Am Flughafen Frankfurt soll das Warten auf den Abflug komfortabler und das Einsteigen ins Flugzeug einfacher werden. Lufthansa und Flughafenbetreiber Fraport haben Ende Oktober 2026 im Terminal 1 das sogenannte „Gate of the Future“ eröffnet. Am Flugsteig A16 erproben die beiden Unternehmen digitale Bodenmarkierungen, eine neue Steuerung der Passagierströme, mobile Betreuung und einen Wartebereich mit Lounge-Atmosphäre. Was bringt das den Reisenden?
Wer am Frankfurter Flughafen auf seinen Abflug wartet, kennt das übliche Bild: Sitzreihen, Informationsanzeigen und einen Gate-Schalter, an dem sich vor dem Boarding häufig eine Schlange bildet. Lufthansa und Fraport wollen dieses Konzept verändern. Am Gate A16 im Terminal 1 haben sie einen Testbereich eingerichtet, der digitale Informationen, persönliche Betreuung und Aufenthaltskomfort stärker miteinander verbinden soll.
Dabei geht es nicht allein um ein moderneres Erscheinungsbild. Auch die Arbeitsabläufe des Bodenpersonals werden neu organisiert. Das gemeinsame Ziel: Passagiere sollen schneller Informationen erhalten, Mitarbeitende flexibler reagieren können und das Einsteigen ins Flugzeug möglichst reibungslos funktionieren.
Große Bildschirme informieren rund um die Uhr – und rundherum
Eine der auffälligsten Veränderungen sind großflächige LED-Wände und rundum mit Bildschirmen ausgestattete Säulen. Diese sogenannten 360-Grad-Displays lassen sich aus verschiedenen Richtungen ablesen.
Sie zeigen Abflugzeiten, Boarding-Status, Informationen zum Handgepäck und aktuelle Gate-Änderungen an. Standardinformationen werden auch mehrsprachig dargestellt.
Passagiere sollen dadurch schneller erkennen, wann ihre Boardinggruppe aufgerufen wird und welche Hinweise für ihren Flug wichtig sind.
Über QR-Codes gelangen Reisende außerdem zu digitalen Selbstbedienungsangeboten, beispielsweise zur Lufthansa-App. Informationen und Dienstleistungen lassen sich damit direkt über das eigene Smartphone abrufen.

Digitale Bodenmarkierungen statt Absperrbänder
Eine besonders interessante Neuerung findet sich direkt auf dem Boden des Gates. Dort werden die Boardinggruppen über digitale Markierungen angezeigt. Die Technik wird als „Smart Floor Signage“ bezeichnet.
Bisher werden die Warteschlangen am Gate häufig mithilfe von Absperrbändern und kleinen Schildern organisiert. Gerade bei stark frequentierten Abflügen kann das unübersichtlich werden. Reisende stehen mitunter bereits am Gate-Eingang, obwohl ihre Boardinggruppe noch gar nicht aufgerufen wurde.
Die neuen Bodenmarkierungen sollen den Passagieren deutlicher zeigen, wo sie sich für ihre jeweilige Boardinggruppe einordnen können. Herkömmliche Absperrbänder könnten damit überflüssig werden.
Das soll nicht nur die Orientierung verbessern, sondern auch das Gate-Personal entlasten. Ob die digitale Wegeführung tatsächlich für kürzere Warteschlangen sorgt, wird sich allerdings erst im laufenden Betrieb zeigen.
Sensoren erfassen Passagierströme anonym
Hinter den Kulissen kommt eine weitere Technologie zum Einsatz. Oberhalb des Gate-Bereichs erfassen sogenannte LiDAR-Sensoren die Bewegungen der Passagiere.
LiDAR steht für „Light Detection and Ranging“. Vereinfacht gesagt messen solche Sensoren mithilfe von Laserlicht Abstände und Bewegungen im Raum.
Nach Informationen der Fachpublikation invidis erfolgt die Erfassung am Gate A16 anonymisiert. Untersucht werden unter anderem die Boardingdauer, die Bildung von Warteschlangen sowie Laufwege und Aufenthaltszeiten.
Die Daten sollen den Betreibern helfen, Schwachstellen im Ablauf zu erkennen und die Wirkung der neuen Bodenmarkierungen zu beurteilen.
Langfristig könnten solche Messungen auch dabei helfen, die Personalplanung zu verbessern oder Boardingverfahren an das tatsächliche Passagieraufkommen anzupassen.
Lufthansa-Personal betreut Passagiere direkt im Wartebereich

Eine weitere wesentliche Neuerung betrifft die Arbeit der Gate-Mitarbeitenden. Statt überwiegend hinter einem Schalter zu sitzen, bewegen sie sich im Wartebereich und können aktiv auf Reisende zugehen.
Dafür sind sie mit Tablets ausgestattet, über die verschiedene Systeme zur Passagierabfertigung auf einer gemeinsamen Benutzeroberfläche zugänglich sind.
So können Mitarbeitende beispielsweise bei Sitzplatzreservierungen, Umbuchungen und Upgrades unterstützen oder Fragen zum Flug beantworten. Über die Tablets lassen sich außerdem automatische Durchsagen am Gate steuern.
Der klassische Gate-Counter verschwindet allerdings nicht vollständig. Er wird auf einen Arbeitsplatz reduziert.
Für Passagiere könnte das vor allem dann hilfreich sein, wenn kurzfristig Probleme auftreten oder sie persönliche Unterstützung benötigen. Statt sich an einer langen Schlange vor einem Schalter anzustellen, könnten sie direkt im Wartebereich angesprochen werden.
Arbeiten und entspannen wie in einer Lounge
Auch die Einrichtung unterscheidet sich von einem herkömmlichen Abflugbereich. Statt ausschließlich auf klassische Sitzreihen zu setzen, haben Lufthansa und Fraport eine Umgebung geschaffen, die teilweise an eine Flughafenlounge erinnert.
Gemütliche Sofas und ausgewählte Kunstwerke sollen den Aufenthalt angenehmer gestalten. Hinzu kommen sogenannte „Working Cubes“: flexible Arbeitsbereiche, die mehr Ruhe und Privatsphäre bieten sollen.
Damit richtet sich das Konzept auch an Geschäftsreisende und andere Fluggäste, die ihre Wartezeit zum Arbeiten nutzen möchten.
Eine klassische Lufthansa-Lounge ist das neue Gate allerdings nicht. Es handelt sich weiterhin um einen regulären Abflugbereich und nicht um ein separates Angebot ausschließlich für Business-Class-Passagiere oder Vielflieger mit entsprechendem Status.
Kann das neue Gate das Boarding tatsächlich beschleunigen?
Der eigentliche Test geht über die modernisierte Einrichtung hinaus. Lufthansa und Fraport wollen herausfinden, wie sich digitale Informationen, neue Wegeführung und persönliche Betreuung miteinander verbinden lassen.
Besonders interessant ist dabei das Zusammenspiel zwischen den Bodenmarkierungen und den Sensoren. Während die Markierungen den Reisenden den Weg weisen, liefern die Sensoren Daten darüber, wie die Passagiere auf das neue System reagieren.
Das könnte künftig ermöglichen, Abläufe stärker am tatsächlichen Passagierverhalten auszurichten, statt sich ausschließlich auf standardisierte Planungswerte zu verlassen.
Allerdings hängt die Boardingdauer von zahlreichen weiteren Faktoren ab, darunter die Flugzeuggröße, die Zahl der Passagiere, das mitgeführte Handgepäck und die Organisation des Einstiegs.
Selbst eine gut funktionierende Wegeführung garantiert deshalb noch keinen schnelleren Abflug. Ob das neue Konzept die Abläufe messbar verbessert, müssen die Betreiber erst nachweisen.
Gate A16 dient als Testlabor für weitere Flughäfen
Das „Gate of the Future“ ist zunächst ein Pilotprojekt. Lufthansa und Fraport wollen am Gate A16 untersuchen, welche Neuerungen sich bewähren und von den Passagieren angenommen werden.
Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen als Entscheidungsgrundlage dienen, welche Elemente später auch an anderen Gates oder in weiteren Bereichen des Frankfurter Flughafens eingesetzt werden könnten.
Einen konkreten Zeitplan für eine flächendeckende Einführung haben die Unternehmen bislang nicht genannt.
Quellen und weiterführende Informationen
- Lufthansa Group: Lufthansa und Fraport eröffnen „Gate of the Future“ am Flughafen Frankfurt, 27. Oktober 2026
- invidis: Fraport und Lufthansa – LED heben (sich) in Frankfurt ab, 21. Oktober 2026
- airliners.de: Lufthansa und Fraport eröffnen Gate of the Future, 27. Oktober 2026
Titelfoto / Zwei große Displays kennzeichnen das neue „Gate of the Future“ am Flugsteig A16 im Terminal 1 des Flughafens Frankfurt. Foto: Oliver Roesler; Bildquelle: Lufthansa Group.
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