Die Produktion des beliebten Großraumfliegers Airbus A380 wird 2021 eingestellt

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Irgendwie sieht die Einstellung des Riesen-Jumbos A380 von Airbus fast wie ein Geschenk an den Wettbewerber Boeing aus. Denn der feierte am 9. Februar ein Jubiläum – 50 Jahre Jumbo. Am 9. Februar 1969 hob die erste Boeing 747-100 zum offiziellen Erstflug über Seattle ab. (Lesen Sie mehr über die Boeing 747 bei der Lufthansa in diesem Beitrag.) Unter großem Jubel startete vor einem halben Jahrhundert das damals größte Düsenverkehrsflugzeug der Welt. Solch ein Jubiläum wird dem Großraumflieger aus europäischer Fertigung wohl nicht vergönnt sein.

Großraumflugzeuge nicht mehr so stark nachgefragt

Vor 50 Jahren wurden Großraumflugzeuge von den Fluggesellschaften dringend erwartet, um die wachsenden Passagierzahlen von Drehkreuz A nach Drehkreuz B zu befördern. Heute werden von den Airlines eher Flieger gefragt, die lange Strecken auch von vergleichsweise kleineren Flughäfen bedienen können. Viele Passagiere bevorzugen Direktverbindungen und wollen nach Möglichkeit keine zweitaufwendigen Zwischenstopps an Drehkreuzen.

Dabei ist so ein Super-Jumbo durchaus ökologisch sinnvoller, als der Transport der Passagiere mit mehreren Flugzeugen, wenn denn alle Plätze im Flugzeug auch belegt sind. Nur das gelingt den Airlines immer seltener. Zudem sind vierstrahlige Flugzeuge nicht mehr so gefragt, obwohl vier Antriebe vom Prinzip her sicherer sind. Fällt bei einem zweistrahligen Flieger eine Turbine aus, so ist das sicher ein anderer Umstand, als wenn dies bei einem Fluggerät mit vier Triebwerken der Fall wäre. Jedoch sind Spritverbrauch und Wartungskosten bei den Maschinen mit vier Triebwerken höher.

Innovative Meisterleistung wird zum Ladenhüter

„Die A380 ist nicht nur eine überragende technische und industrielle Leistung. Passagiere in aller Welt lieben dieses wunderbare Flugzeug“, sagte Airbus-CEO Tom Enders. Auch Piloten fliegen gerne mit dem Dickschiff. Trotz seiner enormen Größe lässt er sich so leicht fliegen wie ein A350, erzählten mir Pilotenausbilder der südkoreanischen Asiana Airlines. Bloß am Boden müssten die Piloten wegen der großen Flügelspannweite enorm aufpassen, dass sie nicht irgendwo anstießen.


Nur 12 A380 verließen 2018 die Fertigungsstätten von Airbus. Grafik: Airbus
Nur 12 A380 verließen 2018 die Fertigungsstätten von Airbus. Grafik: Airbus

Im letzten Jahr entwickelte sich der A380 immer mehr zum Ladenhüter. Lediglich 12 A380 verließen im Jahr 2018 das Werk. Dagegen boomten die Auslieferungszahlen der Kurz- und Mittelstreckenflieger-Reihe A320 mit insgesamt 626 Maschinen. Auch der modernste Langstreckenflieger von Airbus, der A350, wurde mit 93 Maschinen stark nachgefragt.

Der A380 ging nur noch mit enormen Rabatten über den „Ladentisch“. Von über 50 Prozent Nachlass vom Listenpreis wird in der Branche berichtet.

Emirates setzt weiterhin auf Airbus

Wegen mangelnden Auftragsbestandes wird Airbus die Auslieferung des A380 2021 einstellen, teilte das Unternehmen mit. Den „Todesstoß“ gab der A380-Reihe nun gerade der bisher mit Abstand größte Abnehmer der Großraumflugzeuge, die Fluggesellschaft Emirates. Die Airline mit Sitz in Dubai verfügt über die größte A380-Flotte. Aber offensichtlich muss auch Emirates sparen und bekommt die Auslastung der großen Maschinen nicht in den Griff. Ein Zeichen, dass das Geld bei dem Carrier nicht mehr so locker sitzt, dürfte zudem die immer stärkere Zusammenarbeit der beiden Airlines aus Dubai – Emirates und flydubai – sein.

Emirates reduziert ihre A380-Bestellungen von 162 auf 123 Maschinen, wobei über die nächsten zwei Jahre noch 14 verbleibende A380 in Empfang genommen werden. Die arabische Airline setzt künftig weiterhin auf Airbus und hat 40 A330-900 sowie 30 A350-900 in Auftrag gegeben. Der Wert der Vereinbarung beträgt 21,4 Milliarden US-Dollar nach Listenpreisen. Die neuesten Flugzeuge der Airbus A330neo und A350-Familie werden ab 2021 bzw. 2024 an Emirates ausgeliefert.

Die Airbus-Familie. Die letzte Auslieferung des A380 ist für 2021 geplant. Foto: Airbus
Die Airbus-Familie. Die letzte Auslieferung des A380 ist für 2021 geplant.
Foto: Airbus

Emirates wird die A330neo-Flotte auf regionalen Strecken einsetzen und damit in der Lage sein, auch kleinere Flughäfen anzufliegen sowie neue Strecken und Anbindungen innerhalb seines globalen Streckennetzes anzubieten, heißt es in einer Verlautbarung. Die A350-Flotte werde den Langstreckenbetrieb ergänzen und Emirates zusätzliche Flexibilität bei der Kapazitätsgestaltung für Flüge zwischen acht und zwölf Stunden ab dem Drehkreuz Dubai bieten.

Rentabel nur auf extrem nachgefragten Strecken

Tom Enders über die Einstellung der A380-Produktion: „Die heutige (14.2.2019 – die Redaktion) Ankündigung ist schmerzlich für uns und für die A380-Communities weltweit. Vergessen Sie aber nicht, dass die A380 noch viele Jahre lang am Himmel unterwegs sein wird. Selbstverständlich werden wir die Betreiber der A380 auch weiterhin uneingeschränkt unterstützen.“

„Die A380 wird bis weit in die 2030er Jahre eine tragende Säule unserer Flotte bleiben“, versichert Ahmed bin Saeed Al Maktoum, Chairman und Chief Executive, Emirates Airline and Group.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr ergänzt: „Der Airbus A380 ist ein faszinierendes und in vielerlei Hinsicht herausragendes Flugzeug. Eine technische Innovation und Meisterleistung aus Europa. Es hat sich allerdings gezeigt, dass ein profitabler Einsatz der A380 nur auf den extrem nachgefragten Strecken möglich ist. Wir freuen uns, dass wir den Airbus A380 auch weiterhin einsetzen können. Unsere Kunden und auch unsere Crews lieben das Flugzeug.“

Titelfoto / Der Erste A380 der japanischen Airline ANA. / Copyright Airbus 2018 / J.V. Reymondnon

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