Bäume als Denkmäler – die alten Riesen Neuseelands Diese alten urigen Riesen beeindrucken jeden (Hobby-) Botaniker


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Manche dieser gewaltigen Bäume erinnern unwilkührlich an die riesigen, alten und sprechenden Bäume in dem Filmepos Herr der Ringe, das bekanntlich in Neuseeland gedreht wurde. An Baumgart aus dem Fangorn Wald und Kollegen. Aber sicher nicht nur deswegen sind diese Naturdenkmäler ein erstrangiges Ziel für die Touristen wie auch für einheimische Besucher. Ein beeindruckendes Erlebnis für (Hobby-) Botaniker sind sie sowieso.

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Jeder etwas größere Ort in Neuseeland hat seinen eigenen Botanischen Garten oder zumindest einen ausgedehnten Park mit dem obligatorischen Rosengarten und beeindruckenden Bäumen. Zur Zeit der ersten Besiedlung von Neuseeland durch die Maori und ihre Vorfahren aus Polynesien war Neuseeland zu 80 Prozent mit Wald bedeckt. Obwohl heute nur noch ein Viertel davon übrig geblieben ist, trifft man allerorten auf beeindruckende Baum-Denkmäler. Etwa 85 Prozent aller Pflanzen in Neuseeland sind endemisch, das heißt sie kommen nirgendwo sonst auf der Welt vor. Diese Ausgangslage traf zusammen mit der Gartenkultur, die die englischen Kolonisten nach Neuseeland brachten.

Kauri-Bäume sind bedroht

Kauri-Bäume gehören zu den ältesten und größten Bäumen auf der Erde. Sie haben sogar die letzte Eiszeit überlebt. Den neuseeländischen Kauri gibt es nur auf der Nordinsel. Die größte Ansammlung von Kauris ist im Waipoua Forest zu bestaunen, zwei Stunden nördlich von Auckland. Der größte noch lebende Kauri trägt den stolzen Namen Tane Mahuta (Lord of the Forest). Er ist 51 Meter hoch, hat einen Umfang von 14 Metern und ist geschätzt 2000 Jahre alt.

Es gab in der Vergangenheit bis zu 4000 Jahre alte Bäume mit bis zu 27 Metern Umfang, aber leider gingen diese durch Waldbrände und durch die extensive Forstwirtschaft im 19. Jahrhundert verloren. 1952 wurde schließlich – nach unzähligen Petitionen und Initiativen – der Waipoua Kauri Wald unter Schutz gestellt. Aber auch heute sind die Kauris bedroht durch winzige pilzähnliche Mikroben, die durch das Schuhwerk der Besucher eingeschleppt werden und die Wurzeln der Bäume angreifen. Tane Mahuta ist nur wenige Gehminuten von der Staatstraße Nummer 12 entfernt. Die Besucher putzen ihre Schuhe sorgfältig ab und waten durch ein Desinfektionsbecken, um dann den Giganten des Waldes zu bestaunen.


Vielleicht gehören die Touristen im Jahr 2018 zu den letzten Besuchern, denn die Neuseeländische Regierung erwägt, die Kauri-Wälder gänzlich für Gäste zu sperren, um das völlige Aussterben der Kauris zu verhindern.

Kauri Tane Mahuta. Foto: Ronald Keusch

Baum-Ikone Pohutukawa

Eine weitere Baum-Ikone Neuseelands ist der Pohutukawa, auch Weihnachtsbaum genannt, da er um die Weihnachtszeit schöne rote Blüten entwickelt. Seine knorrigen Äste werden in alle Richtungen ausgestreckt und er kann eine Spannweite von fast 40 Metern erreichen. Besonders schöne, einzeln stehende Exemplare sind auf dem One Tree Hill in Auckland zu bestaunen, aber der Pohutukawa ist auch an allen Küsten zu finden, wo er dank seiner widerstandsfähigen Luftwurzeln der salzhaltigen Brise standhalten kann.

Pohutukawa Baum am One Tree Hill. Foto: Ronald Keusch

Überlebende der Eiszeit

Wo man in Neuseeland auch immer den Fuß in den nahezu undurchdringlichen gemäßigten Regenwald setzt, fühlt man sich in die Zeiten der Dinosaurier zurückversetzt. Das ist auf die allgegenwärtigen Baumfarne zurückzuführen, die sowohl mittlere Baumlagen als auch die Höhen bis zu 20 Metern dominieren. Auch sie sind „Überlebende“ der Eiszeit und haben sich über hunderte von Millionen von Jahren kaum verändert. Einer der bekanntesten ist der Silberfarn, der nicht nur die Wälder, sondern auch die Souvenirshops dominiert, in Form von Abbildungen auf diversen T-Shirts oder Kaffeebechern. Auch hierzulande haben sicher schon viele das Silberfarn-Logo der All Blacks, der Rugby Nationalmannschaft Neuseelands, gesehen. Es gab in Neuseeland 2016 einen landesweiten Volksentscheid, eine neue Nationalflagge mit dem Silberfarn anstelle des britischen Union Jack einzuführen, bei dem der neue Entwurf nur knapp der offiziell gültigen Flagge unterlag.

Baumfarne in Te Wairoa. Foto: Ronald Keusch

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Die dem Sturm trotzen

Je weiter man nach Süden kommt, um so rauer wird die Landschaft. Der Regenwald geht über in eine schroffe Küstenlandschaft mit an die Klippen tosenden Wellen, langen geschwungenen Stränden und Buchten und hügeligem Weideland. Die Catlins im äußersten Südosten Neuseelands ist eine faszinierende und noch nicht allzu touristisch erschlossene Landschaft. Wenn man ihre ganze Schönheit sehen will, sollte man sich auf einige Schotterstraßen einstellen und auf unversöhnlich stürmisches Wetter. Die wenigen Farmer haben sich dem angepasst, und vor dutzenden von Jahren Teebäume angebaut, die unter dem ständigen Windeinfluss bizarre Formen angenommen und sich über die Zeit zu einem undurchdringlichen Buschwerk um die Gehöfte gelegt haben. Wann immer man eine Ansammlung von hundert gebeugten so genannten Windflüchtern sieht, so kann man sicher sein, dass sich dahinter ein Haus oder zumindest ein Schuppen versteckt. Schon James Cook kannte die Teebäume und verwendete seine Blätter für einen Tee gegen Skorbut. Heute findet man Manuka Produkte in Form von Manuka-Honig in jedem Souvenir-Shop. Außerdem avancierte Manuka auch zu einem Exportschlager. Das Teebaum-Öl gehört zu den besten Therapien gegen juckende Sandfliegenbisse und ist in den meisten handelsüblichen Sprays enthalten.

Windflüchter am Slope Point. Foto: Ronald Keusch

Versteinerte Baumstämme an der Curio Bay

Eine ganz andere Form zeigen die Baum-Denkmäler an der Curio Bay in den Catlins. Hier sind bei Ebbe versteinerte Baumstämme zu sehen, ein geologisches Phänomen, welches um die 180 Millionen Jahre alt ist. Die jetzt versteinerten Baumstämme von urgeschichtlichen Koniferen, eng verwandt mit den modernen Kauris, wurden unter vulkanischem Schlamm begraben. Nach und nach wurden die pflanzlichen Bestandteile durch Silikate ersetzt, die jetzt Sturm und Meer und leider auch den Schuhen der Touristen ausgesetzt sind. Einige Dutzend Touristen klettern leider über gesperrte Zonen ziemlich rücksichtslos auf den Baumstämmen herum.

Versteinerte Baumstämme an der Curio Bay. Foto: Ronald Keusch

Appell der Naturschützer

In Neuseeland gibt es vielfältige Möglichkeiten, Flora und Fauna auch abseits der Schnellstraßen zu erkunden. Das Land hat einige tausend Kilometer ausgeschilderte Wanderwege zu bieten, von Kurzstrecken bis zu mehrtägigen Tracks. Viele von ihnen folgen historischen Maori Routen, durch waldbedeckte Täler, Berge und tiefe Fjorde. Die Neuseeländischen Naturschutzbehörden suchen jedes Jahr Freiwillige, um den einheimischen Wald zu schützen und zu restaurieren. Der Gefahren gibt es viele: Neben dem Kauri-Waldsterben durch Mikroorganismen sind es tierische Schädlinge wie Possums, Ziegen, Ratten und Hirsche. Allein die so niedlichen Possums fressen Nacht für Nacht 20.000 Tonnen Grün. Oder es sind auch eingeführte Gartenpflanzen, die bis in den Urwald vordringen und dann als Unkraut die einheimischen Arten verdrängen. Daher der Appell des Naturschutzverbandes an die Besucher: „Bleib auf den Wegen, um Schaden an Pflanzen, Wurzeln und die Ausbreitung von Krankheiten zu vermeiden. Wenn du einen Urwald besuchst, nimm nichts mit außer Fotos und die Erinnerung, und hinterlasse nichts als deine Fußspuren.“


Text und Foto: Ronald Keusch, April 2018

Titelfoto / Botanischer Garten Dunedin. / Foto: Ronald Keusch

Zealandia Park bei Wellington. Foto: Ronald Keusch

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Alte, beeindruckende Riesen in Neuseeland – Video-Zusammenfassung

 

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