Beliebt bei einheimischen und Touristen ist die alte Markthalle. Foto: Ingo Paszkowsky

Ungarn: Wohin in Budapest?

Genaugenommen müsste Budapest eigentlich Bad Budapest heißen, denn überall in der Stadt findet man Heilbäder. Hauptsächlich wurden die heute noch existierenden Bäder von den Türken vor rund 500 Jahren gebaut, wie beispielsweise das Rudas Bad. Aber bereits vor den osmanischen Eroberern entdeckten die Römer die Heilwirkung der Quellen. Das Quellwasser wirkt bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, des Kreislaufs oder bei Frauenkrankheiten heilend. Ungarns Hauptstadt verfügt insgesamt über 123 Quellen und Brunnen, die tagtäglich eine Wassermenge von 70 Millionen Litern zutage fördern. Damit ist die Stadt Budapest die Hauptstadt mit den meisten Heil- und Thermalquellen der Welt.

Und es ist erstaunlich, wie selbst bei hohen Außentemperaturen im Sommer, diese Warmbäder extrem besucht werden – von alt und jung.


Vom Dach des Rudas Bades hat man einen schönen Blick über die Stadt und die Donau. Foto: Ingo Paszkowsky
Vom Dach des Rudas Bades hat man einen schönen Blick über die Stadt und die Donau. Foto: Ingo Paszkowsky

Der Badekomplex des Rudas Bades liegt unmittelbar an der Donau am Fuße des Gellért-Berges. Es wurde im Jahr 1550 errichtet und befindet sich heute noch annähernd im fast 450 Jahre alten Originalzustand. Damit ist es das älteste und gilt als eines der schönsten, der noch von den Türken erbauten Bäder Budapests. Das vielfach erweiterte Gebäude verfügt über ein Thermalbad, ein Hallenschwimmbad sowie eine Physiotherapieabteilung mit fachärztlicher Betreuung. Das heiße Quellwasser enthält Kalzium, Magnesium, Hydrogenkarbonat, Natrium, Sulfat und ist reich an Fluorid-Ionen.

Die Tiefe des artesischen Brunnens im Széchenyi Heilbad liegt bei 960 Metern. 760 Kubikmeter des 73 °C heißen Heilwassers sprudeln stündlich aus dem Brunnen. Foto: Ingo Paszkowsky
Die Tiefe des artesischen Brunnens im Széchenyi Heilbad liegt bei 960 Metern.
760 Kubikmeter des 73 °C heißen Heilwassers sprudeln stündlich aus dem Brunnen. Foto: Ingo Paszkowsky

Das Széchenyi Heilbad wurde 1913 eröffnet und befindet sich im Stadtwäldchen im nordöstlichen Teil von Pest. Die Tiefe des artesischen Brunnens liegt bei 960 Metern. 760 Kubikmeter des 73 °C heißen Heilwassers sprudeln stündlich aus dem Brunnen. Heute besteht es aus den drei Teilen Schwimmbad, Heilbad und Tagesklinik. Im größten Thermalquellenbad Europas schwimmen Touristen, aber auch viele Einheimische in drei Außenbecken und 15 Innenbecken. Als Unterstützung der physiotherapeutischen Behandlungen dienen das Bewegungsbad oder Wannenbad mit Heilwasser, Schlammbehandlungen, das Unterwassertraktionsbad, das Kohlensäurebad, eine Elektrotherapie, Heilgymnastik oder auch Massagen.

Insgesamt finden sich im Gellért Bad drei Außenbecken und zehn Innenbecken mit Wassertemperaturen zwischen 26 und 38 °C. Foto: Ingo Paszkowsky
Insgesamt finden sich im Gellért Bad drei Außenbecken und zehn Innenbecken mit Wassertemperaturen zwischen 26 und 38 °C. Foto: Ingo Paszkowsky

Das Gellért Bad als Teil des Hotel Gellért befindet sich, ebenso wie das Rudas Bad, am Fuße des Gellért-Berges im südöstlichen Teilvon Buda. Es wurde im Jahr 1918 eröffnet und gilt heute ebenso wie das Rudas Bad als eines der schönsten Thermalbäder Ungarns. Insgesamt finden sich im Gellért Bad drei Außenbecken und zehn Innenbecken mit Wassertemperaturen zwischen 26 und 38 °C. Das Heilwasser hier findet Anwendung bei degenerativen Erkrankungen der Gelenke, Wirbelsäulenerkrankungen, Arthritis, Bandscheibenvorfällen, Gefäßkrankheiten, Asthma, sowie bei chronischer Bronchitis.

Einige werden sich erinnern: Das Gellért-Bad war wegen eines Sexskandals eine Zeit lang in den deutschen Medien präsent. Leitende Versicherungsvertreter und „verdienstvolle“ Vertriebsmitarbeiter der Hamburg Mannheimer, das Unternehmen gehört zum ERGO-Konzern, feierten im Juni 2007 mit Prostituierten und barbusige Hostessen ihre Vertriebserfolge. Die Budapester schmunzeln noch heute darüber und machen ihre Scherze. Man solle auf die Farbe seines (Schlüssel-) Bandes achten, das man am Eingang des Bades erhalte. Prostituierte und Hostessen waren bei der Versicherungsparty mit farbigen Bändchen gekennzeichnet, damit jeder Teilnehmer wusste, für welche Dienste sie zur Verfügung standen.

Budapest Bäderkultur reformiert zu internationaler SPArty-Szene

Die Bäder stehen aber nach wie vor für Partys zur Verfügung. Das Rudas Bad war übrigens der Ursprung der extravaganten Budapester SPArty-Bewegung. Das weltweite Interesse bei den 20- bis 25-Jährigen an historischem Ambiente und Bäderkultur des 21. Jahrhunderts mit Musik und Tanz, Lasershow und Visual Attraktionen, Akrobatik Beilagen ist derart angesagt, dass die SPArty-Szene mittlerweile jede Woche in den Sommermonaten im Szechenyi Bad und im Winter im Lukacs Bad das internationale Publikum nach Budapest zieht. Über 40 Prozent der Gäste kommen aus Übersee und 50 Prozent aus Europa. Die SPArty-Bewegung wuchs innerhalb eines Jahres von 30.000 auf fast 45.000 Fans. Ticket ab 35 Euro. http://www.spartybooking.com

Mein Favorit in Budapest: das New York Kaffeehaus

Mein persönlicher Favorit in Budapest ist das Café New York. Café ist reichlich Understatement für das aufwändig und kunstvoll sanierte Gebäude, das zugleich Café, Restaurant und Hotel ist – und das vom Feinsten.

Architekt Alajos Hauszmann entwarf in der Gründerzeit des 19. Jahrhunderts für die New York Life Insurance Company am Budapester Großen Ring einen Versicherungspalast, in dem er all die Faktoren miteinander kombinierte, die nach außen hin Reichtum signalisierten. So entstand ein Gebäude, das sich munter vorzugsweise Stilelementen der Renaissance und des Barock bediente, um Prunk und Protz einen angemessenen Rahmen zu geben.

Seit 2006 erstrahlt das einst so bekannte Kaffeehaus New York unter seinem alten Namen im neuen Glanz. Foto: Ingo Paszkowsky
Seit 2006 erstrahlt das einst so bekannte Kaffeehaus New York unter seinem alten Namen im
neuen Glanz. Foto: Ingo Paszkowsky

Das Café New York nahm dabei von Anfang an drei Etagen dieses Hauses ein. Als es am 23. Oktober 1894 eröffnete, staunte Budapest nicht schlecht. Nach der Devise „Alles bitte eine Nummer größer“ waren mit kiloweise Blattgold, aufwändigen Ornamenten und Reliefs aus Stuck, Marmorsäulen und prächtig geschwungenen Deckenleuchtern eindrucksvolle Säle entstanden. Innerhalb kürzester Zeit avancierte das Kaffeehaus zum Treffpunkt der ungarischen Kunst- und Theaterwelt. Auch ein gewisser Mihály Kertész verkehrte hier, bevor er als Michael Curtiz den weltberühmten Film „Casablanca“ drehte. Oder auch Alexander Korda, der später zu den wichtigsten Figuren der britischen Filmindustrie gehörte, verkehrte hier. Vielen dürfte sein bedeutender Film „Der dritte Mann“ mit Joseph Cotten und Orson Welles ein Begriff sein.

Das Café New York ist nicht nur Café und Restaurant, sondern auch ein schickes Hotel. Foto: Ingo Paszkowsky
Das Café New York ist nicht nur Café und Restaurant, sondern auch ein schickes Hotel. Foto: Ingo Paszkowsky

Die Weltwirtschaftskrise in den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts setzte dem Café New York ein Ende. Für viele Jahre wurde das Gebäude als Lagerhalle benutzt, bis es 1954 als Restaurant Hungària erneut in Betrieb ging. Aber an seine glanzvollen Zeiten konnte das Haus nicht mehr anknüpfen. Nach der Wende und einer längeren Phase der Ungewissheit wurde das Gebäude von der italienischen Hotelgruppe Boscolo Hotels im Februar 2001 übernommen. Seit 2006 erstrahlt das einst so bekannte Kaffeehaus unter seinem alten Namen im neuen Glanz.

Internationale Filmszene zu Gast in Ungarn

Auf den Spuren der internationalen Filmszene: Touren zu den Filmdrehorten von „Die Hard 5 (Stirb langsam 5)“, „München“, „Ein amerikanischer Traum“ und „Dinatopia“ durch die historische Hauptstadt Ungarns. In den letzten vier Jahren hat sich die Zahl der in Ungarn gedrehten ausländischen Film versechsfacht. Auch „An American Rhapsody“ mit Scarlett Johansson und Nastasia Kinski wurde in Budapest gedreht. Dabei spielten der Heldenplatz und das Donauufer eine tragende Rolle. Auch für den neuen „Da Vinci Code“ mit Oscar Preisträger Tom Hanks in der Hauptrolle wurde in Budapest gedreht, vor dem Opera House.

In Ungarns Küche gibt es nicht nur Gulasch und Paprika. Foto: Ingo Paszkowsky
In Ungarns Küche gibt es nicht nur Gulasch und Paprika. Foto: Ingo Paszkowsky

Vier Oscars hat die Komödie „The Grand Budapest Hotel“ abgeräumt – das ist natürlich auch ein Triumph für das Originalhotel, das den Filmemachern als Vorlage diente: das Corinthia Hotel Budapest. Das erste Grandhotel Europas, 1896 eröffnet, verfügte über einen der ältesten Kinosäle Europas, in dem die Brüder Lumière den ersten Kinofilm Ungarns vorführten.

Das Sziget Festival – Musik-Magnet Europas

Bereits 2014 explodierte nach Angaben des Ungarischen Tourismusamts der Verkauf in Deutschland und der Schweiz für die Wochentickets des trendigsten Musik-Events Europas um 150 Prozent. Das junge Publikum ist fasziniert von Programm und Künstlern. Die Bands reichen von Weltstars, über große Namen der internationalen Pop-/Rock-Szene bis hin zu kleineren Bands und Musikern aus dem Metal-, Folk-, Jazz-, Blues-, Alternativ- sowie Weltmusik-Genre. Sogar klassische Musik findet man auf dem Sziget-Festival, das jährlich über 400.000 meist junge Fans aus über 70 Ländern in die Donaumetropole lockt. Die Live-Übertragung des Festivals, auch auf spiegel.de, hat eine riesige Fangemeinde von fast fünf Millionen Zuschauern. Auf dem inseleigenen Strandbereich genießen die Festivalgäste den Sommer in Budapest inmitten der historischen Kulisse. http://szigetfest.de/

Hier ein Video zum Festival:

 

„Historischer Fassadenglanz und zeitgenössischer Hinterhof-Sound, prachtvolle Traditions-Cafés und coole Szeneclubs, Party-Stimmung und Gourmet-Genuss: Budapest hat viele Facetten. Und fast täglich kommt irgendwo eine neue hinzu“, schwärmt Csilla Mezösi, Direktorin des ungarischen Tourismusamts in Deutschland.

Historischer Fassadenglanz und zeitgenössischer Hinterhof-Sound, prachtvolle Traditions-Cafés und coole Szeneclubs, Party-Stimmung und Gourmet-Genuss: Budapest hat viele Facetten. Foto: Ingo Paszkowsky
Historischer Fassadenglanz und zeitgenössischer Hinterhof-Sound, prachtvolle Traditions-Cafés und coole Szeneclubs, Party-Stimmung und Gourmet-Genuss: Budapest hat viele Facetten. Foto: Ingo Paszkowsky

Neue Restaurants und Wine-Bars wie das Costes, Onyx oder das Borkonya bereichern die inzwischen mit internationalen Auszeichnungen bedachte Gastro-Landschaft. Blogger schwärmen von innovativen Festivals oder der neu aufkeimenden Hiking-Kultur in den Budapester Hügeln. Budapest, so heißt es, braucht deine volle Aufmerksamkeit – irgendwo gibt es immer etwas Neues zu sehen, zu erleben.

Auch in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis könne sich die ungarische Landesmetropole im internationalen Vergleich bestens behaupten. So kürte TripAdvisor Budapest (nach 2013 erneut) 2014 zu preisgünstigsten Stadt Europas.

Beliebt bei einheimischen und Touristen ist die alte Markthalle. Foto: Ingo Paszkowsky
Beliebt bei Einheimischen und Touristen ist die alte Markthalle. Foto: Ingo Paszkowsky

Allerdings war mein Eindruck in diesem August mit seinen hochsommerlichen Tagen, dass die Stadt noch viele Besucher vertragen könnte. Auf mich wirkte Budapest stellenweise sogar leer, aber vielleicht sind, die die es sich leisten können, in dem Sommer an den Balaton geflüchtet.

Hier geht es zu einem Beitrag über Zahnbehandlungen in Budapest.

Ingo Paszkowsky

Titelfoto / Beliebt bei Einheimischen und Touristen ist die alte Markthalle gleichermaßen. / Foto: Ingo Paszkowsky

Weitere Ein- und Ansichten:

 

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