Disneyland Paris: Hinter den Kulissen – Traumjob Imagineer

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Portrait von Björn Heerwagen, Toy Story Playland Show Manager

Paris – An den riesigen Fußabdrücken ist es deutlich zu erkennen: Andy war kurz im Garten und hat seinen Cowboy Woody mitgenommen. Jetzt sind sie beide fort. Für die zurück gebliebenen Spielsachen heißt das: Ist Andy, der Junge aus „Toy Story“, nicht da, erwachen sie zum Leben und können die Sau rauslassen. Eine Gelegenheit, die sich Space Ranger Buzz Lightyear, Slinky Dog, die kleinen grünen Soldatenmännchen und das Rennauto RC Racer nicht entgehen lassen.

Die Frage der Proportionen ist knifflig

Wie sich das für Erwachsene und Kinder anfühlt, auf Spielzeuggröße zu schrumpfen, können die Besucher im „Toy Story Playland“ erleben. Einer von denen, die diese überdimensionierte Welt mitentwickelt haben, ist Björn Heerwagen. Mit Stolz streift der Show Design- und Production Manager durch „Andys Garten“. Der 42-Jährige ist ein „Imagineer“ – eine Profession, die das Kreative mit dem technischen Knowhow verbindet, und eben solche zauberhaften Attraktionen erst ermöglicht. Heerwagen zeigt auf all die verschiedenen Details, die das Toy Story Playland so authentisch machen wie eben die Abdrücke von Andys Turnschuhen auf dem Boden, die aufeinander gebauten Dominosteine, die die Gartenmauer bilden, der gelb-blaue Baseball mit dem roten Stern, der offenbar vergessen wurde und nun auf der Wiese liegt, die zusammensteckbaren bunten Holzteile und der Bambus, der das hohe Gras darstellt. Auch die Farben der einzelnen Spielzeuge stimmen perfekt mit denen aus den computeranimierten Filmen überein. Eine Herausforderung bei der Entwicklung sei unter anderem gewesen, ein einzigartiges Land zu schaffen, in dem sich Elemente aus allen drei „Toy Story“-Filmen wiederfinden, sagt Heerwagen. Nicht einfach zu lösen, war auch die Frage der Proportionen. „Wir mussten uns überlegen, wie wir die gerade mal Hand oder Unterarm großen Spielzeuge maßstabsgerecht aber übergroß gestalten können. Dazu braucht man viel Phantasie und Kreativität“, sagt Heerwagen, dessen Vater ein gebürtiger Hamburger ist und selbst in England aufgewachsen ist.

Man braucht viel Phantasie und Kreativität für den Job. Foto: Disney
Man braucht viel Phantasie und Kreativität für den Job. Foto: Disney

Generell müssen die Entwickler Attraktionen erschaffen, die für eine bestimmte Kapazität von Besuchern ausgelegt sind, und die nicht störanfällig, sondern äußerst robust sind. Ein weiterer zentraler Punkt bei solchen Fahrgeschäften ist, dass von außen die hochkomplizierte Technik verborgen bleiben soll und sie stimmig in das gesamte Erscheinungsbild zu integrieren ist. Damit eine perfekte Abbildung der aus den Filmen bekannten Originale gelingt, verwenden die Imagineer als Material eine gipsähnliche plastische Masse, die sich hervorragend formen und bemalen lässt sowie witterungsbeständig ist.

Um solche kniffligen Aufgaben zu lösen, sei es von Vorteil wie er „aus dem Showbusiness zu kommen“, sagt der schlaksige Imagineer. So ist Heerwagen ein diplomierter Theater-Manager und hat eine Technik-Lizenz für die Bühne. Nachdem er drei Jahre an Musicaltheatern im Londoner Westend gearbeitet hatte, wechselte er 1991 ins Disneyland Resort Paris, wurde dort Technik-Leiter für die Wild West Show. Dann wechselte er nach Florida, war an der Entwicklung von zwei „Disney Cruises“-Schiffen beteiligt und später zuständig für den Bereich Special Event. Im Jahr 2000 kehrte er in das Disneyland Resort Paris als „Imagineering Project Manager“ zurück, arbeitete mit an der Konstruktion des Walt Disney Studios Parks und weiteren Attraktionen, ist heute Show Manager des „Toy Story Playland“.

Zurück in der Kindheit

Björn Heerwagen möchte „die Besucher in ihre Kindheit zurückbringen und sie auf einer gefühlvollen Ebene ansprechen“. Das ist den Entwicklern vom Toy Story Playland, die sich aus Konstrukteuren, Zeichnern, Schreibern, Ingenieuren und eben Imagineers zusammensetzen, bestens gelungen. Die Besucher können in das Spielzeugauto RC Racer klettern und sich in der 25 Meter Halfpipe rasant in die Höhe katapultieren lassen. Welchen Spaß die Leute dabei haben, ist in Andys Garten nicht zu überhören: Immer wieder ertönt lautes, schrilles Gekreische, wenn das Rennauto mit vollem Karacho nach oben rast.

Beim Gang durch das Playland deutet Björn Heerwagen auf einen grauen Verschlag mit dem riesigen roten Schieberegler, wie es eben in echt zum RC Racer gehört. Aber hier drin ist die Technik für die Halfpipe versteckt – von außen nicht zu erkennen. Nach den ersten Probeläufen haben die Imagineer am Weg einen Reifen anders platziert, erklärt Heerwagen. Der hatte zuvor den Zuschauern den Blick auf die Besucher im Rennauto versperrt, die mit einer ungeheuren Wucht und Geschwindigkeit in die Höhe gleiten und genauso schnell wieder nach unten sausen. „Die Leute wollten aber die Menschen im Rennauto sehen können“, sagt Björn Heerwagen und deutet auf ein weiteres raffiniertes Detail. Gegenüber dreht Slinky Dog, der Dackel, dessen Vorder- und Hinterteil mit einer sehr dehnbaren Sprungfeder verbunden ist, seine rasanten Runden. Damit es den Besuchern beim Warten nicht zu langweilig wird, haben die Entwickler für Slinky eine überdimensionierte Spielzeug-Verpackung gebaut und auf die einzelnen Seiten Schablonen zum „Ausschneiden“ gemalt: In der Box stehen die Besucher nun und können mit den Augen die handgemalten Teile ausschneiden. Viele solcher pfiffigen Details gibt es im „Toy Story Playland“ zu entdecken. Auch mit den grünen Soldatenmännchen ist der Gast auf Augenhöhe und kann mit ihnen einen Fallschirmsprung absolvieren.

Fünf Jahre hat die Entwicklung vom „Toy Story Playland“ gedauert. 120 Mitarbeiter waren daran beteiligt. Spezialfirmen in den USA, England oder Frankreich haben dafür Teile angefertigt. Eng wurde mit den Machern von Pixar zusammengearbeitet.

Mit seinem Job ist für den 42-Jährigen, dessen Lieblings-Disney-Figur der meist gelaunte Tigger aus Winnie Puuh ist, ein Traum wahr geworden: „Wo bekomme ich denn sonst die Möglichkeit, einen 7,50 Meter hohen Buzz Lightyear zu bauen?“, fragt Björn Heerwagen, schaut dabei hoch zu seinem Kumpel aus dem Space, der im Toy Story Playland aus Fiberglas besteht, und grinst dabei spitzbübisch.

Sonja Thelen

Titelfoto / Björn Heerwagen ist Show Design- und Production Manager. / Foto: Disney

 

Was Sie sonst noch im Disneyland Paris erleben können, finden Sie in unserem Special.

 

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