Nepal: Der welthöchste Weitwanderweg

An Superlativen mangelt es Nepal nicht: Mit herausragenden Trekkingrouten wie im Annapurna-Gebiet oder rund um den welthöchsten Berg Mount Everest gilt das Land als El Dorado für Bergfreunde. Doch die Wandererherzen werden jetzt noch höher schlagen: Der neue Great Himalaya Trail durchzieht das Land von West nach Ost. Auf dem 1.700 Kilometer langen Fernwanderweg können Trekkingfreunde Regionen und Kulturen kennen lernen, die Nepalreisenden bislang verborgen blieben. Stephanie Grosser, Mitarbeiterin des The Great Himalaya Trail Development Programme, ist überzeugt: „Die unbefleckten Teile der nepalesischen Landkarte bergen grandiose Naturschätze und faszinierende Begegnungen.“

Foto: Daniel Allen
Foto: Daniel Allen

Der Great Himalaya Trail ist in zehn Sektionen aufgeteilt, wobei jeder Teilabschnitt als in sich geschlossener Trek in rund zwei bis drei Wochen erwandert werden kann. Die komplette Durchwanderung des Himalayas dauert in etwa 150 Tage.

Bislang besuchen 86 Prozent der Trekker die Gebiete um Annapurna, Everest und Langtang. Doch der neuen Great Himalaya Trail verbindet erstmals die bewährten Trekkingrouten mit weitgehend unbekannten Wandergebieten im Westen und Osten des Landes. Wanderbegeisterte haben damit erstmals die Möglichkeit, den Himalaya komplett zu durchqueren. Die Route beginnt im Osten von Nepal und endet im Westen des Landes an der Grenze zu Indien und Tibet. Wanderer haben die Wahl zwischen zwei Routen: Der Hauptroute durch das nepalesische Hochgebirge oder der niedriger gelegenen Kulturroute durch Dörfer und Täler.

Foto: Samir Jung Thapa
Foto: Samir Jung Thapa

Mit nachhaltigem Tourismus Armut bekämpfen

Neben der Positionierung Nepals als attraktives Trekking- und Abenteuerreiseland, verfolgt die Regierung mit der Eröffnung des Great Himalaya Trail ein weiteres wichtiges Ziel: der neue Wanderweg soll vor allem die Gebiete in den Fokus rücken, die bislang noch wenig vom Tourismus profitieren, um dort neue Einkommensmöglichkeiten und Jobs für die arme Landbevölkerung zu schaffen. Im ländlichen Nepal und insbesondere in Regionen wie Humla, Dolpa, Manaslu, Lower Solukhumbu, Rolwaling, Makalu und Kanchenchunga, so der Ansatz, trägt ein nachhaltiger und sozial verträglicher Tourismus im Einklang mit dem Schutz der Natur zur Armutsbekämpfung bei.

Foto: Samir Jung Thapa
Foto: Samir Jung Thapa

Um das Ziel der Armutsbekämpfung durch Tourismus zu erreichen, hat die nepalesische Regierung unter der Federführung des Tourismusministeriums das Great Himalaya Trail Development Programme (GHTDP) initiiert, welches vom Nepal Tourism Board (NTB), der Trekking Agencies’ Association of Nepal (TAAN) und weiteren Partnern aus dem öffentlichen und privaten Sektor unterstützt wird. Bei der Programmimplementierung steht der Regierung Nepals die holländischen Entwicklungsorganisation SNV Netherlands Development Organisation beratend zur Seite. Finanziert wird das Programm von dem UK Department for International Development DFID/ UKAID.
Zu den Maßnahmen des GHT Development Programmes gehört unter anderem die Entwicklung nachhaltiger Tourismus- und Infrastrukturpläne mit den Distriktverwaltungen, die Koordination mit politischen Trägern und Interessensvertretern auf nationaler Ebene, die Förderung von lokalen touristischen Anbietern, die Ausbildung von Bergführern, Köchen, Trägern und Lodge-Betreibern sowie die Zusammenarbeit mit der privaten Trekkingindustrie zur Förderung von nachhaltigen, ökologisch und sozial verträglichen Geschäftspraktiken.

Foto: Samir Jung Thapa
Foto: Samir Jung Thapa

Nepals Tourismusminister Lokendra Bista Magar und der nepalesische Botschafter Suresh Pradhan gaben sich auf der ITB Berlin jedenfalls optimistisch, mit diesem neuen Produkt endlich ihr Ziel von 2011 zu erreichen und im Lumbini-Jahr 2012 die Eine-Millionen-Gäste-Marke zu knacken. 2011 besuchten immerhin 600.000 ausländische Touristen das Land, mit gut 23.000 Besuchern stellen die Deutschen den achtgrößten Quellmarkt für Nepal dar. „Doch da die Nachfrage aus Europa nach Routen abseits der ausgetretenen Pfade immer größer wird, haben wir große Hoffnung, dass der Great Himalaya Trail für einen weiteren Aufschwung sorgt“, so Stephanie Grosser.

Titelfoto: Samir Jung Thapa

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