ist es, bereits vor der Buchung zu prüfen, ob die Reisezeit in eine typische Sturm- oder Regenperiode fällt. In der Karibik und im Atlantik dauert die Hurrikansaison in der Regel von Juni bis November. In Südostasien können Taifune je nach Region zu unterschiedlichen Zeiten auftreten. Im Mittelmeerraum sind schwere Herbststürme besonders problematisch.
Wichtig ist auch eine flexible Reiseplanung. Wer Anschlussflüge, Fähren oder Mietwagen eng taktet, hat bei wetterbedingten Störungen weniger Spielraum. Gerade bei Inselzielen, Rundreisen oder Kreuzfahrten kann ein einziger Sturm die komplette Route verändern.
Reisende sollten außerdem die aktuellen Hinweise offizieller Wetterdienste und Behörden verfolgen. Viele Länder informieren über Apps, Webseiten oder Warnsysteme über Unwetter, Überschwemmungen und Evakuierungen. Auch Reiseveranstalter, Airlines und Hotels geben bei akuten Wetterlagen wichtige Informationen weiter.
Gute Vorbereitung ersetzt keine Vorsicht
Extremwetter lässt sich nicht verhindern, aber besser einplanen. Dazu gehört eine Reiseversicherung, die wetterbedingte Ausfälle oder Verzögerungen möglichst klar abdeckt. Ebenso wichtig sind Kopien wichtiger Dokumente, geladene Powerbanks, Offline-Karten, Notfallkontakte und ausreichend Zeitpuffer bei der Rückreise.
Wer vor Ort von einer schweren Wetterlage überrascht wird, sollte Warnungen ernst nehmen und Anweisungen der lokalen Behörden befolgen. Besonders gefährlich sind überschwemmte Straßen, Küstenbereiche bei Sturmflut, beschädigte Gebäude und Regionen mit Erdrutschgefahr. Auch wenn der eigentliche Sturm bereits vorbei ist, können Nachwirkungen wie Stromausfälle, Trinkwasserprobleme oder gesperrte Verkehrswege noch Tage anhalten.
Reisen wird wetterabhängiger
Der „Hurricane Informer 2026“ macht deutlich, dass Extremwetter ein globales Reiserisiko geworden ist. Besonders gefährdet bleiben die klassischen Hurrikan- und Taifunregionen. Doch auch Europa und hier der Mittelmeerraum sind nicht mehr so wetterstabil, wie viele Reisende es gewohnt waren.
Für Urlauber bedeutet das nicht, auf Reisen zu verzichten. Es bedeutet aber, genauer hinzuschauen: Wann ist die beste Reisezeit? Welche Risiken gibt es vor Ort? Wie flexibel sind Flug, Unterkunft und Weiterreise? Und welche Warnsysteme sollte man unterwegs nutzen?
Wer diese Fragen vorab klärt, reist nicht nur entspannter, sondern kann im Ernstfall schneller reagieren.
Weitere Informationen zum Hurrican Informer
Unwetterinformationszentrum der WMO
Zoom Earth ist eine interaktive Wetterkarte der Welt
MeteoAlarm ist ein System zur Verbreitung von Frühwarnungen, das Warninformationen von 44 europäischen nationalen meteorologischen und hydrologischen Diensten zusammenführt
Quellen: Safeture/Riskline; eig. Recherche
Titelbild / Satellitenaufnahme eines Wirbelsturms über Jemen: Extremwetter kann weltweit Reisepläne durcheinanderbringen – von der Karibik bis nach Europa. (Symbolbild) Bild: NASA / Unsplash












