Große abstrakte rote Stahlskulptur auf einer Wiese vor dem modernen Museumsbau

Die einzigartige Harmonie von Kunst, Architektur und Natur in der Veluwe

Fragt man Niederländer:innen, welches das schönste Museum in den Niederlanden ist, erhält man meist als Antwort das Kröller-Müller-Museum genannt. Zum einen ist es das Museum mit der weltweit größten Privatsammlung an Van-Gogh-Kunstwerken, zum anderen die zweitgrößte Van-Gogh-Sammlung der Welt überhaupt. (Über die weltweit größte Sammlung von Kunstwerken des Künstlers verfügt das van-Gogh-Museum in Amsterdam.) Aber anders als viele anderen bedeutende Museen liegt das Kröller-Müller-Museum nicht inmitten einer Stadt oder einer Schlossanlage, sondern mitten in einem Nationalpark. Schon bei der Einfahrt in die Museumsanlage entsteht der Eindruck, dass sich Kunst und Natur hier auf wundersame Art verbinden.

Museum inmitten eines Waldparks mit Besuchern und moderner Architektur
Mitten im Nationalpark Hoge Veluwe liegt das Kröller-Müller Museum, ein einzigartiger Ort, an dem Kunst und Natur auf besondere Weise zusammenkommen. / Foto: Ingo Paszkowsky

Inhaltsverzeichnis:

Kunstpark und Naturpark

Diese wunderbare Sammlung an diesem zauberhaften Ort verdanken wir dem Ehepaar Helene und Anton Kröller-Müller. Auf Anregung ihrer Tochter Helene jr. nimmt Helene Lehrstunden bei dem angesehenen Kunstpädagogen Hendricus Petrus Bremmer, ein Bewunderer von van Gogh. Er riet seinen Student:innen, die Werke von einem „der großen Schöpfer moderner Kunst“ zu kaufen.

Skulptur einer männlichen Büste vor einer Wand mit Zitat von Helene Kröller-Müller im Museum
Mentor und Kunstberater H.P. Bremmer (Hendricus Petrus Bremmer). Helene Kröller-Müller zu ihrem Sohn Bob Kröller (Robert Anthony Kröller) / Foto: Ingo Paszkowsky

Unter Bremmers Anleitung begann Helene Kröller-Müller, van Goghs Werke von Kunsthändlern zu erwerben. Ihr Mann Anton hatte das Familienunternehmen übernommen und baute es erfolgreich zu einer internationalen Unternehmung aus, so dass der Familie Kröller-Müller die entsprechenden finanziellen Mittel zum Aufkauf der Kunstwerke zur Verfügung standen.

Beschriftung „Van Gogh Gallery“ an einer Museumswand im Kröller-Müller Museum
Die Arbeiten Van Goghs nehmen einen besonderen Platz in der Sammlung von Anton und Helene Kröller-MüIIer, den Gründern des Museums, ein. Dank ihres Engagements besitzt das Museum heute die zweitgrößte Van-Gogh-Sammlung der Welt. / Foto: Ingo Paszkowsky

Werke von Vincent van Gogh im Mittelpunkt

Rauminstallation mit großflächigem Wandmotiv im Stil von Vincent van Gogh und zwei Stühlen im Vordergrund
Ein Abend in der Provence. Caféterrasse bei Nacht von Vincent van Gogh, September 1888 / Insgesamt umfasst die Sammlung 88 Gemälde und rund 180 Zeichnungen, die Helene Kröller-MüIIer zwischen 1908 und 1929 erworben hat. Einen Teil dieser Werke zeigt die Van-Gogh-Galerie im Herzen des Museums, wo Besucher:innen 30 bis 40 Gemälde in einem sorgfältig kuratierten Rundgang bewundern können. / Foto: Ingo Paszkowsky

Insgesamt umfasst die Sammlung 88 Gemälde und rund 180 Zeichnungen, die Helene Kröller-MüIIer zwischen 1908 und 1929 erwarb. Die Arbeiten van Goghs nehmen einen besonderen Platz in der Sammlung des Ehepaars Kröller-MüIIer, den Gründern des Museums, ein. Seit der Eröffnung des Museums im Jahr 1938 stehen die Werke von Vincent van Gogh im Mittelpunkt des Hauses.

Gemälde „Die Kartoffelesser“ von Vincent van Gogh mit fünf Personen an einem Tisch in dunkler, bäuerlicher Atmosphäre
Vincent van Gogh, Die Kartoffelesser, April/Mai 1885 / Foto: Ingo Paszkowsky

Einen Teil dieser Werke zeigt die Van-Gogh-Galerie im Herzen des Museums, wo 30 bis 40 Gemälde in einem sorgfältig kuratierten Rundgang bewundert werden können. Die Sammlung vermittelt einen umfassenden Einblick in Van Goghs künstlerische Entwicklung: von seinen frühen, düsteren Landschaften über die leuchtenden Farben der Provence bis hin zu den expressiven Stillleben und Porträts seiner späten Jahre.

Detailreiche Darstellung verwelkender Sonnenblumen auf einem Ast im expressiven Stil von Vincent van Gogh
Vincent van Gogh, Vier verblühte Sonnenblumen, Oktober 1887 / Foto: Ingo Paszkowsky

Du kannst die einzelnen Meisterwerke bewundern, kommst ihnen ganz nah und kannst die Entwicklung eines der größten Künstler des Post-Impressionismus im Kontext seiner gesamten Arbeit erleben. Dazu erhältst du Hintergrundinformationen zu van Goghs Leben, Techniken und Einflüssen.

Gemälde einer Zugbrücke über einen Kanal mit Figuren und Booten im hellen, farbintensiven Stil von Vincent van Gogh
Vincent van Gogh, Brücke in Arles, März 1888 / Foto: Ingo Paszkowsky
Gemälde eines Bauern beim Säen auf einem Feld bei tief stehender Sonne im typischen Stil von Vincent van Gogh
Vincent van Gogh, Der Sämann, Juni 1888 / Foto: Ingo Paszkowsky
Gemälde mit Olivenbäumen in lebendigen Pinselstrichen und geschwungenen Formen im Stil von Vincent van Gogh
Vincent van Gogh, Olivenhain, Juni 1889, Öl auf Leinwand. Den Ausnahmekünstler zog es immer wieder in die Olivenhaine in der Nähe von Arles in der Provence. / Foto: Ingo Paszkowsky
Besucherin fotografiert Gemälde von Vincent van Gogh in einer Ausstellung im Kröller-Müller Museum
Das Museum besitzt eine der bedeutendsten Van-Gogh-Sammlungen der Welt / Foto: Ingo Paszkowsky

Das Museum beherbergt zudem Werke anderer Meister des Impressionismus und der Moderne.

Gemälde einer Frau in heller Kleidung mit Fächer, ausgestellt im Kröller-Müller Museum
Henri Fantin-Latour, Porträt der Eva Callimachi-Catargi, 1881 / Foto: Ingo Paszkowsky
Gemälde mit stilisierten Tänzern und Musikern in warmen Farben, ausgestellt im Kröller-Müller Museum
Georges Seurat, Le Chahut, Der Krach, 1889 – 1891 / Foto: Ingo Paszkowsky
Blick durch einen Ausstellungsraum mit Besuchern und geometrischen Kunstwerken an den Wänden im Kröller-Müller Museum
Ursprünglich lediglich als “Übergangsmuseum” errichteter Bau ist heute idealer Ort für die Sammlung / Foto: Ingo Paszkowsky
Modernes Kunstwerk mit roten, blauen und gelben Linien auf hellem Hintergrund, flankiert von dunklen Tafeln
Bart van der Leck, Komposition 1916, Nr. 4, 1916, Öl auf Leinwand / Foto: Ingo Paszkowsky
Abstraktes Gemälde mit stilisierten Figuren und kräftigen Farbflächen in Blau, Gelb und Rot
Bart van der Leck, Der Sturm, 1916, Öl auf Leinwand / Foto: Ingo Paszkowsky
Abstrakte Bronzeskulptur in einem Ausstellungsraum des Kröller-Müller Museums mit Besuchern im Hintergrund
Umberto Boccioni, Einzigartige Form der Kontinuität im Raum, 1913, Bronze (im Vordergrund) / Foto: Ingo Paszkowsky
Ruhiger Innenhof mit Wasserbecken, geometrischen Hecken und moderner Skulptur im Kröller-Müller Museum
Innenhof des Museums / Foto: Ingo Paszkowsky
Heller Museumsraum mit großen Fensterfronten und modernen Skulpturen, dahinter ein parkähnliches Gelände mit Bäumen
1948 wird Bram Hammacher der neue Direktor des Museums. Er verlegt den Schwerpunkt der Sammlungs- und Ausstellungspolitik von der Malerei auf die Bildhauerkunst. / Foto: Ingo Paszkowsky

Der Skulpturengarten: Ein Freiluft-Wohnzimmer der Moderne

Moderne weiße Skulptur in einem Teich mit Spiegelung, umgeben von Wiese und Bäumen im Skulpturenpark
Marta Pan, Treibende Skulptur, Otterlo Teich, 1960-1961, Glasfaserverstärkter Polyester, Aluminium / Foto: Ingo Paszkowsky

Auf 25 Hektar erstreckt sich einer der größten Skulpturenparks Europas. Hier begegnet man Giganten wie Auguste Rodin, Henry Moore und Jean Dubuffet.

Bronzeskulptur einer liegenden weiblichen Figur auf einem Sockel im grünen Parkgelände
Aristide Maillol, Die Luft 1939, gegossen 1962 / Foto: Ingo Paszkowsky

Das Besondere: Die Kunst ist nicht „ausgestellt“, sie ist Teil der Natur. Je nach Jahreszeit verändert sich die Wirkung. Im Frühling blüht die Umgebung um die Skulpturen auf, während der Winter eine meditative Stille über die Bronzen und Steine legt. Man wandert zwischen den Werken, setzt sich auf eine Bank und lässt die Linien der Kunst mit den Linien der Bäume verschmelzen. Auf den Wiesen kannst du eine Ruhepause einlegen oder picknicken.

Pavillon inmitten einer weitläufigen Parklandschaft mit Rasenflächen und hohen Bäumen
Der Skulpturenpark macht die Verbindung von Kunst, Natur und Bewegung erlebbar. / Foto: Ingo Paszkowsky

Über 200 Skulpturen im weitläufigen Skulpturenpark erweitern das Erlebnis inmitten der weiten Veluwe-Landschaft, die zu Spaziergängen und Entdeckungen einlädt.

Detailaufnahme einer abstrakten Skulptur mit weichen Rundungen und Öffnungen vor grüner Natur
Henry Moore, Animal Head, 1956, Bronze. Das Motiv eines Tierkopfes kommt bei Moore in seinem Schaffen häufiger vor. / Foto: Ingo Paszkowsky

Besucher:innen erleben hier nicht nur Kunstwerke, sondern eine besondere Symbiose aus Kultur, Natur und Geschichte — ein Ort zum Staunen, Entspannen und Inspiration sammeln.

Moderne Skulptur auf erhöhter Plattform im Skulpturenpark des Kröller-Müller Museums, umgeben von Bäumen und Spazierwegen
Jean Dubuffet, Garten aus Email, 1974, Beton, mit Glasfaser verstärktes Epoxidharz, Polyurethan-Farbe / Foto: Ingo Paszkowsky
Große begehbare Installation mit weißen Flächen und schwarzen Linien, die an ein abstraktes Relief erinnert
Detail von Jean Dubuffet, Garten aus Email, 1974, Beton, mit Glasfaser verstärktes Epoxidharz, Polyurethan-Farbe / Foto: Ingo Paszkowsky
Spazierweg durch den Park mit mehreren modernen Skulpturen auf Sockeln entlang des Weges
Visualisierte Vogelstimmen von Andy Holden, Auguries (Swift), 2024, Bronze, Patina und Beton / Foto: Ingo Paszkowsky
Schlanke, turmartige Metallskulptur auf einer Wiese, umgeben von Bäumen und Besuchern
Verschwindet scheinbar im Nirgendwo: Kenneth Snelson, Nadelturm, 1968, Aluminium, Stahldraht / Foto: Ingo Paszkowsky
Blick von unten durch eine geometrische Stahlkonstruktion in den blauen Himmel mit umliegenden Bäumen
Detail vom Nadelturm. Kenneth Snelson, Nadelturm, 1968, Aluminium, Stahldraht / Foto: Ingo Paszkowsky
Kreisförmige, stufenartige Steininstallation im Park, die wie ein kleines Freiluft-Amphitheater wirkt
45 Jahre nach Treibende Skulptur fertigt Marta Pan 2005 erneut einen Entwurf für den Skulpturengarten des Museums an: Amphitheater, 2007, Granit (aus Tarn in Frankreich) / Foto: Ingo Paszkowsky

Sonderausstellungen 2026 im Kröller-Müller Museum

Neben den permanenten Sammlungen bietet das Museum regelmäßig Sonderausstellungen, die internationale und zeitgenössische Kunst mit den historischen Sammlungen in Dialog setzen.

Isaac Israels’ Europe (bis 30. August 2026)

Gemälde mit einer tanzenden Frau in weißem Kleid, begleitet von Musikern, in lockerem impressionistischen Pinselstrich
„Im Moment male ich nur Spanier. Hier gibt es jetzt ein sehr authentisches spanisches Cabaret mit Tanzsaal, dem es nicht an Lokalkolorit mangelt“, schreibt Israels 1913 aus Paris. Dies ist eine der lebhaften Darstellungen, die er im Café La Feria schuf.
Dieses Cabaret mit Tanzsaal ist die französische Variante des sogenannten Café Cantante, eines Cafés mit Live-Flamenco-Aufführungen. Während seiner Reisen durch Spanien hatte Israels in Algeciras eine Feria, einen Jahrmarkt mit spanischen Tänzern, besucht, und seine Besuche im Pariser Café müssen ihn in diese Zeit zurückversetzt haben.
Isaac Israels, La Feria, Paris, 1913 / Foto: Ingo Paszkowsky

Anhand von Gemälden, Aquarellen, Pastellen und zahlreichen Zeichnungen zeichnet die Ausstellung das Leben und die künstlerische Entwicklung des niederländischen Malers Isaac Israels (1865—1934) nach. Israels war ein leidenschaftlicher Reisender, der sein künstlerisches Werk stark von der Vielfalt der europäischen Kultur, Landschaft und Gesellschaft beeinflussen ließ. Schon mit 13 Jahren unternahm er seine erste Eisenbahnreise mit der Familie durch Europa, was seine lebenslange Reiselust weckte.

Gemälde mit zwei Reitern auf Pferden in einer Parklandschaft, gemalt in warmen, impressionistischen Farben
Isaac Israels, Reiter im Hyde Park, London, 1913-1914, Öl auf Leinwand / Foto: Ingo Paszkowsky

Die Ausstellung verbindet Werke aus der umfangreichen Museumssammlung mit bedeutenden Leihgaben aus anderen Institutionen und Privatsammlungen.

Moderner Museumsraum mit pastellfarbenen Wänden und mehreren gerahmten Gemälden entlang der Wände
Isaac Israels – Die Ausstellung verbindet Werke aus der umfangreichen Museumssammlung mit bedeutenden Leihgaben aus anderen Institutionen und Privatsammlungen. / Foto: Ingo Paszkowsky

Space Journey (bis 22. November 2026)

Mit Space Journey präsentiert das Kröller-MüIIer Museum eine groß angelegte Ausstellung, die das Verhältnis von Raum, Bewegung und künstlerischer Ausdrucksform erforscht. Die Ausstellung zeigt Installationen und Werke, die den Begriff „Raum” nicht nur physisch, sondern auch konzeptionell neu interpretieren.

Anouk Griffioen: For as long as it lasts (bis 20. September 2026)

Die Ausstellung For as long as it lasts der niederländischen Künstlerin Anouk Griffioen beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Praxis mit Themen wie Erinnerung, Zeit und Wahrnehmung — oft durch zeichnerische und installative Arbeiten, die das Vergängliche sichtbar machen.

Ruud Kuijer (23. Mai bis 4. Oktober 2026)

 Die Ausstellung zeigt 16 seiner Skulpturen im Rietveld-Pavillon im Skulpturengarten. Kuijer arbeitet mit industriellen Materialien wie Beton und Stahl und untersucht die Grundformen der Skulptur, wie etwas steht, liegt, hängt oder lehnt.

Unterwegs im De Hoge Veluwe Nationalpark

Weite offene Heidelandschaft mit niedrigen Sträuchern und blauem Himmel im Nationalpark De Hoge Veluwe
Das weitläufige Gelände bietet ein Netz von über 40 Kilometern Radwegen, die durch die abwechslungsreiche Landschaft führen, von dichten Wäldern über offene Heideflächen bis hin zu Sandverwehungen und Graslandschaften. / Foto: Ingo Paszkowsky

Nach dem Museumsbesuch lohnt es sich, den Park selbst intensiver zu erkunden. Der Nationalpark De Hoge Veluwe ist mit einer Ausdehnung von rund 5.400 Hektar einer der größten und abwechslungsreichsten Nationalparks der Niederlande. Gelegen zwischen den Städten Arnhem im Westen und Apeldoorn im Osten, bietet der Park eine beeindruckende Vielfalt an Landschaften: ausgedehnte Wälder, offene Heideflächen, Sandverwehungen und Graslandschaften prägen das Bild.

Roter Wegweiser mit Entfernungsangaben zu Orten im Nationalpark De Hoge Veluwe
Wegweiser im Nationalpark / Foto: Ingo Paszkowsky

Mit Witte Fietsen oder per pedes den Park erkunden

Der Nationalpark De Hoge Veluwe lässt sich am besten mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkunden. Das weitläufige Gelände bietet ein Netz von über 40 Kilometern Radwegen, die durch die abwechslungsreiche Landschaft führen, von dichten Wäldern über offene Heideflächen bis hin zu Sandverwehungen und Graslandschaften.

Metallplakette mit Aufschrift „NP De Hoge Veluwe“ auf einem Asphaltweg im Nationalpark
Radweg De Hoge Veluwe / Foto: Ingo Paszkowsky

Im Park stehen rund 1.800 kostenlose „Witte Fietsen” (weiße Fahrräder) bereit, die an verschiedenen Punkten und an den Eingängen Hoenderloo, Otterlo und Schaarsbergen genutzt werden können. Die berühmten weißen Fahrräder, die kostenlos zur Verfügung stehen, sind dabei nicht nur praktisch, sondern auch ein Stück Kult. Sie gibt es auch als Kinderfahrräder und mit Kindersitzen.

Lichtdurchfluteter Wald mit jungen Blättern und einem Waldboden aus Laub
Nationalpark De Hoge Veluwe: Dieser Baum ist Wohnhaus für Spechte / Foto: Ingo Paszkowsky

Die Fahrräder können jederzeit genutzt und wieder abgestellt werden, so dass du flexibel deine Route planen kannst. Keine Lust auf so viel Muskelkraft? Dann kannst du dir auch kostenpflichtig ein E-Bike ausleihen.

Schmaler Weg mit Treppen durch eine naturnahe Landschaft mit Büschen und Bäumen
Wer lieber zu Fuß als mit dem Rad unterwegs ist, findet im Park zahlreiche markierte Wanderwege unterschiedlicher Länge. / Foto: Ingo Paszkowsky

Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, findet im Park zahlreiche markierte Wanderwege unterschiedlicher Länge. Die gesamte Wegelänge beträgt 160 Kilometer. Sie führen durch verschiedene Naturräume und bieten die Möglichkeit, Flora und Fauna in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten.

Naturerlebnis mit Überraschungen

Kleine Eidechse zwischen trockenen Blättern und Gras im Sonnenlicht im Nationalpark De Hoge Veluwe
Eidechse, grün leuchtend, auf Brautschau / Foto: Ingo Paszkowsky

Was den Park zusätzlich besonders macht, ist die Tierwelt. Mit etwas Glück lassen sich Rehe, Hirsche oder Wildschweine beobachten. Am ehesten morgens oder abends. 2025 lebten rund 160 Rothirsche, etwa 250 Wildschweine, 60 Rehe und 40 Mufflons im Park. Außerdem Dachse, Füchse, Baummarder und viele (auch geschützte) Vogelarten, von denen die genaue Zahl nicht bekannt ist. Auch der Wolf ist wieder heimisch, 2025 mit immerhin 12 Tieren. Derzeit sind es wohl acht Exemplare, erzählt Ranger Harry Grob. Auf die Frage, ob dies eventuell zu viele Wölfe für den Nationalpark sein könnten, weist Grob darauf hin, dass „Wolfentnahmen“ in den Niederlanden ähnlich kontrovers diskutiert werden wie in Deutschland.

Mann in historischer Kleidung zeigt ein altes Foto während einer Führung im Park
Nationalpark-Ranger Harry Grob mit einem Foto des Ehepaars Kröller-MüIIer / Foto: Ingo Paszkowsky

Im Hoge Veluwe Nationalpark gibt es eine Wildkamera, über die Besucher:innen das Verhalten der Tiere live verfolgen können. Die Kamera zeigt Aufnahmen von einem Beobachtungsplatz im Park und ermöglicht Einblicke in die Tierwelt. So lässt sich die Natur des Parks auch aus der Ferne beobachten. Allerdings musst du viel Geduld haben. Ich konnte an einem Nachmittag bei mir zuhause tatsächlich ein Reh entdecken.

Park mit Bank aus Maulbronner Sandstein
Henry van de Velde, Steynbank, 1924, Park mit Bank aus Maulbronner Sandstein. Die Steynbank – von den Kröller-Müllers für den südafrikanischen Staatsmann Marthinus Steyn, den letzten Präsidenten der Burenrepublik Oranje-Freistaat (1896–1902), in Auftrag gegeben – wurde von Henry van de Velde (1863–1957) entworfen. Das Denkmal besteht aus einer Gedenkbank und einem Park, die beide eine strenge Symmetrie aufweisen, wobei die Form eines Kreuzes den Ort definiert. Frau Kröller-Müller verehrte Steyn als weisen Mann. / Foto: Ingo Paszkowsky

Im Park hatte ich nur einen direkten „Nahkontakt“ mit einer Eidechse, aber allein das Wissen, dass diese Tiere hier leben, verändert die Wahrnehmung der Landschaft. Man fährt nicht einfach durch die Natur – man ist Teil davon.

Historische Ruine im Nationalpark
Was hier auf den ersten Blick aussieht, wie die Überbleibsel eines Bunkers, sind aber die Reste des ersten (unvollendeten) Museumsbaus / Foto: Ingo Paszkowsky

Auch die Ruhe ist bemerkenswert. Trotz der Größe und Bekanntheit des Parks verteilen sich die Besucher so gut, dass man immer wieder Momente hat, in denen man allein unterwegs ist.

Apropos Ruhe: Gelegentlich wird die Stille von Schießübungen auf dem nahegelegenen Militärflughafen unterbrochen. Das es jedoch nicht sehr laut ist, gewöhnt man sich dran.

Weite, sandige Heidelandschaft im Nationalpark De Hoge Veluwe mit vereinzelten Bäumen und Denkmal in der Ferne
General Christiaan de Wet, Burenführer von Oranje Vrijstaat, blickt nach Südafrika / / Foto: Ingo Paszkowsky

Ein Jagdhaus als Gesamtkunstwerk

Jachthuis Sint Hubertus mit Turm spiegelt sich im Wasser eines Sees im Nationalpark De Hoge Veluwe
Hendrik Petrus Berlage war damals der berühmteste Architekt der Niederlande. Er entwarf nicht nur das Gebäude, sondern auch die gesamte Innenausstattung des Jachthuis Sint Hubertus. / Foto: Ingo Paszkowsky

Das Jachthuis Sint Hubertus ist sicher das markanteste Bauwerk im Nationalpark De Hoge Veluwe und gilt als eines der wichtigsten Denkmäler der Niederlande. Es wurde als Landsitz und Jagdhaus für das Ehepaar Anton und Helene Kröller-Müller errichtet und zwischen 1915 und 1920 realisiert. Der renommierte Architekt Hendrikus Petrus Berlage entwarf dabei nicht nur das Gebäude selbst, sondern auch das gesamte Interieur sowie den umliegenden Garten, was das Jachthuis zu einem echten Gesamtkunstwerk macht.

Farbige Glasfenster mit stilisierten Tierdarstellungen in einem pavillonartigen Bauwerk im Park
Die vom deutschen Künstler Arthur Henning entworfenen Bleiglasfenster in der Eingangshalle verweisen auf die Legende von Sankt Hubertus / Foto: Ingo Paszkowsky

Berlage ließ sich bei der Gestaltung vom englischen Landhausstil inspirieren, integrierte jedoch zahlreiche charakteristische Eigenheiten wie natürliche Steinmaterialien, geglättete Fliesen, Kassettendecken und eine präzise geometrische Anordnung der Raumstruktur. Der auffällige Turm des Jachthuis, der nicht typisch für englische Landhäuser ist, wurde auf Wunsch der Eheleute Kröller gebaut, um einen weiten Blick über die umgebende Landschaft zu ermöglichen.

Großer Speisesaal mit Holzmöbeln, langer Tafel und dekorativer Decke im Jagdhaus St. Hubertus
Esszimmer im Jachthuis Sint Hubertus / Foto: Ingo Paszkowsky

Schon von außen wirkt das Gebäude beeindruckend – mit seinem markanten Turm und der klaren Formensprache. Doch erst bei näherem Hinsehen wird deutlich, wie durchdacht hier alles gestaltet wurde.

Allerdings stellte Berlage den Bau nicht fertig, denn Helene mischte sich ständig in die Realisierung ein und verlangte Änderungen nach dem Motto „Wer die Musik bezahlt, bestimmt, was gespielt wird.“ Daraufhin kündigte Berlage noch vor Fertigstellung des Jagdhauses.

Stilvoll eingerichteter Raum mit Kamin, Sesseln und Bücherregalen im Jagdhaus St. Hubertus
Das blaue Zimmer war Helenes Wohnraum / Foto: Ingo Paszkowsky

Sichtbare Ergebnisse des Streits zwischen Auftraggeberin und Architekten sind z.B., dass unter dem Teppich im Esszimmer keine Fliesen sind, damit der Tisch nicht verschoben werden konnte oder die Eule am Treppenaufgang mit Klebstoff befestigt wurde, damit sie nicht einfach umgesetzt werden konnte. Henry van de Velde führte die Arbeit schließlich zu Ende.

Stilvoll eingerichteter Raum mit Holzmöbeln, Rundtisch und dekorativen Fliesen im Jagdhaus
Das blaue Zimmer war Helenes Wohnraum / Foto: Ingo Paszkowsky

Das Jagdhaus wurde mit den modernsten technischen Einrichtungen ausgestattet. Es war eines der ersten Häuser in den Niederlanden mit einem elektrischen Aufzug. Alle Uhren mussten exakt die gleiche Uhrzeit anzeigen. Sie konnten mittels eines zentralen Uhrwerks im Zimmer des Hausmeisters eingestellt werden.

Heute wird das Jagdhaus von der Niederländischen Regierung gelegentlich als Gästehaus benutzt. So hatte der ehemaligen US-Präsident Barack Obama dort übernachtet.

Man kann das Jagdhaus teilweise im Rahmen einer Führung besichtigen, aber nur mit Voranmeldung.

Modernes Restaurant mit Holzmöbeln und geschwungener Decke
Restaurant De Hoge Veluwe / Foto: Ingo Paszkowsky

Praktische Tipps für deinen Besuch

  • Zeit einplanen: Ein halber Tag reicht kaum aus – besser ist ein ganzer Tag, noch besser sind zwei Tage.
  • Eintrittskarten: Am besten vorher online buchen. Du benötigst auf jeden Fall eine Karte für den Park. Zusätzlich kannst du das Museum und Führungen sowie Workshops buchen.
  • Fahrrad nutzen: Die kostenlosen „Witte Fietsen“ sind ideal, um den Park flexibel zu erkunden
  • Kombination nutzen: Museum und Natur gehören hier zusammen – beides einplanen
  • Wetter beachten: Gerade bei gutem Wetter entfaltet der Park seine volle Wirkung
  • Pausen einlegen: Es gibt viele schöne Plätze, um einfach innezuhalten

Titelbild / Mark di Suvero, K-Stück, 1972, lackierter Stahl / Foto: Ingo Paszkowsky


Transparenz-Mitteilung

Die Recherche für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien, PR-Agenturen und bzw. oder Tourismus-Behörden.
Unsere Berichterstattung ist davon unabhängig. Die Unterstützung hat keinen Einfluss auf Inhalt, Ausrichtung oder Tonalität unserer Artikel.


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