Das Rijksmuseum Amsterdam erstrahlt nach umfassender Modernisierung

Das Rijksmuseum öffnet nach einem zehnjährigen Umbau, bei dem das Museum renoviert, restauriert und umgebaut wurde, am 13. April 2013 seine Türen. Im neuen Rijksmuseum werden in einer eindrucksvollen Abfolge von 80 Galerien über 8.000 Kunstwerke und historische Objekte zu sehen sein, die die Entwicklung der 800‐jährigen Geschichte der Niederlande und der niederländischen Kunst seit dem Jahr 1200 bis zur Gegenwart veranschaulichen.

Das Rijksmuseum hat bereits seit 1885 seinen Sitz in dem vom niederländischen Architekten Pierre Cuypers (1827–1921) entworfenen Gebäude, das mehr als ein Jahrhundert lang intensiv genutzt wurde, bevor umfassende Renovierungspläne gemacht wurden. Das spanische Architekturbüro Cruz y Ortiz Arquitectos aus Sevilla hat das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert in ein modernes Museum des 21. Jahrhunderts verwandelt. Eingerichtet wurden die Galerien vom Pariser Designer Jean‐Michel Wilmotte, der die Pracht des 19. Jahrhunderts mit modernem Design vereinte.

Neues Atrium, 2012. Foto: Pedro Pegenaute / Rijksmuseum
Neues Atrium, 2012. Foto: Pedro Pegenaute / Rijksmuseum

Grundriss rekonstruiert

Im Anschluss an ein europaweites Ausschreibungsverfahren hat ein Ausschuss unter Vorsitz des niederländischen Generalbaumeisters Jo Coenen dem spanischen Architekturbüro Cruz y Ortiz Arquitectos aus Sevilla den Auftrag für die architektonische Leitung des Umbaus des Rijksmuseum erteilt. Cruz y Ortiz schlug vor, das Gebäude selbst nur geringfügig zu verändern. So haben die Architekten des Architekturbüros den vom ursprünglichen Architekten des Museums Pierre Cuypers entworfenen klaren Grundriss rekonstruiert, indem sie das Gebäude von den später hinzugefügten Konstruktionen befreit haben, wodurch wieder ein einheitliches Ganzes entstand.
Auf diese Weise ist das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert in ein helles und geräumiges Museum des 21. Jahrhunderts umgebaut worden. Das neue Rijksmuseum umfasst einen eindrucksvollen Eingangsbereich, einen neuen Asiatischen Pavillon, einen neuen Ausstellungsbereich im Freien und einen Garten, hochmoderne Einrichtungen, unter anderem neue Essbereiche, einen Shop, eine restaurierte Bibliothek und Theaterräume, erneuerte Ausbildungseinrichtungen, einen neuen Diensteingang und ein separates Gebäude für die Konservierung der Sammlung, sowie Klimatisierungs‐ und Sicherheitseinrichtungen, die den aktuellen Anforderungen entsprechen.

Auch die hohen, geräumigen Galerien aus dem späten 19. Jahrhundert haben ihre alte Pracht zurückerhalten. Dem Vorhaben entsprechend, das Gebäude zu restaurieren, wo dies möglich ist, werden die ursprünglichen monumentalen Ornamente, die die Wände und Decken schmückten, wieder in die Ehrengalerie, die Eingangshalle, den Nachtwache‐Saal und die Treppenhäuser zurückkehren. Cuypers Stilmerkmale sind in der Bibliothek am besten erhalten, in der die ursprüngliche Gestaltung und die Originalornamente größtenteils erhalten geblieben sind.

Ehrengalerie, 2012. Foto: Jannes Linders / Rijksmuseum
Ehrengalerie, 2012. Foto: Jannes Linders / Rijksmuseum

Der französische Innenarchitekt Jean‐Michel Wilmotte, der für seine Arbeit im Louvre international gerühmt wurde, wurde mit der Gestaltung der Inneneinrichtung des umgebauten Rijksmuseums beauftragt. Sämtliche Ausstellungselemente für die Galerien, mit denen das restaurierte Museum des 19. Jahrhunderts vervollständigt wird, wurden von Wilmotte entworfen, einschließlich Schaukästen, Sockel, Beleuchtung und Möbel. In Rücksprache mit Cruz y Ortiz hat Wilmotte außerdem das Farbkonzept für die Inneneinrichtung gewählt und sich dabei von Pierre Cuypers Farbenpalette für das Gebäude inspirieren lassen.

Atrium

Die Architekten von Cruz y Ortiz haben einen eindrucksvollen Eingangsbereich geschaffen, der alle Anforderungen eines führenden internationalen Museums erfüllt. So wurden die in den Nachkriegsjahren errichteten Gebäude, mit denen die beiden Innenhöfe des Museums damals teilweise zugebaut wurden, abgerissen, so dass die Innenhöfe wieder offen sind. Außerdem wurde ein zweiteiliges, 2.250 Quadratmeter großes Atrium geschaffen, indem der Boden der beiden Innenhöfe unter die Geländeoberkante gesenkt wurde und die beiden Höfe durch einen unterirdischen Gang unter dem ursprünglichen Korridor durch das Gebäude miteinander verbunden wurden. Das Atrium ist von diesem Korridor aus zugänglich, der mit Glaswänden versehen wurde, durch die man beim Vorbeigehen den Ausblick auf die Innenhöfe genießen kann.

Das Atrium selbst besitzt hohe verglaste Decken, der Fußboden ist aus hellem, poliertem portugiesischem Stein und reflektiert das Tageslicht, damit die weitläufigen Innenhofbereiche hell und freundlich erscheinen. Umgeben sind die Innenhöfe von den warmen Backsteinfassaden der Museumsgebäude mit ihren zahlreichen Fenstern und Erkern.

Das lichtdurchflutete Atrium ist ein einladender Raum im Herzen des Museums und auch für Besucher ohne Eintrittskarte zugänglich. Im Eingangsbereich befinden sich ein Café, die Museumskasse und die Garderobe.

Großer Saal, 2012. Foto: Jannes Linders / Rijksmuseum
Großer Saal, 2012. Foto: Jannes Linders / Rijksmuseum

Asiatischer Pavillon

Der von Cruz y Ortiz entworfene freistehende Asiatische Pavillon befindet sich im Garten südlich des Rijksmuseum mit Blickrichtung Museumplein und ist von Wasser umgeben. Durch seine Fassade aus Glas und hellem portugiesischem Stein hebt sich das zweistöckige Gebäude mit den unregelmäßigen Formen von den roten Backsteinwänden des Rijksmuseum ab. Der Pavillon kennzeichnet sich durch die zahlreichen schräg stehenden Wände und Sichtlinien und ist über einen unterirdischen Gang mit dem Hauptgebäude verbunden.

Der Pavillon ist zur Ausstellung von Objekten und Kunstwerken aus China, Japan, Indonesien, Indien, Vietnam und Thailand von 2000 v.Chr. bis 2000 n.Chr. vorgesehen. Auf seinen 670 Quadratmetern wird die umfassende Sammlung von insgesamt 365 Objekten asiatischer Kunst des Museums auf harmonische Art und Weise präsentiert.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Gartens hat Cruz y Ortiz zwischen der Cuypers‐Villa und der Teekenschool (Zeichenschule) ein weiteres kleines Gebäude errichtet: den neuen Diensteingang, über den man durch einen Tunnel ins Museum gelangt.

Neues „Freiluftmuseum“

Im Zuge des Umbaus des Rijksmuseum wurde auch ein großer öffentlicher Platz für Besucher in Form eines 14.500 Quadratmeter großen historischen Gartens geschaffen. Die Gestaltung dieses Gartens basiert auf einem Entwurf des Museumsarchitekten Pierre Cuypers aus dem Jahre 1901 und wurde vom niederländischen Landschaftsarchitekturbüro Copijn realisiert. Der Garten weist mehrere der ursprünglichen formalen Gartenstile auf, sowie restaurierte Statuen und Teile antiker Gebäude. In Kürze wird dieses „Freiluftmuseum“ auch um einen Brunnen, einen Teich, ein Gewächshaus und einen Garten für Kinder erweitert. Am 21. Juni 2013 wird im Garten eine Ausstellung zum englischen Bildhauer Henry Moore eröffnet. Es wird die erste einer Reihe internationaler Skulpturenausstellungen sein, die jeden Sommer veranstaltet werden.

Neues Atrium, 2012. Foto: Pedro Pegenaute / Rijksmuseum
Neues Atrium, 2012. Foto: Pedro Pegenaute / Rijksmuseum

Das Ateliergebäude

Das Ateliergebäude bietet Raum für die Konservierung und Verwaltung des niederländischen Kulturerbes und umfasst ein Zentrum für Restauration und Konservierung, wissenschaftliche Arbeit sowie Forschung und Ausbildung. Es wurde 2007 eröffnet und beherbergt Abteilungen sowohl des Rijksmuseums als auch der Universität Amsterdams.

Das vom Rijksmuseum und dem niederländischen Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft in Auftrag gegebene und vom niederländischen Hoch‐ und Tiefbauamt entwickelte Ateliergebäude war das erste Gebäude, das von Cruz y Ortiz im Zuge des Umbaus des Rijksmuseums fertiggestellt wurde.

Mit einer Fläche von über 9.000 Quadratmetern verschmilzt das neu gebaute Ateliergebäude mit einem bestehenden von Pierre Cuypers entworfenen Gebäude, dem sogenannten Sicherheitsinstitut. Die Backsteinfassade des Gebäudes ergänzt die des Rijksmuseum und die des umgebenden Gebäudes, doch die Architekten haben eine wiedererkennbare charakteristische Silhouette geschaffen, mit deren Hilfe das Gebäude leicht zu identifizieren ist.

Funktionalität war der Hauptaspekt beim Entwurf des Gebäudes. Die ungewöhnliche Zickzack‐Struktur des Daches, die verglaste Nordfassade und die abgewinkelten dreieckigen Fenster der Seitenwand sorgen dafür, dass nur Nordlicht eintritt und direktes Sonnenlicht vermieden wird. Alle Atelierräume, Flure, Türen und Aufzüge sind höher und breiter als üblich, sodass auch große Kunstwerke hindurch‐ bzw. hineinpassen.

Teekenschool

Das interdisziplinäre Ausbildungszentrum des Rijksmuseums erhält einen Platz in der historischen Zeichenschule Teekenschool. Bei der Renovierung hat das Schulgebäude seine ursprüngliche Funktion als ein Ort des Lernens zurückerhalten, sodass es nun das Museumserlebnis bereichert, indem es Kunstfreunden jeden Alters Möglichkeiten bietet, an speziell entwickelten Programmen rund um die Sammlung des Rijksmuseums teilzunehmen.

Die 1892 gegründete Teekenschool verdankt ihren Namen ihrer ursprünglichen Funktion als Zeichenschule und Vorläuferin der Gerrit Rietveld Akademie. Das Konzept und die Gestaltung des Gebäudes wurden vom Architekten Pierre Cuypers entwickelt, der es als einen Ort ansah, der zur Qualitätssteigerung der Kunstausbildung in den Niederlanden beitragen sollte.

Das restaurierte Gebäude wird das größte Museumsausbildungszentrum der Niederlande sein. In den drei modernen Ateliers des Zentrums, die durch das Motto „Wer aktiv teilnimmt, lernt die Kunst des Betrachtens” miteinander verbunden sind, finden unterschiedliche Aktivitäten statt.

Philips‐Flügel

Während des zehnjährigen Umbaus des Rijksmuseums ist der Philips‐Flügel für Besucher geöffnet geblieben und beherbergte die Ausstellung Die Meisterwerke des Rijksmuseum. Nach der Wiedereröffnung des Museums im April 2013 wird der Philips‐Flügel wegen Renovierungsarbeiten geschlossen werden. Für die Neugestaltung wird wiederum das spanische Architekturbüro Cruz y Ortiz verantwortlich sein, das die Räumlichkeiten in ein neues Zuhause für Sonderausstellungen umgestalten soll.

ZAHLEN & FAKTEN

Gesamtgröße des Gebäudes: 30.000 Quadratmeter

Gesamte Ausstellungsfläche: 10.000 Quadratmeter, davon 3.000 Quadratmeter neue Ausstellungsfläche

Gesamtzahl der Galerien: 80 Galerien

Das Museum wird jährlich ca. 1,5 bis 2 Millionen Besucher empfangen können. Der Rundgang durch die 80 Galerien des Museums umfasst insgesamt ca. 1,5 Kilometer.

Einrichtungen: Zeichenschule, Restaurierte Bibliothek, Vortragssaal, Museumsshop im Atrium, Café im Atrium, Restaurant im Philips‐Flügel [ab 2014], Café im Philips‐Flügel [ab 2014]

www.rijksmuseum.nl